Blattläuse an Cannabis: erkennen und ohne Pestizide bekämpfen
Kurz erklärt
Gekräuselte, klebrige Blätter an den Triebspitzen sind meist ein Befall mit Blattläusen, an Cannabis häufig der Hanfblattlaus (Phorodon cannabis). Die kleinen, weichen Insekten sitzen dicht gedrängt am Neuaustrieb, saugen Pflanzensaft und scheiden klebrigen Honigtau aus, auf dem sich Rußtaupilz ansiedeln kann. Wirksam bekämpfen lässt sich ein Befall ohne Pestizide auf Blüten durch Abspritzen mit Wasser, Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen oder Schlupfwespen sowie eine nicht zu hohe Stickstoffversorgung, die Blattläuse zusätzlich begünstigt.
Inhalt(6 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Häufige Art an Cannabis
- Phorodon cannabis (Hanfblattlaus)auf Hanf spezialisiert, andere Blattlausarten befallen Cannabis seltener zusätzlich
- Farbe
- cremefarben bis hellgrün, rosa oder hellbraunvariiert je nach Saison und Entwicklungsstadium
- Erstes Symptom
- gekräuselte, gestauchte Blätter am Neuaustriebdazu klebriger Honigtau und abgestreifte helle Häutchen
- Begünstigt durch
- milde Temperaturen und hohe Stickstoffversorgungüppiges, stickstoffreiches Wachstum begünstigt die Vermehrung deutlich
Blattläuse an Cannabis erkennen: Aussehen und Symptome
Blattläuse sind kleine, weichhäutige, birnenförmige Insekten, die sich meist in dichten Gruppen an Triebspitzen, jungen Blättern und Blattunterseiten festsetzen. An Cannabis ist die Hanfblattlaus (Phorodon cannabis) eine auf Hanf spezialisierte Art; ihre Farbe reicht von cremefarben und blassgelb bei früher Saison bis zu hellgrün, rosa oder hellbraun bei späterer Generation.
Das erste sichtbare Zeichen ist meist gekräuseltes, gestauchtes oder leicht nach innen gerolltes Blattwerk am Neuaustrieb, weil die Läuse dort mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen Pflanzensaft entziehen. Bei stärkerem Befall vergilbt das Laub, das Wachstum verlangsamt sich, und die Pflanze wirkt insgesamt welker und weniger vital. Ein zuverlässiges Diagnosezeichen ist klebriger Honigtau, eine zuckerhaltige Ausscheidung der Läuse, die Blätter und darunterliegende Pflanzenteile glänzend und klebrig erscheinen lässt. Zusätzlich hinterlassen sich häutende Läuse helle, durchsichtige Hautreste auf der Blattoberfläche, die leicht mit Schädlingseiern verwechselt werden.
Anders als bei vielen anderen Schädlingen lohnt sich bei Blattläusen ein Blick mit bloßem Auge, bevor die Lupe zum Einsatz kommt: Die Tiere sind mit ein bis vier Millimetern groß genug, um als kleine, ovale Ansammlungen an den Triebspitzen direkt aufzufallen. Wird die Pflanze leicht angestoßen oder das Blatt gewendet, lassen sich oft schon einzelne Läuse beim Wegkrabbeln beobachten, was eine erste Unterscheidung von den deutlich kleineren Spinnmilben oder Thripsen erleichtert.
Warum mildes Klima und viel Stickstoff die Vermehrung begünstigen
Blattläuse vermehren sich unter warmen Bedingungen sehr schnell: Innerhalb von nur sieben bis acht Tagen kann sich eine neugeborene Nymphe zu einem reproduktionsfähigen Weibchen entwickeln, das seinerseits ohne Befruchtung lebende Nachkommen zur Welt bringt. Diese ungeschlechtliche Vermehrung erklärt, warum sich ein zunächst kleiner Befall bei mildem Klima innerhalb weniger Wochen deutlich ausweiten kann.
Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Stickstoffversorgung: Pflanzen mit hohem Stickstoffangebot bilden weiches, stickstoffreiches Gewebe, das für saugende Insekten wie Blattläuse besonders attraktiv ist und ihre Vermehrung begünstigt. Wie sich ein Zuviel an Stickstoff auch am Blattbild selbst zeigt, beschreibt der Artikel zu dunkelgrünen Blättern. Wer die Düngung am tatsächlichen Bedarf statt am Maximum ausrichtet, senkt damit gleichzeitig das Risiko für einen Blattlausbefall.
Blattläuse ohne Pestizide bekämpfen: mechanisch, biologisch, hygienisch
Weil die Blüten von Cannabis meist unbehandelt geraucht oder weiterverarbeitet werden, sind chemische Pflanzenschutzmittel keine geeignete Option: Rückstände auf bereits angesetzten Blüten lassen sich durch Trocknen oder Verarbeiten nicht zuverlässig entfernen. Mechanische, biologische und hygienische Maßnahmen sind deshalb vorzuziehen.
Mechanisch reicht bei leichtem Befall oft schon ein kräftiger, aber schonender Wasserstrahl, um einen Großteil der Läuse von der Pflanze zu spülen. Am Boden angekommen, finden die Tiere in der Regel nicht mehr zurück auf die Pflanze. Stark befallene Triebspitzen lassen sich zusätzlich gezielt entfernen und im Hausmüll statt auf dem Kompost entsorgen.
Biologisch haben sich mehrere natürliche Gegenspieler etabliert: Marienkäfer und ihre Larven fressen große Mengen an Blattläusen, Florfliegenlarven gelten als besonders effektive Räuber und vertilgen im Larvenstadium mehrere Hundert Blattläuse, und Schlupfwespen der Gattung Aphidius legen ihre Eier direkt in Blattläuse, die dabei absterben und zu charakteristischen, aufgeblähten „Mumien“ werden. Diese Nützlinge wirken am zuverlässigsten, wenn sie früh eingesetzt werden, solange die Blattlauspopulation noch klein ist.
Hygienisch beugst du am wirksamsten vor: Eine Quarantäne neuer Pflanzen verhindert, dass ein Befall unbemerkt in den Bestand gelangt, und regelmäßige Kontrolle der Triebspitzen deckt eine beginnende Besiedlung auf, bevor sie sich ausbreitet. Wie sich verschiedene Nützlinge sinnvoll kombinieren lassen, beschreibt der Artikel Nützlinge als biologisches Konzept.
Diagnose: Blattläuse von anderen Ursachen unterscheiden
Gekräuselte Blätter werden nicht immer richtig gedeutet. Spinnmilben erzeugen eine feine, punktförmige Sprenkelung und feine Gespinste, aber keine klebrige Honigtauschicht; Thripse hinterlassen silbrig schimmernde Flecken mit dunklen Kotpunkten statt gekräuselter Triebspitzen. Klebrige, glänzende Blätter ohne sichtbare Insekten können zudem mit natürlichem Harz junger Blüten verwechselt werden, riechen und fühlen sich aber deutlich zuckriger an als Harz.
Ein häufiger Fehler ist, vereinzelte gekräuselte Blätter zunächst auf Nährstoffstress zu schieben und dadurch wertvolle Zeit zu verlieren, bevor der eigentliche Befall entdeckt wird. Ein zweiter typischer Fehler ist, nach dem ersten Abspritzen mit Wasser nicht weiter zu kontrollieren: Weil sich einzelne Läuse und Eier oft in Blattachseln verstecken, kann ein Befall aus wenigen übersehenen Tieren erneut aufflammen. Regelmäßige Kontrolle der Triebspitzen in den folgenden Wochen zeigt zuverlässig, ob die Population tatsächlich unter Kontrolle ist.
Ein dritter Fehler ist, beim ersten Anzeichen von Ameisen auf der Pflanze direkt an eine eigenständige Ameisenplage statt an Blattläuse zu denken. Der klebrige Honigtau zieht Ameisen an; zahlreiche Ameisen an den Triebspitzen sind deshalb häufig ein indirekter Hinweis auf einen bereits bestehenden, aber noch übersehenen Blattlausbefall.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Blattläuse von Spinnmilben?
Blattläuse sind mit bloßem Auge als kleine, birnenförmige Insekten sichtbar, die sich meist an Triebspitzen und jungen Blättern gruppieren, während Spinnmilben eine feine Sprenkelung auf älteren Blättern und feine Gespinste hinterlassen. Klebriger Honigtau und gekräuselte statt gesprenkelte Blätter sprechen für Blattläuse.
Sind die weißen Krümel auf den Blättern Blattläuse oder Trichome?
Wahrscheinlich weder noch, sondern abgestreifte Häutchen: Blattläuse häuten sich mehrfach und hinterlassen dabei helle, durchsichtige Hüllen auf der Blattoberfläche. Trichome sitzen dagegen fest auf dem Blatt und lassen sich nicht abwischen, während Häutchen und tote Läuse leicht abfallen.
Reicht Wasser abspritzen bei einem leichten Befall aus?
Bei geringem Befall kann ein kräftiger Wasserstrahl einen großen Teil der Blattläuse von der Pflanze spülen; am Boden angekommen, finden sie meist nicht mehr zurück und verhungern. Bei stärkerem oder wiederkehrendem Befall lässt sich das gut mit Nützlingen und einer Anpassung der Düngung kombinieren.
Warum begünstigt zu viel Stickstoff Blattläuse?
Hohe Stickstoffgaben lassen Pflanzen weiches, stickstoffreiches Blattgewebe bilden, das für saugende Insekten wie Blattläuse besonders attraktiv und leicht auszubeuten ist. Wer die Düngung nicht höher als nötig hält, macht seine Pflanzen dadurch gleichzeitig weniger anfällig – mehr dazu im Artikel zu dunkelgrünen Blättern.
Sind Blattläuse für die spätere Ernte gefährlich?
Direkt gesundheitsschädlich für Konsumierende sind Blattläuse nicht, ein starker Befall mindert aber über Honigtau, Rußtaupilz und geschädigtes Blattwerk Ertrag und Qualität der Blüten. Chemische Mittel hinterlassen dagegen Rückstände auf den Blüten, die sich nicht zuverlässig entfernen lassen, weshalb mechanische und biologische Maßnahmen vorzuziehen sind.
Können Blattläuse Krankheiten auf Cannabis übertragen?
Bei vielen anderen Kulturpflanzen übertragen Blattläuse beim Saugen Pflanzenviren von befallenen auf gesunde Pflanzen. Für Cannabis ist diese Rolle weniger gut untersucht als bei Gemüsekulturen, weshalb ein früh erkannter und eingedämmter Befall auch aus dieser Vorsicht heraus sinnvoll ist.
Verwandte Themen
Spinnmilben an Cannabis: Symptome erkennen und richtig bekämpfen
Thripse an Cannabis: Symptome erkennen und richtig bekämpfen
Trauermücken bei Cannabis: Ursachen erkennen und richtig bekämpfen
Dunkelgrüne Blätter bei Cannabis: normal oder zu viel Stickstoff?
Nützlinge als biologisches Konzept: Wie biologische Schädlingskontrolle funktioniert
Alle Artikel der Kategorie Schädlinge
Aus dem Forum
- Spinnmilben in Woche 5 der Blüte – Notfallplan? · 4 Antworten · Schädlinge
- Trauermücken loswerden – was hilft wirklich? · 4 Antworten · Schädlinge
Eigene Frage stellenoder im Forum Schädlinge stöbern
Quellen
- Cannabis Aphids Utah State University ExtensionBeschreibung der Hanfblattlaus (Phorodon cannabis) als auf Hanf spezialisierte Art, ihrer je nach Saison wechselnden Färbung und der Symptome Vergilbung, Wuchsverzögerung und Honigtau bei starkem Befall.
- Integrated Pest Management (I.P.M.) for Aphids Clemson Cooperative Extension, Home & Garden Information CenterBeschreibung von Honigtau, verformten Blättern durch Saugschäden sowie mechanischer Kontrolle durch Wasserstrahl und biologischer Kontrolle durch Marienkäfer, Florfliegenlarven und Schlupfwespen der Gattung Aphidius.
- Chrysoperla (=Chrysopa) carnea, C. rufilabris Cornell University, Biological ControlFlorfliegenlarven gelten als effektive Blattlausräuber und fressen im Larvenstadium je nach Angabe 100 bis 600 Blattläuse.
- Aphids University of California Statewide IPM Program (UC IPM)Blattläuse können sich unter warmen Bedingungen innerhalb von sieben bis acht Tagen vom Nymphenstadium zum reproduktionsfähigen Adulttier entwickeln; hohe Stickstoffgaben begünstigen die Vermehrung, weshalb nicht mehr Stickstoff als nötig gegeben werden sollte.
So entstehen unsere Artikel: Redaktionsrichtlinien und Qualitätsstufen. Fehler gefunden? Schreib es in die Diskussion – wir prüfen jeden Hinweis.
Erfahrung ergänzen
Eigene Erfahrungen, Ergänzungen und Korrekturen zu diesem Artikel sind willkommen.
Anmelden, um den ersten Beitrag zu schreiben.