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pH-Wert beim Cannabis-Anbau: Grundlagen und Richtwerte für Erde, Coco und Hydro

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch Gießwasser, Nährlösung und Wurzelraum sind. Er bestimmt mit, wie gut die Wurzeln Nährstoffe aufnehmen: Liegt er zu hoch, werden vor allem Eisen, Mangan und andere Mikronährstoffe schlechter verfügbar. Als Richtwert gelten für Erde etwa 6,0–7,0, für Coco und Hydro etwa 5,5–6,5, häufig 5,8–6,2. Entscheidend ist der pH im Wurzelraum – und den verschieben vor allem die Alkalinität des Wassers und die Stickstoffform im Dünger.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Erde
ca. 6,0–7,0Richtwert für Erde mit Boden- oder Kompostanteil; puffert stark
Coco und Hydro
ca. 5,5–6,5, häufig 5,8–6,2In Cannabis-Studien wurde die Nährlösung meist auf pH 5,6–6,0 eingestellt
pH-Skala
logarithmischEine pH-Stufe entspricht der zehnfachen Menge an Wasserstoffionen
Wichtiger als der Wasser-pH
die Alkalinität (Karbonathärte)Sie puffert Säure ab und hebt den pH im Substrat mit der Zeit an

Was der pH-Wert misst

Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. Die Skala reicht von 0 bis 14: 7 ist neutral, kleinere Werte sind sauer, größere basisch. Sie ist logarithmisch – eine Stufe entspricht der zehnfachen Menge an Wasserstoffionen. pH 5,0 ist also zehnmal saurer als pH 6,0, und schon wenige Zehntel machen einen Unterschied.

Im Anbau gibt es drei Messorte: das Gießwasser, die fertige Nährlösung und den pH im Substrat, also im Wurzelraum. Entscheidend ist der letzte, denn dort nehmen die Wurzeln Nährstoffe auf. Er kann deutlich vom pH der Gießlösung abweichen, weil Substrat, Wasserinhaltsstoffe, Dünger und die Wurzeln selbst ihn verschieben.

Warum der pH die Nährstoffaufnahme steuert

Der pH entscheidet mit darüber, ob Nährstoffe gelöst und damit für die Wurzeln greifbar sind. Steigt er zu hoch, werden vor allem die Mikronährstoffe Eisen, Mangan, Zink, Kupfer und Bor schlechter verfügbar; typisch ist dann ein gelber Neuaustrieb durch Eisenmangel. Sinkt er zu tief, lösen sich Eisen und Mangan so stark, dass sie an älteren Blättern Schäden verursachen können.

Wie groß der Effekt ist, zeigen Zahlen aus der Bodenkunde: In Mineralböden sinkt die Verfügbarkeit von Zink, Kupfer und Mangan pro pH-Einheit etwa um das Hundertfache, Phosphor ist um pH 6,5 am besten verfügbar. In erdelosen Substraten wie Torf, Coco oder Steinwolle liegt der günstige Bereich niedriger – Beratungsstellen nennen pH 5,4 bis 6,2, in dem alle Nährstoffe gut verfügbar sind.

Medium

Richtwert im Wurzelraum

Hinweise

Erde mit Boden- oder Kompostanteil

ca. 6,0–7,0

puffert stark, Gießwasser muss selten korrigiert werden

Torfbasierte Substrate

ca. 5,5–6,5

Torf ist sauer und wird für den Anbau meist aufgekalkt

Coco

ca. 5,5–6,5, häufig 5,8–6,2

wenig Puffer, Nährlösung bei jedem Ansetzen einstellen

Hydro, z. B. DWC

ca. 5,5–6,5, häufig 5,8–6,2

pH driftet schnell, mehrmals pro Woche kontrollieren

Systematische Studien, die bei Cannabis verschiedene pH-Werte direkt vergleichen, sind rar. Die Richtwerte beruhen vor allem auf allgemeinen Erkenntnissen zur Nährstoffverfügbarkeit. In Versuchen zur Cannabisernährung wurde die Nährlösung meist auf etwa pH 5,6 bis 6,0 eingestellt – das passt zu den Werten für Coco und Hydro.

pH im Substrat: was ihn nach oben und unten verschiebt

Den größten Einfluss auf den pH im Wurzelraum hat nicht der pH des Gießwassers, sondern seine Alkalinität – die Menge an gelöstem Bikarbonat und Karbonat, die Säure abpuffert. Wasser mit pH 9 und wenig Alkalinität hebt den Substrat-pH kaum an, Wasser mit pH 7 und hoher Alkalinität dagegen deutlich. Hartes Leitungswasser treibt den pH deshalb über Wochen nach oben. Mehr dazu findest du im Artikel über Leitungswasser.

Auch die Stickstoffform wirkt: Nehmen die Wurzeln Nitrat auf, wird der Wurzelraum basischer; bei Ammonium geben sie Protonen ab und er wird saurer. In einem Cannabis-Versuch lag der pH im Drain bei reiner Nitratdüngung über dem der Gießlösung, bei ausschließlich Ammonium darunter. In Hydrosystemen steigt der pH deshalb meist mit der Zeit, weil Alkalinität und Nitrat zusammenkommen.

Erde und aufgekalkte Substrate reagieren träge, weil Kalk und organische Substanz Säuren und Basen abfangen. Coco, Steinwolle und reine Nährlösung haben kaum Reserven – dort schlägt jeder Fehler schnell auf den Wurzelraum durch.

pH richtig messen und einstellen

Stelle den pH immer erst ein, wenn alle Dünger im Wasser gelöst sind, denn Dünger verändert den pH selbst. Zum Senken dienen verdünnte Säuren, zum Anheben basische Kaliumverbindungen. Gib kleine Mengen zu, rühre um, warte kurz und miss erneut.

Den pH im Substrat kannst du über den Drain messen, also das Wasser, das nach dem Gießen unten abläuft. Genauer sind standardisierte Verfahren aus dem Gartenbau: Beim PourThru-Verfahren gießt du eine definierte Menge destilliertes Wasser auf das Substrat und misst die ablaufende Lösung, beim 1:2-Auszug mischst du einen Teil Substrat mit zwei Teilen destilliertem Wasser. Welches Verfahren du nutzt, ist weniger wichtig, als es immer gleich zu machen und die Werte als Verlauf zu notieren.

Für all das brauchst du ein zuverlässiges Messgerät. Teststreifen und Tropfentests liefern nur eine grobe Orientierung. Wie du ein Gerät korrekt einstellst, erklärt der Artikel pH-Messgerät kalibrieren.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • pH vor dem Düngen einstellen. Wer Wasser auf 6,0 bringt und danach Dünger zugibt, misst am Ende einen anderen Wert.

  • Nur den Wasser-pH betrachten. Die Alkalinität entscheidet, wie stark der Substrat-pH langfristig steigt. Eine Wasseranalyse des Versorgers hilft weiter.

  • Jedem Einzelwert hinterherregeln. Der Drain-pH schwankt je nach Gießmenge und Standzeit. Aussagekräftig ist der Trend über mehrere Messungen.

  • Jede Blattverfärbung für ein pH-Problem halten. Überwässerung, Salzaufbau oder echte Mängel sehen ähnlich aus. Prüfe auch Wurzeln und EC-Wert, bevor du nachsteuerst – der Artikel zum Nährstoff-Lockout zeigt das Vorgehen.

  • Auf die Nachkommastelle zielen. Innerhalb der Richtwerte ist ein pH von 5,9 nicht messbar besser als 6,1. Wichtiger sind stabile Bedingungen und ein kalibriertes Gerät.

Häufige Fragen

Muss ich in Erde überhaupt den pH-Wert einstellen?

Oft nicht. Erde mit Boden-, Kompost- oder Kalkanteil puffert Schwankungen gut ab, sodass Leitungswasser in vielen Fällen ohne Korrektur funktioniert. Sinnvoll ist, den pH von Gießwasser und Drain gelegentlich zu messen und die Werte zu notieren. Steigt der Drain-pH über Wochen deutlich an oder zeigt der Neuaustrieb Aufhellungen, lohnt sich ein genauerer Blick auf Wasser und Dünger.

Warum steigt der pH in meinem Coco- oder Hydro-System ständig?

Meist wirken zwei Dinge zusammen: Leitungswasser bringt Bikarbonat mit, das Säure abpuffert, und die Pflanzen nehmen Stickstoff überwiegend als Nitrat auf, wodurch der Wurzelraum basischer wird. In Cannabis-Versuchen stieg der pH im Drain bei reiner Nitratdüngung an, bei hohem Ammoniumanteil sank er. Leichtes Nachsteuern ist deshalb normal.

Wie oft sollte ich den pH messen?

Die Nährlösung misst du bei jedem Ansetzen, nachdem alle Dünger gelöst sind. In Hydrosystemen driftet der pH schneller, dort lohnt eine Kontrolle mehrmals pro Woche. Den Drain oder einen Substratauszug misst du am besten immer unter gleichen Bedingungen, etwa einmal pro Woche, und achtest auf den Trend statt auf Einzelwerte.

Womit senke ich den pH-Wert?

Üblich sind verdünnte Säuren, meist Phosphor-, Salpeter- oder Schwefelsäure; Phosphor- und Salpetersäure liefern dabei zusätzlich Phosphor beziehungsweise Stickstoff. Gib die Säure in kleinen Schritten ins Wasser, rühre um und miss nach. Immer Säure ins Wasser geben, nie umgekehrt, und Schutzbrille sowie Handschuhe tragen.

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Quellen

  1. Essential pH Management in Greenhouse Crops: pH and Plant Nutrition Pennisi, Thomas – University of Georgia Extension, Bulletin 1256, 2023Logarithmische pH-Skala, Nährstoffverfügbarkeit in Substraten, Alkalinität versus pH des Gießwassers, Wirkung von Nitrat und Ammonium.
  2. pH and Electrical Conductivity Measurements in Soilless Substrates Camberato, Lopez, Mickelbart – Purdue Extension HO-237-W, 2009Alle Nährstoffe sind in erdelosen Substraten bei pH 5,4–6,2 gut verfügbar; Messmethoden wie PourThru, 1:2-Auszug und Sättigungsextrakt.
  3. Soil pH Affects Nutrient Availability Miller – University of Maryland Extension, FS-1054, 2016Die meisten Kulturen bevorzugen im Mineralboden pH 6–7; Phosphor ist um pH 6,5 am besten verfügbar, Mikronährstoffe werden mit steigendem pH knapper.
  4. Nitrogen Source Matters: High NH4/NO3 Ratio Reduces Cannabinoids, Terpenoids, and Yield in Medical Cannabis Saloner, Bernstein – Frontiers in Plant Science 13, 2022Cannabis-Versuch mit Nährlösung pH 5,6–6,0: Nitrat hob, Ammonium senkte den pH im Drain.
  5. Fertilizer Calculation Basics for Hydroponics Mattson – e-GRO Edible Alert 3(5), Cornell University, 2018In der Hydrokultur steigt der pH meist durch die Alkalinität des Leitungswassers und die überwiegende Nitratdüngung.
  6. Chapter A6.4. Measurement of pH U.S. Geological Survey – Techniques and Methods 9-A6.4, 2021Definition des pH-Werts als negativer dekadischer Logarithmus der Wasserstoffionen-Aktivität; Indikatorpapier nur als grobe Orientierung.

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