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Kokossubstrat (Coco): Eigenschaften, Vorbereitung und Unterschiede zur Erde

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Kokossubstrat – kurz Coco – besteht aus zerkleinertem Fasergewebe der Kokosnussschale. Es hält viel Wasser, bleibt dabei vergleichsweise luftig und liefert kaum Stickstoff, Calcium und Magnesium, enthält aber oft viel Kalium und ungewaschen auch Natrium und Chlorid. Deshalb wird Coco gewaschen und mit Calcium „gepuffert“. Gedüngt wird von Anfang an mit jeder Bewässerung, meist bei einem pH-Wert um 5,8 bis 6,2. Wer Coco wie Erde behandelt, riskiert schnell Mängel.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Gesamtporenvolumen
ca. 85–90 Vol.-%Messwerte für Kokosmark; der luftgefüllte Anteil lag bei feinem Material nur bei ca. 10–13 %
Wasserhaltevermögen
7,5- bis 11-faches des Trockengewichtsje nach Herkunft
Salzgehalt unbehandelter Ware
stark schwankend, ca. 0,3–6 mS/cmMessungen an Proben verschiedener Herkünfte
pH der Nährlösung
ca. 5,5–6,5, häufig 5,8–6,2gängige Orientierung für Coco

Woraus Kokossubstrat besteht

Kokossubstrat wird aus der faserigen Mittelschicht der Kokosnussschale gewonnen, einem Nebenprodukt der Kokosverarbeitung. Für Pflanzensubstrate nutzt man vor allem das feine Kokosmark (englisch coir pith oder coir dust) mit kurzen Fasern; gröbere Chips und lange Fasern erhöhen den Luftanteil. Kokos gilt als schnell nachwachsender Rohstoff und wird vor allem in Europa in großen Mengen als Torfersatz eingesetzt.

Im Handel gibt es Coco in drei Formen: als gepresste Blöcke oder Briketts, die im Wasser stark aufquellen, als lose, angefeuchtete Ware im Sack und als fertige Mischung mit Perlit. Gepresste Ware ist leicht und platzsparend, muss aber vor dem Einsatz vorbereitet werden.

Eigenschaften: viel Wasser, wenig Nährstoffe

Kokosmark besteht zum größten Teil aus Poren. In Messungen an Kokosmark aus fünf philippinischen Quellen lag das Gesamtporenvolumen bei 85,5–89,5 %, das Wasserhaltevermögen beim 7,5- bis 11-Fachen des Trockengewichts. Der luftgefüllte Anteil war bei diesem feinen Material mit 9,5–12,6 % eher knapp. Deshalb kommt es auf die Körnung an: Chips, Fasern oder Perlit sorgen für mehr grobe, luftführende Poren.

Chemisch ist Coco kein neutrales Material. Eine Analyse von 13 Proben aus Asien, Amerika und Afrika ergab leicht saure pH-Werte und sehr wenig verfügbaren Stickstoff, Calcium, Magnesium und Spurenelemente, dafür viel Phosphor und Kalium und teils hohe Natrium- und Chloridgehalte. Der Salzgehalt schwankte enorm – umgerechnet etwa zwischen 0,4 und 6 mS/cm im Sättigungsextrakt.

Hoch ist außerdem die Kationenaustauschkapazität, also die Fähigkeit, positiv geladene Nährstoff-Ionen wie Calcium, Magnesium oder Kalium locker zu binden und wieder abzugeben. Das macht Coco zu einem Puffer, der im Rohzustand aber oft viel Natrium und Kalium trägt.

Eigenschaft

Messwerte Kokosmark

Bedeutung für dich

Gesamtporenvolumen

85,5–89,5 %

viel Platz für Wasser und Luft

Luftanteil bei feinem Mark

9,5–12,6 %

grobe Anteile oder Perlit verbessern die Luftführung

Wasserhaltevermögen

750–1.100 % des Trockengewichts

speichert viel, trotzdem regelmäßig gießen

pH-Wert

5,6–6,9

Nährlösung meist auf ca. 5,8–6,2 einstellen

Stickstoff, Calcium, Magnesium

sehr niedrig

von Anfang an düngen

Kalium, Natrium, Chlorid

teils hoch, stark schwankend

waschen und puffern

Waschen und Puffern: warum Coco vorbehandelt wird

Gepuffertes Coco wurde mit einer calciumreichen Lösung behandelt. Dabei verdrängt Calcium – meist aus Calciumnitrat, teils ergänzt durch Magnesiumnitrat – das Natrium von den Austauscherplätzen; anschließend wird das Natrium mit sauberem Wasser ausgewaschen. In einem Topfversuch mit Schnittblumen brachte unbehandeltes Kokossubstrat deutlich weniger Blüten als behandeltes.

Achte beim Kauf deshalb auf den Hinweis „gepuffert“ oder „gewaschen“. Ungepuffertes Material kann anfangs Calcium und Magnesium aus der Nährlösung an sich binden – in der Praxis gilt das als häufige Ursache früher Mangelsymptome. So bereitest du Coco vor:

  1. Blöcke in einer Wanne mit der vom Hersteller angegebenen Wassermenge quellen lassen und gründlich auflockern.

  2. Durchspülen und den EC des ablaufenden Wassers messen. Liegt er deutlich über dem deines Gießwassers, weiterspülen.

  3. Ungepuffertes Material in einer calcium- und magnesiumhaltigen Lösung einweichen, dabei die Herstellerangaben beachten, und danach abtropfen lassen.

  4. Das Substrat feucht, aber nicht tropfnass in die Töpfe füllen und nicht festdrücken, damit die Luftporen erhalten bleiben.

Düngen und pH-Wert in Coco

Weil Coco kaum Nährstoffe mitbringt, gießt du praktisch immer mit Nährlösung – Fachleute sprechen von Fertigation, also Bewässerung und Düngung in einem Schritt. Besonders Calcium und Magnesium brauchen Aufmerksamkeit. Wie viel davon dein Leitungswasser bereits mitbringt, verrät die Analyse deines Wasserversorgers; typische Mangelbilder beschreibt der Artikel Magnesium.

Als Orientierung für den pH-Wert der Nährlösung in Coco gelten etwa 5,5 bis 6,5, häufig 5,8 bis 6,2. In einer kanadischen Untersuchung mit Cannabis in Kokossubstrat wurde die Lösung zum Beispiel auf pH 5,8 eingestellt. Warum der pH-Wert die Nährstoffverfügbarkeit steuert, erklärt pH-Grundlagen; wie du die Salzkonzentration misst, steht unter EC-Grundlagen.

Dass die Düngung zum Substrat passen muss, zeigt ein Topfversuch der Universität Hohenheim. Bei identischer Düngung wuchsen zwei CBD-reiche Genotypen in reinem Coco niedriger, bildeten eine geringere Wurzellängendichte und hatten weniger Stickstoff in den Blättern als in Torfsubstrat. Bei einem Genotyp lag der Blütenertrag in Coco bei weniger als der Hälfte, beim anderen war er ähnlich hoch.

Coco und Erde im Vergleich

Merkmal

Kokossubstrat

Vorgedüngte Erde

Nährstoffvorrat

praktisch keiner

für die erste Wachstumszeit

Düngen

mit fast jeder Bewässerung

erst nach Verbrauch des Vorrats

Gießrhythmus

häufig, nicht austrocknen lassen

abtrocknen lassen, dann durchgießen

Messaufwand

pH und EC regelmäßig

geringer

Pufferung von Fehlern

gering, Fehler wirken schnell

höher

Steril ist Coco übrigens nicht. In Proben aus ungeöffneten Säcken verschiedener Hersteller fanden Forschende Schimmelpilze wie Penicillium und Aspergillus sowie Fusarium; während der Nutzung nahmen die Mikrobenpopulationen weiter zu. Sterilisierte Produkte enthielten überwiegend nur Penicillium.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Coco wie Erde gießen. Wer nur klares Wasser gibt und das Substrat stark austrocknen lässt, erzeugt schnell Mängel. Wie oft und wie viel gegossen wird, erklärt Bewässerung in Coco.

  • Ungepuffertes Material ungewaschen verwenden. Natrium, Chlorid und gebundenes Calcium belasten junge Pflanzen.

  • Calcium und Magnesium vergessen. Gerade bei weichem Leitungswasser fehlen sie schnell.

  • Den pH-Wert wie in Erde einstellen. In Coco wird meist etwas saurer gearbeitet.

  • Substrat verdichten. Festgedrücktes Coco verliert grobe Poren und damit Luft an den Wurzeln.

  • Gelbe Blätter sofort als Stickstoffmangel deuten. Auch ein falscher pH-Wert oder Salzanreicherung im Topf können dahinterstecken; der EC im Ablauf gibt Hinweise.

Weitere Artikel rund um das Substrat findest du in der Kategorie Coco.

Häufige Fragen

Muss ich Kokossubstrat vor dem Gebrauch waschen?

Bei gewaschenem und gepuffertem Material aus dem Handel reicht meist gründliches Anfeuchten. Ungepuffertes oder unbekanntes Material solltest du durchspülen, bis der EC des ablaufenden Wassers nahe am EC deines Gießwassers liegt. So entfernst du lösliche Salze wie Natrium und Chlorid, deren Gehalt je nach Herkunft stark schwankt.

Kann ich Coco ohne Dünger verwenden?

Kaum. Kokossubstrat enthält nur sehr wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff, Calcium und Magnesium. Deshalb wird in Coco praktisch von Beginn an mit einer schwachen Nährlösung gegossen, deren Konzentration du mit dem Wachstum der Pflanze anpasst.

Kann ich Kokossubstrat wiederverwenden?

Möglich ist es, aber nicht ohne Risiko. In einer kanadischen Untersuchung nahmen Pilz- und Bakterienpopulationen im Coco mit der Nutzungsdauer zu, in einigen Proben dominierte am Ende der Wurzelschaderreger Fusarium oxysporum. Wer wiederverwendet, entfernt Wurzelreste, spült das Material und nutzt nur Substrat von gesunden Pflanzen.

Ist Coco besser als Erde?

Nicht grundsätzlich. Coco erlaubt eine genaue Steuerung der Nährstoffe, verlangt aber regelmäßiges Düngen und Messen. In einem Topfversuch der Universität Hohenheim wuchsen zwei CBD-reiche Genotypen bei gleicher Düngung in Coco nicht besser als in Torfsubstrat, bei einem Genotyp war der Blütenertrag sogar deutlich geringer.

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Quellen

  1. Source Variation in Physical and Chemical Properties of Coconut Coir Dust Evans, Konduru, Stamps – HortScience 31, 1996Porenvolumen, Luft- und Wasseranteil, Wasserhaltevermögen, pH, EC sowie Kalium-, Natrium- und Chloridgehalte von Kokosmark verschiedener Herkünfte.
  2. Physico-chemical and chemical properties of some coconut coir dusts for use as a peat substitute for containerised ornamental plants Abad, Noguera, Puchades, Maquieira, Noguera – Bioresource Technology 82, 2002Analyse von 13 Kokosmark-Proben: stark schwankender Salzgehalt, hohe Kationenaustauschkapazität, wenig Stickstoff, Calcium und Magnesium, viel Kalium, Natrium und Chlorid.
  3. Quantifying differences between treated and untreated coir substrate Poulter – Acta Horticulturae 1018, 2014Beschreibt das Puffern mit Calcium- und Magnesiumnitrat, das Natrium verdrängt; unbehandeltes Coir brachte im Topfversuch deutlich weniger Blüten.
  4. Impact of Different Growing Substrates on Growth, Yield and Cannabinoid Content of Two Cannabis sativa L. Genotypes in a Pot Culture Burgel, Hartung, Graeff-Hönninger – Horticulturae 6, 2020Topfversuch mit Cannabis in Torf, Torf mit Holzfasern und reinem Coco bei gleicher Düngung: genotypabhängige Unterschiede, in Coco geringere Wurzellängendichte.
  5. Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa L. Punja, Collyer, Scott, Lung, Holmes, Sutton – Frontiers in Plant Science 10, 2019Pilze in Kokossubstrat, auch aus ungeöffneten Säcken; Zunahme der Mikrobenpopulationen während der Nutzung; Nährlösung im Versuch auf pH 5,8.
  6. Organic Growing Media: Constituents and Properties Carlile, Cattivello, Zaccheo – Vadose Zone Journal 14, 2015Einordnung von Kokos als schnell nachwachsender Torfersatz mit stark gestiegener Verwendung, vor allem in Europa.

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