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Nährstoffversorgung von Mutterpflanzen: Wie viel Dünger ist richtig?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Mutterpflanzen bleiben monatelang im selben Substrat vegetativ und brauchen deshalb eine moderate, stickstoffbetonte Nährlösung ähnlich der normalen Wachstumsphase – eher am unteren bis mittleren Ende dieses Bereichs, weil nicht maximales Wachstum, sondern stabile Gesundheit das Ziel ist. Als Richtwert gelten etwa 160 bis 200 mg Stickstoff pro Liter beziehungsweise eine elektrische Leitfähigkeit von rund 1,0 bis 1,6 mS/cm. Regelmäßiges Spülen beugt Salzaufbau vor, weil im selben Topf über Monate immer wieder nachgedüngt wird.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Richtwert Stickstoff (Wachstumsphase, Hydro)
ca. 160–200 mg N/laus einer Studie zur Mineralstoffversorgung von Cannabis in der Wachstumsphase; für Mutterpflanzen eher unteres bis mittleres Ende ansetzen
Höherer Wert aus einer Coco-Studie
389 mg N/l als Ertragsoptimumfür Pflanzen auf dem Weg zur Ernte – für eine dauerhaft vegetative Mutterpflanze nicht zwingend das Ziel
Leaching-Fraktion zum Spülen
ca. 15–30 % der Gießmenge laufen unten abExtension-Richtwert gegen Salzanreicherung in langlebigen Töpfen
Stickstoff-Wiederfindung im Gießwasser
sinkt mit steigender Düngerkonzentrationin einer Stauden-Studie von 70 % bei niedriger auf 10 % bei hoher N-Gabe

Warum Mutterpflanzen anders gefüttert werden als Pflanzen vor der Ernte

Eine Pflanze, die in wenigen Wochen blühen und geerntet wird, profitiert meist davon, so kräftig wie möglich zu wachsen. Eine Mutterpflanze dagegen bleibt über Monate im selben Topf vegetativ; ihr Ziel ist nicht maximales Wachstum, sondern anhaltende Gesundheit bei überschaubarer Größe. Wie stark sich das unterscheiden kann, zeigt eine Studie zur Stickstoffdüngung von Cannabis in Coco-Substrat: Das höchste Ertragsoptimum lag bei 389 mg Stickstoff pro Liter, der höchste THC-Gehalt sogar erst bei 418 mg pro Liter – Werte, die für eine Pflanze auf dem Weg zur Ernte sinnvoll sein können, für eine kompakt zu haltende Mutterpflanze aber eher zu kräftigem, schwer kontrollierbarem Wuchs führen dürften.

Eine zweite Studie, diesmal direkt an Mutterpflanzen einer Zierpflanze, unterstützt diese Zurückhaltung: Bei Pelargonien beeinflusste die Stickstoffmenge über 130 Tage kaum die Zahl der geernteten Stecklinge – nur die niedrigste getestete Konzentration schnitt schlechter ab. Gleichzeitig sank die Wiederfindung des gegebenen Stickstoffs im Gießwasser von 70 % bei niedriger auf nur noch 10 % bei hoher Konzentration. Mehr Dünger bedeutete hier also nicht mehr Stecklinge, sondern vor allem mehr ungenutzten, ausgewaschenen Stickstoff.

Welche Nährstoffmenge als Richtwert gilt

Direkte Studien zur optimalen Düngung von Cannabis-Mutterpflanzen fehlen; als Orientierung eignet sich deshalb der untere bis mittlere Bereich der Werte, die für die normale Wachstumsphase gelten.

Nährstoff

Richtwert für die Wachstumsphase

Einordnung für Mutterpflanzen

Stickstoff (N)

ca. 160–200 mg/l

guter Ausgangspunkt, nicht das obere Ende der Spanne ausreizen

Phosphor (P)

ca. 30 mg/l

unverändert übernehmen

Kalium (K)

ca. 60 mg/l

unverändert übernehmen

Elektrische Leitfähigkeit (EC) gesamt

ca. 1,0–1,8 mS/cm (Richtwert Wachstumsphase)

eher unteres bis mittleres Drittel ansetzen

Diese Werte stammen aus einer Studie zur Mineralstoffversorgung von Cannabis in Hydrokultur während der Wachstumsphase und sind kein fixer Cannabis-Standard, sondern ein durch Optimierungsrechnung ermitteltes Ergebnis für ein bestimmtes System. Übertragen auf Erde oder Coco dienen sie als Anhaltspunkt, nicht als exakte Zielgröße; wie du die elektrische Leitfähigkeit misst und einordnest, erklärt der Artikel EC-Grundlagen.

Salzaufbau vermeiden: Warum Mutterpflanzen regelmäßig gespült werden sollten

Jede Düngergabe hinterlässt Salze im Substrat, sobald die Pflanze Wasser aufnimmt, aber nicht alle darin gelösten Mineralien mitnimmt. Bei einer Pflanze, die nach wenigen Wochen umgetopft oder geerntet wird, fällt das kaum ins Gewicht. Eine Mutterpflanze wird dagegen über Monate im selben Substrat immer wieder gedüngt – Salze können sich hier deutlich stärker anreichern.

Die Gartenbauberatung empfiehlt für Containerkulturen, die dauerhaft bewässert und gedüngt werden, eine Leaching-Fraktion von etwa 15 bis 30 %: So viel der Gießmenge sollte unten aus dem Topf ablaufen, damit sich Salze nicht immer weiter aufkonzentrieren. Wie du diesen Anteil in der Praxis umsetzt und Gießzeitpunkte bestimmst, erklärt der Artikel zum Gießzeitpunkt. Bei sichtbaren weißen Ablagerungen auf der Substratoberfläche oder am Topfrand ist eine gründliche Spülung mit klarem Wasser meist überfällig.

Mangel bei Mutterpflanzen früh erkennen

Mutterpflanzen verlieren mit jedem Steckling Blattmasse und damit auch darin gespeicherte Nährstoffe. Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium zählen zu den mobilen Nährstoffen: Bei Knappheit zieht die Pflanze sie aus älteren Blättern ab und verlagert sie in neues Wachstum, weshalb sich ein Mangel zuerst unten an der Pflanze zeigt. Wie sich das von Mängeln an schwer beweglichen Nährstoffen wie Calcium oder Eisen unterscheidet, erklärt der Artikel zu mobilen und immobilen Nährstoffen im Detail.

Weil bei Mutterpflanzen regelmäßig gerade die unteren, älteren Blätter mit den Stecklingen mitentfernt werden, lohnt sich nach jedem Schnitt ein bewusster Blick auf die verbleibenden unteren Blätter: Eine gleichmäßige Aufhellung dort ist meist das früheste Zeichen für beginnenden Stickstoffmangel, noch bevor die Pflanze insgesamt blasser wirkt.

Typische Fehler bei der Düngung von Mutterpflanzen

  • Wie eine Pflanze kurz vor der Ernte düngen. Werte, die für maximalen Ertrag in wenigen Wochen optimiert sind, treiben eine Mutterpflanze schneller und größer, als sie kompakt bleiben kann.

  • Nie spülen. Ohne regelmäßige Leaching-Fraktion reichern sich Salze in einem über Monate genutzten Substrat unbemerkt an, bis Wurzeln geschädigt werden.

  • Bei den ersten blassen unteren Blättern sofort die Dosis stark erhöhen. Erst prüfen, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt oder ob es sich um natürliches Altern einzelner, ohnehin bald entfernter Blätter handelt.

  • Dünger und Substratvorrat doppelt rechnen. Wer in vorgedüngter Erde zusätzlich stark nachdüngt, riskiert eher eine Überdüngung als in ungedüngtem Substrat.

  • Jede Wachstumsschwäche als Nährstoffproblem behandeln. Stockendes Wachstum kann ebenso an einem zu kleinen Topf oder an Schädlingen liegen; wie du das abgrenzt, beschreiben die Artikel zur Topfgröße für Mutterpflanzen und zur Schädlingskontrolle bei Mutterpflanzen.

Weitere Grundlagen zur Pflege dauerhaft vegetativer Pflanzen findest du in der Kategorie Mutterpflanzen.

Häufige Fragen

Warum sollte ich eine Mutterpflanze nicht so stark düngen wie eine Pflanze kurz vor der Ernte?

Weil das Ziel unterschiedlich ist. Eine Pflanze vor der Ernte soll in kurzer Zeit möglichst viel Blattmasse und später Blüten bilden, eine Mutterpflanze dagegen über Monate stabil und eher kompakt bleiben. Eine Studie fand das Ertragsoptimum für Cannabis in Coco bei 389 mg Stickstoff pro Liter – ein Wert, der für eine Mutterpflanze eher zu kräftigem, schwer zu kontrollierendem Wachstum führen dürfte.

Wie erkenne ich, dass meine Mutterpflanze zu wenig Dünger bekommt?

Stickstoff ist in der Pflanze beweglich, ein Mangel zeigt sich deshalb zuerst an den unteren, älteren Blättern als gleichmäßige Aufhellung. Weil bei Mutterpflanzen regelmäßig Blattmasse mit den Stecklingen entfernt wird, lohnt sich ein genauerer Blick auf die verbleibenden unteren Blätter. Mehr zur Unterscheidung mobiler und immobiler Mängel erklärt der Artikel zu mobilen und immobilen Nährstoffen.

Muss ich das Substrat meiner Mutterpflanze regelmäßig spülen?

Ja, das ist sinnvoll. Weil im selben Topf über Monate immer wieder Nährlösung gegeben wird, reichern sich Salze an, die Wurzeln schädigen können. Eine Leaching-Fraktion von etwa 15 bis 30 % – also so viel Wasser, dass ein entsprechender Anteil der Gießmenge unten abläuft – gilt in der Gartenbauberatung als Richtwert, um das zu verhindern.

Braucht eine Mutterpflanze einen anderen NPK-Schwerpunkt als eine Pflanze im normalen Wachstum?

Nicht grundsätzlich. Eine Studie zur Mineralstoffversorgung von Cannabis in der Wachstumsphase empfahl ein Verhältnis von etwa 160–200 mg Stickstoff, 30 mg Phosphor und 60 mg Kalium pro Liter. Diese Größenordnung passt auch für Mutterpflanzen; entscheidend ist vor allem, die Gesamtmenge moderat zu halten statt auf maximales Wachstum zu düngen.

Was passiert, wenn ich eine Mutterpflanze über Monate zu stark dünge?

Neben sichtbaren Symptomen wie dunklem, brüchigem Laub steigt vor allem das Risiko für Salzaufbau im Substrat, weil überschüssige Nährstoffe sich mit jeder Gießrunde weiter anreichern. In einer Stauden-Studie sank die Wiederfindung von Stickstoff im Gießwasser mit steigender Düngerkonzentration von 70 % auf 10 % – der große Rest ging ungenutzt ins Drainwasser.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Mineral nutrition for Cannabis sativa in the vegetative stage using response surface analysis Kpai, Adaramola, Addo, MacPherson, Lefsrud – Frontiers in Plant Science 15, 2024Empfehlung für die Wachstumsphase in Hydrokultur: 160–200 mg Stickstoff, 30 mg Phosphor und 60 mg Kalium pro Liter.
  2. Optimal Rate of Organic Fertilizer during the Vegetative-stage for Cannabis Grown in Two Coir-based Substrates Caplan, Dixon, Zheng – HortScience 52, 2017Fünf Stickstoffraten von 117 bis 585 mg N/l während der Wachstumsphase; höchster Blütenertrag bei 389 mg N/l, höchster THC-Gehalt bei 418 mg N/l.
  3. Plant Growth and Cutting Production of Container-grown Pelargonium Stock Plants as Affected by N Concentration and N Form Ganmore-Neumann, Hagiladi – Journal of the American Society for Horticultural Science 117, 1992Mutterpflanzen über 130 Tage bei 50–400 mg N/l: Die Zahl der Stecklinge blieb außer bei der niedrigsten N-Gabe gleich; die Stickstoff-Wiederfindung sank von 70 % bei niedriger auf 10 % bei hoher Konzentration.
  4. Leaching Fraction: A Tool to Schedule Irrigation for Container-Grown Nursery Crops (SPES-128) Virginia Cooperative Extension, 2019Empfiehlt eine Leaching-Fraktion von etwa 15–30 % der Gießmenge, um Salzanreicherung in dauerhaft bewässerten Containerkulturen zu verhindern.

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