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Growraum abdunkeln: So wird der ganze Raum lichtdicht

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Einen Growraum abdunkeln bedeutet, nicht nur die Growbox, sondern den ganzen Raum während der Dunkelphase lichtdicht zu machen – wichtig bei offenen Setups ohne Zelt, bei mehreren Boxen mit unterschiedlicher Photoperiode im selben Raum oder wenn Streulicht durch Fenster oder Türspalten fällt. Bewährt haben sich blickdichte Verdunkelungsvorhänge oder -folie an Fenstern, abgedichtete Türen und eine Sichtprüfung mit dunkeladaptierten Augen. Wichtig: Abgedeckte Fenster ohne Lüftung begünstigen Kondensation und Schimmel an der Scheibe.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Auslöser für Blüteeinleitung
ununterbrochene Dunkelphase, meist ≥ 12 hgilt für photoperiodische Sorten, nicht für Autoflower
Kondensationsrisiko
steigt bei abgedunkelten, schlecht belüfteten FensternRaumluftfeuchte über ca. 60 % rF begünstigt Schimmel
Praxis-Check
5–10 Minuten dunkeladaptiert prüfenAugen brauchen Zeit, um schwaches Licht überhaupt zu sehen
Häufigster Schwachpunkt
Türspalt unten und Kabeldurchführungen

Warum der ganze Raum zählt, nicht nur die Box

Eine lichtdichte Growbox reicht nur so lange aus, wie sie tatsächlich die einzige Lichtquelle im Spiel ist. Sobald mehrere Zelte mit unterschiedlicher Photoperiode im selben Raum stehen, ein Teil des Grows offen im Raum steht statt in einer geschlossenen Box, oder Tageslicht durch ein Fenster einfällt, wird der Raum selbst zur relevanten Grenze. Wie du eine einzelne Box lichtdicht auswählst, erklärt der Artikel Growbox auswählen – hier geht es um die Fläche drumherum.

Photoperiodische Sorten leiten die Blüte über eine ununterbrochene Dunkelphase ein und steuern darüber auch den weiteren Blühverlauf. Der in der Praxis übliche Wechsel auf eine feste Dunkelphase funktioniert nur, wenn während dieser Zeit wirklich kein Licht in den relevanten Bereich gelangt. Ein zweites Zelt in der vegetativen Phase mit 18 Stunden Licht neben einem blühenden Zelt mit 12 Stunden Licht ist ein klassischer Fall, in dem der Raum selbst abgedunkelt werden muss, damit sich beide Zeitpläne nicht gegenseitig stören.

Fenster, Türen und Öffnungen wirksam abdunkeln

Die häufigsten Schwachstellen liegen nicht in der Fläche, sondern an den Rändern und Übergängen:

  • Fenster: ein dicker, dicht gewebter Verdunkelungsvorhang mit seitlicher Überlappung oder eine speziell dafür gedachte Verdunkelungsfolie, die randseitig überlappt statt nur die Scheibe zu bedecken.

  • Türen: eine untere Dichtleiste oder ein Zugluftstopper schließt den bei den meisten Zimmertüren vorhandenen Spalt, durch den Licht aus Fluren oder Nachbarräumen eindringt.

  • Lüftungsöffnungen und Kabeldurchführungen: lichtdichte, aber luftdurchlässige Abdeckungen wie versetzt angeordnete Lamellen (Lichtschleusen) verhindern direkten Lichtdurchtritt, ohne den Luftaustausch komplett zu blockieren.

  • Standby-Leuchten anderer Geräte: Router, Ladegeräte oder ein zweites Zelt mit eigener Steuerung können kleine, aber dauerhafte Lichtpunkte erzeugen, die in einem sonst komplett dunklen Raum auffallen.

Ein Raum muss dabei nicht wie eine Growbox aus blickdichtem Gewebe bestehen – entscheidend ist, dass am Ende kein Lichtstrahl den Bereich erreicht, in dem sich photoperiodische Pflanzen während ihrer Dunkelphase befinden.

Risiko Kondensation und Schimmel an abgedunkelten Fenstern

Wer ein Fenster mit Folie oder einem schweren Vorhang komplett abdichtet, verändert damit auch den Wärme- und Feuchtehaushalt an dieser Stelle. Die Fensterscheibe kühlt nachts stärker aus als die Raumluft; liegt direkt davor eine warme, feuchte Luftschicht ohne Austausch, kondensiert Wasser an der kalten Scheibe. Das Umweltbundesamt empfiehlt zur Schimmelvermeidung generell eine relative Raumluftfeuchte von 40 bis 60 % sowie regelmäßiges, kurzes Stoßlüften statt dauerhaft gekippter Fenster, weil Letzteres Wände auskühlen lässt und Kondensation begünstigt. Im Growraum kommt zusätzliche Feuchte aus Substrat und Pflanzentranspiration hinzu, wodurch das Risiko höher liegt als in einem gewöhnlichen Wohnraum.

Praktisch bedeutet das: Lass zwischen Verdunkelungsmaterial und Scheibe einen kleinen Luftspalt statt beides direkt aufeinanderzukleben, und lüfte den Raum weiterhin regelmäßig – notfalls außerhalb der Dunkelphase oder über eine lichtdichte Lüftungsöffnung. Ein einfaches Hygrometer im Raum zeigt frühzeitig, wenn die Feuchte dauerhaft zu hoch liegt. Wie du den Luftaustausch grundsätzlich dimensionierst, ohne die Dichtigkeit zu opfern, erklärt der Artikel zu Klima außerhalb der Growbox.

Kontrolle: So prüfst du, ob der Raum wirklich dunkel ist

Die menschlichen Augen brauchen einige Minuten, um sich an Dunkelheit anzupassen, und erst danach lassen sich schwache Lichtquellen zuverlässig erkennen. Geh deshalb während der geplanten Dunkelphase in den abgedunkelten Raum, schalte alle Lichtquellen aus und warte 5 bis 10 Minuten, bevor du systematisch die Ränder von Vorhängen, Türspalten, Kabeldurchführungen und Lüftungsöffnungen absuchst. Wiederhole die Prüfung möglichst zu der Tageszeit, zu der draußen am meisten Licht vorhanden ist, wenn Fenster betroffen sind, und zusätzlich nachts, wenn eine Straßenlaterne oder Nachbarbeleuchtung eine Rolle spielen könnte.

Autoflower-Sorten reagieren auf gelegentliche, kurze Lichtlecks deutlich toleranter als photoperiodische Sorten, weil sie ihre Blüte nicht über die Dunkelphase steuern. Für einen zuverlässig planbaren Blühverlauf lohnt sich ein vollständig abgedunkelter Raum trotzdem, unter anderem weil Geruch und Lichtaustritt dadurch ebenfalls sinkt. Mehr zu den Auswirkungen einzelner Lichtquellen während der Dunkelphase erklärt der Artikel zu Lichtlecks.

Typische Fehler beim Abdunkeln

  • Nur die Box, nicht den Raum abdunkeln. Bei mehreren Zelten mit unterschiedlicher Photoperiode oder offenen Setups reicht das nicht aus.

  • Fenster luftdicht versiegeln, ohne einen Lüftungsplan zu haben. Das erhöht das Risiko für Kondensation und Schimmel an der Scheibe und am Rahmen.

  • Türspalt unten vergessen. Er ist einer der häufigsten und am leichtesten zu übersehenden Lichtwege in Wohnräumen.

  • Nur bei Tageslicht prüfen. Nächtliches Streulicht durch Straßenbeleuchtung fällt bei einer Kontrolle am Nachmittag gar nicht auf.

  • Verdunkelungsmaterial direkt über heißen Leuchten oder Trafos drapieren. Das ist ein Brandrisiko; Details dazu stehen im Artikel Brandschutz bei Indoor-Technik.

  • Ohne dunkeladaptierte Augen kontrollieren. Wer direkt aus einem hellen Raum hereinkommt, übersieht schwache, aber für die Pflanze relevante Lichtquellen.

Weitere Planungsthemen rund um Aufbau und Technik findest du in der Kategorie Indoor-Planung.

Häufige Fragen

Muss ich den ganzen Raum abdunkeln, wenn meine Growbox schon lichtdicht ist?

Wenn ausschließlich eine einzelne, nachweislich dichte Growbox im Raum steht, reicht meist die Box selbst. Sobald mehrere Zelte mit unterschiedlicher Photoperiode im selben Raum stehen, der Raum selbst als offenes Grow-Setup dient oder Tageslicht durch ein Fenster einfällt, wird der Raum zur relevanten Grenze – dann muss er zusätzlich lichtdicht gemacht werden.

Wie dunkel muss es während der Dunkelphase wirklich sein?

Photoperiodische Sorten steuern Blühbeginn und -verlauf über die Länge einer ununterbrochenen Dunkelphase; schon kurze, helle Lichtimpulse können diesen Rhythmus stören. Eine sichere Praxis ist deshalb vollständige Dunkelheit, nicht nur gedimmtes Licht. Wie stark einzelne Lichtlecks tatsächlich wirken, hängt von Intensität, Spektrum und Dauer ab – Details dazu erklärt der Artikel zu Lichtlecks.

Wie verhindere ich Schimmel an abgedunkelten Fenstern?

Lass hinter dem Verdunkelungsmaterial etwas Luftspalt statt es luftdicht auf die Scheibe zu kleben, und lüfte den Raum weiterhin regelmäßig und kurz statt dauerhaft ganz zu verschließen. Ein Hygrometer im Raum zeigt an, ob die Luftfeuchte im unbedenklichen Bereich bleibt; Werte deutlich über 60 % relative Luftfeuchtigkeit sind ein Warnsignal.

Reicht ein dunkler Vorhang, oder brauche ich spezielle Verdunkelungsfolie?

Ein dicker, dicht gewebter Verdunkelungsvorhang mit Überlappung an den Seiten reicht in vielen Fällen aus. Dünne Stoffe oder helle Vorhänge lassen dagegen selbst bei Straßenlaternenlicht einen sichtbaren Schimmer durch. Verdunkelungsfolie ist vor allem dort sinnvoll, wo ein Vorhang schlecht abschließt, etwa an schräg stehenden Dachfenstern.

Stört kurzes Licht beim nächtlichen Gießen die Blüte?

Ein sehr kurzer Blick mit tiefgrünem oder schwach rotem Licht gilt in der Praxis als risikoärmer als helles weißes Licht, eine wissenschaftlich klar belegte sichere Dauer oder Intensität für den Hausgebrauch gibt es aber nicht. Sicherer ist es, die Dunkelphase grundsätzlich nicht zu unterbrechen und Kontrollen in die Lichtphase zu legen.

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Quellen

  1. Moving Away from 12:12; the Effect of Different Photoperiods on Biomass Yield and Cannabinoids in Medicinal Cannabis Peterswald, Mieog, Azman Halimi, Magner, Trebilco, Kretzschmar, Purdy – Plants 12, 2023Die Blüte wird bei Cannabis über eine ununterbrochene Dunkelphase gesteuert; Grundlage dafür, warum der gesamte Raum während dieser Zeit lichtdicht sein muss.
  2. Shade Avoidance Casal – The Arabidopsis Book, 2012Übersichtsarbeit zur Lichtwahrnehmung über Phytochrome: Pflanzen registrieren auch geringe Lichtmengen und reagieren empfindlich auf kurze Lichtreize.
  3. Wie lüfte ich richtig? – Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung UmweltbundesamtEmpfiehlt eine relative Raumluftfeuchte von 40–60 % und regelmäßiges Stoßlüften statt dauerhaft gekippter Fenster, um Kondensation und Schimmel zu vermeiden.
  4. Greenhouses: Heating, Ventilation, and Cooling Ferrarezi, Worley – University of Georgia Cooperative Extension, Bulletin 792, 2025Allgemeines Lüftungsprinzip: Luftzufuhr und -abfuhr müssen auch bei abgedichteten Öffnungen gewährleistet bleiben, sonst stauen sich Wärme und Feuchte.

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