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DLI: Wie berechnest du die Tageslichtsumme deiner Pflanzen?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die DLI (Daily Light Integral, Tageslichtsumme) gibt an, wie viele photosynthetisch nutzbare Photonen an einem Tag auf einen Quadratmeter treffen, in mol/m²/Tag. Du berechnest sie aus Lichtstärke und Beleuchtungsdauer: DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036. Beispiel: 800 µmol/m²/s bei 12 Stunden Licht ergeben rund 35 mol/m²/Tag. Als Richtwerte gelten in der Blüte etwa 26–43 und in der Wachstumsphase bei 18 Stunden etwa 19–39 mol/m²/Tag.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Formel
DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036PPFD in µmol/m²/s, Ergebnis in mol/m²/Tag
Blüte (12 h, 600–1.000 µmol/m²/s)
ca. 26–43 mol/m²/Tag
Wachstum (18 h, 300–600 µmol/m²/s)
ca. 19–39 mol/m²/Tag
Sämlinge (18 h, 100–300 µmol/m²/s)
ca. 6–19 mol/m²/Tag
Sonnenlicht
1 kWh/m² Globalstrahlung ≈ 7,3 mol/m² PAR-PhotonenNäherung aus der Gartenbauforschung, nützlich für Outdoor-Schätzungen

Was die DLI beschreibt

Die DLI (Daily Light Integral, Tageslichtsumme) ist die Menge an photosynthetisch nutzbarem Licht, die an einem Tag auf einen Quadratmeter trifft. Sie wird in Mol Photonen pro Quadratmeter und Tag angegeben (mol/m²/Tag). Während die PPFD die momentane Lichtstärke beschreibt, fasst die DLI Stärke und Dauer zu einer Zahl zusammen.

Das ist wichtig, weil Pflanzen Licht über den ganzen Tag sammeln. Zwei Setups mit sehr unterschiedlicher PPFD können dieselbe Tageslichtsumme liefern: 600 µmol/m²/s über 18 Stunden ergeben genauso rund 39 mol/m²/Tag wie 900 µmol/m²/s über 12 Stunden. In der Gartenbauforschung ist die DLI deshalb eine Standardgröße, um Wachstum und Blühverhalten verschiedener Kulturen abzuschätzen.

Die DLI ist ein guter erster Vergleichswert, aber kein vollständiges Modell. Die Lichtdauer hat bei Cannabis eigene Wirkungen, vor allem auf die Blüte, und die Pflanze nutzt eine sehr hohe PPFD nicht im selben Maß wie eine mittlere.

So rechnest du die DLI aus

Die Formel lautet: DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036. Der Faktor 0,0036 fasst zwei Umrechnungen zusammen: Eine Stunde hat 3.600 Sekunden, und ein Mol sind 1.000.000 Mikromol. 3.600 ÷ 1.000.000 ergibt 0,0036.

Rechenbeispiele mit der mittleren PPFD auf Kronenhöhe:

  • Blüte: 800 µmol/m²/s × 12 h × 0,0036 = 34,6 mol/m²/Tag

  • Wachstum: 450 µmol/m²/s × 18 h × 0,0036 = 29,2 mol/m²/Tag

  • Autoflower: 500 µmol/m²/s × 20 h × 0,0036 = 36,0 mol/m²/Tag

Die Formel funktioniert auch rückwärts. Willst du in der Blüte bei 12 Stunden Licht eine DLI von 40 mol/m²/Tag erreichen, brauchst du im Mittel 40 ÷ (12 × 0,0036) ≈ 926 µmol/m²/s. Wichtig ist dabei der Mittelwert über die Fläche, nicht der Spitzenwert direkt unter der Lampe.

Richtwerte je Phase

Die Werte ergeben sich aus den gängigen PPFD-Richtwerten und typischen Lichtzeiten im Indoor-Anbau. Sie sind Orientierung, keine Vorgabe; Sorte, Klima und CO₂-Versorgung verschieben das Optimum.

Phase

Lichtstunden

PPFD in µmol/m²/s

DLI in mol/m²/Tag

Stecklinge vor der Bewurzelung

18

ca. 50–200

ca. 3–13

Sämlinge

18

ca. 100–300

ca. 6–19

Wachstum

18

ca. 300–600

ca. 19–39

Blüte

12

ca. 600–1.000

ca. 26–43

Die Forschung zeigt, dass Cannabis sehr hohe Tageslichtsummen verwerten kann. In einer Klimakammerstudie der University of Guelph erhielten blühende Pflanzen bei 12 Stunden Licht 120 bis 1.800 µmol/m²/s, also rund 5 bis 78 mol/m²/Tag, und der Ertrag stieg über den gesamten Bereich linear. Solche Werte setzen allerdings geregelte Temperatur, Feuchte und CO₂-Versorgung voraus.

Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen Blatt und Bestand: Einzelne Blätter erreichten ihre maximale Photosynthese schon weit unterhalb von 1.800 µmol/m²/s, das gesamte Blätterdach aber nicht. Auch eine Studie der Wageningen University fand bei 600 bis 1.000 µmol/m²/s einen Blütenertrag, der proportional zur Lichtmenge stieg. Jedes zusätzliche Mol Licht brachte dort also ungefähr gleich viel Ertrag – vorausgesetzt, das übrige Klima stimmte.

Bei photoperiodischen Sorten ist die Lichtdauer in der Blüte weitgehend festgelegt. Mehr DLI erreichst du dort vor allem über die Intensität. Studien zeigen, dass manche Sorten auch mit 13 Stunden Licht blühen: In einem Versuch mit zwei THC-reichen Sorten erhöhte die zusätzliche Stunde die DLI um etwa 8 %, den Blütenertrag aber um das 1,35- bzw. 1,5-Fache. Andere Sorten reagierten in einer australischen Studie auf lange Lichtphasen mit sinkender THC-Konzentration. Mehr dazu im Artikel Photoperiode.

DLI im Freiland abschätzen

Draußen schwankt die Tageslichtsumme stark mit Jahreszeit, Bewölkung und Standort. Eine gebräuchliche Näherung aus der Gartenbauforschung rechnet Globalstrahlung in DLI um: Etwa 45 % der Sonnenstrahlung liegen im PAR-Bereich, und 1 kWh/m² Globalstrahlung entspricht damit rund 7,3 mol/m² nutzbarer Photonen.

Ein Tag mit 5 kWh/m² Globalstrahlung liefert demnach etwa 36 mol/m²/Tag auf eine freie, waagerechte Fläche. Globalstrahlungswerte für deinen Ort findest du in Wetter- und Klimadaten. Wie viel davon auf einem Balkon oder hinter Glas tatsächlich ankommt, hängt von Ausrichtung und Verschattung ab. Mehr Grundlagen zum Licht sammelt die Kategorie Licht-Grundlagen.

Typische Fehler und Denkfehler

  • PPFD-Werte ohne Lichtdauer vergleichen. 500 µmol/m²/s bedeuten bei 18 Stunden eine ganz andere Tagesmenge als bei 12 Stunden.

  • Mit dem Spitzenwert rechnen. Der Wert direkt unter der Lampe überschätzt die DLI der gesamten Fläche.

  • In der Blüte einfach die Lichtzeit verlängern. Bei photoperiodischen Sorten kann das die Blüte verzögern. Längere Lichtphasen sind ein sortenabhängiges Experiment, kein Standardweg.

  • DLI als Selbstzweck sehen. Mehr Licht erhöht Wärmeeintrag und Wasserbedarf. Ohne passendes Klima bleibt der Nutzen aus oder es entsteht Stress.

  • Dimmphasen vergessen. Sonnenauf- und -untergangsfunktionen oder gedimmte Anfangstage senken die tatsächliche Tagessumme. Rechne jeden Abschnitt einzeln.

  • Die Leistung der Lampe als DLI verstehen. Watt beschreiben die Stromaufnahme; wie viel Licht daraus wird, hängt von der Effizienz ab, siehe LED-Leistung.

Häufige Fragen

Welche DLI brauchen Autoflower-Pflanzen?

Für Autoflower gibt es kaum eigene Studien zur optimalen Tageslichtsumme. Weil sie unabhängig von der Tageslänge blühen, laufen sie oft mit 18–20 Stunden Licht. Dann reicht schon eine moderate Lichtstärke für eine hohe DLI: 500 µmol/m²/s über 20 Stunden ergeben 36 mol/m²/Tag.

Kann ich schwaches Licht durch längere Beleuchtung ausgleichen?

In der Wachstumsphase ja, denn dort zählt vor allem die Tagessumme. In der Blüte photoperiodischer Pflanzen ist die Lichtdauer dagegen an die Blüteeinleitung gebunden. Einige Sorten blühen auch bei 13 Stunden zuverlässig, andere verzögern die Blüte – das ist sortenabhängig und kein allgemeiner Trick.

Wie ermittle ich die DLI ohne Datenlogger?

Miss die PPFD an mehreren Punkten auf Kronenhöhe, bilde den Mittelwert und multipliziere ihn mit den Lichtstunden und 0,0036. Wenn du mit Dimmstufen oder Sonnenauf- und -untergangsfunktionen arbeitest, rechnest du jeden Abschnitt einzeln und addierst die Ergebnisse.

Ist eine höhere DLI immer besser?

Nicht automatisch. In Klimakammerstudien stieg der Ertrag bis zu sehr hohen Lichtmengen, weil Temperatur, Wasser und CO₂ genau geregelt waren. Mit mehr Licht steigen aber auch Wärmeeintrag und Wasserverbrauch. Erhöhe die DLI schrittweise und nur so weit, wie dein Klima stabil bleibt.

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Quellen

  1. Daily Light Integral: A Research Review and High-resolution Maps of the United States Faust, Logan – HortScience 53, 2018Übersicht zur Tageslichtsumme im Gartenbau; Umrechnung von Globalstrahlung in DLI mit 0,007265 mol je Wh (45 % PAR-Anteil, 4,48 µmol/J).
  2. Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Blüte bei 12 Stunden und 120–1.800 µmol/m²/s: Der Ertrag stieg linear mit der Lichtmenge.
  3. High light intensity improves yield of specialized metabolites in medicinal cannabis (Cannabis sativa L.), resulting from both higher inflorescence mass and concentrations of metabolites Sae-Tang, Heuvelink, Nicole, Kaiser, Sneeuw, Holweg u. a. – Journal of Applied Research on Medicinal and Aromatic Plants 43, 2024Bei 600–1.000 µmol/m²/s stieg der Blütenertrag proportional zur Lichtmenge (konstante Lichtnutzungseffizienz).
  4. Longer Photoperiod Substantially Increases Indoor-Grown Cannabis’ Yield and Quality: A Study of Two High-THC Cultivars Grown under 12 h vs. 13 h Days Ahrens, Llewellyn, Zheng – Plants 13, 202413 statt 12 Stunden Licht erhöhten die DLI um rund 8 %, den Blütenertrag zweier Sorten aber um das 1,35- bzw. 1,5-Fache.
  5. Moving Away from 12:12; the Effect of Different Photoperiods on Biomass Yield and Cannabinoids in Medicinal Cannabis Peterswald, Mieog, Azman Halimi, Magner, Trebilco, Kretzschmar – Plants 12, 2023Längere Lichtphasen in der Blüte steigerten bei einigen Sorten den Ertrag, senkten bei zwei THC-Sorten aber die THC-Konzentration.
  6. Radiation (Chapter 1) Sager, McFarlane – in: Langhans, Tibbitts (Hrsg.), Plant Growth Chamber Handbook, NCR Research Publication 340, 1997Einheiten für Pflanzenlicht: momentan in µmol/m²/s, als Tagessumme in mol/m²/Tag.

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