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EC-Wert beim Cannabis-Anbau: Was die Leitfähigkeit über Dünger und Salze verrät

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Der EC-Wert – die elektrische Leitfähigkeit – zeigt, wie viele gelöste Salze, also Nährstoff-Ionen, in Wasser oder Nährlösung stecken. Er wird in mS/cm angegeben und auf 25 °C bezogen. Welche Nährstoffe enthalten sind, verrät er nicht. Als Orientierung für Coco und Hydro gelten etwa 0,4–0,8 mS/cm für Sämlinge, 1,0–1,8 im Wachstum und 1,2–2,2 in der Blüte, abhängig von Ausgangswasser, Medium und Sorte. Aussagekräftig wird der Wert im Vergleich von Zulauf und Drain.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Einheit
mS/cm bei 25 °C1 mS/cm entspricht 1.000 µS/cm
Wachstum (Coco/Hydro)
ca. 1,0–1,8 mS/cmOrientierungswert einschließlich Ausgangswasser
Blüte (Coco/Hydro)
ca. 1,2–2,2 mS/cmIn Cannabis-Studien lagen Nährlösungen meist bei etwa 1,4–2,8 mS/cm
Temperatureinfluss
ca. 0,5–3 % pro °CMessgeräte rechnen mit Temperaturkompensation auf 25 °C um
Drain im Vergleich
leicht über dem Zulauf ist normalin einem Cannabis-Versuch dauerhaft 7–16 % höher

Was der EC-Wert misst – und was nicht

Reines Wasser leitet Strom kaum. Erst gelöste Salze zerfallen in elektrisch geladene Teilchen, sogenannte Ionen – etwa Kalium, Calcium, Nitrat oder Sulfat – und machen die Lösung leitfähig. Der EC-Wert (von englisch electrical conductivity) ist deshalb ein Summenwert für alle gelösten Ionen: Nährstoffe ebenso wie Natrium oder Chlorid aus dem Leitungswasser. Angegeben wird er in Millisiemens pro Zentimeter (mS/cm); 1 mS/cm entspricht 1.000 µS/cm.

Die Leitfähigkeit steigt mit der Temperatur, je nach Ionen um etwa 0,5 bis 3 % pro Grad. Messgeräte rechnen den Wert deshalb auf 25 °C um, meist mit einem festen Faktor von rund 2 % pro Grad. Ohne diese Temperaturkompensation sind Werte aus kalter und warmer Lösung nicht vergleichbar.

Der EC unterscheidet nicht zwischen Stickstoff, Kalium oder Kochsalz. In einem Cannabis-Versuch hatte selbst die Nährlösung mit nur 30 mg Stickstoff pro Liter eine Leitfähigkeit von etwa 1,6 mS/cm, weil die übrigen Salze mitgemessen wurden; die optimal versorgte Variante mit 160 mg N/l lag bei rund 2,1 mS/cm. Organisch gebundene Nährstoffe erfasst das Messgerät erst, wenn Mikroorganismen sie zu Ionen abgebaut haben – mehr dazu bei den organischen Düngern.

Viele Geräte zeigen statt EC einen „ppm“-Wert für gelöste Feststoffe (TDS) an. Dafür multiplizieren sie die Leitfähigkeit mit einem festen Faktor, je nach Gerät häufig 0,5 oder 0,7 – 1,2 mS/cm werden so zu 600 oder 840 ppm. Das tatsächliche Verhältnis schwankt mit der Wasserzusammensetzung; für natürliche Wässer nennt der US Geological Survey etwa 0,5 bis 0,9. Vergleiche Werte deshalb immer in EC.

Richtwerte nach Phase und Medium

Die folgenden Werte gelten für die Nährlösung in Coco und Hydro und schließen die Leitfähigkeit des Ausgangswassers ein. Sie sind Orientierungswerte, keine Zielvorgaben: Sorte, Licht, Klima, Topfgröße und Wasser verschieben den Bedarf.

Phase

EC der Nährlösung (Coco/Hydro)

Hinweise

Sämlinge, frische Stecklinge

ca. 0,4–0,8 mS/cm

Praxiswert, systematische Studien fehlen weitgehend

Wachstum

ca. 1,0–1,8 mS/cm

schrittweise steigern und den Neuaustrieb beobachten

Blüte

ca. 1,2–2,2 mS/cm

in Versuchen teils bis etwa 2,8 mS/cm

In Studien zur Cannabisernährung lagen die Nährlösungen meist bei etwa 1,4 bis 2,8 mS/cm, etwa in einem Blüteversuch in Tiefwasserkultur mit 1,5 bis 2,8 mS/cm. Diese Werte stammen aus Versuchen mit genau bekannter Zusammensetzung und lassen sich nicht eins zu eins auf jeden Dünger übertragen.

In vorgedüngter Erde und organischen Systemen liefert das Substrat selbst Nährstoffe. Die EC der Gießlösung sagt dort wenig über die Versorgung aus; aussagekräftiger ist der Verlauf von Drain- oder Substratauszug-Werten.

Zulauf, Drain und Substrat: wo du messen solltest

Den EC der fertigen Nährlösung, also des Zulaufs, misst du bei jedem Ansetzen. Über den Zustand im Wurzelraum sagt er aber wenig. Dafür misst du den Drain – das Wasser, das nach dem Gießen unten aus dem Topf läuft – oder einen standardisierten Substratauszug wie beim PourThru-Verfahren. Die Zielwerte hängen vom Verfahren ab, weil jedes die Bodenlösung unterschiedlich stark verdünnt. Entscheidend ist, immer gleich zu messen und den Verlauf zu notieren.

Der Vergleich von Zulauf und Drain zeigt, was im Topf passiert:

  • Drain etwas höher als der Zulauf: normal. In einem Cannabis-Versuch lag er dauerhaft 7–16 % über der Gießlösung.

  • Drain steigt von Mal zu Mal deutlich: Salze reichern sich an, weil die Pflanze mehr Wasser als Nährstoffe aufnimmt oder zu wenig abläuft.

  • Drain deutlich niedriger als der Zulauf: Die Pflanze nimmt viele Nährstoffe auf. Werden gleichzeitig die unteren Blätter blass, kann die Versorgung knapp sein.

Wenn der EC zu hoch oder zu niedrig ist

Zu viele Salze im Wurzelraum erschweren die Wasseraufnahme, weil das Wasser osmotisch stärker festgehalten wird. Pflanzen reagieren auf Salzstress in zwei Phasen: Zuerst bremst der osmotische Effekt das Wachstum junger Blätter, später beschleunigen angereicherte Ionen die Alterung älterer Blätter. Sichtbar wird das oft als stockendes Wachstum und als verbrannte Blattspitzen.

Mehr Dünger bringt dabei nicht automatisch mehr Ertrag. In einem Versuch in der Wachstumsphase war Cannabis bei 160 mg Stickstoff pro Liter optimal versorgt, höhere Gaben schränkten die Pflanzen eher ein. Ein anderer Versuch zeigte für Phosphor, dass höhere Konzentrationen vor allem die Verluste im Drain steigerten, nicht Ertrag oder Qualität.

Ist der EC zu niedrig, fehlen Nährstoffe – oft zuerst sichtbar als Aufhellung der unteren Blätter durch Stickstoffmangel. Erhöhe die Konzentration dann schrittweise. Bei zu hohem Drain-EC gießt du mit schwächerer Nährlösung und so, dass ausreichend Wasser abläuft; in Coco gehört regelmäßiger Drain ohnehin zum System, wie der Artikel zur Bewässerung in Coco erklärt.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • ppm-Werte verschiedener Geräte vergleichen. 800 ppm entsprechen bei Faktor 0,5 genau 1,6 mS/cm, bei Faktor 0,7 nur etwa 1,14 mS/cm.

  • Das Ausgangswasser ignorieren. Hartes Leitungswasser bringt schon Leitfähigkeit mit, etwa durch Calcium, Magnesium und Hydrogencarbonat. Wer stur auf einen Ziel-EC düngt, gibt bei hartem Wasser weniger Dünger als gedacht; mehr dazu im Artikel Leitungswasser.

  • Den EC als Nährstoffanalyse lesen. Ein passender Wert kann ein Ungleichgewicht verdecken, etwa viel Natrium bei wenig Kalium.

  • Nicht kalibrieren. Auch EC-Geräte driften. Kalibriere mit frischer Standardlösung und prüfe, ob destilliertes Wasser nahe null anzeigt.

  • Direkt im Topf messen. Einstechsonden reagieren stark auf die aktuelle Feuchte. Vergleichbare Werte liefern Drain oder standardisierte Auszüge.

  • Immer höher gehen. „Mehr Dünger, mehr Ertrag“ ist ein verbreiteter Irrtum. Oberhalb des Bedarfs steigen vor allem Salzbelastung und Verluste.

Häufige Fragen

Wie rechne ich EC in ppm um?

Multipliziere den EC in mS/cm mit dem Umrechnungsfaktor deines Geräts und mit 1.000. Bei Faktor 0,5 entsprechen 1,2 mS/cm 600 ppm, bei Faktor 0,7 rund 840 ppm. Welchen Faktor dein Gerät nutzt, steht in der Anleitung. Weil jeder Faktor nur eine Näherung ist, bleibt der EC-Wert der verlässlichere Vergleichswert.

Muss ich den EC meines Leitungswassers abziehen?

Die Richtwerte beziehen sich auf die fertige Nährlösung einschließlich Ausgangswasser. Kennst du den EC deines Wassers, weißt du, wie viel Spielraum für Dünger bleibt. Bei sehr hartem Wasser stammt ein Teil der Leitfähigkeit aus Stoffen wie Hydrogencarbonat, die keinen Dünger ersetzen – ein Blick in die Wasseranalyse des Versorgers hilft.

Kann ich mit dem EC-Wert organische Dünger kontrollieren?

Nur eingeschränkt. Das Messgerät erfasst ausschließlich gelöste Ionen. Organisch gebundene Nährstoffe werden erst messbar, wenn Mikroorganismen sie zu Salzen wie Nitrat abgebaut haben. Ein niedriger EC bedeutet in organischen Systemen deshalb nicht automatisch einen Mangel.

Was bedeutet es, wenn der Drain-EC viel höher ist als der Zulauf?

Im Wurzelraum reichern sich Salze an, weil die Pflanze mehr Wasser als Nährstoffe aufnimmt oder zu wenig Wasser abläuft. Ein leicht höherer Drain ist normal. Steigt die Differenz von Woche zu Woche, senkst du die Konzentration der Nährlösung und gießt so, dass ausreichend Drain entsteht.

Wie kalibriere ich ein EC-Messgerät?

Mit einer frischen Leitfähigkeits-Standardlösung in der Nähe deiner üblichen Messwerte, häufig 1,413 mS/cm. Spüle die Sonde vorher mit destilliertem Wasser und etwas Standardlösung, damit nichts verdünnt wird. Zur Kontrolle sollte destilliertes Wasser nahezu null anzeigen, laut USGS unter 0,003 mS/cm.

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Quellen

  1. Chapter A6.3. Specific Conductance U.S. Geological Survey – Techniques and Methods 9-A6.3, 2019Definition der Leitfähigkeit, Bezug auf 25 °C, Temperaturanstieg um 0,5–3 % pro °C, Verhältnis TDS zu EC, Kalibrierung mit KCl-Standards.
  2. pH and Electrical Conductivity Measurements in Soilless Substrates Camberato, Lopez, Mickelbart – Purdue Extension HO-237-W, 2009EC als Maß für gelöste Salze im Substrat; Zielwerte hängen vom Messverfahren (PourThru, 1:2, Sättigungsextrakt) ab.
  3. Response of Medical Cannabis (Cannabis sativa L.) to Nitrogen Supply Under Long Photoperiod Saloner, Bernstein – Frontiers in Plant Science 11, 2020EC der Nährlösungen von ca. 1,6 bis 2,8 mS/cm bei 30–320 mg N/l; optimal waren 160 mg N/l, höhere Gaben schränkten die Pflanzen ein.
  4. Optimisation of Nitrogen, Phosphorus, and Potassium for Soilless Production of Cannabis sativa in the Flowering Stage Using Response Surface Analysis Bevan, Jones, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Blüteversuch in Tiefwasserkultur mit Nährlösungen von etwa 1,5 bis 2,8 mS/cm; Zulauf- und Drain-EC im Vergleich.
  5. Nitrogen Source Matters: High NH4/NO3 Ratio Reduces Cannabinoids, Terpenoids, and Yield in Medical Cannabis Saloner, Bernstein – Frontiers in Plant Science 13, 2022Der Drain-EC lag in allen Varianten stabil 7–16 % über dem EC der Gießlösung.
  6. Mechanisms of Salinity Tolerance Munns, Tester – Annual Review of Plant Biology 59, 2008Salzstress wirkt in zwei Phasen: osmotisch auf das Wachstum junger Blätter, später ionisch mit beschleunigter Alterung älterer Blätter.
  7. Sustainable Cannabis Nutrition: Elevated root-zone phosphorus significantly increases leachate P and does not improve yield or quality Westmoreland, Bugbee – Frontiers in Plant Science 13, 2022Mehr Phosphor im Wurzelraum erhöhte die Verluste im Drain, aber nicht Ertrag oder Qualität.

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