Magnesiummangel bei Cannabis: Symptome, Ursachen und was wirklich hilft
Kurz erklärt
Magnesium (Mg) ist das Zentralatom des Chlorophylls und wird für den Zuckertransport in der Pflanze gebraucht. Mangel zeigt sich typischerweise als Gelbfärbung zwischen grün bleibenden Blattadern, zuerst an älteren Blättern; in der Blüte kann er auch jüngere Fächer- und Blütenblätter treffen. Häufige Auslöser sind zu wenig Magnesium in Wasser und Dünger, zu viel Kalium oder Calcium im Wurzelraum und gestörte Wurzeln. In Versuchen war Cannabis mit etwa 35–70 mg Mg pro Liter Nährlösung gut versorgt.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Optimum in Versuchen
- ca. 35–70 mg Mg/lNährlösung in der Wachstumsphase; in der Blüte waren 35 mg/l optimal
- Typisches Bild
- Gelb zwischen grünen Blattadernspäter braune, abgestorbene Flecken im Aderzwischenfeld
- Zuerst betroffen
- ältere Blätterin der Blüte teils auch jüngere Fächer- und Blütenblätter
- Gegenspieler
- Kalium und Calciumhohe Gehalte im Wurzelraum hemmen die Magnesiumaufnahme
- Zu viel Magnesium
- ab ca. 70 mg/l in der Blütebraune Blattspitzen, danach Aufhellung; etwas weniger Blütenmasse
Wofür Cannabis Magnesium braucht
Magnesium sitzt im Zentrum jedes Chlorophyllmoleküls und aktiviert Rubisco, das Schlüsselenzym der Photosynthese. Weniger bekannt ist seine Rolle beim Zuckertransport: Die Pflanze braucht Magnesium, um in den Blättern gebildeten Zucker ins Phloem zu laden – die Leitbahnen, die Zucker zu Wurzeln, Trieben und Blüten bringen.
Fehlt Magnesium, stockt dieser Export schon, bevor Blätter sichtbar vergilben. Zucker staut sich in den Blättern, die Photosynthese gerät aus dem Gleichgewicht und es entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffverbindungen. Deshalb sind magnesiumarme Pflanzen besonders lichtempfindlich: Unter starkem Licht entwickelten sie in Versuchen rasch Aufhellungen und abgestorbene Stellen, die sich durch Beschattung verzögern ließen. Unter kräftigen LEDs ist gute Magnesiumversorgung also besonders wichtig.
So sieht Magnesiummangel aus
Das klassische Bild ist eine Gelbfärbung zwischen den Blattadern, während die Adern selbst grün bleiben – Fachleute sprechen von interkostaler Chlorose. An Hanfpflanzen begann sie an den unteren, älteren Blättern, der Kontrast zwischen grünen Adern und gelbem Gewebe wurde immer schärfer, später starben einzelne Bereiche ab.
Weil Magnesium in der Pflanze beweglich ist, verlagert sie es bei Mangel aus alten in junge Blätter. In einem Versuch in der Wachstumsphase zeigten sich die Symptome zuerst unten und wanderten mit der Zeit zu jüngeren, ausgewachsenen Blättern. Die Pflanzen blieben kleiner und bildeten 28 % weniger Biomasse.
In der Blüte kann das Muster abweichen. Im Blüteversuch der Bernstein-Gruppe waren vor allem Blätter und Blütenblätter im oberen Teil der Triebe betroffen, während untere Blätter grüner blieben; die Blütenmasse sank um rund 38 %. Auch in einem Hydro-Versuch der University of Guelph begann der Mangel an unteren Fächerblättern, traf danach aber überwiegend kleinere, jüngere Fächerblätter. Die Faustregel „Magnesiummangel beginnt unten“ gilt also vor allem für die Wachstumsphase.
Ursachen: zu wenig Magnesium oder gestörte Aufnahme
Ein echter Mangel im Angebot entsteht vor allem mit weichem Wasser, Osmose- oder Regenwasser, wenn der Dünger kein oder zu wenig Magnesium enthält. Ebenso gut kann genug Magnesium im Substrat sein, das die Wurzeln aber nicht ausreichend aufnehmen:
Zu viel Kalium. Kalium und Magnesium konkurrieren bei der Aufnahme; Kalium hemmt Magnesium dabei stärker als umgekehrt. Hohe Kaliumgaben, etwa durch Blütezusätze, können so einen Magnesiummangel auslösen.
Viel Calcium. Auch Calcium konkurriert mit Magnesium um die Aufnahme durch die Wurzeln.
Ungünstiger pH oder geschädigte Wurzeln. Nasse, schlecht belüftete Substrate und ein pH außerhalb des Zielbereichs mindern die Aufnahme; Grundlagen dazu im Artikel pH-Grundlagen.
Viel Licht bei knapper Versorgung. Starkes Licht macht einen grenzwertigen Magnesiumstatus früher sichtbar.
Magnesiummangel beheben
Prüfe zuerst den Wurzelraum: Gießverhalten, pH und EC in Zulauf und Drain. Erst wenn diese stimmen, ergänzt du Magnesium. In Versuchen war Cannabis in der Wachstumsphase mit 35–70 mg Mg/l Nährlösung optimal versorgt, in der Blüte mit etwa 35 mg/l. Diese Menge schließt das Magnesium aus dem Ausgangswasser ein, das bei hartem Leitungswasser bereits erheblich sein kann – mehr dazu im Artikel Leitungswasser.
Als Ergänzung dient meist Magnesiumsulfat (Bittersalz) über die Nährlösung. Weil es knapp 10 % Magnesium enthält, liefern bereits 0,4 g pro Liter rund 40 mg Mg. Gib deshalb kleine Mengen zu und beobachte den Neuaustrieb, statt großzügig nachzukippen. Im Gartenbau wird Magnesium auch über die Blätter gesprüht; belastbare Daten für Cannabis fehlen, und auf Blüten solltest du grundsätzlich nichts sprühen.
Zu viel ist ebenfalls schädlich: In der Blüte zeigten Pflanzen ab 70 mg Mg/l braune Blattspitzen mit anschließender Aufhellung, und hohe Magnesiumgaben hemmten die Aufnahme von Calcium und Kalium.
Ob die Korrektur wirkt, zeigen die nächsten Blattpaare. Bleiben sie grün, während die bereits geschädigten Blätter so bleiben, wie sie sind, war Magnesium die Ursache. Vergilben weiterhin neue Blätter, liegt das Problem woanders – dann lohnt der Blick auf pH, Wurzeln und die anderen Kandidaten in der folgenden Tabelle.
Diagnose: Verwechslungen mit Eisen-, Mangan-, Stickstoff- und Kaliummangel
Gelbe Blätter mit grünen Adern sind nicht automatisch Magnesiummangel. Entscheidend ist, wo die Symptome beginnen und wie sie aussehen.
Mangel | Wo zuerst | Typisches Bild |
|---|---|---|
Magnesium | ältere Blätter, in der Blüte teils jüngere Fächerblätter | gelb zwischen grünen Adern, später braune Flecken |
Eisen | jüngste Blätter an der Triebspitze | Neuaustrieb hell, Adern anfangs grün, untere Blätter dunkelgrün |
Mangan | obere und mittlere Blätter | netzartige, leuchtend gelbe Aderzwischenfelder |
Stickstoff | alte, untere Blätter | flächige Aufhellung bis Gelb, Adern werden mit gelb |
Kalium | alte, untere Blätter | Blattränder und Blattzähne gelb, dann braun |
Auch die natürliche Blattalterung in der späten Blüte sieht anders aus: Dort vergilben die großen Fächerblätter vom Blattrand zur Mittelrippe hin, und das bei guter Versorgung erst im letzten Drittel der Blüte.
Häufige Fehldeutungen sind, jede Aufhellung reflexartig mit Calcium-Magnesium-Präparaten zu behandeln, Magnesiummangel mit Eisenmangel zu verwechseln oder die natürliche Blattalterung in der späten Blüte für einen Mangel zu halten. Hilfreich ist ein Vergleich von oberen und unteren Blättern, wie ihn der Artikel über mobile und immobile Nährstoffe beschreibt.
Häufige Fragen
Hilft Bittersalz gegen Magnesiummangel?
Bittersalz ist Magnesiumsulfat und eine gängige Magnesiumquelle; es enthält knapp 10 % Magnesium. Rund 0,4 g pro Liter liefern etwa 40 mg Mg – das entspricht schon der Menge, die in Versuchen als optimal galt, ohne das Magnesium aus Wasser und Dünger. Dosiere deshalb vorsichtig und nur, wenn die Ursache wirklich ein Mangel im Angebot ist.
Braucht man bei Osmose- oder Regenwasser ein Calcium-Magnesium-Präparat?
Häufig ja, denn Osmose- und Regenwasser enthalten kaum Calcium und Magnesium. Entscheidend ist, ob dein Dünger diese Nährstoffe vollständig liefert oder auf hartes Leitungswasser ausgelegt ist. Ein Blick auf die Zusammensetzung und die Wasseranalyse zeigt, ob eine Ergänzung nötig ist.
Kann zu viel Magnesium schaden?
Ja. In Versuchen der Bernstein-Gruppe zeigten Pflanzen bei 140 mg Mg/l Schäden an älteren Blättern; in der Blüte traten schon ab 70 mg/l braune Blattspitzen mit anschließender Aufhellung auf, die Blütenmasse sank um 12,5 %. Zudem hemmte viel Magnesium die Aufnahme von Calcium und Kalium.
Wie schnell sieht man eine Besserung?
Physiologisch reagieren Pflanzen schnell: In Studien an Bohne und Zuckerrübe erholte sich der Zuckertransport schon 12 bis 24 Stunden nach erneuter Magnesiumgabe. Sichtbar wird das aber erst am Neuaustrieb, der grün bleibt. Bereits vergilbte oder abgestorbene Blattbereiche werden nicht wieder grün.
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Quellen
- Response of Medical Cannabis to Magnesium (Mg) Supply at the Vegetative Growth Phase Morad, Bernstein – Plants 12, 2023Wachstumsphase: optimal 35–70 mg Mg/l; Mangel beginnt an alten Blättern und schreitet zu jüngeren fort; viel Mg hemmt die Aufnahme von Ca und K.
- From deficiency to toxicity: Magnesium increases cannabinoid and terpene production in cannabis plants Morad, Bernstein – Journal of Cannabis Research 7, 2025Blütephase: Optimum bei 35 mg Mg/l; Mangel vor allem in oberen Pflanzenteilen, Überschuss ab 70 mg/l mit braunen Blattspitzen.
- Role of magnesium in carbon partitioning and alleviating photooxidative damage Cakmak, Kirkby – Physiologia Plantarum 133, 2008Magnesium ist für die Beladung des Phloems mit Zucker nötig; Mg-arme Pflanzen reagieren auf starkes Licht schnell mit Chlorose und Nekrosen.
- Synergistic and antagonistic interactions between potassium and magnesium in higher plants Xie, Cakmak, Wang, Zhang, Guo – The Crop Journal 9, 2021Kaliumbedingter Magnesiummangel ist verbreitet; Kalium hemmt die Mg-Aufnahme stärker als umgekehrt.
- Characterization of Nutrient Disorders of Cannabis sativa Cockson, Landis, Smith, Hicks, Whipker – Applied Sciences 9, 2019Magnesiummangel an Hanf: Gelbfärbung zwischen den Adern der unteren, älteren Blätter; Symptome anderer Mängel zum Vergleich.
- Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies Llewellyn, Golem, Jones, Zheng – Plants 12, 2023Magnesiummangel in der Blüte: Beginn an unteren Fächerblättern, dann vor allem jüngere Fächerblätter betroffen, rund 30 % weniger Blütenertrag.
- Fertilizer Calculation Basics for Hydroponics Mattson – e-GRO Edible Alert 3(5), Cornell University, 2018Rechenbeispiel mit Magnesiumsulfat (9,7 % Mg): rund 412 mg Salz pro Liter ergeben 40 mg Mg/l.
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