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Regen auf überdachten Balkonen: Wie viel wirklich ankommt

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Ein Dach über dem Balkon – meist der Balkon darüber oder ein festes Vordach – hält Regen nur im wandnahen Bereich zuverlässig ab. Bei Wind kann Regen schräg unter das Dach treten und den äußeren Bereich nahe der Brüstung trotzdem durchnässen; wie stark, hängt weniger von der Regenmenge als von der Windgeschwindigkeit ab. Weil im geschützten Kernbereich kaum natürlicher Regen ankommt, liegt die Wasserversorgung dort vollständig bei dir. Gleichzeitig kann geringere Luftzirkulation unter einem überdachten, seitlich geschlossenen Balkon die Luftfeuchtigkeit anders verhalten als im offenen Freien.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Schutzwirkung eines Vordachs
vor allem obere Fassadenhälfteder bodennahe/äußere Bereich bleibt laut numerischer Simulation fast unbeeinflusst vom Dach
Wichtigster Einflussfaktor
Windgeschwindigkeit, nicht Regenintensitätdie Schutzwirkung eines Vordachs sinkt mit stärkerem Wind deutlich
Faustregeln für Vordachtiefe
mind. halbe Einbauhöhe oder 30°-DeckungswinkelBaupraxis-Faustregeln für Witterungsschutz; in exponierten Lagen oft nicht ausreichend
Regen im geschützten Kernbereich
meist kaum vorhandenBewässerung muss dort vollständig manuell oder automatisch erfolgen

Was „überdacht" für Regen auf dem Balkon wirklich bedeutet

Ein Dach über dem Balkon – meist die Bodenplatte des Balkons darüber oder ein fest montiertes Vordach – wirkt wie der Dachüberstand an einer Hausfassade: Es hält Regen ab, aber nicht überall gleich gut. Numerische Simulationen zu Dachüberständen an Gebäuden zeigen ein konsistentes Muster: Der Überstand schützt vor allem den oberen, wandnahen Bereich der darunterliegenden Fläche zuverlässig, während der untere, äußere Bereich – auf dem Balkon also die Zone nahe der Brüstung – von dieser Schutzwirkung kaum profitiert.

Für den eigenen Balkon lässt sich daraus eine einfache Faustregel ableiten: Je näher eine Pflanze an der Hauswand steht, desto zuverlässiger ist sie vor direktem Regen geschützt. Je näher sie an der offenen Außenkante steht, desto eher bleibt sie den gleichen Wetterbedingungen ausgesetzt wie eine Pflanze ganz ohne Dach. Wie tief ein Vordach sein müsste, damit auch der äußere Bereich trocken bleibt, behandeln zwei gängige Baupraxis-Faustregeln: eine Tiefe von mindestens der halben Höhe zwischen Boden und Dachunterkante, oder ein Deckungswinkel von etwa 30° an der Vorderkante des Dachs. Für normale Lagen gelten diese Faustregeln als brauchbare Orientierung, an besonders exponierten Standorten reichen sie nach Einschätzung der Baupraxis oft nicht aus.

Wind-getriebener Regen: warum auch überdachte Bereiche nass werden

Der Grund, warum ein Dach den äußeren Bereich kaum schützt, ist windgetriebener Regen: Wind drückt Regentropfen nicht senkrecht, sondern in einem Winkel nach unten, sodass sie unter ein Dach hineingetragen werden können, bevor sie den Boden erreichen. Genau diesen Effekt bestätigt die numerische Simulation zu Dachüberständen: Bei stärkerem Wind sinkt die Schutzwirkung eines Überstands deutlich, während die reine Regenmenge dafür überraschend wenig ausmacht. Ein kräftiger, aber windstiller Landregen wird von einem Dach also zuverlässiger abgehalten als ein leichter Schauer bei böigem Wind.

Das erklärt, warum ein überdachter Balkon an manchen Tagen trocken bleibt und an anderen überraschend nass wird, obwohl die Regenmenge laut Wetterbericht ähnlich war. Entscheidend ist die Windrichtung: Zeigt die offene Seite des Balkons in die Richtung, aus der Wind und Regen kommen, dringt mehr Nässe unter das Dach als bei einer geschützten, windabgewandten Ausrichtung. Wie unterschiedlich Wind an ein und demselben Gebäude je nach Richtung und Lage wirken kann, erklärt der Artikel Wind zwischen Gebäuden.

Bewässerung auf überdachten Balkonen: volle Eigenverantwortung

Im wandnahen, gut geschützten Bereich eines überdachten Balkons kommt so gut wie kein natürlicher Regen an. Für die Wasserversorgung bedeutet das: Es gibt keinen Puffer durch gelegentliche Schauer, wie ihn offen stehende Pflanzen bekommen. Während eine Pflanze im Freien nach einem ergiebigen Regen für ein paar Tage weniger oder gar nicht gegossen werden muss, bleibt diese Entlastung auf einem überdachten Platz aus – die komplette Wassermenge muss von dir kommen, unabhängig vom Wetter.

Praktisch heißt das, den Gießrhythmus konsequent nach Substratfeuchte statt nach Wetterlage zu planen und bei längerer Abwesenheit eine zuverlässige Lösung einzuplanen, weil kein Regen einspringt, falls einmal vergessen wird zu gießen. Wie viel Wasser pro Gießgang sinnvoll ist, erklärt der Artikel Gießmenge. Gleichzeitig bleibt der geschützte Kernbereich von den Risiken verschont, die im Artikel Regenschutz für offen stehende Pflanzen beschrieben werden, etwa durchnässte, faulanfällige Blüten in der Blütephase – ein klarer Vorteil, solange gleichzeitig für Luftzirkulation gesorgt ist.

Luftfeuchtigkeit, Luftzirkulation und Pilzrisiko unter dem Dach

Ein Dach allein verändert die Luftfeuchtigkeit kaum, solange die Seiten des Balkons offen bleiben und Luft frei zirkulieren kann – dann unterscheidet sich das Klima kaum von einem Standort ohne Dach, nur eben ohne die direkte Nässe von oben. Anders sieht es aus, wenn zur Überdachung noch eine weitgehend geschlossene Seitenverkleidung kommt, etwa durch einen blickdichten Sichtschutz auf mehreren Seiten oder feste Wände. Dann kann sich feuchte, kaum bewegte Luft unter dem Dach stauen, ähnlich wie es der Artikel Regenschutz für rundum geschlossene Folienzelte beschreibt.

Diese Kombination aus wenig Luftbewegung und erhöhter Luftfeuchtigkeit begünstigt Pilzkrankheiten: Aus dem Gartenbau ist für Echten Mehltau gut belegt, dass Pflanzen an geschützten, wenig durchlüfteten Standorten mit stehender Luft deutlich anfälliger sind als frei stehende Pflanzen mit gutem Luftaustausch. Das gilt sinngemäß auch für den im Artikel Botrytis und Grauschimmel beschriebenen Grauschimmel – unabhängig davon, ob überhaupt Regen von außen eindringt. Ein überdachter, aber an mindestens einer Seite offener Balkon mit gutem Luftaustausch ist deshalb klimatisch günstiger als ein rundum geschlossener, selbst wenn Letzterer noch trockener wirkt.

Typische Fehler und Irrtümer bei überdachten Balkonen

  • „Überdacht" mit „komplett regenfrei" gleichsetzen. Windgetriebener Regen erreicht den äußeren, brüstungsnahen Bereich fast so stark wie einen offenen Standort – geschützt ist vor allem die Zone nahe der Hauswand.

  • Nach Regenwetter seltener gießen, weil ein Dach über der Pflanze ist. Im geschützten Kernbereich kommt ohnehin kein Regen an; der Gießrhythmus muss sich nach der tatsächlichen Substratfeuchte richten, nicht nach dem Wetterbericht.

  • Einen überdachten Balkon automatisch für pilzsicher halten. Ohne ausreichende Luftzirkulation kann sich unter einem seitlich geschlossenen Dach genauso feuchte, stehende Luft bilden wie in einem schlecht belüfteten Gewächshaus.

  • Die Windrichtung bei der Standortwahl unter dem Dach ignorieren. Ein Platz, der zur Hauptwindrichtung hin offen liegt, wird bei Sturm deutlich nasser als ein windabgewandter Platz unter demselben Dach.

  • Ein schmales Vordach für ausreichend halten. Ohne mindestens die halbe Einbauhöhe an Tiefe oder einen vergleichbaren Deckungswinkel bleibt der äußere Bereich bei Wind ungeschützt.

Weitere Themen rund um den Anbau auf Balkon und Terrasse findest du in der Kategorie Balkon & Terrasse.

Häufige Fragen

Bekommen Pflanzen auf einem überdachten Balkon wirklich gar keinen Regen ab?

Im wandnahen Bereich meist kaum, weiter zur Brüstung hin aber durchaus. Numerische Simulationen zu Vordächern zeigen, dass ein Dach vor allem den oberen, wandnahen Bereich einer Fassade zuverlässig schützt, während der äußere, bodennahe Bereich fast unbeeinflusst bleibt. Bei Wind kann Regen zusätzlich schräg unter das Dach treten, besonders wenn der Balkon in Richtung der vorherrschenden Windrichtung offen liegt.

Muss ich auf einem überdachten Balkon anders gießen als im Freien?

Ja, vor allem im geschützten Kernbereich. Weil dort kaum natürlicher Regen ankommt, ersetzt keine Wetterlage eine regelmäßige Wassergabe – anders als bei offen stehenden Pflanzen, die nach einem Schauer für einige Tage weniger Gießbedarf haben. Details zur richtigen Wassermenge erklärt der Artikel Gießmenge.

Ist ein überdachter Balkon automatisch vor Grauschimmel sicher?

Nicht automatisch. Ein Dach senkt zwar die Nässe an den Blüten, was grundsätzlich hilft, wie der Artikel Regenschutz beschreibt. Ist der Balkon aber zusätzlich seitlich weitgehend geschlossen, etwa durch einen blickdichten Sichtschutz oder Wände auf mehreren Seiten, kann sich darunter feuchte, kaum zirkulierende Luft stauen – ein Risikofaktor für Grauschimmel und andere Pilzkrankheiten, unabhängig vom Regen.

Wie tief muss ein Vordach sein, damit hinten wirklich kein Regen ankommt?

Als grobe Baupraxis-Faustregeln gelten eine Vordachtiefe von mindestens der halben Höhe zwischen Boden und Dachunterkante oder ein Deckungswinkel von etwa 30° an der Vorderkante des Dachs. Beide Faustregeln sind für normale Lagen gedacht; an besonders windexponierten Standorten reichen sie oft nicht aus, weil die Schutzwirkung mit zunehmender Windgeschwindigkeit deutlich abnimmt.

Ist die Luftfeuchtigkeit auf einem überdachten Balkon anders als im offenen Freien?

Sie kann es sein, vor allem wenn zusätzlich zur Überdachung wenig Luftaustausch stattfindet. Ohne den ausgleichenden Effekt von Regen und offener Luftzirkulation staut sich Feuchtigkeit unter einem seitlich geschlossenen Dach leichter, während ein Balkon mit offenen Seiten und Wind kaum anders reagiert als ein Standort ganz ohne Dach. Wie sich Wind zwischen Gebäuden auf die Durchlüftung auswirkt, erklärt der Artikel Wind zwischen Gebäuden.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Effects of Overhangs on the Wind-Driven Rain Wetting of a Low-Rise Building Foroushani, Ge, Naylor – Thermal Performance of the Exterior Envelopes of Whole Buildings XII (ASHRAE/DOE/BETEC-Konferenz), 2013Numerische Simulation: Ein Dachüberstand schützt vor allem die obere Fassadenhälfte vor windgetriebenem Regen, die untere Hälfte bleibt fast unbeeinflusst; Windgeschwindigkeit beeinflusst die Schutzwirkung deutlich stärker als die Regenintensität.
  2. Nullschwellen und Vordächer – Wie groß ist groß genug? bfb barrierefrei bauen (RM Rudolf Müller Medien)Baupraxis-Faustregeln zur Vordachbemessung gegen Schlagregen: Tiefe mindestens halbe Einbauhöhe oder ein Deckungswinkel von 30° an der Vorderkante; in exponierten Lagen reichen beide Regeln oft nicht aus.
  3. Powdery mildews: symptoms & control Royal Horticultural SocietyPflanzen in geschützten Lagen mit stehender, feuchter Luft und wenig Luftzirkulation sind stärker von Pilzkrankheiten betroffen; offene Standorte mit gutem Luftaustausch senken das Risiko.

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