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Blumat-Systeme: Bewässerung über Tonkegel und Kapillarwirkung

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Blumat-Systeme bewässern automatisch über einen porösen, unglasierten Tonkegel, der ins Substrat gesteckt wird und über einen Schlauch mit einem Wasserreservoir verbunden ist. Trocknet das Substrat, steigt die Saugspannung im Ton, und Wasser wandert kapillar durch die feinen Poren nach – bei drucklosen Ausführungen direkt, bei Ausführungen mit Ventil durch das Öffnen eines Ventils, das erst bei ausreichender Bodenfeuchte wieder schließt. Die Bewässerungsmenge passt sich so weitgehend selbst an den tatsächlichen Wasserverbrauch der Pflanze an, ganz ohne Zeitschaltuhr.

Inhalt(6 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Funktionsprinzip
kapillare Saugspannung durch poröse Keramikphysikalisch verwandt mit Tensiometern und Olla-Bewässerung
Wassereinsparung kapillarer Systeme
in Studien vergleichbar oder besser als präzise OberflächenbewässerungSemananda, Ward, Myers 2016, Tomaten in Wicking Beds
Reservoirhöhe bei drucklosen Systemen
muss über dem Kegel stehenWasserfluss läuft über Schwerkraft plus Kapillarwirkung
Häufigste Störung
Luftblase im Zuleitungsschlauch unterbricht die Saugwirkung

Wie Blumat-Systeme funktionieren

Ein Blumat-System besteht aus einem unglasierten, porösen Tonkegel, der ins Substrat gesteckt und über einen dünnen Schlauch mit einem Wasserreservoir verbunden wird. Trocknet das Substrat um den Kegel, entsteht eine Saugspannung – ein Sog, der Wasser entlang des Feuchtigkeitsgefälles durch die feinen Poren der Keramik ins Substrat zieht. Physikalisch ist das dasselbe Prinzip, nach dem auch ein Tensiometer arbeitet: Ein solches Messgerät nutzt eine poröse Kappe, um genau diese Bodenspannung zu erfassen und darüber Bewässerung automatisch auszulösen, sobald ein festgelegter Schwellenwert erreicht ist.

Es gibt zwei grundsätzliche Bauweisen. Bei drucklosen Systemen hängt das Reservoir über dem Kegel, und Wasser fließt allein durch Schwerkraft und Kapillarwirkung nach – ähnlich wie bei der traditionellen Olla-Bewässerung, bei der ein vergrabener, unglasierter Tonkrug Wasser direkt an die Wurzelzone abgibt. Bei Systemen mit Ventil wirkt der Kegel zusätzlich als Sensor: Steigt die Saugspannung im Inneren, öffnet ein kleines Ventil den Zufluss aus einer Leitung, die auch unter leichtem Druck stehen kann; sinkt die Spannung durch nachfließendes Wasser wieder, schließt das Ventil. In beiden Fällen bestimmt allein der tatsächliche Wasserverbrauch der Pflanze die Nachlieferung, nicht eine feste Uhrzeit.

Wofür sich das Prinzip eignet – und wo die Grenzen liegen

Weil die Nachlieferung an die Substratfeuchte gekoppelt ist, gleichen Blumat-Systeme unterschiedlichen Wasserbedarf einzelner Pflanzen automatisch aus: Eine größere, durstigere Pflanze zieht mehr Wasser durch ihren Kegel als eine kleinere daneben, ganz ohne Anpassung der Einstellungen. Untersuchungen zu ähnlichen kapillar- beziehungsweise dochtgespeisten Systemen zeigen dabei eine Wassereffizienz, die mit präziser Oberflächenbewässerung vergleichbar oder sogar leicht überlegen ist, bei gleichzeitig deutlich geringerem Pflegeaufwand.

Die Grenzen liegen in der Reaktionsgeschwindigkeit und der Menge: Ein einzelner Kegel liefert nur so viel Wasser nach, wie durch seine Porenfläche hindurchpasst, was bei sehr großen, schnell wachsenden Pflanzen in der Blütephase knapp werden kann. Außerdem hängt die Funktion von einer durchgehenden Wassersäule im Zuleitungsschlauch ab – ein Luftpolster unterbricht die Kapillarwirkung vollständig, bis es entfernt wird. Für sehr trockene, grobkörnige Substrate mit wenig Wasserhaltevermögen ist die kapillare Reichweite eines einzelnen Kegels zudem begrenzt; hier verteilen mehrere Kegel pro Topf die Feuchte gleichmäßiger als einer allein.

Ein weiterer Unterschied zu zeitgesteuerten Systemen betrifft die Kontrolle über die exakte Wassermenge: Weil die Nachlieferung allein von der Saugspannung im Substrat abhängt, lässt sich anders als bei einer Zeitschaltuhr keine feste Tagesmenge vorab festlegen. Für Sorten oder Wachstumsphasen, in denen eine bewusst knapp gehaltene oder gezielt hohe Wassergabe gewünscht ist, sind daher zeit- oder mengengesteuerte Systeme wie eine klassische Tropfbewässerung unter Umständen besser steuerbar. Der Gewinn an Selbstregulierung geht also mit einem Verlust an direkter Kontrolle einher – ein Kompromiss, den vor allem Gießen im Alltag erleichtert, aber gezieltes Eingreifen etwas erschwert.

Aufbau, Positionierung und Reservoir richtig planen

Der Kegel gehört mehrere Zentimeter tief in den Hauptwurzelbereich, vollständig umgeben von Substrat und nicht direkt am Topfrand, wo Wurzeln oft dünner verteilt sind. Bei drucklosen Systemen muss das Reservoir spürbar höher hängen als der Kegel, weil der Wasserfluss zusätzlich zur Kapillarwirkung von der Schwerkraft abhängt; je größer der Höhenunterschied, desto zügiger reagiert das System auf Trockenheit.

Für mehrere Töpfe lässt sich ein gemeinsames, ausreichend großes Reservoir nutzen, an das jeder Topf über einen eigenen Kegel angeschlossen wird. Weil jeder Kegel unabhängig auf die Feuchte in seinem eigenen Topf reagiert, bewässert das System unterschiedlich große Pflanzen automatisch unterschiedlich stark, ohne dass du das manuell nachjustieren musst. Wie sich Reservoirgröße und Zuleitungen für mehrere Töpfe grundsätzlich dimensionieren lassen, beschreibt der Artikel Bewässerungsanlage planen. Vor dem Einsatz über mehrere Tage lohnt sich immer ein Testlauf: Nur so zeigt sich, ob die Nachlieferung mit dem tatsächlichen Verbrauch der Pflanze mithält, bevor es etwa während einer Abwesenheit darauf ankommt.

Typische Fehler und Störungen

  • Luftblase im Schlauch. Die mit Abstand häufigste Störung: Eine durchgehende Wassersäule fehlt, die Saugwirkung bricht ab. Kurzes Ansaugen am Schlauchende oder erneutes Befüllen unter Wasser behebt das meist sofort.

  • Kegel zu flach oder am Topfrand gesteckt. Ein großer Teil der Wurzeln bekommt dann kaum Wasser, während die unmittelbare Umgebung des Kegels dauerhaft nass bleibt.

  • Reservoir zu niedrig positioniert. Ohne ausreichenden Höhenunterschied bei drucklosen Systemen reicht die Schwerkraft nicht aus, um genug Wasser nachzuliefern, besonders bei größeren Pflanzen.

  • Mineralische Ablagerungen im Ton. Hartes, kalkhaltiges Wasser oder hohe Düngerkonzentrationen können die feinen Poren der Keramik mit der Zeit zusetzen und den Durchfluss spürbar verlangsamen, ganz ähnlich wie bei salzverkrusteten Tongefäßen in der Olla-Bewässerung.

  • Kegel komplett austrocknen lassen. Unglasierte Keramik kann beim vollständigen Austrocknen feine Risse bilden; wer ein System längere Zeit außer Betrieb nimmt, sollte die Kegel feucht lagern oder vor der Wiederinbetriebnahme vorsichtig wässern.

  • Verwechslung mit einem klassischen Timer-System. Weil die Nachlieferung von der Substratfeuchte abhängt und nicht von einer festen Uhrzeit, lässt sich die tägliche Wassermenge nicht direkt vorhersagen – das ist kein Defekt, sondern das Funktionsprinzip.

Häufige Fragen

Wie tief muss der Tonkegel im Substrat stecken?

So tief, dass er vollständig von feuchtem Substrat umgeben ist, meist mehrere Zentimeter unter der Oberfläche und in der Nähe des Hauptwurzelbereichs. Steckt der Kegel zu flach oder am Topfrand, bekommt ein Teil der Wurzeln kaum Wasser, während die Fläche direkt um den Kegel dauerhaft feucht bleibt.

Warum funktioniert mein Blumat plötzlich nicht mehr?

Die häufigste Ursache ist eine Luftblase im Zuleitungsschlauch, die die durchgehende Wassersäule unterbricht und damit die kapillare Saugwirkung stoppt. Ansaugen am Schlauchende oder kurzes Abnehmen und erneutes Befüllen unter Wasser verdrängt die Luft meist zuverlässig.

Kann sich der Tonkegel mit der Zeit zusetzen?

Ja. Bei hartem, kalkhaltigem Wasser oder hohen Düngerkonzentrationen können sich Mineralien in den feinen Poren des unglasierten Tons ablagern und den Wasserfluss spürbar verlangsamen. Weicheres Wasser, moderate Düngerkonzentrationen und gelegentliches Reinigen in leicht saurem Wasser beugen vor.

Reicht ein Blumat-System für die gesamte Blütephase aus?

Das hängt von Pflanzengröße, Topfvolumen und Reservoirgröße ab. Mit zunehmender Pflanzengröße steigt der Wasserbedarf, sodass entweder das Reservoir größer sein oder häufiger nachgefüllt werden muss. Ein Testlauf über mehrere Tage zeigt, ob die Nachlieferung mit dem tatsächlichen Verbrauch mithält.

Kann ich mehrere Töpfe an ein gemeinsames Reservoir anschließen?

Ja, das ist ein verbreitetes Prinzip, solange jeder Kegel einzeln reguliert und das Reservoir ausreichend groß dimensioniert ist. Weil jeder Kegel unabhängig auf die Feuchte in seinem Topf reagiert, bewässern unterschiedlich große oder unterschiedlich durstige Pflanzen automatisch unterschiedlich viel.

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Quellen

  1. Irrigating with Ollas Nickel, Brischke – University of Arizona Cooperative Extension, az1911, 2021Physikalisches Grundprinzip poröser, unglasierter Keramik: Wasser wandert entlang des Feuchtigkeitsgefälles (Saugspannung) durch die Poren ins Substrat; Salze können die Poren mit der Zeit zusetzen.
  2. Tensiometer-Based Irrigation Management of Subirrigated Soilless Tomato: Effects of Substrate Matric Potential Control on Crop Performance Montesano, Serio, Mininni, Signore, Parente, Santamaria – Frontiers in Plant Science 6, 2015Automatische Bewässerung, ausgelöst durch einen festgelegten Schwellenwert der Substratspannung (Matrixpotential) – das gleiche physikalische Prinzip, nach dem ein Tonkegel auf Trockenheit reagiert.
  3. Controlling irrigation in a container nursery using IoT Maja, Robbins – AIMS Agriculture and Food 3(3), 2018Beschreibt ein geschlossenes Regelsystem, das Bewässerung anhand von Bodenfeuchte-Schwellenwerten automatisch ein- und ausschaltet – Grundprinzip jeder feuchtigkeitsgesteuerten Automatik.
  4. Evaluating the Efficiency of Wicking Bed Irrigation Systems for Small-Scale Urban Agriculture Semananda, Ward, Myers – Horticulturae 2(4), 2016Kapillar-/dochtgespeiste Bewässerung schnitt bei Tomaten mindestens so gut wie präzise Oberflächenbewässerung ab, bei geringerem Pflegeaufwand.

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