Grow.Forum

Leitungswasser für Cannabis: Was drin ist und wie du die Qualität beurteilst

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Leitungswasser eignet sich für die meisten Grows, enthält aber je nach Region unterschiedlich viel Calcium, Magnesium und Bicarbonat sowie teils Spuren von Eisen, Mangan oder Kupfer aus der Hausinstallation. Diese Mineralien heben pH- und EC-Wert des Gießwassers bereits an, bevor überhaupt gedüngt wird. Zur Beurteilung hilft die jährliche Wasseranalyse deines Versorgers zusammen mit einer eigenen pH- und EC-Messung. Weicht das Wasser stark ab oder schwankt es, lohnt sich eine Anpassung der Düngung oder ein Wechsel zu Osmose- oder Regenwasser.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Wasserherkunft in Deutschland
ca. 70 % aus Grund- und QuellwasserRest aus Oberflächenwasser; Mineralgehalt hängt vom Untergrund der Region ab
Eisen-Grenzwert Trinkwasser
0,2 mg/lvor allem geschmacklich/optisch begründet, ab 0,5 mg/l Verfärbung möglich
Mangan-Grenzwert Trinkwasser
0,05 mg/loberhalb dessen drohen Ablagerungen im Leitungsnetz
Ideale Alkalinität für Gießwasser
ca. 30–100 mg/l (als CaCO₃)Richtwert aus dem Gartenbau; höhere Werte heben den pH im Substrat mit der Zeit an
Sehr weiches Wasser
unter ca. 50 mg/l Härteliefert oft zu wenig Calcium und Magnesium für eine volle Düngung

Was im deutschen Leitungswasser steckt

Leitungswasser ist kein reines H₂O, sondern enthält gelöste Mineralien aus dem Boden, durch den es geflossen ist. Rund 70 % des deutschen Trinkwassers stammen aus Grund- und Quellwasser, der Rest überwiegend aus aufbereitetem Oberflächenwasser. Weil sich der Untergrund von Region zu Region unterscheidet, schwankt auch die Mineralisierung: Wasser aus Kalkgestein ist meist hart und reich an Calcium und Magnesium, Wasser aus Sand- oder Granitböden oft weich und mineralarm.

Für den Grow sind vor allem drei Eigenschaften relevant: der pH-Wert, die Alkalinität – die Pufferkapazität des Wassers, meist als Carbonathärte gemessen – und der EC-Wert, der die Summe aller gelösten Salze anzeigt. Gartenbau-Richtwerte nennen eine Alkalinität von etwa 30 bis 100 mg/l (als Calciumcarbonat) als günstig; deutlich höhere Werte heben den pH im Substrat über Wochen an und können die Verfügbarkeit einzelner Nährstoffe verschieben. Wie stark dein Wasser bereits vor dem Düngen zum EC-Wert beiträgt, erklärt der Artikel zum Ausgangs-EC.

In Deutschland ist durchgehend gechlortes Trinkwasser die Ausnahme, weil ein Großteil aus gut geschütztem Grundwasser stammt. Wo trotzdem desinfiziert wird, spielt das für die meisten Gießzwecke kaum eine Rolle. Details dazu und zur selteneren Chloraminierung stehen im Artikel Chlor und Chloramin.

Spurenelemente im Leitungswasser

Neben Calcium und Magnesium können im Leitungswasser Spuren von Eisen, Mangan, Zink oder Kupfer vorkommen – teils aus dem Boden, teils aus dem Leitungsnetz und der Hausinstallation. Die deutsche Trinkwasserverordnung begrenzt Eisen auf 0,2 mg/l und Mangan auf 0,05 mg/l; das sind vor allem geschmackliche und technische Grenzwerte, keine Nährstoffempfehlungen. Kupfer kann sich aus älteren Kupferleitungen lösen, besonders wenn Wasser lange in der Leitung stand.

Für die Nährstoffversorgung deiner Pflanze sind diese Mengen fast immer zu gering und zu unregelmäßig, um verlässlich etwas beizutragen. Ein Blumat-System, ein Hydro-Tank oder eine Gießkanne kann also nicht auf Eisen oder Zink aus dem Leitungswasser bauen; die vollständige Versorgung mit Mikronährstoffen muss weiterhin über den Dünger kommen. Umgekehrt sind die Mengen im Trinkwasser in aller Regel auch zu niedrig, um zu einem Überschuss beizutragen – anders sieht das bei Regenwasser von bestimmten Dachflächen oder bei alten Leitungen mit sichtbarer Verfärbung aus, wo höhere Kupfer- oder Zinkwerte möglich sind.

Wie du die Qualität deines Wassers beurteilst

Der einfachste Einstieg ist die Wasseranalyse deines Versorgers. Öffentliche Wasserwerke in Deutschland müssen die Trinkwasserqualität regelmäßig prüfen und veröffentlichen die Ergebnisse meist auf ihrer Website oder auf Anfrage – dort stehen Angaben zu Härte, pH, Nitrat und oft weiteren Parametern für dein Versorgungsgebiet.

Diese Analyse ersetzt aber nicht die eigene Messung direkt am Hahn, weil Hausinstallation und Leitungsalter das Wasser noch verändern können. Sinnvoll ist:

  • pH messen, möglichst mit einem kalibrierten Messgerät statt Teststreifen.

  • EC messen, um den Ausgangswert zu kennen, bevor du Dünger zugibst.

  • Wasser laufen lassen, bevor du misst oder gießt, besonders nach längerem Leitungsstillstand.

  • Bei Verdacht auf alte Leitungen (sichtbare Verfärbung, metallischer Geschmack) eine Laboranalyse auf Schwermetalle in Betracht ziehen.

Regelmäßiges Messen lohnt sich vor allem, wenn deine Pflanzen empfindlich auf pH- oder EC-Schwankungen reagieren, etwa in Hydroponik oder Coco. Ausführlich behandelt das der Artikel zur Wasseranalyse lesen.

Typische Ursachen für Abweichungen

Weicht dein Leitungswasser deutlich von den genannten Richtwerten ab, steckt meist einer dieser Gründe dahinter:

  • Regionale Wasserhärte. Gebiete mit Kalkuntergrund liefern hartes, alkalisches Wasser mit hohem pH-Puffer; Details dazu im Artikel Wasserhärte.

  • Alte Hausinstallation. Kupfer- oder in sehr alten Gebäuden noch vorhandene Bleileitungen können Metalle abgeben, besonders bei langer Standzeit im Rohr.

  • Saisonale Schwankungen. Nach starken Regenfällen oder in Trockenperioden kann sich die Zusammensetzung von Oberflächenwasser leicht verschieben.

  • Wechsel der Wasserquelle durch den Versorger, etwa bei Verbund- oder Mischwassernetzen.

  • Enthärtungsanlagen im Haus, die Calcium und Magnesium gegen Natrium tauschen und damit die Nährstoffbilanz verändern, ohne dass der EC-Wert das auf den ersten Blick zeigt.

Typische Fehler bei der Einschätzung von Leitungswasser

Leitungswasser pauschal für ungeeignet halten. Für die allermeisten Erdgrows ist Leitungswasser mit normaler Düngung völlig ausreichend; ein Wechsel zu Osmose- oder Regenwasser lohnt sich meist erst bei nachweislich hohem oder schwankendem EC-Wert.

Härte mit Nährstoffgehalt verwechseln. Hartes Wasser liefert zwar Calcium und Magnesium, ersetzt aber keinen vollständigen Dünger und sagt nichts über Stickstoff, Phosphor oder Kalium aus.

Ohne Messung düngen. Wer den Ausgangs-EC nicht kennt, düngt leicht zu stark, weil er die im Wasser bereits enthaltenen Salze übersieht. Eine einmalige Messung direkt aus dem Hahn schafft hier Klarheit.

Jede Verfärbung für Spurenelement-Überschuss halten. Bräunliches Wasser nach längerem Leitungsstillstand ist meist Eisen aus alten Rohren und verschwindet, wenn man das Wasser kurz laufen lässt; es ist selten ein Hinweis auf eine dauerhaft hohe Belastung.

Die Wasseranalyse des Versorgers für das eigene Haus halten. Sie beschreibt das Wasser am Ausgang des Wasserwerks, nicht zwingend das, was nach Jahren in alten Hausleitungen am Hahn ankommt. Einen Überblick über alle Wasserthemen bietet die Kategorie Wasserqualität.

Häufige Fragen

Muss ich Leitungswasser vor dem Gießen abstehen lassen?

In den meisten deutschen Netzen nicht zwingend, weil durchgehend gechlortes Wasser hierzulande die Ausnahme ist. Mehr zu Chlor und Chloramin, wann sie vorkommen und wie du sie erkennst, findest du im Artikel zu Chlor und Chloramin. Unabhängig davon kann Abstehen helfen, das Wasser auf Raumtemperatur zu bringen.

Ist hartes Leitungswasser schlecht für Cannabis?

Nicht grundsätzlich. Hartes Wasser liefert Calcium und Magnesium und puffert den pH, kann ihn aber auch nach oben drücken und mit der Zeit Kalk im Substrat ablagern. Wie du damit in der Düngung umgehst, beschreibt der Artikel zur Wasserhärte.

Wann sollte ich auf Osmosewasser umsteigen?

Vor allem, wenn der Ausgangs-EC-Wert hoch und schwankend ist, wenn du in sensiblen Systemen wie Hydroponik genau dosieren willst oder wenn eine Wasseranalyse ungewöhnlich hohe Werte bei Natrium, Chlorid oder Schwermetallen zeigt. Für die meisten Erdgrows ist reines Leitungswasser mit angepasster Düngung ausreichend.

Wie finde ich die Wasseranalyse meines Wasserversorgers?

Öffentliche Wasserversorger in Deutschland veröffentlichen ihre Analysen meist jährlich auf der eigenen Website oder verschicken sie auf Anfrage, da sie die Trinkwasserqualität regelmäßig prüfen müssen. Dort findest du Werte zu Härte, pH, Nitrat und teils weiteren Mineralien für dein Versorgungsgebiet.

Enthält Leitungswasser genug Spurenelemente für die Pflanze?

Nein, verlass dich nicht darauf. Die Mengen sind meist zu gering und zu unregelmäßig, um den Bedarf an Mikronährstoffen zu decken. Sie verschieben höchstens die Startwerte von pH und EC, ersetzen aber keinen vollständigen Dünger.

Verwandte Themen

Alle Artikel der Kategorie Wasserqualität

Aus dem Forum

Quellen

  1. Toxikologie des Trinkwassers UmweltbundesamtGrenzwerte für Eisen (0,2 mg/l) und Mangan (0,05 mg/l) im deutschen Trinkwasser und deren Begründung.
  2. Trinkwasser UmweltbundesamtHerkunft des deutschen Trinkwassers (ca. 70 % Grund- und Quellwasser) und regionale Unterschiede im Mineralgehalt.
  3. Interpreting Irrigation Water Tests Snyder – Penn State ExtensionRichtwerte für Alkalinität, EC und Spurenelemente (Eisen, Mangan) in Gießwasser sowie Empfehlung, Wasser regelmäßig testen zu lassen.

So entstehen unsere Artikel: Redaktionsrichtlinien und Qualitätsstufen. Fehler gefunden? Schreib es in die Diskussion – wir prüfen jeden Hinweis.

Erfahrung ergänzen

Eigene Erfahrungen, Ergänzungen und Korrekturen zu diesem Artikel sind willkommen.

Anmelden, um den ersten Beitrag zu schreiben.