Bewässerung in Coco: Wie oft, wie viel und warum der Drain wichtig ist
Kurz erklärt
In Coco wird nicht nach dem Prinzip „austrocknen lassen“ gegossen, sondern häufig und mit Nährlösung: Das Substrat speichert selbst kaum Nährstoffe und soll deshalb nie ganz abtrocknen. Gegossen wird, bis unten etwas Ablauf entsteht, der sogenannte Drain – in einem Cannabis-Versuch waren es 20 % der Gießmenge. Der Drain spült überschüssige Salze aus und hält die Nährstoffkonzentration im Topf stabil. Mit wachsender Pflanze steigt die Gießhäufigkeit, bei großen Pflanzen oft auf täglich oder öfter.
Inhalt(8 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Drain-Anteil
- ca. 15–20 % der GießmengeBeispielwerte aus einem Cannabis-Versuch und der Baumschulberatung, kein fester Standard
- Gießzeitpunkt im Versuch
- bei ca. 30 % SubstratfeuchteSensorwert in Coco-Mischungen, nicht auf andere Substrate übertragbar
- Luftanteil der Versuchssubstrate
- ca. 34–35 Vol.-%coco-basierte Mischungen bei 49 bzw. 55 % Wasserkapazität
- Wasserhaltevermögen von Kokosmark
- 7,5- bis 11-faches des Trockengewichts
Warum Coco anders gegossen wird
Coco ist Wasserspeicher und Luftreservoir zugleich, aber kaum ein Nährstoffspeicher. Die Nährstoffe kommen mit dem Gießwasser, deshalb ist jede Bewässerung zugleich eine Düngung. Wie du das Substrat vorbereitest und puffert, erklärt der Artikel Kokossubstrat.
Häufiges Gießen hält das Angebot an den Wurzeln gleichmäßig. In Versuchen mit Salat in Perlit – ebenfalls ein Substrat ohne eigenen Nährstoffvorrat – steigerte eine höhere Bewässerungsfrequenz bei gleicher Tagesmenge den Ertrag, vor allem weil mehr Phosphor aufgenommen wurde. Für Cannabis in coco-basierten Substraten halten Forschende der University of Guelph fest: Substrate mit geringer Wasserkapazität brauchen häufigere Gaben, um die Feuchte konstant zu halten, wasserreichere Substrate kommen mit weniger Gießgängen aus.
Wasserhaltevermögen: wie viel Wasser Coco speichert
Kokosmark kann ein Vielfaches seines Trockengewichts an Wasser aufnehmen – in Messungen das 7,5- bis 11-Fache. Bei feinem Material waren nach dem Abtropfen 73–80 % des Volumens mit Wasser gefüllt und nur rund 10–13 % mit Luft. Den Wert nach dem Abtropfen nennt man Wasserkapazität oder Behälterkapazität: die Wassermenge, die das Substrat gegen die Schwerkraft festhält.
Wie viel davon im Topf bleibt, hängt auch von der Form ab. Mit zunehmender Topfhöhe sinkt die Wasserkapazität, der Luftanteil steigt. Dieselbe Coco-Mischung verhält sich in einer flachen Schale also nasser als in einem hohen Topf. Unten im Topf bildet sich immer eine Zone mit mehr Wasser – sie fällt in flachen Gefäßen stärker ins Gewicht.
Luftführung: Sauerstoff im Wurzelraum
Wurzeln brauchen Sauerstoff, und der gelangt in Coco über die groben, luftgefüllten Poren an sie heran. Die in einem Cannabis-Versuch verwendeten Coco-Mischungen hatten 34–35 % Luftanteil bei 49 beziehungsweise 55 % Wasserkapazität. Das Substrat mit der geringeren Wasserkapazität brachte 11 % mehr Blütenertrag. Als mögliche Gründe nennen die Autoren die häufigere Bewässerung und die bessere Sauerstoffversorgung. Im nasseren Substrat fielen drei Pflanzen wegen Wurzelfäule aus, im luftigeren eine – statistisch gesichert war dieser Unterschied nicht.
Für die Praxis heißt das: Coco mit groben Anteilen oder Perlit verwenden, beim Befüllen nicht verdichten, Untersetzer leeren und nur Töpfe mit gutem Wasserabzug nutzen. Warum Luft im Wurzelraum so wichtig ist, erklärt Sauerstoffversorgung der Wurzeln.
Drain: wie viel Ablauf und wozu
Drain ist das Wasser, das nach dem Gießen unten aus dem Topf läuft. Im Gartenbau heißt sein Anteil Leaching Fraction: Drainmenge geteilt durch die gegossene Menge, mal 100. Gießt du 2 Liter und fängst 0,4 Liter auf, beträgt der Drain 20 %.
Der Drain erfüllt zwei Aufgaben. Er zeigt, dass der ganze Topf durchfeuchtet ist, und er spült Salze aus, die die Pflanze nicht aufgenommen hat. Bleiben sie im Topf, steigt der Salzgehalt; dauerhaft zu hohe Werte können Wurzeln schädigen. In dem genannten Cannabis-Versuch wurde mit 20 % Drain gearbeitet, und Beratungsschriften aus der Baumschulpraxis rechnen mit Zielwerten von 15 oder 20 %. Einen allgemein gültigen Idealwert gibt es nicht – wie viel Wasser insgesamt sinnvoll ist, beschreibt der Artikel Gießmenge.
Leere den Untersetzer nach dem Abtropfen, damit das Substrat den Drain nicht wieder aufsaugt. Wenn du den EC des Drains misst, erkennst du Salzanreicherung früh. Liegt er dauerhaft deutlich über dem EC der Nährlösung, hilft mehr Drain oder eine schwächere Lösung. Gelegentliche Einzelmessungen schwanken allerdings stark – vergleiche immer unter gleichen Bedingungen, etwa zur selben Tageszeit und nach derselben Gießmenge. Mehr zur Messung erklären die EC-Grundlagen.
Gießrhythmus nach Wachstumsphase
Der Rhythmus richtet sich nach dem Wasserverbrauch, und der wächst mit der Pflanze, der Lichtmenge und der Temperatur. Im genannten Versuch wurde gegossen, sobald die mittlere Substratfeuchte auf etwa 30 % gesunken war – gemessen mit einem Sensor. Zu Hause ist das Topfgewicht der einfachste Maßstab, wie der Artikel zum Gießzeitpunkt zeigt.
Phase | Orientierung aus der Praxis | Worauf du achtest |
|---|---|---|
Steckling und Sämling | kleine Mengen, etwa alle 1–2 Tage | nur um den Wurzelballen gießen |
Wachstum | täglich bis alle 2 Tage | Drain und Topfgewicht beobachten |
Blüte mit großer Pflanze | täglich bis mehrmals täglich | EC im Drain verfolgen, bei Hitze öfter gießen |
Diese Werte sind keine Studienergebnisse, sondern ein Ausgangspunkt. Kleine Töpfe, Stofftöpfe, warme Luft und niedrige Luftfeuchtigkeit verkürzen die Abstände, große Töpfe und kühle Bedingungen verlängern sie.
Typische Fehler und Fehldeutungen
Coco austrocknen lassen. In stark ausgetrocknetem Substrat läuft Wasser leicht am Rand vorbei, und die verbliebenen Salze konzentrieren sich in wenig Restwasser.
Ohne Drain gießen. Nicht aufgenommene Salze bleiben im Topf, der Salzgehalt steigt von Gießgang zu Gießgang.
Drain im Untersetzer stehen lassen. Das Substrat saugt ihn wieder auf, und unten bleibt es dauerhaft nass.
Nur klares Wasser geben. Coco hat keinen Vorrat; ohne Nährlösung entstehen schnell Mängel.
Zu große Töpfe für kleine Pflanzen. Der Topf bleibt lange nass, obwohl die Wurzeln nur einen kleinen Teil erreichen.
Einzelne EC-Werte überbewerten. Entscheidend ist der Trend über mehrere Gießgänge, nicht ein Ausreißer.
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Häufige Fragen
Wie oft muss ich Coco gießen?
So oft, dass das Substrat nie richtig austrocknet. Als grobe Orientierung aus der Praxis reichen jungen Pflanzen in kleinen Töpfen oft Gaben alle ein bis zwei Tage, große Pflanzen in der Blüte brauchen häufig täglich oder mehrmals täglich Wasser. Maßgeblich ist das Topfgewicht: Verliert der Topf bis zum nächsten Gießen nur einen Teil seines Wassers, passt der Rhythmus.
Muss in Coco immer Drain entstehen?
In den meisten Fällen ja. Ohne Ablauf reichern sich nicht aufgenommene Salze im Topf an, der Salzgehalt im Substrat steigt und kann die Wurzeln schädigen. Nur bei sehr kleinen Pflanzen in großen Töpfen gießt du anfangs gezielt um den Wurzelballen, ohne den ganzen Topf zu durchnässen.
Was sagt mir der EC im Drain?
Er zeigt, ob sich im Topf Salze anreichern. Liegt der Drain-EC dauerhaft deutlich über dem EC deiner Nährlösung, erzeugst du mehr Drain oder senkst die Konzentration. Einzelne Messungen schwanken stark; aussagekräftig ist der Verlauf, wenn du immer auf die gleiche Weise misst.
Kann man Coco überwässern?
Schwerer als Erde, weil luftige Coco-Mischungen auch nass noch viele luftgefüllte Poren haben. Unmöglich ist es aber nicht: Sehr feines Material, stehendes Wasser im Untersetzer und dauernde Nässe verringern den Sauerstoff an den Wurzeln. In einem Versuch mit Cannabis brachte das wasserreichere von zwei Coco-Substraten weniger Ertrag, und dort fielen mehr Pflanzen wegen Wurzelfäule aus.
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Quellen
- Optimal Rate of Organic Fertilizer during the Flowering Stage for Cannabis Grown in Two Coir-based Substrates Caplan, Dixon, Zheng – HortScience 52, 2017Cannabis in zwei coco-basierten Substraten: 20 % Drain, Gießen bei ca. 30 % Substratfeuchte; das Substrat mit geringerer Wasserkapazität brachte 11 % mehr Blütenertrag.
- Source Variation in Physical and Chemical Properties of Coconut Coir Dust Evans, Konduru, Stamps – HortScience 31, 1996Wasser- und Luftanteil sowie Wasserhaltevermögen von Kokosmark.
- High fertigation frequency: the effects on uptake of nutrients, water and plant growth Silber, Xu, Levkovitch, Soriano, Bilu, Wallach – Plant and Soil 253, 2003Häufigere Fertigation in Perlit steigerte bei Salat Ertrag und Nährstoffaufnahme, vor allem von Phosphor.
- Container Height and Douglas Fir Bark Texture Affect Substrate Physical Properties Owen, Altland – HortScience 43, 2008Mit zunehmender Topfhöhe sinkt die Wasserkapazität, der Luftanteil steigt.
- Monitoring Leaching Fraction for Irrigation Scheduling in Container Nurseries Million, Yeager – UF/IFAS Extension (EDIS EP529), 2015Definition und Messung des Drain-Anteils (Leaching Fraction) mit Beispielrechnungen für Zielwerte von 15 und 20 %.
- Soluble Salts and Electrical Conductivity (EC) for Greenhouse Crops UMass Extension – Greenhouse Crops and Floriculture Program, 2016Salzanreicherung im Substrat, Auswaschen durch gründliches Gießen und Grenzen gelegentlicher EC-Messungen im Ablauf.
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