PPFD: Wie viel Licht kommt wirklich bei der Pflanze an?
Kurz erklärt
PPFD (Photosynthetic Photon Flux Density) ist die Zahl der photosynthetisch nutzbaren Photonen zwischen 400 und 700 nm, die pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen, angegeben in µmol/m²/s. Anders als Watt oder Lux beschreibt sie, wie viel Licht tatsächlich an den Triebspitzen ankommt. Als Richtwerte gelten etwa 100–300 µmol/m²/s für Sämlinge, 300–600 für die Wachstumsphase und 600–1.000 für die Blüte. Gemessen wird mit einem Quantensensor an mehreren Punkten auf Kronenhöhe.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Einheit
- µmol/m²/sPhotonen von 400 bis 700 nm pro Quadratmeter und Sekunde
- Stecklinge vor der Bewurzelung
- ca. 50–200 µmol/m²/s
- Sämlinge
- ca. 100–300 µmol/m²/s
- Wachstumsphase
- ca. 300–600 µmol/m²/s
- Blüte
- ca. 600–1.000 µmol/m²/shöher nur mit sehr gutem Klima; im Zelt begrenzen meist Wärme und CO₂
Was PPFD misst – und was der Photonenfluss ist
PPFD steht für Photosynthetic Photon Flux Density, auf Deutsch photosynthetische Photonenflussdichte. Sie gibt an, wie viele Photonen aus dem Wellenlängenbereich von 400 bis 700 nm pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen, in Mikromol pro Quadratmeter und Sekunde (µmol/m²/s). Für die Photosynthese zählt die Zahl der Photonen, nicht ihre Helligkeit für das menschliche Auge. Deshalb wird Pflanzenlicht in Photonen gemessen und nicht in Lux.
Der Photonenfluss (PPF, Photosynthetic Photon Flux) ist dagegen eine Eigenschaft der Lampe. Er beschreibt, wie viele nutzbare Photonen die Leuchte insgesamt pro Sekunde abgibt, angegeben in µmol/s. Die PPFD entsteht erst, wenn sich dieser Fluss auf eine Fläche verteilt.
Ein Rechenbeispiel: Eine Leuchte mit 1.000 µmol/s hängt über 1,2 × 1,2 m, also 1,44 m². Erreichen angenommen 85 % der Photonen die Pflanzen, ergibt das im Mittel rund 590 µmol/m²/s (1.000 × 0,85 ÷ 1,44). Der Rest trifft Wände, Lücken oder den Boden. Eine Analyse der Utah State University kommt zu dem Schluss, dass die Lichtkosten am niedrigsten sind, wenn eine effiziente Leuchte und ein geschlossenes Blätterdach zusammenkommen, das möglichst viele Photonen einfängt.
Richtwerte je Wachstumsphase
Die folgenden Werte sind Richtwerte für den Indoor-Anbau unter typischen Bedingungen. Sorte, Temperatur und CO₂-Gehalt verschieben das Optimum; die Tageslichtsumme (DLI) ergibt sich aus PPFD und Lichtstunden.
Phase | PPFD in µmol/m²/s | Lichtstunden | DLI in mol/m²/Tag |
|---|---|---|---|
Stecklinge vor der Bewurzelung | ca. 50–200 | 18 | ca. 3–13 |
Sämlinge | ca. 100–300 | 18 | ca. 6–19 |
Wachstum | ca. 300–600 | 18 | ca. 19–39 |
Blüte | ca. 600–1.000 | 12 | ca. 26–43 |
Die Lichtmenge beeinflusst auch die Wuchsform. In einer Studie der University of Guelph wuchsen Stecklinge drei Wochen lang bei 135 bis 1.430 µmol/m²/s: Mit steigender PPFD wurden die Internodien kürzer und die Blätter kleiner, die Pflanzen also kompakter.
In der Blüte stieg der Ertrag in einer Klimakammerstudie derselben Arbeitsgruppe linear bis zur höchsten getesteten PPFD von 1.800 µmol/m²/s, obwohl die Photosynthese einzelner Blätter schon deutlich früher sättigte. Das bedeutet nicht, dass solche Werte im Zelt sinnvoll sind. Blattmessungen an Cannabis zeigten, dass die Photosynthese bei 30 °C nur bis etwa 1.500 µmol/m²/s zunahm und dass hohe Temperatur zusammen mit sehr hoher PPFD die Blattleistung verschlechterte. Mehr Licht nützt nur, wenn Klima, Wasser, Nährstoffe und CO₂ mithalten.
PPFD richtig messen
Verlässlich misst ein Quantensensor, auch PAR-Sensor genannt. Er zählt Photonen zwischen 400 und 700 nm und gewichtet schräg einfallendes Licht korrekt (Kosinuskorrektur). Gemessen wird waagerecht auf Höhe der Triebspitzen, nachdem die Lampe einige Minuten gelaufen ist.
Teile die Anbaufläche in ein Raster, zum Beispiel 3 × 3 Punkte pro Quadratmeter.
Miss an jedem Punkt auf Kronenhöhe und notiere die Werte.
Vergleiche Mittelwert, Minimum und Maximum, nicht nur den Wert direkt unter der Lampe.
Miss nach jeder Änderung von Aufhängehöhe oder Dimmung erneut.
Luxmeter und Smartphone-Apps messen Helligkeit, gewichtet nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges. Eine Umrechnung in PPFD ist nur näherungsweise möglich und hängt vom Spektrum ab: Bei Sonnenlicht entsprechen 10.000 lx etwa 190 µmol/m²/s, unter Natriumdampflampen nur etwa 120 µmol/m²/s. Für weiße LEDs gelten wieder andere Faktoren. Warum das so ist, erklärt der Artikel zu PAR.
Warum der Mittelwert nicht alles ist
Die meisten Leuchten erzeugen in der Mitte die höchste PPFD, zu den Rändern fällt sie ab. Pflanzen am Rand wachsen dann langsamer und bilden lockerere Blüten. Eine Rastermessung zeigt, ob eine andere Aufhängehöhe, eine zusätzliche Leuchte oder das Umstellen der Pflanzen hilft.
Die Höhe verändert die Verteilung: Tief gehängt konzentriert sich das Licht stärker unter der Leuchte, höher gehängt wird es gleichmäßiger, im Mittel aber schwächer. Deshalb sollte die Lichtverteilung in der Höhe bestimmt werden, in der die Pflanzen tatsächlich wachsen. Praktische Hinweise dazu stehen im Artikel Abstand zur Pflanze.
PPFD ist außerdem eine Momentaufnahme. Wie viel Licht eine Pflanze über den ganzen Tag bekommt, beschreibt die Tageslichtsumme (DLI). Weitere Grundlagen findest du in der Kategorie Licht-Grundlagen.
Typische Fehler und Fehldeutungen
Watt mit Licht gleichsetzen. Die Leistungsaufnahme sagt erst zusammen mit der Effizienz in µmol/J etwas über den Photonenfluss aus, siehe LED-Leistung.
PPF und PPFD verwechseln. Ein Wert in µmol/s beschreibt die ganze Lampe, ein Wert in µmol/m²/s die Lichtmenge pro Fläche.
Nur in der Mitte messen. Der Spitzenwert unter der Lampe überschätzt die mittlere PPFD oft deutlich.
Richtwerte als Ziel um jeden Preis sehen. Hohe PPFD bringt nur mehr Ertrag, wenn Temperatur, Wasser, Nährstoffe und CO₂ mithalten.
Sprünge statt Schritte. Wer die Intensität plötzlich stark erhöht, riskiert Lichtstress. Besser über einige Tage steigern und die obersten Blätter beobachten.
Luxwerte anderer Grower übernehmen. Je nach Spektrum stehen hinter demselben Luxwert sehr unterschiedliche PPFD-Werte.
Häufige Fragen
Wie hoch darf die PPFD in der Blüte maximal sein?
In einer Klimakammerstudie stieg der Ertrag bis zur höchsten getesteten PPFD von 1.800 µmol/m²/s. Das gelang aber unter stabil geregelter Temperatur, Feuchte und CO₂-Versorgung. Im Zelt sind 600–1.000 µmol/m²/s ein realistischer Rahmen; wer darüber hinausgeht, braucht ein Klima, das die zusätzliche Wärme und den höheren Wasserverbrauch abfängt.
Kann ich die PPFD mit dem Smartphone oder einem Luxmeter messen?
Nur näherungsweise. Lux ist nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges gewichtet, und der Umrechnungsfaktor hängt vom Spektrum ab. Für relative Vergleiche an derselben Lampe, etwa vor und nach dem Höherhängen, reicht das. Für absolute Werte brauchst du einen Quantensensor.
Was ist der Unterschied zwischen PPFD und DLI?
PPFD ist die momentane Lichtstärke in µmol/m²/s. Die Tageslichtsumme (DLI) addiert diese Photonen über die gesamte Beleuchtungsdauer und wird in mol/m²/Tag angegeben: DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036. Dieselbe PPFD ergibt bei 18 Stunden Licht also eine deutlich höhere DLI als bei 12 Stunden.
Warum messe ich weniger als der Hersteller angibt?
Herstellerwerte beziehen sich oft auf eine bestimmte Aufhängehöhe, eine bestimmte Fläche oder den Spitzenwert in der Mitte. Dazu kommen Unterschiede in Wandreflexion, Messhöhe und Sensorgenauigkeit. Entscheidend ist der Mittelwert, den du selbst auf Kronenhöhe in deinem Setup misst.
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Quellen
- Radiation (Chapter 1) Sager, McFarlane – in: Langhans, Tibbitts (Hrsg.), Plant Growth Chamber Handbook, NCR Research Publication 340, 1997Definition von PPF/PPFD (400–700 nm), Messung in Photonen mit kosinuskorrigierten Sensoren und näherungsweise Umrechnungsfaktoren von Lux in Photonen je Lichtquelle.
- Economic Analysis of Greenhouse Lighting: Light Emitting Diodes vs. High Intensity Discharge Fixtures Nelson, Bugbee – PLoS ONE 9, 2014Photonen-Effizienz von Leuchten und Anteil der Photonen, die tatsächlich im Blätterdach ankommen (Canopy Photon Capture).
- Light intensity can be used to modify the growth and morphological characteristics of cannabis during the vegetative stage of indoor production Moher, Llewellyn, Jones, Zheng – Industrial Crops and Products 183, 2022Wachstumsphase bei 135–1.430 µmol/m²/s: kürzere Internodien und kleinere Blätter mit steigender PPFD.
- Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Blüteertrag stieg linear bis 1.800 µmol/m²/s, während die Blattphotosynthese deutlich früher sättigte.
- Photosynthetic response of Cannabis sativa L. to variations in photosynthetic photon flux densities, temperature and CO2 conditions Chandra, Lata, Khan, ElSohly – Physiology and Molecular Biology of Plants 14, 2008Blattphotosynthese von Cannabis in Abhängigkeit von PPFD, Temperatur und CO₂; Optimum bei ca. 25–30 °C und ca. 1.500 µmol/m²/s.
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