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Licht für Mutterpflanzen: Welche Intensität, Photoperiode und Lampe?

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Kurz erklärt

Mutterpflanzen brauchen dauerhaft langtägiges Licht, meist 18 Stunden, damit sie photoperiodisch nicht in die Blüte wechseln. Bei der Intensität reichen moderate Werte im unteren bis mittleren Bereich der für die Wachstumsphase üblichen Spanne von etwa 300 bis 600 µmol/m²/s für kompakte, gesunde Pflanzen. Sehr hohe Intensität an der Mutterpflanze selbst hat in einer Studie die Bewurzelung der daraus geschnittenen Stecklinge bei einer von zwei Sorten verschlechtert. Der Lampentyp beeinflusst zusätzlich, wie viele Triebspitzen die Pflanze bildet und wie lang die Internodien werden.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Photoperiode
meist 18 Stunden Licht, 6 Stunden DunkelheitDunkelphase muss deutlich unter der sortentypischen Blüteschwelle bleiben
Lichtintensität
ca. 300–600 µmol/m²/s PPFDRichtwert wie in der allgemeinen Wachstumsphase; unterer bis mittlerer Bereich als vorsichtiger Start
Risiko bei sehr hoher Intensität
kann Bewurzelung späterer Stecklinge verschlechternsortenabhängig, in einer Studie bei 800 gegenüber 400 µmol/m²/s an der Mutterpflanze
Lampentyp
wenig Fernrot fördert mehr Triebspitzenkanadische Studie: bis zu 30 % mehr Meristeme, aber auch längere Internodien je nach Lampentyp

Photoperiode: Warum Mutterpflanzen Langtag brauchen

Photoperiodische Cannabis-Sorten leiten die Blüte ein, sobald die tägliche Dunkelphase eine sortenabhängige Mindestlänge erreicht; als klassischer Richtwert gilt eine Photoperiode von 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Wie stark diese Schwelle zwischen Sorten schwankt, zeigt eine australische Untersuchung: Drei getestete Sorten blühten auch bei einer Photoperiode von 14 Stunden Licht und nur 10 Stunden Dunkelheit weiter – ein Beleg dafür, dass die genaue Schwelle je nach Sorte variiert und nicht bei jeder Pflanze exakt bei 12 Stunden liegt. Mutterpflanzen bleiben deshalb mit deutlichem Sicherheitsabstand zu dieser Schwelle vegetativ, in der Praxis meist bei 18 Stunden Licht und nur 6 Stunden Dunkelheit (18/6). Wird die Dunkelphase durch Licht unterbrochen oder verschiebt sich der Rhythmus über längere Zeit in Richtung Kurztag, kann eine Pflanze unbeabsichtigt beginnen, Blüten anzusetzen. Wie kritisch schon kurze Lichteinbrüche während der Dunkelphase bei blühenden Pflanzen sein können, erklärt der Artikel Lichtlecks; bei Mutterpflanzen im Langtag ist dieses Risiko geringer, weil die Dunkelphase ohnehin kurz ist.

Eine Anleitung der University of Florida zur Führung von Mutterpflanzen im Zierpflanzenbau nennt die Photoperiode ausdrücklich als eigenen Faktor: Kurztag-Arten werden dort teils mit zusätzlicher „Nachtunterbrechung" beleuchtet, um sie unabhängig von der Jahreszeit im Wachstum zu halten. Bei Cannabis erreichst du denselben Effekt einfacher direkt über einen festen 18/6-Rhythmus ohne Unterbrechungen.

Lichtintensität: Wie viel PPFD eine Mutterpflanze braucht

Für Mutterpflanzen gelten ähnliche Richtwerte wie für Pflanzen in der allgemeinen Wachstumsphase: etwa 300 bis 600 µmol/m²/s PPFD (die Zahl der Lichtteilchen im photosynthetisch nutzbaren Bereich, die pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen). In einer Studie zur Wachstumsphase nahmen Internodienlänge und Blattgröße mit steigender Lichtintensität linear ab – mehr Licht ergibt also tendenziell kompaktere Pflanzen mit dichter stehenden Blattpaaren, was bei einer Mutterpflanze zusätzlich zum Rückschnitt zur gewünschten Kompaktheit beiträgt.

Anders als bei einer Pflanze, die auf maximalen Blütenertrag hin kultiviert wird, ist bei Mutterpflanzen aber nicht automatisch mehr Licht besser. Eine niederländische Untersuchung fand, dass eine höhere Lichtintensität an der Mutterpflanze selbst – 800 statt 400 µmol/m²/s über bis zu sechs Monate – bei einer von zwei getesteten Sorten die Bewurzelung der daraus geschnittenen Stecklinge messbar verschlechterte, während sich an der Auxinkonzentration in Spitze, Blatt oder Stängelbasis nichts änderte; stattdessen sammelten sich an der Schnittstelle vermehrt Stärke und lösliche Zucker an. Ein moderater Wert im unteren bis mittleren Bereich der genannten Spanne ist für Mutterpflanzen deshalb ein vorsichtigerer Startpunkt als das obere Ende.

Warum zu viel Licht an der Mutterpflanze der Bewurzelung schaden kann

Der Effekt war in der genannten Studie sortenabhängig: Bei einer Sorte sank der Anteil bewurzelter Stecklinge nach hoher Lichtintensität an der Mutterpflanze, bei der anderen blieb er unverändert. Das Licht während der eigentlichen Bewurzelung im Anzuchtbereich – nicht an der Mutterpflanze – wirkte dagegen anders: Höhere Intensität dort erhöhte nur die Wurzelmasse, ohne den Anteil bewurzelter Stecklinge zu verändern. Es lohnt sich also, Licht an der Mutterpflanze und Licht während der Bewurzelung getrennt zu betrachten, statt beide Phasen mit derselben hohen Intensität zu fahren. Mehr zum Klima und Licht während der Bewurzelung selbst erklärt der Artikel Klima für Stecklinge.

Weil sich Sorten hier unterscheiden, ist Beobachten wichtiger als ein starrer Zielwert: Bewurzeln Stecklinge einer bestimmten Mutterpflanze auffällig schlechter als früher, ist ein Blick auf die zuletzt gefahrene Lichtintensität eine mögliche Spur – neben den anderen, häufigeren Ursachen, die der Artikel Fehlende Wurzelbildung beschreibt.

Lampentyp und Spektrum: Einfluss auf die Wuchsform

Der Lampentyp verändert die Form einer Mutterpflanze deutlicher, als viele erwarten. In einer kanadischen Studie mit vier Beleuchtungsarten bildeten Mutterpflanzen unter Leuchtstoffröhren (T5) und Metallhalogenlampen rund 30 % mehr Triebspitzen als unter Metallhalogenlampen mit zusätzlichem Fernrot-Licht (MH+FR); Pflanzen unter MH+FR wurden gleichzeitig etwa 19 % höher, mit rund 25 % längeren Internodien am Haupttrieb. Unter T5 wuchsen die Blattstiele außerdem rund 30 % kürzer, wodurch das Blätterdach dichter wirkte.

Für eine kompakte Mutterpflanze mit vielen Ansatzpunkten für Stecklinge sprechen diese Ergebnisse für Lichtquellen mit wenig zusätzlichem Fernrot-Anteil. Ein hoher Fernrot-Anteil signalisiert der Pflanze über das Phytochrom-System einen ähnlichen Zustand wie Beschattung durch Nachbarpflanzen und fördert deshalb Streckungswachstum – derselbe Mechanismus, der auch beim Vergeilen von Sämlingen bei Lichtmangel eine Rolle spielt.

Typische Fehler bei der Beleuchtung von Mutterpflanzen

  • Photoperiode nicht konstant halten. Schon gelegentliche Abweichungen vom 18/6-Rhythmus über längere Zeiträume können bei empfindlichen Sorten unbeabsichtigt Blühreize setzen.

  • So viel Licht wie möglich geben, weil „mehr Wachstum gut ist". An der Mutterpflanze selbst kann sehr hohe Intensität die Bewurzelung späterer Stecklinge verschlechtern, ohne dass sich das an der Mutterpflanze selbst zeigt.

  • Lichtintensität an der Mutterpflanze und im Anzuchtbereich gleichsetzen. Beide Phasen reagieren unterschiedlich auf Licht und sollten getrennt eingestellt werden.

  • Lampentyp nur nach Wattzahl auswählen. Wie stark eine Mutterpflanze streckt oder wie viele Triebspitzen sie bildet, hängt auch vom Spektrum ab, nicht nur von der reinen Lichtmenge.

  • Sortenunterschiede ignorieren. Wie stark sich Lichtintensität auf Wuchsform und Bewurzelung auswirkt, unterschied sich zwischen Sorten in denselben Studien teils deutlich.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden Licht brauchen Mutterpflanzen täglich?

Für photoperiodische Sorten meist 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit. Entscheidend ist, dass die Dunkelphase deutlich kürzer bleibt als die sortentypische Schwelle für die Blüteeinleitung, die häufig bei etwa 12 Stunden liegt.

Kann zu viel Licht eine Mutterpflanze schädigen?

Sichtbare Schäden wie helle oder verformte Blätter treten eher bei sehr hoher Intensität in Kombination mit zu geringem Abstand auf. Weniger offensichtlich, aber in einer Studie belegt: Schon eine dauerhaft hohe, äußerlich unauffällige Intensität an der Mutterpflanze kann die Bewurzelung späterer Stecklinge verschlechtern.

Sollte ich für Mutterpflanzen eine andere Lampe verwenden als für wachsende Pflanzen?

Nicht zwingend, aber ein Lampentyp mit wenig zusätzlichem Fernrot-Licht begünstigt tendenziell mehr Triebspitzen und kürzere Internodien, also eine kompaktere Mutterpflanze. Für die reine Wachstumsphase anderer Pflanzen ist dieser Unterschied weniger entscheidend.

Muss ich die Lichtintensität senken, wenn ich viele Stecklinge schneiden will?

Nein, eher umgekehrt: Eine moderate bis gute Lichtversorgung an der Mutterpflanze liefert kräftige, aktiv wachsende Triebe, aus denen sich gute Stecklinge schneiden lassen. Nur eine sehr hohe Intensität über lange Zeit stand in einer Studie im Verdacht, die spätere Bewurzelung zu verschlechtern.

Wirkt sich das Alter der Mutterpflanze auf ihren Lichtbedarf aus?

Direkt auf den Lichtbedarf ist das nicht belegt. Eine Studie fand aber, dass ältere Mutterpflanzen bis zu einem Alter von sechs Monaten zwar genauso gut bewurzelnde Stecklinge lieferten wie jüngere, die geschnittenen Stecklinge selbst aber kleiner ausfielen.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Phenotypic plasticity influences the success of clonal propagation in industrial pharmaceutical Cannabis sativa Campbell, Naraine, Dusfresne – PLOS ONE 14, 2019Mutterpflanzen unter T5- und Metallhalogenlicht bildeten rund 30 % mehr Triebspitzen als unter Metallhalogen mit Fernrot-Anteil (MH+FR); MH+FR-Pflanzen waren 19 % höher mit 25 % längeren Internodien, T5-Pflanzen hatten 30 % kürzere Blattstiele.
  2. Mother Plant Age and Light Intensity Minimally Alter Adventitious Root Formation in Medicinal Cannabis Holweg, Sae-Tang, Wang, Kohlen, Heuvelink, Marcelis – HortScience 60, 2025800 statt 400 µmol/m²/s an der Mutterpflanze senkte je nach Sorte die Bewurzelung der Stecklinge, bei unveränderter Auxinkonzentration, aber mehr Stärke/Zucker an der Schnittstelle; Licht während der Bewurzelung selbst erhöhte dagegen nur die Wurzelmasse.
  3. Light intensity can be used to modify the growth and morphological characteristics of cannabis during the vegetative stage of indoor production Moher, Llewellyn, Jones, Zheng – Industrial Crops and Products 183, 2022In der Wachstumsphase nahmen Internodienlänge und Blattgröße mit steigender Lichtintensität linear ab – Grundlage für den PPFD-Richtwert und den Zusammenhang zwischen Licht und Kompaktheit.
  4. Moving Away from 12:12; the Effect of Different Photoperiods on Biomass Yield and Cannabinoids in Medicinal Cannabis Peterswald, Mieog, Azman Halimi, Magner, Trebilco, Kretzschmar, Purdy – Plants 12, 2023Drei Cannabis-Sorten blühten auch bei nur 10 Stunden Dunkelheit (14 Stunden Licht) weiter; zeigt, dass die für die Blüteeinleitung nötige Mindest-Dunkelphase je nach Sorte variiert und Mutterpflanzen entsprechend Sicherheitsabstand brauchen.
  5. Stock Plant Production and Management Basics for Small Greenhouse Businesses Gibson, Cerveny – University of Florida IFAS Extension, ENH1021, 2005Beschreibt für Zierpflanzen-Mutterpflanzen die Bedeutung der Photoperiode gegen unerwünschte Blüte und rät zu einer Lichtintensität, die neue Triebe fördert, ohne die Blätter zu stressen.

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