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Coco-Perlit-Mischungen: Welches Verhältnis für Luft und Wasser sorgt

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Perlit ist ein poröses, vulkanisches Gestein ohne eigene Nährstoffe oder nennenswerte Kationenaustauschkapazität, das Kokossubstrat beigemischt wird, um mehr luftgefüllte Poren im Wurzelraum zu schaffen. Reines, feines Coco speichert viel Wasser, aber wenig Luft; mit steigendem Perlitanteil sinkt die Wasserhaltefähigkeit, während die Luftführung zunimmt. In einer Studie erreichte eine Mischung aus drei Teilen Kokosmark und einem Teil Perlit eine Gesamtporosität von 79 % bei weiterhin hoher Wasserhaltefähigkeit.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Perlit-pH
ca. 6,5–7,5neutral, kaum Einfluss auf den Substrat-pH
Kationenaustauschkapazität von Perlit
sehr niedrigim Gegensatz zu Kokosfasern speichert Perlit selbst keine Nährstoff-Ionen
Beispiel-Mischverhältnis aus einer Studie
3 Teile Kokosmark : 1 Teil PerlitGesamtporosität 79 %, Wasserhaltefähigkeit ca. 913 % des Trockengewichts
Luftanteil coco-basierter Substrate im Vergleich
ca. 34–35 Vol.-%Messwerte aus einem Cannabis-Versuch mit zwei kommerziellen Coco-Substraten

Warum Perlit dem Coco beigemischt wird

Perlit ist ein vulkanisches Gestein, das bei 900 bis über 1.000 °C erhitzt wird, wodurch es auf ein Vielfaches seines Ausgangsvolumens aufschäumt. Das Ergebnis ist ein leichtes, poröses, weißes Korn mit neutralem pH-Wert von etwa 6,5 bis 7,5 und sehr geringer Kationenaustauschkapazität – anders als Kokosfasern speichert Perlit also kaum Nährstoff-Ionen und liefert selbst keinen Dünger.

Reines, feines Kokosmark speichert viel Wasser, hat dabei aber vergleichsweise wenig luftgefüllte Poren, wie der Artikel Kokossubstrat beschreibt. Perlit gleicht das aus: Seine groben, unregelmäßig geformten Körner schaffen zusätzliche Hohlräume, durch die nach dem Gießen Luft an die Wurzeln gelangt. Mehr zur Bedeutung von Sauerstoff im Wurzelraum erklärt der Artikel Sauerstoffversorgung der Wurzeln.

Gängige Mischverhältnisse im Überblick

Es gibt keinen einzelnen richtigen Anteil, sondern einen Zusammenhang: Je mehr Perlit, desto mehr Luft und desto weniger Wasserpuffer im Substrat.

Mischung

Eigenschaften

100 % Coco, kein Perlit

hohe Wasserhaltung, bei feinem Material wenig Luft

Coco mit moderatem Perlitanteil

mehr Luft, seltener Staunässe, in der Praxis verbreiteter Ausgangspunkt

3 Teile Coco : 1 Teil Perlit

in einer Studie 79 % Gesamtporosität, weiterhin hohe Wasserhaltefähigkeit

Sehr perlitreiche Mischungen

deutlich mehr Luft, weniger Wasserpuffer, häufigeres Gießen nötig

Die mittleren beiden Varianten sind in der Praxis am gebräuchlichsten. Eine Mischung aus drei Teilen Kokosmark und einem Teil Perlit wurde wissenschaftlich untersucht: Sie erreichte eine Gesamtporosität von 79 % und eine Wasserhaltefähigkeit von rund dem 9-Fachen des Trockengewichts, verbunden mit verbesserter Benetzbarkeit gegenüber reinem Kokosmark.

Wie sich das Verhältnis auf Wasser und Luft auswirkt

Reines Kokosmark aus fünf untersuchten Herkünften hatte im Mittel ein Gesamtporenvolumen von rund 85 bis 90 %, wovon nach dem Abtropfen aber nur etwa 10 bis 13 % luftgefüllt blieben – der Rest war mit Wasser besetzt. Perlit verschiebt dieses Verhältnis zugunsten der Luft, ohne die Gesamtporosität grundlegend zu verändern, weil seine groben Körner auch im nassen Zustand nicht vollständig volllaufen.

Wie stark sich das auswirkt, zeigt ein Vergleich aus einem Cannabis-Versuch: Zwei kommerzielle, coco-basierte Substrate mit unterschiedlicher Wasserkapazität (49 beziehungsweise 55 %) hatten beide einen Luftanteil von 34 bis 35 %. Das Substrat mit der geringeren Wasserkapazität brachte 11 % mehr Blütenertrag, vermutlich auch wegen der häufigeren Bewässerung und der etwas besseren Sauerstoffversorgung der Wurzeln. Ein fester Perlitanteil wurde in diesem Versuch nicht angegeben, doch das Beispiel zeigt, wie empfindlich Ertrag und Wurzelgesundheit auf das Verhältnis von Wasser zu Luft im Substrat reagieren können.

Welches Verhältnis zu welcher Phase passt

Kleine Töpfe mit Stecklingen oder Sämlingen profitieren eher von einem höheren Perlitanteil, weil ihr kleiner Wurzelballen sonst leicht dauerhaft nass steht. Große, tiefe Töpfe in der Blütephase brauchen tendenziell weniger zusätzlichen Perlitanteil, weil mit zunehmender Topfhöhe bereits mehr Wasser nach unten abfließt und der natürliche Luftanteil im unteren Substratbereich steigt – wie stark, hängt auch von der gewählten Topfgröße ab.

Für sehr feines, stark zerfallenes Kokosmark lohnt sich generell ein höherer Perlitanteil als für bereits grob strukturiertes Material mit Chips oder langen Fasern, weil feines Material von sich aus schneller volllaufen kann.

Perlit ist dabei nicht der einzige mögliche Zuschlagstoff. Auch grobe Kokos-Chips, parboiled Reisspelzen oder Vermiculit werden Substraten beigemischt, um deren Eigenschaften zu verändern – jeder davon jedoch mit anderer Wirkung. Perlit hat sich als Standard-Zuschlagstoff für mehr Luft etabliert, weil es leicht, chemisch weitgehend reaktionsträge und breit verfügbar ist, während Vermiculit eher zusätzliche Wasser- und Nährstoffspeicherung liefert.

Perlit richtig einarbeiten

Perlit vor dem Befüllen der Töpfe gleichmäßig mit dem bereits angefeuchteten Coco vermischen, statt trockenes Perlit in trockenes Substrat einzurühren. So verteilen sich die leichten Körner besser, und weniger davon schwimmt beim ersten Gießen an die Oberfläche. Grober Perlitstaub lässt sich vorher kurz abspülen, damit er nicht die feinen Poren des fertigen Gemischs zusetzt.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Perlit trocken ins Substrat einarbeiten. Trocken vermischt schwimmt Perlit beim ersten Gießen leicht an die Oberfläche; feucht eingearbeitet verteilt es sich gleichmäßiger.

  • Perlit und Vermiculit verwechseln. Beide sehen ähnlich aus, wirken aber gegensätzlich: Perlit fördert die Luftführung, Vermiculit die Wasser- und Nährstoffspeicherung.

  • Immer möglichst viel Perlit verwenden. Ein sehr hoher Perlitanteil verringert den Wasserpuffer so stark, dass in kleinen Töpfen mehrmals täglich gegossen werden muss.

  • Das Verhältnis über die gesamte Nutzungsdauer für unveränderlich halten. Kokosfasern zersetzen sich langsam zu feineren Partikeln, wodurch sich die tatsächliche Luftführung mit der Zeit verändert, auch wenn der ursprüngliche Perlitanteil gleich bleibt.

  • Fertige Mischungen ungeprüft übernehmen. Handelsübliche Coco-Perlit-Mischungen unterscheiden sich in Körnung und Anteil; ein Blick auf die Herstellerangabe erspart Überraschungen beim Gießverhalten.

Weitere Artikel rund um das Substrat findest du in der Kategorie Coco.

Häufige Fragen

Welches Mischverhältnis ist für Anfänger empfehlenswert?

Ein moderater Perlitanteil von etwa einem Fünftel bis einem Viertel des Volumens ist ein praxisnaher Ausgangspunkt: genug, um grobe Poren zu schaffen, ohne die Wasserhaltefähigkeit zu stark zu verringern. Feineres Coco verträgt tendenziell mehr Perlit als bereits grob strukturiertes Material.

Warum schwimmt Perlit an der Oberfläche?

Perlit ist sehr leicht und wird beim Gießen leicht an die Oberfläche gespült, wenn es nicht gleichmäßig im feuchten Substrat verteilt wurde. Gründliches Mischen im feuchten, nicht im trockenen Zustand verringert dieses Aufschwimmen.

Kann ich Vermiculit statt Perlit nehmen?

Nicht als Ersatz mit gleicher Wirkung. Vermiculit speichert selbst Wasser und Nährstoffe und erhöht die Wasserhaltefähigkeit, während Perlit vor allem die Luftführung verbessert. Beide Zuschlagstoffe lösen unterschiedliche Probleme im Substrat.

Muss ich Perlit vor der Verwendung waschen?

Meist nicht nötig, da Perlit chemisch weitgehend inert ist und selbst kaum Salze enthält. Sinnvoll ist trotzdem, groben Staub abzuspülen, bevor du es mit dem Coco vermischst, damit die feinen Partikel nicht die Poren des fertigen Gemischs verstopfen.

Verändert sich das Mischverhältnis während des Grows?

Das Verhältnis selbst bleibt gleich, aber die Kokosfasern zersetzen sich mit der Zeit langsam zu feineren Partikeln, während Perlit seine Form weitgehend behält. Über mehrere Nutzungszyklen hinweg kann sich die Luftführung dadurch schrittweise verschlechtern.

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Quellen

  1. Evaluating Container Substrates and Their Components Owen, Lopez – Purdue Extension HO-255-W, 2015Physikalische und chemische Eigenschaften von Perlit (pH, Herstellung, niedrige Kationenaustauschkapazität) und Beispiele für Mischverhältnisse mit Zuschlagstoffen.
  2. A Study on the Physical and Hydraulic Characteristics of Cocopeat Perlite Mixture as a Growing Media in Containerized Plant Production Ilahi, Ahmad – Sains Malaysiana 46, 2017Mischung aus drei Teilen Kokosmark und einem Teil Perlit: Gesamtporosität 79 %, Wasserhaltefähigkeit ca. 913 % des Trockengewichts, geringe gesättigte hydraulische Leitfähigkeit.
  3. Optimal Rate of Organic Fertilizer during the Flowering Stage for Cannabis Grown in Two Coir-based Substrates Caplan, Dixon, Zheng – HortScience 52, 2017Zwei kommerzielle coco-basierte Substrate mit 49 bzw. 55 % Wasserkapazität und 34–35 % Luftanteil; das Substrat mit geringerer Wasserkapazität brachte 11 % mehr Blütenertrag.
  4. Source Variation in Physical and Chemical Properties of Coconut Coir Dust Evans, Konduru, Stamps – HortScience 31, 1996Gesamtporosität, Luft- und Wasseranteil von reinem, unvermischtem Kokosmark als Vergleichsbasis.

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