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Grow-Kalender erstellen: Phasen, Termine und Routinen richtig planen

Von Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Ein Grow-Kalender verbindet die Phasen eines Durchgangs mit Terminen und Routinen. Plane rückwärts vom gewünschten Erntefenster: Blütedauer laut Sorte plus Puffer, davor die frei wählbare Wachstumsphase und etwa zwei bis drei Wochen für Keimung und Sämling. Nach der Ernte folgen meist ein bis zwei Wochen Trocknung und mindestens rund zwei Wochen Curing. Trage außerdem Kontrollen, Kalibriertermine und Abwesenheiten ein – gegossen wird aber nach Bedarf, nicht nach Wochentag.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Keimung und Sämling
ca. 2–3 WochenSamen keimen am schnellsten bei etwa 19–30 °C
Wachstumsphase
frei wählbar, oft 3–8 Wochennur bei photoperiodischen Sorten; wichtigster Hebel im Zeitplan
Blüte
Sortenangabe plus PufferSortenangaben sind Durchschnittswerte unter Züchterbedingungen
Trocknung
meist ca. 1–2 WochenBetriebe mit Klimatechnik: ca. 5–6 Tage
Curing
mindestens ca. 2 Wochen einplanenkaum systematisch untersucht
Pflanzenzahl
max. 3 gleichzeitig pro erwachsener Persongilt auch, wenn sich Durchgänge überschneiden (§ 9 Abs. 1 KCanG)

Was in einen Grow-Kalender gehört

Ein Grow-Kalender ist der Plan für einen Durchgang, das Grow-Tagebuch das Protokoll dessen, was tatsächlich passiert ist. Beides ergänzt sich: Der Kalender zeigt, was als Nächstes ansteht, das Tagebuch liefert die Daten, mit denen du den nächsten Kalender genauer planst. Wie du dokumentierst, erklärt der Artikel Grow-Tagebuch führen.

In den Kalender gehören drei Arten von Einträgen:

  • Meilensteine: Keimung, Einpflanzen, Umtopfen, Blüteumstellung, erwartetes Erntefenster, Trocknung und Curing.

  • Routinen: wiederkehrende Kontrollen wie Klimawerte, Schädlingsmonitoring, Fotos und Pflanzenhöhe.

  • Termine außerhalb der Pflanze: Einkäufe, Kalibrierung der Messgeräte, Reinigung und deine Abwesenheiten.

Ob Papier, Tabellenkalkulation oder Kalender-App, ist zweitrangig. Wichtig ist, Meilensteine als Zeitfenster einzutragen, nicht als exakte Tage – Pflanzen halten sich nicht an Termine.

Rückwärts planen: vom Erntefenster zum Starttermin

Am zuverlässigsten planst du vom Ende her. Lege fest, bis wann Ernte, Trocknung und Curing erledigt sein sollen, etwa vor einem Urlaub oder bevor der Raum anders gebraucht wird, und rechne die Phasen zurück. Die Tabelle zeigt ein Beispiel für eine photoperiodische Sorte mit neun Wochen angegebener Blütezeit.

Abschnitt

Richtwert (indoor)

Beispiel in Wochen

Keimung und Sämling

ca. 2–3 Wochen

Woche 1–3

Wachstumsphase

frei wählbar, oft 3–8 Wochen

Woche 4–8

Blüte

Sortenangabe plus Puffer

Woche 9–18

Trocknung

meist ca. 1–2 Wochen

Woche 19–20

Curing

mindestens ca. 2 Wochen

ab Woche 21

Im Beispiel liegen rund fünf Monate zwischen Keimung und lagerfähiger Ernte. Die Wachstumsphase ist der Hebel, mit dem du den Plan an Platz und Termin anpasst: Jede zusätzliche Woche macht die Pflanzen größer und verschiebt alles Folgende. Wann du umstellst, hängt auch von der Höhe deiner Box ab, weil viele Pflanzen in den ersten Blütewochen noch deutlich wachsen. Die Phasen selbst beschreibt der Artikel Lebenszyklus der Cannabispflanze.

Den Puffer brauchst du vor allem in der Blüte. Sortenangaben sind Durchschnittswerte unter den Bedingungen des Züchters, und selbst gleichnamige Sorten sind nicht unbedingt gleich: In einer US-Studie verhielten sich Sorten mit demselben Namen, aber aus verschiedenen Quellen unter identischen Bedingungen unterschiedlich. Plane deshalb eine bis zwei Wochen zusätzlich ein und bestimme den Erntezeitpunkt an der Pflanze, nicht am Kalender.

Trocknung und Curing werden oft vergessen, obwohl sie zusammen drei Wochen und mehr belegen. Betriebe mit Klimatechnik trocknen langsam in etwa fünf bis sechs Tagen bei 18–21 °C und 50–55 % Luftfeuchte; für den Heimgrow ohne aktive Klimatechnik gelten ein bis zwei Wochen als Praxiswert. Für das Curing wird in der Fachliteratur eine Dauer von etwa zwei Wochen zitiert, zugleich gilt dieser Schritt als kaum systematisch untersucht. Plane auch, wo getrocknet wird, wenn schon der nächste Durchgang läuft – Hinweise dazu gibt der Artikel Trocknungsraum.

Autoflower und Outdoor: andere Taktgeber

Bei Autoflower-Sorten entfällt die Blüteumstellung, weil sie nach einer genetisch festgelegten Zeit unabhängig von der Tageslänge blühen. Der Kalender wird dadurch kürzer, aber starrer: Die Wachstumsphase lässt sich nicht verlängern. Nimm die Züchterangabe zur Gesamtdauer als Ausgangspunkt, plane Puffer ein und beurteile die Reife an der Pflanze; unabhängige Daten zur Gesamtdauer gibt es kaum.

Outdoor gibt die Tageslänge den Takt vor. Photoperiodische Sorten beginnen zu blühen, wenn die Tage kürzer werden als ein sortenspezifischer Grenzwert. In einer US-Studie lag diese kritische Tageslänge bei den empfindlichsten Sorten zwischen 13 Stunden 45 Minuten und 14 Stunden, und schon 15 Minuten Unterschied verschoben den Blühbeginn. Für Mitteleuropa heißt das grob: auspflanzen nach den letzten Frostnächten, Blüte ab dem Hoch- bis Spätsommer, Ernte je nach Sorte meist im September oder Oktober. Den Plan Monat für Monat liefert der Outdoor-Kalender für Mitteleuropa.

Routinen und feste Termine

Routinen sorgen dafür, dass Probleme früh auffallen. Sie gehören mit fester Häufigkeit in den Kalender – mit einer Ausnahme: dem Gießen.

Routine

Häufigkeit

Hinweis

Sichtkontrolle, Klima (Min/Max)

täglich

zur selben Uhrzeit ablesen

Gießbedarf prüfen

täglich

nach Topfgewicht oder Feuchte, nicht nach Wochentag

Gelbtafeln kontrollieren und tauschen

ein- bis zweimal pro Woche

Fänge mit Datum notieren

Fotos und Pflanzenhöhe

wöchentlich

gleicher Winkel, weißes Licht

pH- und EC-Messgerät prüfen

regelmäßig, vor wichtigen Messungen

mit Puffer- bzw. Kalibrierlösung

Hygrometer überprüfen

vor jedem Durchgang

Kalibrierung etwa alle 6–12 Monate

Schaltzeiten der Zeitschaltuhr

nach Stromausfall und Zeitumstellung

Dunkelphase muss ununterbrochen bleiben

Feste Gießtage funktionieren nicht, weil der Wasserbedarf von Pflanzengröße, Temperatur, Luftfeuchte und Topfvolumen abhängt und sich von Woche zu Woche ändert. Ein starrer Rhythmus führt mal zu nassen, mal zu ausgetrockneten Töpfen. Trage stattdessen „Gießbedarf prüfen“ als Routine ein und notiere, wann tatsächlich gegossen wurde.

Überlappende Durchgänge und Pflanzenzahl

Wer gestaffelt anbaut, also neue Pflanzen startet, während andere noch blühen, muss die Pflanzenzahl im Kalender mitführen. Erlaubt sind höchstens drei Pflanzen gleichzeitig pro erwachsener Person (§ 9 Abs. 1 KCanG). Jungpflanzen, blühende Pflanzen und eine Mutterpflanze zählen zusammen. Überzählige Pflanzen sind laut Bundesgesundheitsministerium unverzüglich und vollständig zu vernichten – lass deshalb nur so viele Samen keimen, wie Plätze frei sind.

Gestaffelte Durchgänge verteilen die Arbeit über das Jahr, bedeuten mit drei Pflanzen aber auch kleinere Einheiten pro Durchgang. Behalte zusätzlich die Besitzgrenze im Blick: Am Wohnsitz sind insgesamt höchstens 50 g getrocknetes Cannabis erlaubt (§ 3 Abs. 2 KCanG). Grenzfälle wie Keimlinge und Stecklinge erklärt der Artikel Pflanzenzahl im privaten Eigenanbau.

Typische Fehler beim Grow-Kalender

  • Sortenangaben als feste Termine: Die Blütezeit auf der Packung ist ein Durchschnittswert; ohne Puffer gerät der ganze Plan ins Rutschen.

  • Gießen nach Wochentag: Der Wasserbedarf ändert sich laufend; feste Gießtage begünstigen Staunässe oder Trockenstress.

  • Trocknung und Curing vergessen: Nach der Ernte sind Raum und Zeit noch mindestens drei Wochen gebunden.

  • Abwesenheit in kritischen Phasen: Keimung, Blüteumstellung, späte Blüte und Trocknung vertragen mehrere Tage ohne Kontrolle schlecht. Plane Urlaube möglichst in die mittlere Wachstumsphase.

  • Zu spät umstellen: Wer erst auf Blüte umstellt, wenn die Box fast voll ist, bekommt in den ersten Blütewochen Platzprobleme.

  • Jahreszeit ignorieren: Im Sommer wird es in der Box leicht zu warm, im Winter nachts zu kühl. Eine in die kühleren Nachtstunden verlegte Lichtphase kann im Sommer helfen.

  • Plan nie anpassen: Ein Kalender ist eine Annahme. Weichen die Pflanzen ab, verschiebst du die Termine – nicht umgekehrt.

Weitere Artikel zu Ablauf und Vorbereitung findest du in der Kategorie Grow-Planung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Indoor-Grow vom Samen bis zur lagerfähigen Ernte?

Bei photoperiodischen Sorten meist vier bis sechs Monate: zwei bis drei Wochen Keimung und Sämling, eine Wachstumsphase von oft drei bis acht Wochen, je nach Sorte etwa sechs bis zwölf Wochen Blüte sowie ein bis zwei Wochen Trocknung und mindestens zwei Wochen Curing. Die Wachstumsphase ist der Teil, den du am stärksten selbst bestimmst.

Sollte ich feste Gießtage in den Kalender schreiben?

Nein. Der Wasserbedarf hängt von Pflanzengröße, Temperatur, Luftfeuchte und Topfvolumen ab und ändert sich laufend. Trage stattdessen eine tägliche Kontrolle des Gießbedarfs ein und notiere, wann du tatsächlich gegossen hast. Aus diesen Einträgen ergibt sich nach einigen Wochen ein realistischer Rhythmus.

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Urlaub während des Grows?

Am unkritischsten ist die mittlere Wachstumsphase, wenn die Pflanzen etabliert sind und du die Wachstumsdauer bei photoperiodischen Sorten notfalls verlängern kannst. Ungünstig sind Keimung, die Zeit um die Blüteumstellung, die späte Blüte und die Trocknung. Wer trotzdem wegfährt, braucht eine verlässliche Vertretung oder eine erprobte Bewässerungslösung.

Kann ich mehrere Durchgänge gleichzeitig laufen lassen?

Ja, solange zu keinem Zeitpunkt mehr als drei Pflanzen pro erwachsener Person wachsen. Jungpflanzen, blühende Pflanzen und eine Mutterpflanze zählen zusammen. Zusätzlich darf die getrocknete Menge am Wohnsitz 50 g nicht übersteigen, deshalb gehören beide Grenzen in den Kalender.

Wie genau muss der Kalender sein?

So genau wie nötig, so grob wie möglich. Meilensteine trägst du als Zeitfenster ein, Routinen mit fester Häufigkeit. Nach jedem Durchgang ersetzt du die Richtwerte durch deine eigenen Daten aus dem Grow-Tagebuch – so wird der nächste Kalender deutlich treffsicherer.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Temperature Limits for Seed Germination in Industrial Hemp (Cannabis sativa L.) Geneve, Janes, Kester, Hildebrand, Davis – Crops 2, 2022Höchste Keimrate und -geschwindigkeit zwischen etwa 19 und 30 °C.
  2. Photoperiodic Flowering Response of Essential Oil, Grain, and Fiber Hemp (Cannabis sativa L.) Cultivars Zhang, Anderson, Brym, Pearson – Frontiers in Plant Science 12, 2021Kritische Tageslänge der empfindlichsten Sorten zwischen 13 h 45 min und 14 h; 15 Minuten Unterschied verschoben den Blühbeginn; gleichnamige Sorten aus verschiedenen Quellen verhielten sich unterschiedlich.
  3. Postharvest Operations of Cannabis and Their Effect on Cannabinoid Content: A Review Das, Vista, Tabil, Baik – Bioengineering 9, 2022Kommerzielle Langsamtrocknung in 5–6 Tagen bei 18–21 °C und 50–55 % rF; als Curing-Empfehlung werden etwa zwei Wochen zitiert, der Schritt gilt als kaum untersucht.
  4. Monitoring with Sticky Traps – Floriculture and Ornamental Nurseries UC Statewide IPM Program – UC ANR Publication 3392, 2021Gelbtafeln mindestens ein- bis zweimal pro Woche kontrollieren und dabei austauschen; Fänge mit Datum erfassen.
  5. Good Practice Guide No. 124: The Beginner’s Guide to Humidity Measurement Bell – National Physical Laboratory (NPL), 2013Feuchtemessgeräte driften und sollten etwa alle 6 bis 12 Monate kalibriert werden, bei starker Beanspruchung häufiger.
  6. § 9 KCanG – Anforderungen an den privaten Eigenanbau Bundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.de, 2024Insgesamt nicht mehr als drei Cannabispflanzen gleichzeitig pro erwachsener Person; Stand am 28.09.2026 geprüft.
  7. § 3 KCanG – Erlaubter Besitz von Cannabis Bundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.de, 2024Am Wohnsitz insgesamt bis zu 50 g Cannabis, bei Blüten bezogen auf das Gewicht nach dem Trocknen; Stand am 28.09.2026 geprüft.
  8. Fragen und Antworten zum Cannabisgesetz Bundesministerium für Gesundheit, 2026Stand 04.09.2026: Alle über drei hinausgehenden Pflanzen sind unverzüglich und vollständig zu vernichten.

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