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Wasserhärte beim Gießen: Was Calcium und Magnesium im Wasser bedeuten

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Wasserhärte beschreibt die Menge an gelöstem Calcium und Magnesium im Wasser. In Deutschland gilt seit 2007 eine amtliche Dreiteilung: weich unter 1,5 mmol/l Calciumcarbonat, mittel 1,5–2,5 mmol/l, hart über 2,5 mmol/l – umgerechnet etwa 8,4 beziehungsweise 14 °dH. Entscheidend für den Anbau ist meist nicht die Härte selbst, sondern ihr Anteil an Karbonathärte: Sie puffert Säure ab und hebt den pH im Substrat über Wochen an. Sehr weiches Wasser liefert dafür kaum Calcium und Magnesium als Nährstoffe.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Härtebereiche in Deutschland
weich < 1,5 mmol/l, mittel 1,5–2,5 mmol/l, hart > 2,5 mmol/l CaCO3gesetzliche Einteilung nach § 9 Wasch- und Reinigungsmittelgesetz seit 2007
Umrechnung
1 mmol/l Calciumcarbonat ≈ 5,6 °dHdie Grenzwerte entsprechen etwa 8,4 bzw. 14 °dH
Richtwert Gießwasserhärte
ca. 100–150 mg/l (als CaCO3)aus der US-Gartenbauberatung; unter 50 mg/l gilt Wasser als extrem weich
Wo du deinen Wert findest
Jahresbericht deines WasserversorgersVersorger müssen den Härtebereich mindestens einmal jährlich mitteilen

Was Wasserhärte überhaupt beschreibt

Wasserhärte ist die Menge an gelöstem Calcium und Magnesium im Wasser – den beiden Erdalkalimetallen, die schwerlösliche Verbindungen wie Kalk bilden. Je mehr davon im Wasser gelöst ist, desto „härter“ gilt es. In Deutschland ist die Einteilung gesetzlich geregelt: Seit 2007 gilt nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz eine Dreiteilung in weich (unter 1,5 mmol/l Calciumcarbonat), mittel (1,5 bis 2,5 mmol/l) und hart (über 2,5 mmol/l). Umgerechnet in die früher gebräuchliche Einheit Grad deutscher Härte entspricht das etwa 8,4 beziehungsweise 14 °dH.

Wasserversorger müssen ihren Kunden den Härtebereich mindestens einmal jährlich mitteilen, meist über die Internetseite oder die Jahresabrechnung. Dort stehen häufig auch genauere Werte für Calcium, Magnesium und Bikarbonat, die für den Anbau aufschlussreicher sind als die grobe Einteilung allein.

Härtebereich

Calciumcarbonat

umgerechnet in °dH

weich

unter 1,5 mmol/l

unter ca. 8,4 °dH

mittel

1,5–2,5 mmol/l

ca. 8,4–14 °dH

hart

über 2,5 mmol/l

über ca. 14 °dH

Die Einheit °dH ist gesetzlich nicht mehr vorgeschrieben, taucht in älteren Analysen und im Alltag aber weiterhin häufig auf. Für die Umrechnung gilt näherungsweise: 1 mmol/l Calciumcarbonat entspricht etwa 5,6 °dH.

Karbonathärte: der Anteil, der wirklich zählt

Nicht die gesamte Härte wirkt gleich. Die Karbonathärte (auch temporäre Härte genannt) besteht aus Calcium- und Magnesium-Hydrogenkarbonat. Sie fällt beim Erhitzen des Wassers als Kalkbelag aus – bekannt aus dem Wasserkocher – und wirkt im ungekochten Zustand als Puffer, der zugesetzte Säure abfängt. Die Nichtkarbonathärte besteht dagegen aus Sulfaten, Chloriden und Nitraten von Calcium und Magnesium; sie verändert sich beim Erhitzen nicht und puffert auch keine Säure ab.

Für den Anbau ist vor allem die Karbonathärte relevant, weil sie identisch mit der Alkalinität des Wassers ist. Sie bestimmt, wie stark sich der pH im Substrat über die Zeit nach oben verschiebt – unabhängig davon, auf welchen pH-Wert du das Gießwasser vorher eingestellt hast. Wie dieser Zusammenhang genau funktioniert, erklärt der Artikel pH-Grundlagen ausführlich.

Warum Wasserhärte für Substrat und Nährlösung wichtig ist

Aus der US-amerikanischen Gartenbauberatung stammen Richtwerte, die sich auf viele Kulturen übertragen lassen: Eine Härte von etwa 100 bis 150 mg/l (als Calciumcarbonat gerechnet, umgerechnet etwa 1,0 bis 1,5 mmol/l) gilt als praktikabler Bereich. Steigt sie deutlich darüber, drohen Kalkablagerungen in Leitungen, Düsen und auf Blättern. Liegt sie unter etwa 50 mg/l, gilt Wasser als extrem weich – dann fehlt in der Regel ausreichend Calcium und Magnesium, sodass beides gezielt über die Düngung ergänzt werden muss. Mehr dazu im Artikel Calcium im Gießwasser.

Bei der Alkalinität gilt laut derselben Quelle ein Bereich von etwa 30 bis 100 mg/l als günstig, in vielen Kulturen sind bis zu 150 mg/l noch akzeptabel. Darunter puffert das Wasser kaum, wodurch der pH nach jeder Düngung stärker schwankt. Darüber steigt der Substrat-pH mit der Zeit spürbar an, was typische Mangelerscheinungen bei Mikronährstoffen begünstigt.

Wasserhärte praktisch einordnen

  • Eigenen Wert nachschlagen. Der Jahresbericht deines Wasserversorgers nennt Härtebereich und oft auch die genauen Calcium-, Magnesium- und Bikarbonatwerte.

  • Karbonathärte separat betrachten. Zwei Wässer mit gleicher Gesamthärte können sich im Substrat unterschiedlich verhalten, wenn ihr Karbonatanteil unterschiedlich hoch ist.

  • Alternative Wasserquellen kennen. Regenwasser und Osmosewasser sind praktisch frei von Härtebildnern – nützlich bei sehr hartem Leitungswasser, aber mit eigenem Ergänzungsbedarf bei Calcium und Magnesium.

  • Nicht nur auf den pH schauen. Ein unauffälliger Gießwasser-pH sagt wenig darüber aus, wie stark das Wasser den Substrat-pH langfristig verschiebt – dafür zählt die Karbonathärte.

  • Substrat mitdenken. Erde mit Kompost- oder Kalkanteil puffert Schwankungen der Wasserhärte gut ab, während Coco und Hydrosysteme kaum eigene Reserven haben und jede Veränderung schneller weitergeben.

Typische Fehler und Irrtümer

  • Wasserhärte mit pH-Wert gleichsetzen. Hartes Wasser hat nicht zwangsläufig einen hohen pH – aber es hebt den Substrat-pH über Zeit an, weil es stark puffert.

  • Nur die Gesamthärte betrachten. Für die Praxis ist die Karbonathärte aussagekräftiger, weil sie den Puffereffekt im Substrat bestimmt.

  • Weiches Wasser für grundsätzlich besser halten. Ohne Karbonathärte fehlt der Puffer gegen pH-Schwankungen, und ohne Calcium und Magnesium fehlt Pflanzennahrung – beides muss dann anders bereitgestellt werden.

  • Nach dem Enthärten nicht nachmessen. Haushaltsenthärter ersetzen Calcium und Magnesium meist durch Natrium, das sich in der Nährlösung anders auswirkt als die ursprüngliche Härte.

  • Eine einmalige Messung für dauerhaft gültig halten. Vor allem bei Wasserwerken mit wechselnden Quellen kann sich die Härte im Jahresverlauf leicht ändern.

Weitere Grundlagen rund um Gießwasser findest du in der Kategorie Wasserqualität.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Karbonathärte und Gesamthärte?

Die Gesamthärte umfasst alles gelöste Calcium und Magnesium. Ein Teil davon, die Karbonathärte, liegt als Hydrogenkarbonat vor und fällt beim Erhitzen als Kalk aus – sie wirkt außerdem als Puffer gegen Säure. Der Rest, die Nichtkarbonathärte, besteht aus Sulfaten, Chloriden und Nitraten von Calcium und Magnesium und verändert sich beim Erhitzen nicht.

Wie finde ich heraus, wie hart mein Leitungswasser ist?

Wasserversorger müssen den Härtebereich mindestens einmal jährlich mitteilen, meist über die Website oder die Jahresrechnung. Dort findest du in der Regel auch genauere Angaben zu Calcium-, Magnesium- und Bikarbonatgehalt, die über die grobe Dreiteilung hinausgehen.

Macht hartes Wasser den Substrat-pH automatisch zu hoch?

Nicht sofort, aber mit der Zeit. Entscheidend ist die Karbonathärte des Wassers: Sie puffert zugesetzte Säure ab und hebt den pH im Substrat über Wochen an, besonders in Coco oder Hydro mit wenig eigenem Puffervermögen. Wie du das erkennst und gegensteuerst, erklärt der Artikel zum [pH-Wert](/wissen/ph-grundlagen).

Sollte ich hartes Wasser generell enthärten?

Nicht pauschal. Enthärtungsanlagen für den Haushalt tauschen Calcium und Magnesium meist gegen Natrium aus, das für Pflanzen unerwünscht ist. Für den Anbau ist es meist sinnvoller, die Karbonathärte über die Nährlösung zu berücksichtigen oder auf Regenwasser, Mischwasser oder Osmosewasser auszuweichen.

Ist weiches Wasser immer besser für Cannabis?

Nein. Sehr weiches Wasser puffert pH-Schwankungen kaum ab und liefert wenig Calcium und Magnesium, die dann vollständig über den Dünger kommen müssen. Moderat hartes Wasser ist für viele Anbauer sogar praktischer, solange die Karbonathärte im Blick bleibt.

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Quellen

  1. § 9 Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG) – Angabe der Wasserhärtebereiche Bundesministerium der Justiz – Gesetze im InternetGesetzliche Definition der drei deutschen Härtebereiche in mmol/l Calciumcarbonat und Pflicht der Wasserversorger zur jährlichen Information.
  2. Härtebereiche für Trinkwasser DVGW Deutscher Verein des Gas- und WasserfachesErklärt Gesamthärte, Karbonat- und Nichtkarbonathärte sowie die Kalkausfällung beim Erhitzen karbonathaltigen Wassers.
  3. Interpreting Irrigation Water Tests Pennsylvania State University ExtensionRichtwerte für Härte und Alkalinität im Gießwasser (u. a. ideal 100–150 mg/l, unter 50 mg/l zusätzliche Calcium-/Magnesiumdüngung nötig).

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