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Wie viele Sonnenstunden braucht ein Outdoor-Standort für Cannabis?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Ein guter Outdoor-Standort bekommt im Sommer mindestens sechs, besser acht und mehr Stunden direkte Sonne. Cannabis setzt viel Licht in Wachstum um: Mehr direkte Sonne bedeutet in der Regel mehr Ertrag und dichtere Blüten. Am günstigsten ist eine freie Süd- bis Südwestlage. Entscheidend ist aber nicht die Himmelsrichtung allein, sondern wie lange Bäume, Gebäude und Hecken den Platz beschatten – vor allem im Spätsommer und Herbst, wenn die Sonne tiefer steht und die Blüten reifen.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Direkte Sonne im Sommer
mindestens ca. 6 h, besser 8 h und mehr6 h entsprechen der gärtnerischen Definition von „Vollsonne“ – für Cannabis eher die Untergrenze.
Sonnenhöhe mittags (51° N)
21. Juni ca. 62°, 15. Oktober ca. 30°
Mittagsschatten einer 2 m hohen Hecke
Juni ca. 1 m, Mitte September ca. 2,2 m, Mitte Oktober ca. 3,4 mMorgens und abends ist der Schatten ein Vielfaches länger.
Sonnenscheindauer in Deutschland
ca. 1.665 h pro JahrMittel 1991–2020; von Mai bis September scheint die Sonne gut 40 % der astronomisch möglichen Zeit.

Wie viel direkte Sonne Cannabis braucht

Im Gartenbau gilt ein Platz als vollsonnig, wenn er im Sommer mindestens sechs Stunden direkte Sonne bekommt. Für Cannabis ist das eher die Untergrenze. Die Pflanze kann sehr viel Licht verwerten: In einer Studie der University of Guelph stiegen Ertrag und Dichte der Hauptblüte bis zur höchsten getesteten Intensität von rund 1.800 µmol/m²/s linear an, obwohl einzelne Blätter schon deutlich früher ihre maximale Photosyntheseleistung erreichten. Ein Standort mit acht und mehr Stunden direkter Sonne im Sommer ist deshalb ideal.

Direkte Sonne heißt: Die Sonnenscheibe ist vom Platz der Pflanze aus sichtbar, es fällt ein klarer Schatten. Heller Schatten unter einem Baum oder neben einer Mauer liefert nur einen Bruchteil dieses Lichts. Wie sich die gesamte Tageslichtmenge berechnet, erklärt der Artikel zum DLI, dem Tageslichtintegral.

Die Sonnenstunden am Standort sind nicht dasselbe wie die Sonnenscheindauer, die der Deutsche Wetterdienst für eine Region angibt. Diese lag im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 bei rund 1.665 Stunden pro Jahr; von Mai bis September scheint die Sonne nur gut 40 % der astronomisch möglichen Zeit, im August sind es rund 47 %. Wolken kannst du nicht beeinflussen – die Abschattung an deinem Platz schon. Umso wichtiger ist, dass die Pflanze an sonnigen Tagen möglichst lange direktes Licht bekommt. Weitere Faktoren rund um Lage und Saison findest du in der Kategorie Outdoor-Standort.

Süd-, West- oder Ostlage: Was die Ausrichtung bringt

Die Himmelsrichtung bestimmt, zu welcher Tageszeit Sonne ankommt. Wichtig ist dabei, was im Süden, Südosten und Südwesten des Platzes steht, denn von dort kommt die Sonne im Spätsommer und Herbst fast den ganzen Tag.

Lage vor Wand oder Hecke

Direkte Sonne

Vorteil

Nachteil

Süd

den größten Teil des Tages

meiste Sonnenstunden, auch im Herbst

an Hauswänden viel Wärme

West / Südwest

ab Mittag bis Abend

viel Licht, lange Abende

heiße Nachmittage, höherer Wasserbedarf

Ost / Südost

Morgen bis Mittag

milde Sonne, Tau trocknet früh ab

nachmittags Schatten

Nord

im Hochsommer nur früh und spät

–

für Cannabis kaum geeignet

Südlage ist für photoperiodische Sorten die beste Wahl, weil sie auch dann noch viele Sonnenstunden bietet, wenn die Tage kürzer werden. Westlage liefert ebenfalls viel Licht, allerdings in den heißesten Stunden; Töpfe vor sonnenbeschienenen Wänden trocknen dann schnell aus, und das Risiko für Hitzestress steigt. Ostlage bringt mildere Morgensonne. Sie trocknet Tau früher ab und verkürzt so die Zeit, in der Blüten nass sind – ein Vorteil, denn Feuchtigkeit auf den Blüten fördert Grauschimmel.

Warum der Spätsommer über den Standort entscheidet

Viele Plätze sind im Juni sonnig und im September halbschattig. Der Grund ist der sinkende Sonnenstand: In der Mitte Deutschlands (51° N) steht die Sonne am 21. Juni mittags rund 62° hoch, Mitte August noch 53°, zur Tagundnachtgleiche Ende September 39° und Mitte Oktober nur noch 30°. Genau in diese Zeit fallen Blüte und Reife photoperiodischer Sorten.

Mit dem Sonnenstand wachsen die Schatten. Eine 2 m hohe Hecke wirft mittags im Juni einen etwa 1 m langen Schatten, Mitte August etwa 1,5 m, Mitte September etwa 2,2 m und Mitte Oktober rund 3,4 m. Morgens und abends sind die Schatten ein Vielfaches länger.

Auch die Richtung ändert sich. Im Juni geht die Sonne im Nordosten auf und im Nordwesten unter, zur Tagundnachtgleiche genau im Osten und Westen, Mitte Oktober schon im Ostsüdosten und Westsüdwesten. Ein Baum im Südwesten, der im Hochsommer kaum stört, kann im Herbst die gesamte Nachmittagssonne abfangen. Laubbäume solltest du im belaubten Zustand beurteilen, nicht im zeitigen Frühjahr.

So misst du die Sonnenstunden an deinem Platz

  1. Einen sonnigen Tag wählen und den geplanten Platz von morgens bis abends stündlich fotografieren oder notieren, ob er in der Sonne liegt.

  2. Stunden zusammenzählen. Nur Zeiten mit klarem Schlagschatten zählen als direkte Sonne.

  3. Im Spätsommer wiederholen. Eine zweite Beobachtung Ende August oder Anfang September zeigt, wie viel Sonne in der Blütezeit übrig bleibt.

  4. Herbstschatten abschätzen. Als Faustregel für die Mitte Deutschlands reicht der Mittagsschatten Ende September etwa 1,2-mal so weit wie das Hindernis hoch ist, Mitte Oktober etwa 1,7-mal.

  5. Flexibel bleiben. Töpfe lassen sich der Sonne nachziehen, wenn im Herbst ein Teil des Gartens in den Schatten fällt.

Den Ablauf über die ganze Saison zeigt der Outdoor-Kalender für Mitteleuropa. Für Balkone mit Decke und Brüstung gelten eigene Regeln, die der Artikel zum Sonnenverlauf auf dem Balkon erklärt.

Typische Fehler bei der Standortwahl

  • Nur im Frühsommer prüfen. Wer den Platz im Juni beurteilt, überschätzt die Sonne im September.

  • Hell mit sonnig verwechseln. Ein heller Platz ohne Schlagschatten ist Halbschatten, auch wenn er sich freundlich anfühlt.

  • Nur auf den Kompass schauen. Eine Südlage nützt wenig, wenn im Süden ein Nachbarhaus oder eine hohe Hecke steht.

  • Hitze unterschätzen. Direkt vor einer sonnigen Süd- oder Westwand kann es in Hitzeperioden sehr heiß werden; hier helfen größere Töpfe und etwas Abstand zur Wand.

  • Feuchte Ecken wählen. Plätze, die morgens lange im Schatten liegen und schlecht durchlüftet sind, bleiben nach Tau und Regen länger nass – im Herbst ein Risiko für die Blüten.

  • Regionale Sonnenscheindauer als Standortwert nehmen. Sie beschreibt das Wetter, nicht die Abschattung an deinem Platz.

Häufige Fragen

Reichen vier bis fünf Stunden direkte Sonne für Cannabis?

Die Pflanzen wachsen und blühen auch dann, bleiben aber meist kleiner und bilden lockerere Blüten, weil Ertrag und Blütendichte mit der Lichtmenge steigen. Fehlendes Licht lässt sich draußen nicht durch Dünger ausgleichen. Wenn möglich, wähle einen helleren Platz oder nutze Töpfe, die du im Lauf der Saison der Sonne nachziehen kannst.

Ist Morgensonne oder Nachmittagssonne besser?

Beide liefern Licht für die Photosynthese. Morgensonne ist milder und trocknet Tau früher ab, sodass Blätter und Blüten kürzer nass bleiben. Nachmittagssonne trifft auf bereits aufgeheizte Luft und kann an heißen Tagen zusätzlichen Hitzestress bedeuten, besonders bei Töpfen vor Hauswänden.

Wie finde ich ohne Kompass heraus, wo Süden ist?

Mittags steht die Sonne genau im Süden. Wegen der Sommerzeit ist das in Deutschland im Sommer erst gegen 13 bis knapp 14 Uhr der Fall, im Westen etwas später als im Osten. Für die grobe Ausrichtung genügt aber auch die Kompassfunktion eines Smartphones.

Zählt helles Licht im Schatten auch als Sonnenstunde?

Nein. Als Sonnenstunde am Standort zählt nur die Zeit, in der die Sonne die Pflanze direkt bescheint. Diffuses Licht im Schatten trägt zwar zur Photosynthese bei, liefert aber nur einen Bruchteil davon. Helle Wände oder Zäune können einen Schattenplatz durch reflektiertes Licht etwas aufhellen, ersetzen direkte Sonne aber nicht.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Defining Sun Requirements for Plants K-State Research and Extension, Johnson CountyDefinition von Vollsonne (sechs oder mehr Stunden direkte Sommersonne) und Unterschied zwischen milder Morgen- und heißer Nachmittagssonne.
  2. Assessing sunlight University of Saskatchewan – Gardening at USask, 2018Stündliche Beobachtung oder Fotos als Methode, den Sonnenverlauf im Garten zu erfassen; Einfluss des Sonnenstands und reflektierten Lichts.
  3. Sonnige Zeiten Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages (M. Beyer), 2021Mittlere Sonnenscheindauer in Deutschland 1991–2020 und Anteil der astronomisch möglichen Sonnenscheindauer je Monat.
  4. Altitude and Azimuth of the Sun or Moon During One Day U.S. Naval Observatory – Astronomical Applications DepartmentGrundlage der genannten Sonnenhöhen und Himmelsrichtungen von Sonnenauf- und -untergang für 51° N; die Schattenlängen sind daraus berechnet.
  5. Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Ertrag und Dichte der Hauptblüte stiegen bis ca. 1.800 µmol/m²/s linear mit der Lichtintensität.
  6. Emerging diseases of Cannabis sativa and sustainable management Punja – Pest Management Science 77, 2021Feuchtigkeit auf den Blüten fördert Botrytis; kühles, nasses Wetter begünstigt Blütenfäule im Freiland.

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