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Wurzeltemperatur: Welche Temperatur brauchen Wurzeln und Gießwasser?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Wurzeltemperatur ist die Temperatur von Substrat, Nährlösung oder Wurzelballen – unabhängig von der Lufttemperatur. Studien an anderen Kulturen zeigen ein Wachstumsoptimum häufig um 20 bis 25 °C: Darunter sinken Wasser- und Nährstoffaufnahme, darüber sinkt der gelöste Sauerstoff im Wurzelraum, und Wurzeln reagieren mit weniger Wachstum oder Bräunung. Auch das Gießwasser sollte nicht stark von dieser Temperatur abweichen; deutlich kälteres oder wärmeres Wasser kann Wurzelwachstum kurzfristig bremsen beziehungsweise fördern.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Wachstumsoptimum in einem Hydroponik-Versuch
25 °C (Kopfsalat)bei 35 °C sanken Wachstum und gelöster Sauerstoff (Levine et al. 2023)
Sauerstoffsättigung von Wasser
ca. 9,5 mg/l bei 18 °C, ca. 7,8 mg/l bei 28 °Csinkt mit steigender Temperatur, Süßwasser bei Normaldruck
Erwärmtes Gießwasser in einem Praxisversuch
Wurzeloberfläche +16 %, Ertrag +16 %Kopfsalat, ca. 8 °C wärmeres Gießwasser als unbeheizt (Guo et al. 2024)
Praktischer Richtwert Wurzelraum
ca. 18–25 °Cartübergreifend aus Gewächshausforschung, nicht cannabisspezifisch abgesichert

Warum die Wurzeltemperatur eine eigene Zielgröße ist

Die Wurzeltemperatur ist die Temperatur von Substrat, Nährlösung oder Wurzelballen – und sie kann deutlich von der Lufttemperatur abweichen. Substrat und Wasser haben eine höhere Wärmekapazität als Luft, reagieren also träger auf Temperaturwechsel, werden aber durch direkte Sonneneinstrahlung auf dunkle Töpfe, Wärmematten oder kühlen Bodenkontakt stark beeinflusst.

Eine Übersicht zur Wurzelraumsteuerung bei Paprika fasst zusammen, wieso das wichtig ist: Steigt die Wurzeltemperatur zu stark an, sinken Atmung und Aktivität der Wurzeln, und auch die Photosynthese der Blätter kann zurückgehen. Ist die Wurzeltemperatur dagegen zu niedrig, leiden Wachstum und Transpiration, weil die Wurzeln Wasser schlechter aufnehmen. Besonders in den frühen Morgen- und Abendstunden, wenn die Lufttemperatur schon sinkt, das Substrat aber noch nachzieht, kann eine passende Wurzeltemperatur den Unterschied machen.

Welche Wurzeltemperatur als Richtwert gilt

Cannabis-spezifische Untersuchungen zur Wurzeltemperatur sind rar; belastbare Werte stammen aus der Forschung an anderen Kulturen. In einem Hydroponik-Versuch mit Kopfsalat bei konstant 15, 25 und 35 °C Wurzeltemperatur erzielte die 25-°C-Variante das höchste Trockengewicht von Spross und Wurzeln. Bei 35 °C sank das Wachstum, während der Gehalt an Anthocyanen und Carotinoiden in den Blättern deutlich anstieg – ein Hinweis darauf, dass hohe Wurzeltemperaturen Pflanzen zwar stressen, aber nicht zwangsläufig zum Absterben bringen.

Als praktischer Richtwert für den Wurzelraum wird in der Gewächshausforschung häufig ein Bereich von etwa 18 bis 25 °C genannt. Das ist eine Orientierung aus artübergreifender Forschung, keine für Cannabis abgesicherte Zielgröße – ähnlich wie viele Temperaturbereiche, die auch für andere Themen der Kategorie Töpfe & Wurzelraum gelten.

Temperatur des Gießwassers: wie kalt oder warm darf es sein?

Das Gießwasser sollte sich in der Temperatur nicht stark vom Wurzelraum unterscheiden. Wie viel ein Temperaturunterschied ausmachen kann, zeigt ein Gewächshausversuch mit Kopfsalat: Wurde das Gießwasser im Winter im Mittel um 7,7 bis 8,6 °C erwärmt (Endtemperatur 22 bis 32 °C statt kaltem, unbehandeltem Leitungswasser), wuchsen die Pflanzen kräftiger. Die Wurzeloberfläche nahm um 16,4 % zu, die Zahl der Wurzelspitzen um 14,3 %, und der Ertrag pro Pflanze stieg um 15,9 %. Die Substrattemperatur war nach dem Gießen mit warmem Wasser bis zu 4 °C höher und blieb über mehrere Stunden erhöht.

Diese Zahlen stammen aus einem winterlichen Gewächshaus mit sehr kaltem Ausgangswasser und lassen sich nicht eins zu eins auf jede Situation übertragen. Die Richtung ist aber eindeutig: Eiskaltes Wasser direkt aus der Leitung kühlt den Wurzelraum spürbar ab. Praktikabel ist, Gießwasser vor der Nutzung kurz auf Zimmertemperatur kommen zu lassen, statt es ungetempert zu verwenden – besonders im Winter oder bei sehr kaltem Leitungswasser. Mehr zur Wasserqualität allgemein findest du unter Leitungswasser.

Zu warme Wurzeln: weniger Sauerstoff, mehr Risiko

Nicht nur zu kalt, auch zu warm ist ein Problem – vor allem in Nährlösungen und feuchten Substraten. Wasser kann bei höherer Temperatur weniger Sauerstoff lösen: Bei Normaldruck sind es etwa 9,5 mg/l bei 18 °C, aber nur rund 7,8 mg/l bei 28 °C. Im erwähnten Kopfsalat-Versuch ging die höhere Wurzeltemperatur von 35 °C mit weniger gelöstem Sauerstoff in der Nährlösung einher, was die Autoren mit brauner Verfärbung und schwächerem Wachstum der Wurzeln in Verbindung brachten. Wie wichtig Sauerstoff für Wurzeln grundsätzlich ist, erklärt der Artikel zur Sauerstoffversorgung der Wurzeln.

In der Praxis heißt das: Ein Reservoir für Hydrokultur oder Coco-Bewässerung sollte nicht in praller Sonne oder direkt neben der Abwärme von Lampen oder Abluft stehen. Mehr zur Wassertemperatur in Hydrokultursystemen erklärt der Artikel Wassertemperatur.

Typische Fehler bei der Wurzeltemperatur

  • Nur die Lufttemperatur im Blick haben. Ein Zelt kann bei angenehmer Lufttemperatur trotzdem einen überhitzten Wurzelraum haben, etwa durch einen schwarzen Topf in praller Sonne oder Abwärme von Lampen und Pumpen in Bodennähe.

  • Wärmematte dauerhaft unter bewurzelten Pflanzen lassen. Wärmematten helfen bei der Keimung, erhöhen danach aber unnötig die Wurzeltemperatur und begünstigen einen niedrigeren Sauerstoffgehalt im Substrat.

  • Eiskaltes Wasser direkt aus dem Hahn verwenden. Besonders im Winter kann das die Wurzeltemperatur kurzfristig deutlich absenken. Etwas temperiertes Wasser ist die risikoärmere Wahl.

  • Reservoirs ungekühlt in warmen Räumen stehen lassen. Eine warme Nährlösung verliert gelösten Sauerstoff und wird gleichzeitig ein günstigerer Nährboden für Wurzelerreger.

  • Wurzeltemperatur mit Substratfeuchte verwechseln. Ein warmes, aber trockenes Substrat ist ein anderes Problem als ein warmes, durchnässtes Substrat mit Sauerstoffmangel – beides erfordert unterschiedliche Gegenmaßnahmen.

Weitere Grundlagen zu Substrat und Wurzelraum findest du in der Kategorie Töpfe & Wurzelraum.

Häufige Fragen

Wie messe ich die Wurzeltemperatur im Topf oder Reservoir?

Am einfachsten mit einem Einstichthermometer im Substrat, etwa auf halber Höhe des Topfes, oder mit einem wasserdichten Thermometer direkt in der Nährlösung. Die Lufttemperatur allein sagt wenig darüber aus, wie warm es an den Wurzeln tatsächlich ist, besonders bei dunklen Töpfen in praller Sonne oder in beheizten Räumen.

Ist kaltes Leitungswasser schädlich für die Wurzeln?

Einzelne kühle Gießgänge sind meist unproblematisch. Regelmäßig sehr kaltes Wasser kann die Wurzeltemperatur aber spürbar absenken; in einem Gewächshausversuch wuchsen die Wurzeln mit wärmerem Gießwasser deutlich besser. Lass kaltes Wasser vor dem Gießen am besten kurz temperieren, statt es direkt aus einer kalten Leitung zu verwenden.

Warum kühlen manche Grower ihre Nährlösung im Sommer?

Weil warmes Wasser weniger Sauerstoff lösen kann und Wurzeln in einer zu warmen Nährlösung schneller in Sauerstoffmangel geraten. In einem Hydroponik-Versuch sank bei höherer Wurzeltemperatur sowohl der gelöste Sauerstoff als auch das Wurzelwachstum. Mehr dazu im Artikel zur Sauerstoffversorgung der Wurzeln.

Reicht die Raumtemperatur als Anhaltspunkt für die Wurzeltemperatur?

Nur begrenzt. Substrat und Nährlösung reagieren langsamer auf Temperaturänderungen als die Luft, können aber durch direkte Sonneneinstrahlung, Wärmematten oder kalten Bodenkontakt deutlich von der Lufttemperatur abweichen. Eine eigene Messung an Topf oder Reservoir ist zuverlässiger.

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Quellen

  1. Development of a root-zone temperature control system using air-source heat pump and its impact on the growth and yield of paprika Myung, Cui, Lee, Lee, Shin, Chun – AoB PLANTS 16, 2024Übersicht: Zu hohe Wurzeltemperatur senkt Wurzelatmung und teils die Photosynthese, zu niedrige Wurzeltemperatur bremst Wachstum und Transpiration.
  2. Controlling root zone temperature improves plant growth and pigments in hydroponic lettuce Levine et al. – Annals of Botany 132, 2023Wachstumsoptimum bei 25 °C Wurzeltemperatur; 35 °C senkte Wachstum sowie gelösten Sauerstoff und ging mit Wurzelbräunung einher.
  3. Chapter A6.2. Dissolved Oxygen U.S. Geological Survey – Techniques and Methods 9-A6.2, 2020Sauerstofflöslichkeit von Süßwasser in Abhängigkeit von der Temperatur (Tabelle 6.2-2): sinkt mit steigender Temperatur.
  4. Optimized Design of Irrigation Water-Heating System and Its Effect on Lettuce Cultivation in a Chinese Solar Greenhouse Guo, Chen, Yang, Zhou, Liu, Cao – Plants 13, 2024Erwärmtes Gießwasser (im Mittel ca. 8 °C wärmer) steigerte Wurzeloberfläche und Ertrag von Kopfsalat und erhöhte die Substrattemperatur messbar.

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