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Lichtlecks: Wie Streulicht in der Dunkelphase die Blüte stört und wie du es abstellst

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Lichtlecks sind ungewollte Lichtquellen, die photoperiodische Pflanzen während der Dunkelphase erreichen – etwa durch Reißverschlüsse und Lüftungsöffnungen der Growbox, Kontroll-LEDs, Infrarot-Kameras oder Straßenlaternen. Weil Cannabis die Blüte über die ununterbrochene Nachtlänge steuert, kann schon sehr wenig Licht wirken: Die empfindlichsten Sorten reagierten in einer Studie bereits auf 0,01 µmol/m²/s mit verzögerter Blüte und mehr Längenwachstum. Am zuverlässigsten findest du Lichtlecks mit einem Dunkeltest von innen.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Empfindlichste Sorten
reagierten ab ca. 0,01 µmol/m²/sStreulicht in der Dunkelphase; rotes Licht wirkte stärker als weißes
Schwaches Licht als Tagverlängerung
1 µmol/m²/s reichte bei einer SorteTagverlängerung von 9 auf 15 Stunden; die Blütenstände blieben unvollständig
Infrarot-Strahler in 1 m Abstand
ca. 25 µmol/m²/sfür Menschen unsichtbar; laut Studie genug für etwa zwei Tage Blühverzögerung bei Cannabis
Betroffen
photoperiodische SortenAutoflower-Pflanzen blühen unabhängig von der Nachtlänge

Warum schon wenig Licht in der Nacht zählt

Photoperiodische Cannabispflanzen blühen, wenn die ununterbrochene Nacht lang genug ist. Ihr Maßstab sind Lichtrezeptoren, vor allem die Phytochrome: Schon wenig Licht in der Dunkelphase signalisiert „Tag“ und kann die Blüte verzögern. Wie die Pflanze die Nachtlänge misst, erklärt der Artikel Photoperiode.

Wie empfindlich Cannabis ist, zeigen mehrere Studien. In einer Untersuchung mit sieben Sorten reagierten die empfindlichsten schon auf 0,01 µmol/m²/s mit verzögerter Blüte, langsamer wachsenden Blütenständen und mehr Längenwachstum. Das ist ein Hunderttausendstel der Lichtstärke einer Blütelampe mit 1.000 µmol/m²/s. Rotes Licht störte stärker als weißes, und die Sorten unterschieden sich erheblich: Manche reagierten deutlich weniger.

Auch andere Versuche bestätigen die Größenordnung. Im Gewächshaus störte Streulicht von nur 2 µmol/m²/s die Blüte einer Hanfsorte. Bei einer anderen Sorte verhinderte eine Tagverlängerung mit 1 µmol/m²/s den vollständigen Übergang zur Blüte; es bildeten sich nur unvollständige Blütenstände. In diesen Studien wirkte das Licht allerdings über Stunden. Ob ein kurzer Lichtblitz von wenigen Sekunden schadet, ist für Cannabis nicht untersucht.

Typische Quellen für Lichtlecks

Quelle

Warum sie stört

Abhilfe

Reißverschlüsse, Nähte, Ecken der Growbox

kleine Spalten lassen Raumlicht durch

Abdeckleisten schließen, Stellen mit schwarzem Gewebeband abkleben

Lüftungs- und Kabeldurchführungen

offene Zuluftöffnungen wirken wie Fenster

Manschetten zuziehen, Zuluft über lichtdichte Bögen führen

Kontroll-LEDs und Displays

leuchten die ganze Nacht direkt in der Box

Geräte außerhalb platzieren oder lichtdicht abkleben

Überwachungskameras mit Infrarot

für dich unsichtbar, für die Pflanze nicht

IR-Nachtsicht abschalten oder Kamera weiter entfernt montieren

Tageslicht bei nächtlicher Lichtphase

die Dunkelphase fällt in den hellen Tag

Raum verdunkeln, Box nicht ans Fenster stellen

Straßenlaternen und Außenleuchten

treffen Balkon, Garten oder Gewächshaus

Standort wählen, im Gewächshaus verdunkeln

Infrarot ist ein Sonderfall, weil du es nicht siehst. Infrarot-LEDs mit 850 nm verzögerten die Blüte von Cannabis in einer Studie um bis zu zwölf Tage, allerdings bei hoher Intensität. Ein zusätzlicher IR-Strahler für Kameras lieferte in einem Meter Abstand etwa 25 µmol/m²/s, nach Einschätzung der Autoren genug für rund zwei Tage Verzögerung. Die eingebauten LEDs einer Kamera sind deutlich schwächer, und in drei Metern Abstand fiel selbst der Strahler auf etwa 1 µmol/m²/s. In einer engen Growbox hängt eine Kamera aber oft näher als einen Meter an den Pflanzen.

Draußen lässt sich Dunkelheit nicht immer garantieren. Künstliches Licht in der Nacht ist vielerorts hell genug, um die Entwicklung von Pflanzen zu beeinflussen. Auf dem Balkon oder im Gewächshaus lohnt es sich deshalb, nachts zu prüfen, welche Lampen die Pflanzen erreichen. Wo das nicht zu ändern ist, können Autoflower-Pflanzen die robustere Wahl sein, weil sie unabhängig von der Nachtlänge blühen.

Lichtlecks finden: der Dunkeltest

Ein Messgerät brauchst du dafür nicht. Was dein an die Dunkelheit gewöhntes Auge als Lichtschimmer sieht, solltest du abdichten – nur Infrarot bleibt dabei unsichtbar.

  1. Zeitpunkt wählen: Leuchte in der Box aus, Raum hell beleuchtet oder heller Tag. Bei blühenden Pflanzen machst du das in ihrer Lichtphase, damit ihre Nacht ungestört bleibt.

  2. Von innen schauen: Setz dich in die geschlossene Box oder schließe sie so weit wie möglich um dich herum. Warte einige Minuten, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.

  3. Systematisch absuchen: Reißverschlüsse, Ecken, Nähte, Durchführungen, Lüftungsklappen und die Decke. Markiere jede helle Stelle.

  4. Umgekehrt prüfen: Bei größeren Boxen kannst du auch im dunklen Raum bei eingeschalteter Leuchte von außen suchen – Licht, das austritt, kommt auf demselben Weg herein.

  5. Geräte prüfen: Zeitschaltuhren, Steckdosenleisten, Regler, Hygrometer und Kameras auf leuchtende Anzeigen und Infrarot-Nachtsicht kontrollieren.

Lichtlecks dauerhaft abdichten

Für Spalten und Nähte reicht meist schwarzes, lichtdichtes Gewebeband; transparentes oder dünnes Klebeband lässt Licht durch. Kontroll-LEDs deckst du mit mehreren Lagen ab oder verlegst die Geräte nach draußen. Für die Zuluft eignen sich Öffnungen mit Bögen oder Umlenkungen, weil Licht nicht um Ecken fällt, Luft aber schon.

Jede Abdichtung bremst die Luft. Prüfe nach dem Abdichten deshalb Temperatur und Luftfeuchtigkeit und passe bei Bedarf die Abluftleistung an. Wenn du die Lichtphase in die Nacht legst, muss der ganze Raum tagsüber dunkel sein; Hinweise dazu sammelt die Kategorie Photoperiode.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • „Grünes Licht sehen Pflanzen nicht.“ Bei anderen Kurztagspflanzen verzögerte grünes Licht die Blüte; für Cannabis fehlen Daten.

  • „Was ich nicht sehe, stört nicht.“ Infrarot-Nachtsicht ist für dich unsichtbar, kann die Blüte aber verzögern.

  • Jede Blühverzögerung auf Lichtlecks schieben. Prüfe zuerst Zeitschaltuhr, Lichtplan und Sorte; Sorten unterscheiden sich auch in ihrer Empfindlichkeit stark.

  • Zwitterblüten automatisch einem Lichtleck zuschreiben. Veränderte Lichtzyklen werden als möglicher Auslöser genannt, kontrollierte Versuche dazu fehlen aber weitgehend; Genetik und andere Stressfaktoren kommen ebenso infrage.

  • Nur die Box prüfen. Tageslicht im Raum, Geräte vor den Öffnungen und Außenleuchten gehören zum Test dazu.

  • Nach dem Abdichten die Luft vergessen. Verschlossene Öffnungen verringern den Luftaustausch; Hitze und Feuchte steigen.

Häufige Fragen

Schadet es, die Growbox in der Dunkelphase kurz zu öffnen?

Das ist für Cannabis nicht untersucht. In den Studien wirkte das Licht über längere Zeit, etwa als Tagverlängerung über mehrere Stunden oder rund um die Uhr. Weil die Pflanze schon auf sehr schwaches Licht reagiert, ist es trotzdem sinnvoll, Kontrollen in die Lichtphase zu legen und die Box nachts geschlossen zu lassen.

Ist grünes Licht in der Dunkelphase unbedenklich?

Nein, darauf solltest du dich nicht verlassen. Bei anderen Kurztagspflanzen wie Chrysanthemen und Studentenblumen verzögerte grünes Licht als Tagverlängerung die Blüte, bei der Studentenblume schon mit 2 µmol/m²/s. Für Cannabis gibt es dazu keine Daten. Wenn du nachts arbeiten musst, dann kurz und mit möglichst wenig Licht.

Wie erkenne ich, ob ein Lichtleck meiner Pflanze schadet?

Typisch sind ein verzögerter Blühbeginn trotz 12/12, Blütenstände, die sich nur langsam oder unvollständig entwickeln, und Pflanzen, die ungewöhnlich lange weiter in die Höhe wachsen. Diese Anzeichen haben aber auch andere Ursachen, etwa eine spät blühende Sorte oder eine falsch eingestellte Zeitschaltuhr. Prüfe diese Punkte zuerst und mache dann den Dunkeltest.

Brauche ich bei Autoflower-Pflanzen eine lichtdichte Box?

Für die Blüte nicht, denn Autoflower-Pflanzen reagieren nicht auf die Nachtlänge und blühen sogar unter Dauerlicht. Stehen photoperiodische Pflanzen im selben Raum oder in derselben Box, gelten für sie aber alle Regeln der Dunkelphase. Wo sich Streulicht nicht vermeiden lässt, etwa auf manchen Balkonen, können Autoflower-Sorten die robustere Wahl sein.

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Quellen

  1. Revisiting light pollution effects on photoperiodic growth in short-day plants: Photon quantity and quality thresholds for sensitive species Eckels, Bugbee – Environmental and Experimental Botany 237, 2025Sieben Cannabissorten: Die empfindlichsten reagierten auf 0,01 µmol/m²/s mit verzögerter Blüte, langsamerer Blütenentwicklung und mehr Längenwachstum; rotes Licht wirkte stärker als weißes.
  2. Photons from NIR LEDs can delay flowering in short-day soybean and Cannabis: Implications for phytochrome activity Kusuma, Westmoreland, Zhen, Bugbee – PLOS ONE 16, 2021Infrarot-LEDs (850 nm) verzögerten die Blüte von Cannabis um bis zu 12 Tage; ein IR-Strahler für Kameras lieferte in 1 m Abstand ca. 25 µmol/m²/s, in 3 m ca. 1 µmol/m²/s.
  3. Photoperiodic Flowering Response of Essential Oil, Grain, and Fiber Hemp (Cannabis sativa L.) Cultivars Zhang, Anderson, Brym, Pearson – Frontiers in Plant Science 12, 2021Im Gewächshaus störte Streulicht von nur 2 µmol/m²/s die Blüte einer Sorte; auch das Dämmerlicht beeinflusste den Blühbeginn.
  4. Flowering Response of Cannabis sativa L. ‘Suver Haze’ under Varying Daylength-Extension Light Intensities and Durations Park, Collado, Lam, Hernández – Horticulturae 9, 2023Tagverlängerung mit 1,0–10,3 µmol/m²/s von 9 auf 15 h: kein vollständiger Übergang zur Blüte, sondern unvollständige Blütenstände.
  5. Regulation of flowering by green light depends on its photon flux density and involves cryptochromes Meng, Runkle – Physiologia Plantarum 166, 2019Grünes Licht als 7-stündige Tagverlängerung verzögerte die Blüte aller getesteten Kurztagspflanzen; bei der Studentenblume wirkten schon 2 µmol/m²/s voll.
  6. Hermaphroditism in Marijuana (Cannabis sativa L.) Inflorescences – Impact on Floral Morphology, Seed Formation, Progeny Sex Ratios, and Genetic Variation Punja, Holmes – Frontiers in Plant Science 11, 2020Veränderte Lichtzyklen werden als mögliche Auslöser von Zwitterblüten berichtet; kontrollierte Versuche zu den Auslösern fehlen weitgehend.
  7. Identification and mapping of major-effect flowering time loci Autoflower1 and Early1 in Cannabis sativa L. Toth, Stack, Carlson, Smart – Frontiers in Plant Science 13, 2022Unter Dauerlicht blühten Pflanzen mit der Autoflower-Anlage, photoperiodische Hochcannabinoid-Sorten blieben vegetativ.
  8. Ecological effects of artificial light at night on wild plants Bennie, Davies, Cruse, Gaston – Journal of Ecology 104, 2016Künstliches Licht in der Nacht ist vielerorts hell genug, um Entwicklung und Wuchsform von Pflanzen zu beeinflussen.

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