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PAR: Was ist photosynthetisch aktive Strahlung?

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Kurz erklärt

PAR (photosynthetisch aktive Strahlung) bezeichnet den Wellenlängenbereich von 400 bis 700 nm, den Pflanzen für die Photosynthese nutzen. Gemessen wird PAR meist als Zahl der Photonen, zum Beispiel als PPFD in µmol/m²/s, weil die Photosynthese pro Photon abläuft. Lux ist dafür ungeeignet, weil es Licht nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges gewichtet. Neuere Forschung zeigt, dass auch Far-Red-Photonen bis 750 nm zur Photosynthese beitragen; dafür steht der Begriff ePAR.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

PAR-Bereich
400–700 nmklassische Definition auf Basis der Messungen von McCree
ePAR
400–750 nmerweiterter Bereich inklusive Far-Red, vorgeschlagen von Bugbee und Kollegen
Messgröße
Photonen, z. B. PPFD in µmol/m²/s
Lux je µmol/m²/s (Sonnenlicht)
ca. 54 lxunter Natriumdampflampen ca. 82 lx – der Faktor hängt vom Spektrum ab

Was PAR bedeutet

PAR steht für Photosynthetically Active Radiation, auf Deutsch photosynthetisch aktive Strahlung. Gemeint ist der Teil des Lichts, den Pflanzen für die Photosynthese nutzen können. Nach der gängigen Definition umfasst er Wellenlängen von 400 bis 700 nm – von Blau (400–500 nm) über Grün (500–600 nm) bis Rot (600–700 nm).

Die Grenze geht auf Messungen des Pflanzenphysiologen Keith McCree Anfang der 1970er-Jahre zurück. Er bestimmte an Kulturpflanzen, wie stark Licht verschiedener Wellenlängen die Photosynthese antreibt, und prüfte, welche Definition die gemessene Blattphotosynthese am besten vorhersagt. Das Ergebnis war die Zählung von Photonen zwischen 400 und 700 nm, die bis heute Standard ist.

Wichtig: PAR ist keine Einheit, sondern ein Wellenlängenbereich. Wie viel PAR ankommt, wird als Photonenflussdichte angegeben, also als PPFD in µmol/m²/s, oder als Tagessumme (DLI) in mol/m²/Tag.

Photonen statt Energie: Warum gezählt wird

Die Photosynthese läuft pro Photon ab: Ein absorbiertes Photon kann eine bestimmte Menge chemischer Arbeit anstoßen, egal ob es energiereich blau oder energieärmer rot ist. Deshalb misst man Pflanzenlicht in Photonen und nicht in Watt pro Quadratmeter. Ältere Messgeräte und Wetterdaten geben PAR teils noch als Energie an; für Sonnenlicht entspricht 1 W/m² im PAR-Bereich etwa 4,6 µmol/m²/s, für Natriumdampflicht etwa 5,0 µmol/m²/s.

Daraus folgt ein praktischer Effekt: Bei gleicher Strahlungsenergie enthält rotes Licht mehr Photonen als blaues. Theoretisch lassen sich mit einem Joule Energie rund 3,8 µmol blaue Photonen (450 nm) erzeugen, aber rund 5,5 µmol rote (660 nm). Das ist ein Grund, warum viele Pflanzenleuchten einen hohen Rotanteil haben.

Innerhalb des PAR-Bereichs sind nicht alle Photonen gleich wirksam. Blaue Photonen treiben die Photosynthese rund 20 % weniger effizient an als rote bei 660 nm, grüne bis zu 10 % weniger. Grüne Photonen dringen dafür tiefer in das Blätterdach ein. Die PAR-Definition zählt alle Photonen gleich – eine bewusste Vereinfachung, die sich in der Praxis bewährt hat. Wie die Farbanteile Wuchs und Form beeinflussen, beschreibt der Artikel Lichtspektrum.

Warum Lux für Pflanzenlicht nicht taugt

Lux misst Helligkeit, gewichtet nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges. Das Auge reagiert am stärksten auf Gelbgrün um 550 nm und kaum auf tiefes Rot oder Blau. Für Pflanzen ist diese Gewichtung falsch: Rotes Licht, das für die Photosynthese besonders wertvoll ist, zählt beim Luxwert wenig.

Deshalb gibt es keinen festen Umrechnungsfaktor. Er hängt vom Spektrum der Lichtquelle ab:

Lichtquelle

Lux je 1 µmol/m²/s (Näherung)

20.000 lx entsprechen etwa

Sonnenlicht

54

370 µmol/m²/s

Metallhalogenidlampe

71

282 µmol/m²/s

kaltweiße Leuchtstoffröhre

74

270 µmol/m²/s

Natriumdampf-Hochdrucklampe

82

244 µmol/m²/s

Die Werte stammen aus einer Zusammenstellung für Pflanzenwachstumskammern und gelten nur ungefähr, weil sich die Spektren einzelner Lampen unterscheiden. Für weiße LEDs liegt der Faktor je nach Farbtemperatur und Rotanteil wieder anders. Ein Luxmeter taugt daher höchstens für relative Vergleiche an derselben Lampe.

Grenzen der Definition: Far-Red, UV und ePAR

Photonen oberhalb von 700 nm (Far-Red) treiben die Photosynthese allein kaum an. In Kombination mit kürzeren Wellenlängen sieht das anders aus: In Versuchen der Utah State University mit 14 Kulturarten steigerte zusätzliches Far-Red bis zu einem Anteil von 40 % die Photosynthese des gesamten Bestands genauso stark wie zusätzliche PAR-Photonen. Die Autoren schlagen deshalb vor, den Bereich auf 400 bis 750 nm zu erweitern und ihn ePAR (extended PAR) zu nennen.

Far-Red hat allerdings noch eine zweite Wirkung: Es signalisiert Schatten und kann Streckungswachstum auslösen. Mehr Far-Red ist also nicht automatisch besser. UV-Strahlung unter 400 nm gehört weder zu PAR noch zu ePAR; sie wirkt vor allem über eigene Rezeptoren auf Wuchsform und Inhaltsstoffe.

Für die Praxis heißt das: Achte bei Datenblättern darauf, welcher Wellenlängenbereich gemeint ist. Eine Effizienz- oder PPFD-Angabe inklusive Far-Red fällt höher aus als derselbe Wert nach klassischer PAR-Definition. Weitere Grundlagen findest du in der Kategorie Licht-Grundlagen.

Typische Fehler und Missverständnisse

  • PAR als Einheit verwenden. „500 PAR“ ist ungenau. Gemeint ist meist eine PPFD von 500 µmol/m²/s.

  • Luxwerte in PPFD umrechnen, als gäbe es einen festen Faktor. Der Faktor schwankt je nach Lichtquelle erheblich.

  • Glauben, Pflanzen nutzten nur Rot und Blau. Grünes Licht wird ebenfalls genutzt, nur etwas weniger effizient.

  • ePAR- und PAR-Werte vergleichen. Angaben mit Far-Red sind nicht direkt mit klassischen 400–700-nm-Werten vergleichbar.

  • Strahlungsleistung in W/m² mit Photonen gleichsetzen. Gleiche Energie bedeutet je nach Farbe unterschiedlich viele Photonen.

Häufige Fragen

Ist PAR dasselbe wie PPFD?

Nein. PAR beschreibt, welche Strahlung gemeint ist, nämlich Photonen zwischen 400 und 700 nm. Die PPFD misst, wie viele dieser Photonen pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen. Wer von einem „PAR-Wert von 500“ spricht, meint in der Regel eine PPFD von 500 µmol/m²/s.

Nutzen Pflanzen grünes Licht?

Ja. Grüne Photonen treiben die Photosynthese nur etwas weniger effizient an als rote und dringen tiefer in das Blätterdach ein, wo sie untere Blätter erreichen. Der Eindruck, Pflanzen bräuchten nur Rot und Blau, stammt vor allem vom Absorptionsspektrum des Chlorophylls, nicht von Photosynthesemessungen an ganzen Blättern.

Was bedeutet ePAR auf einem Datenblatt?

ePAR bezieht Far-Red-Photonen bis 750 nm mit ein. Werte in ePAR fallen deshalb höher aus als klassische PAR-Werte derselben Lampe. Vergleiche nur Angaben mit demselben Wellenlängenbereich, sonst wirkt eine Leuchte mit viel Far-Red effizienter, als sie im klassischen Sinn ist.

Zählt UV-Licht zur PAR?

Nein. UV-A (315–400 nm) und UV-B (280–315 nm) liegen außerhalb des PAR-Bereichs. UV beeinflusst über eigene Rezeptoren Wuchsform und Inhaltsstoffe, liefert aber kaum Energie für die Photosynthese. Was Studien zu UV und Inhaltsstoffen zeigen, fasst der Artikel zur Forschung zu Lichtspektrum und Terpenen zusammen.

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Quellen

  1. The action spectrum, absorptance and quantum yield of photosynthesis in crop plants McCree – Agricultural Meteorology 9, 1971Klassische Messung der Photosynthese-Wirkung verschiedener Wellenlängen an Kulturpflanzen, Grundlage der PAR-Definition.
  2. Test of current definitions of photosynthetically active radiation against leaf photosynthesis data McCree – Agricultural Meteorology 10, 1972Vergleich gängiger PAR-Definitionen mit gemessener Blattphotosynthese; Basis für die Photonenzählung zwischen 400 und 700 nm.
  3. Radiation (Chapter 1) Sager, McFarlane – in: Langhans, Tibbitts (Hrsg.), Plant Growth Chamber Handbook, NCR Research Publication 340, 1997PAR als 400–700 nm, Licht als menschliche Sehempfindung (Maximum bei ca. 550 nm) und Umrechnungsfaktoren Lux–Photonen je Lichtquelle.
  4. Photometric, Radiometric, and Quantum Light Units of Measure: A Review of Procedures for Interconversion Thimijan, Heins – HortScience 18, 1983Herkunft der Umrechnungsfaktoren zwischen photometrischen, radiometrischen und Photonen-Einheiten für Sonnenlicht und Lampentypen.
  5. From physics to fixtures to food: current and potential LED efficacy Kusuma, Pattison, Bugbee – Horticulture Research 7, 2020Blaue Photonen sind rund 20 %, grüne bis zu 10 % weniger photosynthetisch effizient als rote bei 660 nm; Lumen sind für Pflanzenlicht ungeeignet.
  6. Far-red photons have equivalent efficiency to traditional photosynthetic photons: Implications for redefining photosynthetically active radiation Zhen, Bugbee – Plant, Cell & Environment 43, 2020Far-Red-Photonen (701–750 nm) steigern zusammen mit kürzeren Wellenlängen die Bestandsphotosynthese so stark wie PAR-Photonen.
  7. Why Far-Red Photons Should Be Included in the Definition of Photosynthetic Photons and the Measurement of Horticultural Fixture Efficacy Zhen, van Iersel, Bugbee – Frontiers in Plant Science 12, 2021Vorschlag, den Bereich auf 400–750 nm (ePAR) zu erweitern, auch für Effizienzangaben von Leuchten.

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