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Abstand zur Pflanze: Wie hoch sollte die LED hängen?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Den richtigen Abstand zwischen LED und Triebspitzen bestimmt keine feste Zentimeterzahl, sondern die Lichtstärke, die oben an den Pflanzen ankommt. Stelle Höhe oder Dimmung so ein, dass die gemessene PPFD zur Phase passt: etwa 100–300 µmol/m²/s für Sämlinge, 300–600 in der Wachstumsphase und 600–1.000 in der Blüte. Herstellerangaben sind ein Startpunkt. Nachjustieren musst du vor allem im Stretch der frühen Blüte, wenn die Pflanzen schnell in die Höhe wachsen.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Maßstab
PPFD auf Höhe der Triebspitzennicht der Abstand in Zentimetern
Sämlinge
ca. 100–300 µmol/m²/s
Wachstumsphase
ca. 300–600 µmol/m²/s
Blüte
ca. 600–1.000 µmol/m²/s
Kontrolle
wöchentlich und nach jeder Änderungim Stretch der frühen Blüte öfter, weil die Spitzen der Lampe schnell näherkommen

Warum es keine feste Zentimeterzahl gibt

Wie viel Licht an den Triebspitzen ankommt, hängt von Leistung, Effizienz, Optik und Bauform der Leuchte ab. Eine kompakte Leuchte mit engem Abstrahlwinkel erzeugt im selben Abstand eine viel höhere PPFD als eine große Flächenleuchte mit derselben Wattzahl. Zentimeterangaben aus Foren oder von anderen Lampen lassen sich deshalb nicht übertragen.

Mit zunehmendem Abstand sinkt die Lichtstärke, gleichzeitig wird die beleuchtete Fläche größer. Das bekannte Abstandsquadratgesetz – doppelter Abstand, ein Viertel der Lichtstärke – gilt streng nur für punktförmige Lichtquellen. Unter großen LED-Flächen und zwischen reflektierenden Zeltwänden fällt die PPFD mit der Höhe deutlich langsamer ab. Höher gehängt wird die Verteilung meist gleichmäßiger, der Mittelwert aber niedriger. Ein Handbuch für Pflanzenwachstumskammern empfiehlt daher, die Lichtverteilung in genau den Höhen zu bestimmen, in denen die Pflanzen wachsen.

Seriöse Hersteller veröffentlichen PPFD-Karten für mehrere Aufhängehöhen. Solche Angaben wurden von Gartenbauforschern als Bestandteil eines einheitlichen Lampenetiketts vorgeschlagen. Sie sind ein guter Startpunkt, ersetzen aber keine Messung im eigenen Zelt.

So stellst du den Abstand richtig ein

  1. Beginne mit der Herstellerempfehlung für die aktuelle Phase.

  2. Miss die PPFD mit einem Quantensensor auf Höhe der Triebspitzen, am besten in einem Raster von 3 × 3 Punkten pro Quadratmeter.

  3. Passe Höhe oder Dimmung an, bis der Mittelwert im Zielbereich liegt und die höchste Spitze nicht deutlich darüber.

  4. Beobachte die obersten Blätter in den folgenden Tagen und miss nach jeder Änderung erneut.

  5. Kontrolliere den Abstand mindestens wöchentlich, im Stretch der frühen Blüte alle paar Tage.

Dimmen oder höher hängen? Beides senkt die Lichtstärke an den Spitzen. Dimmen spart zusätzlich Strom: Bei geringerem Betriebsstrom arbeiten LEDs in der Regel sogar etwas effizienter, erst bei sehr niedrigem Strom sinkt die Effizienz wieder. Höherhängen verteilt das Licht gleichmäßiger, schickt aber mehr Photonen an Wände und Lücken. Natriumdampflampen müssen für eine gleichmäßige Verteilung ohnehin höher hängen als LEDs, weil ihr Licht von einem einzigen hellen Punkt ausgeht.

Achte auch auf die Ränder: Direkt an den Zeltwänden kommt oft deutlich weniger Licht an als unter der Mitte der Leuchte. Reflektierende Wände holen einen Teil davon zurück. Pflanzen, die am Rand stehen, profitieren davon, wenn du sie gelegentlich drehst oder die Fläche so belegst, dass das Blätterdach die gut ausgeleuchtete Zone füllt.

Ein ebenes Blätterdach macht die Einstellung leichter. Ragt eine einzelne Spitze weit heraus, bestimmt sie den Mindestabstand für alle anderen. Trainingsmethoden wie Low Stress Training helfen, die Spitzen auf eine Höhe zu bringen.

Zielwerte in den einzelnen Phasen

Phase

Ziel-PPFD an den Spitzen

Hinweis

Stecklinge vor der Bewurzelung

ca. 50–200 µmol/m²/s

wenig Licht, bis Wurzeln da sind

Sämlinge

ca. 100–300 µmol/m²/s

zu wenig Licht führt schnell zum Vergeilen

Wachstum

ca. 300–600 µmol/m²/s

mehr Licht ergibt kompaktere Pflanzen

Blüte

ca. 600–1.000 µmol/m²/s

im Stretch häufiger nachmessen

Die Werte sind Richtwerte für typische Indoor-Bedingungen. Wie gut eine Pflanze hohe Lichtstärken nutzt, hängt von Temperatur, Wasserversorgung, Nährstoffen und CO₂ ab. Steigere die Intensität deshalb schrittweise über einige Tage.

Zu nah oder zu weit? Die Anzeichen

Zu viel Licht zeigt sich meist zuerst an den lampennächsten Blättern: Sie hellen auf oder bleichen aus, und die Blattränder wölben sich nach oben. LEDs strahlen weniger Wärme auf die Pflanzen als Natriumdampflampen, weil sie ihre Wärme überwiegend über Kühlkörper nach oben abgeben. Der Unterschied bei der Blatttemperatur ist aber kleiner als oft angenommen; entscheidend ist, ob die Pflanze genug Wasser verdunsten kann. Hitze und Lichtüberschuss verstärken sich gegenseitig, siehe Hitzestress.

Zu wenig Licht erkennst du an langen Abständen zwischen den Blattpaaren, großen, dünnen Blättern und Pflanzen, die sich zur Lampe strecken. In einer Studie der University of Guelph wurden die Internodien mit abnehmender Lichtstärke länger und die Blätter größer. In der Blüte bleiben die Blüten bei Lichtmangel kleiner und lockerer.

Weil sich Symptome überschneiden, lohnt vor jeder Korrektur ein kurzer Check: PPFD an der betroffenen Stelle, Lufttemperatur und möglichst die Blatttemperatur.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Zentimeterangaben anderer Setups übernehmen. Sie gelten nur für genau diese Lampe und diese Höhe.

  • Aus Vorsicht viel zu hoch hängen. Das kostet Licht und führt bei Jungpflanzen zu gestrecktem Wuchs.

  • Den Stretch verschlafen. In den ersten Blütewochen wachsen viele Sorten noch deutlich; ohne Nachjustieren rücken die Spitzen zu nah an die Lampe.

  • Nur in der Mitte messen. Die Ränder bekommen oft deutlich weniger Licht als der Bereich direkt unter der Leuchte.

  • Hitzestress mit Lichtstress verwechseln. Gilt die Aufhellung nur für die obersten Blätter bei normaler Raumtemperatur, ist meist das Licht zu stark. Weitere Hinweise findest du in der Kategorie LED-Beleuchtung.

Häufige Fragen

Wie viele Zentimeter Abstand braucht eine LED?

Das hängt von Leistung, Optik und Größe der Leuchte ab, deshalb gibt es keinen allgemeingültigen Wert. Zwei Lampen können im selben Abstand völlig unterschiedliche PPFD liefern. Ohne Messgerät startest du mit der Herstellerempfehlung für die jeweilige Phase und beobachtest die Reaktion der obersten Blätter genau.

Ist Dimmen besser als Höherhängen?

Beides senkt die Lichtstärke an den Spitzen. Dimmen spart Strom, und moderat gedimmte LEDs arbeiten meist sogar etwas effizienter. Höherhängen verteilt das Licht gleichmäßiger, schickt aber mehr Photonen an die Wände. In kleinen Zelten ist oft eine Kombination sinnvoll: so hoch, dass die Fläche gleichmäßig ausgeleuchtet ist, und die Stärke per Dimmer anpassen.

Warum werden die obersten Blätter hell, obwohl die Temperatur passt?

Ein Aufhellen oder Ausbleichen nur an den lampennächsten Blättern spricht dafür, dass dort zu viel Licht ankommt. Miss die PPFD genau an dieser Stelle und reduziere sie. Tritt die Aufhellung gleichmäßig an der ganzen Pflanze oder an älteren Blättern auf, kommen eher Nährstoff- oder Wurzelprobleme infrage.

Brauchen Autoflower einen anderen Abstand?

Die Logik bleibt gleich: Maßgeblich ist die PPFD an den Spitzen. Weil Autoflower oft 18–20 Stunden Licht bekommen, ergibt dieselbe PPFD aber eine höhere Tageslichtsumme als bei 12 Stunden. Eine etwas geringere Intensität kann daher genügen.

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Quellen

  1. Radiation (Chapter 1) Sager, McFarlane – in: Langhans, Tibbitts (Hrsg.), Plant Growth Chamber Handbook, NCR Research Publication 340, 1997Die Lichtverteilung ändert sich mit der Aufhängehöhe und sollte in der Höhe bestimmt werden, in der die Pflanzen wachsen.
  2. Proposed Product Label for Electric Lamps Used in the Plant Sciences Both, Bugbee, Kubota, Lopez, Mitchell, Runkle – HortTechnology 27, 2017Vorschlag für standardisierte Lampendaten inklusive horizontaler Lichtverteilung, damit Leuchten vergleichbar werden.
  3. From physics to fixtures to food: current and potential LED efficacy Kusuma, Pattison, Bugbee – Horticulture Research 7, 2020Niedrigerer Betriebsstrom erhöht in der Regel die LED-Effizienz; Natriumdampflampen müssen für gleichmäßige Verteilung höher hängen als LEDs.
  4. Economic Analysis of Greenhouse Lighting: Light Emitting Diodes vs. High Intensity Discharge Fixtures Nelson, Bugbee – PLoS ONE 9, 2014Gleichmäßigkeit und Anteil der Photonen, die das Blätterdach erreichen; Verluste an den Rändern der Fläche.
  5. Analysis of Environmental Effects on Leaf Temperature under Sunlight, High Pressure Sodium and Light Emitting Diodes Nelson, Bugbee – PLOS ONE 10, 2015LEDs geben ihre Wärme überwiegend von der Pflanze weg ab; die Blatttemperatur hängt aber stärker vom Wasserhaushalt als von der Lampenart ab.
  6. Light intensity can be used to modify the growth and morphological characteristics of cannabis during the vegetative stage of indoor production Moher, Llewellyn, Jones, Zheng – Industrial Crops and Products 183, 2022Mit sinkender Lichtstärke werden Internodien länger und Blätter größer – Hinweis auf zu wenig Licht.

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