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Outdoor-Kalender für Mitteleuropa: Was beim Cannabis-Anbau wann ansteht

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Draußen folgt der Anbau photoperiodischer Sorten dem Sonnenjahr: Anzucht unter Kunstlicht ab Mitte April, Auspflanzen nach den letzten Nachtfrösten ab Mitte Mai, kräftiges Wachstum bis in den Juli. Nach der Sommersonnenwende werden die Tage kürzer, und je nach Sorte setzt die Blüte meist im Lauf des Augusts ein. Die Reife fällt in den späten September oder Oktober – dann drohen Dauerregen, Grauschimmel und erste Fröste. Früh blühende Sorten und Autoflower verringern dieses Risiko.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Längster Tag (21. Juni)
ca. 16 h 05 min (München) bis 17 h 13 min (Kiel)Sonnenauf- bis Sonnenuntergang; mit Dämmerung jeweils gut eine Stunde länger
Auspflanzen
ab Mitte Maisobald keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind
Tag kürzer als 15 Stunden
München ca. 1. Aug., Mitte ca. 8. Aug., Kiel ca. 14. Aug.Im Norden beginnt die Blüte derselben Sorte deshalb etwas später.
Kritische Tageslänge
ca. 13 h 45 min bis über 15 h 30 mingemessen an 27 Hanfsorten; sortenabhängig, Dämmerlicht zählt mit
Herbstrisiken
Dauerregen, Grauschimmel, erster FrostFrühe Nachtfröste gab es vielerorts schon im September.

Der Kalender auf einen Blick

Der Outdoor-Anbau photoperiodischer Sorten richtet sich nach Frost im Frühjahr, Tageslänge im Sommer und Nässe im Herbst. Die Tabelle zeigt die Tageslänge jeweils zur Monatsmitte für die Mitte Deutschlands (51° N), gerechnet von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nach Daten des U.S. Naval Observatory.

Monat

Tageslänge (Monatsmitte, 51° N)

Was ansteht

Januar bis März

11 h 51 min (15. März)

Standort prüfen, Sorte wählen, Erde und Töpfe besorgen, Pflanzenzahl planen

April

13 h 50 min

Keimung und Vorzucht unter Kunstlicht ab Mitte April

Mai

15 h 33 min

abhärten, ab Mitte Mai auspflanzen, Vlies bereithalten; Autoflower keimen

Juni

16 h 31 min

kräftiges Wachstum, Training, Stützen setzen; am 21. Juni längster Tag

Juli

16 h 05 min

Wachstum bei hohem Wasserbedarf; Autoflower blühen bereits

August

14 h 34 min

Blühbeginn der meisten photoperiodischen Sorten, Streckungsphase

September

12 h 39 min

Blüte, Regenschutz, tägliche Kontrolle auf Grauschimmel

Oktober

10 h 45 min

Reife und Ernte, Trocknung im Haus

November, Dezember

8 h 57 min (15. Nov.)

Trocknung und Curing abschließen, Saison auswerten

In Norddeutschland sind die Sommertage länger, im Süden kürzer: Am 21. Juni scheint die Sonne in München rund 16 h 05 min, in Kiel 17 h 13 min. Nach der Tagundnachtgleiche Ende September kehrt sich das um.

Frühjahr: Planung, Anzucht und Auspflanzen

Die Weichen stellst du im Winter: Wähle einen Platz mit möglichst vielen Sonnenstunden und eine Sorte, die in Mitteleuropa rechtzeitig reif wird. Denke an die rechtlichen Grenzen: Angebaut werden darf nur am eigenen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt, höchstens drei Pflanzen gleichzeitig pro erwachsener Person (§ 9 KCanG), und Pflanzen müssen vor dem Zugriff von Kindern, Jugendlichen und anderen Dritten geschützt sein (§ 10 KCanG).

Photoperiodische Sorten keimen ab Mitte April unter einer Pflanzenlampe. Ausgepflanzt wird ab Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind; die Eisheiligen sind dabei nur ein grober Richtwert, denn Kälterückfälle treten im Mai zufällig auf und werden lediglich mit jeder Woche seltener. Wie du Keimung, Abhärten und Auspflanzen timst, erklärt der Artikel Saisonstart.

Sommer: Wachstum bis zur Sonnenwende, dann die Blüte

Bis Ende Juni sind die Tage lang genug, dass photoperiodische Pflanzen vegetativ wachsen. Danach werden sie kürzer, im August in der Mitte Deutschlands um gut drei Minuten pro Tag. Sobald der Tag kürzer ist als die kritische Tageslänge der Sorte, stellt die Pflanze auf Blüte um. In einer Studie mit 27 Hanfsorten lagen diese Schwellen zwischen 13 h 45 min und über 15 h 30 min; bei einigen Sorten verzögerten schon 15 Minuten mehr Licht die Blüte um fünf bis 13 Tage.

Dabei zählt auch die Dämmerung: Licht von rund 2 µmol/m²/s, wie es kurz vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang herrscht, wirkte auf die Pflanzen wie Tag. Die für die Pflanze wirksame Tageslänge liegt deshalb gut eine Stunde über der Zeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Aus demselben Grund können Straßenlaternen oder Außenleuchten die Blüte verzögern – mehr dazu im Artikel Lichtlecks.

Die geografische Breite verschiebt den Blühbeginn. Kürzer als 15 Stunden wird der Tag in München um den 1. August, in der Mitte Deutschlands um den 8. August und in Kiel erst um den 14. August. Dieselbe Sorte beginnt im Norden also rund ein bis zwei Wochen später zu blühen.

Autoflower-Sorten blühen unabhängig von der Tageslänge. Bei einem Start im Mai können sie je nach Sortendauer schon im Spätsommer erntereif sein; wer zwei Durchgänge plant, muss darauf achten, dass nie mehr als drei Pflanzen gleichzeitig wachsen.

Herbst: Reife, Regen und erster Frost

Wie lange die Blüte dauert, hängt von der Sorte ab. In zwei der hier zitierten Studien dauerte die Blütephase 49 Tage beziehungsweise zwölf Wochen. Beginnt die Blüte Mitte August, fällt die Reife damit rechnerisch zwischen Anfang Oktober und Anfang November – mitten in die nasskalte Jahreszeit. Deshalb sind für Mitteleuropa Sorten mit früher Blüte und kurzer Blütezeit die sicherere Wahl.

Das größte Herbstrisiko ist Grauschimmel. Bei kühlem, nassem Wetter kann die Blütenfäule im Freiland ganze Blüten zerstören, besonders bei großen, kompakten Blütenständen. In einem kanadischen Gewächshaus trat der meiste Befall im September und Oktober auf. Ab der mittleren Blüte lohnt deshalb ein Dach mit offenen Seiten, wie es der Artikel Regenschutz beschreibt.

Dazu kommt Frost. Laut Deutschem Wetterdienst gab es den frühesten ersten Frost an vielen Stationen schon im September, in Städten und an der Küste bisher frühestens im Oktober. Ist eine Pflanze reif und Frost angekündigt, solltest du nicht länger warten. Ob sie so weit ist, zeigen die Trichome als Reifeindikator. Getrocknet wird anschließend drinnen, wie unter Trocknen und Curen ohne Schimmel beschrieben.

Typische Fehler im Jahresablauf

  • Eine Sorte mit langer Blütezeit wählen. Wer erst im November ernten könnte, verliert oft einen Teil der Blüten an Schimmel oder Frost.

  • Zu früh auspflanzen. Im April sind Nächte oft zu kalt und Tage für manche Sorten zu kurz – vorzeitige Blüte und Wachstumsstillstand sind die Folge.

  • Nachts Licht am Standort übersehen. Schon schwaches Licht von Laternen, Bewegungsmeldern oder Gartenstrahlern kann die Blüte verzögern.

  • Den Regenschutz zu spät aufbauen. Grauschimmel infiziert Blüten oft Wochen, bevor er sichtbar wird.

  • Die Ernte bei Dauerregen hinauszögern. Ein paar Tage mehr Reife wiegen verschimmelte Blüten selten auf.

  • Den Plan von der Stange übernehmen. Tageslänge, Frosttermine und Herbstwetter unterscheiden sich zwischen Alpenrand, Rheinebene und Küste; notiere deine Beobachtungen jedes Jahr.

Mehr zu Lage, Licht und Saison findest du in der Kategorie Outdoor-Standort.

Häufige Fragen

Wann wird draußen in Deutschland geerntet?

Das hängt von der Sorte ab. Photoperiodische Sorten beginnen meist im August zu blühen; bei einer Blütedauer von etwa sieben bis zwölf Wochen, wie sie in Studien gemessen wurde, fällt die Reife in den späten September oder in den Oktober. Früh blühende Sorten und Autoflower sind früher fertig, spät blühende Sorten reifen oft erst in nasskaltem Herbstwetter.

Sind zwei Autoflower-Durchgänge pro Saison möglich?

Grundsätzlich ja, weil Autoflower unabhängig von der Tageslänge blühen – etwa ein Start im Mai und ein zweiter im Frühsommer. Der zweite Durchgang reift dann in den kürzeren, feuchteren Spätsommer hinein. Rechtlich zählt die Zahl der gleichzeitig lebenden Pflanzen: Mehr als drei pro erwachsener Person dürfen es zu keinem Zeitpunkt sein.

Warum blüht meine Pflanze im August noch nicht?

Wahrscheinlich hat die Sorte eine kurze kritische Tageslänge und reagiert erst später, oder die Pflanze bekommt nachts Licht von einer Straßenlaterne oder Außenleuchte. In einer Studie wirkte schon Dämmerlicht von rund 2 µmol/m²/s auf Hanf wie Tageslicht. Prüfe den Standort nachts und schirme Lichtquellen ab.

Soll ich im Oktober warten, bis die Blüten noch reifer sind?

Nur wenn das Wetter trocken bleibt und keine Blütenfäule auftritt. Bei Dauerregen und ersten Schimmelstellen ist eine etwas frühere Ernte meist die bessere Wahl als der Verlust ganzer Blüten. Kontrolliere in dieser Phase täglich die dichtesten Blüten und die Reifezeichen.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Duration of Daylight/Darkness Table for One Year U.S. Naval Observatory – Astronomical Applications DepartmentGrundlage aller genannten Tageslängen für München (48° N), die Mitte Deutschlands (51° N) und Kiel (54° N).
  2. Photoperiodic Flowering Response of Essential Oil, Grain, and Fiber Hemp (Cannabis sativa L.) Cultivars Zhang, Anderson, Brym, Pearson – Frontiers in Plant Science 12, 2021Kritische Tageslängen zwischen 13 h 45 min und über 15 h 30 min; schon 15 Minuten Unterschied verzögerten die Blüte; Dämmerlicht von ca. 2 µmol/m²/s war biologisch wirksam.
  3. Die Eisheiligen: Nur ein Mythos? Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages (A. Leyser Sturm), 2026Spätfröste im Mai treten zufällig auf und werden im Lauf des Monats seltener.
  4. Herbstzwischenbilanz – Wann gibt es den ersten Frost? Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages (M. Beyer), 2024Die frühesten ersten Fröste traten an vielen Stationen schon im September auf, in Städten und an der Küste erst im Oktober.
  5. Emerging diseases of Cannabis sativa and sustainable management Punja – Pest Management Science 77, 2021Botrytis-Blütenfäule ist im Freiland bei kühlem, nassem Wetter besonders gefährlich; dichte Blüten sind anfälliger.
  6. The epidemiology and management of Botrytis cinerea causing bud rot on greenhouse cultivated cannabis (Cannabis sativa L.) Buirs, Lung, Punja – Canadian Journal of Plant Pathology 47, 2025Höchster Befall im September und Oktober; Blütephase der untersuchten Sorten: 49 Tage.
  7. Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Beispiel für eine zwölfwöchige Blütephase unter 12 Stunden Licht.
  8. Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (KCanG) – § 9 Anforderungen an den privaten Eigenanbau Bundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.deHöchstens drei Cannabispflanzen gleichzeitig am Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt; Stand am 28.09.2026 geprüft.
  9. Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (KCanG) – § 10 Schutzmaßnahmen im privaten Raum Bundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.dePflicht, Cannabis und Vermehrungsmaterial vor dem Zugriff Dritter, insbesondere Kinder und Jugendliche, zu schützen; Stand am 28.09.2026 geprüft.
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