Photosynthese bei Cannabis: Wie die Pflanze aus Licht Energie gewinnt
Kurz erklärt
Photosynthese ist der Prozess, mit dem Cannabis-Blätter Lichtenergie in chemische Energie umwandeln und daraus mithilfe von CO2 und Wasser Zucker aufbauen. In den Lichtreaktionen der Thylakoidmembranen entstehen aus Photonen ATP und NADPH; im Calvin-Zyklus im Chloroplastenstroma nutzt das Enzym RuBisCO diese Energie, um CO2 zu Kohlenhydraten zu fixieren. Als klassische C3-Pflanze reagiert Cannabis auf steigende Lichtstärke, Temperatur und CO2-Konzentration bis zu einem sortenabhängigen Sättigungspunkt, danach bringt mehr Licht kaum noch zusätzlichen Ertrag.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Photosyntheseweg
- C3-Photosyntheseanhand von Gaswechsel- und Fluoreszenzmessungen an Hanf bestätigt (Tang et al. 2017)
- Höchste gemessene Rate
- bei ca. 30 °C und ca. 1.500 µmol/m²/s PPFDbei höheren Werten sank die Photosyntheserate wieder (Chandra et al. 2008)
- Wirkung von CO2
- 750 ppm steigerten die Rate um rund 50 %gegenüber 350 ppm Umgebungs-CO2, bei 250 ppm sank sie um rund 50 % (Chandra et al. 2008)
- Genutztes Licht
- PAR, 400–700 nmPhotosynthese läuft pro Photon ab, nicht pro Watt (McCree 1972)
Was bei der Photosynthese passiert
Photosynthese ist der Prozess, mit dem grüne Pflanzenteile Lichtenergie in chemische Energie umwandeln und daraus Kohlenhydrate aufbauen. Bei Cannabis läuft das, wie bei den meisten Kulturpflanzen, in zwei eng gekoppelten Schritten ab. In den Lichtreaktionen der Thylakoidmembran in den Chloroplasten absorbieren Chlorophyll und weitere Pigmente Photonen und nutzen deren Energie, um daraus die energiereichen Verbindungen ATP und NADPH herzustellen; als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff aus gespaltenem Wasser.
Im Calvin-Zyklus, der im Stroma der Chloroplasten abläuft, wird diese Energie anschließend verwendet: Das Enzym RuBisCO fixiert CO2 aus der Luft an ein Zuckergerüst, woraus über mehrere Zwischenschritte die Bausteine für Glukose und andere Kohlenhydrate entstehen. Weil das erste stabile Produkt dieser Fixierung ein Molekül mit drei Kohlenstoffatomen ist, zählt Cannabis zu den sogenannten C3-Pflanzen – anders als etwa Mais, der zusätzliche Mechanismen zur CO2-Anreicherung besitzt. Bei hohen Temperaturen reagiert RuBisCO vermehrt auch mit Sauerstoff statt CO2, was die Effizienz der Photosynthese senkt; dieser Nebenreaktion wird in der Fachliteratur meist mit ausreichender CO2-Versorgung und moderaten Temperaturen begegnet.
Welches Licht zählt: PAR statt Lux
Nicht jedes sichtbare Licht treibt die Photosynthese gleich gut an. Messungen an Kulturpflanzen zeigten schon in den 1970er-Jahren, dass Photonen zwischen 400 und 700 nm die Photosynthese antreiben – dieser Bereich heißt photosynthetisch aktive Strahlung, kurz PAR. Weil die Photosynthese pro absorbiertem Photon abläuft und nicht von der Energie in Watt abhängt, wird Pflanzenlicht als Photonenzahl gemessen, üblicherweise als PPFD in µmol pro Quadratmeter und Sekunde.
Für die Praxis zählt zusätzlich die Tagessumme: Wie viele Photonen eine Pflanze insgesamt an einem Tag erhält, beschreibt die DLI. Lux dagegen ist für Pflanzenlicht ungeeignet, weil diese Einheit Licht nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges gewichtet und grünes Licht dadurch überbewertet, blaues und rotes Licht dagegen unterschätzt.
Wie Licht, Temperatur und CO2 zusammenwirken
Photosynthese reagiert nicht auf einen einzelnen Faktor, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer Größen. In Gaswechselmessungen an Cannabis stieg die Photosyntheserate bei kühleren Temperaturen von 20 bis 25 °C mit zunehmender Lichtstärke kontinuierlich an; bei 30 °C stieg sie nur bis etwa 1.500 µmol/m²/s PPFD und sank bei noch mehr Licht wieder. Oberhalb dieser Kombination limitierten offenbar andere Faktoren als reines Licht die Photosynthese.
CO2 wirkte in derselben Untersuchung deutlich: Bei einer auf 250 ppm abgesenkten CO2-Konzentration sank die Photosyntheserate gegenüber normaler Umgebungsluft (rund 350 ppm) um etwa die Hälfte, während eine Anreicherung auf 750 ppm sie um rund 50 % steigerte. Eine Untersuchung an Hanf bestätigte zudem, dass die Photosyntheserate mit der Blatttemperatur zunächst zunimmt, sich zwischen etwa 25 und 35 °C einpendelt und darüber wieder abnimmt – dort setzte auch der Blattstickstoffgehalt der maximal möglichen Rate eine Grenze. Wie viel PPFD in Wachstum und Blüte praktisch sinnvoll ist, ordnen die Artikel zu Licht-Grundlagen und zur einzelnen Wachstumsphase ein; diese Studien zeigen vor allem, dass sehr hohe Lichtstärken ohne passende Temperatur und CO2-Versorgung ihren Nutzen verlieren.
Von der Blattebene zur ganzen Pflanze
Was im einzelnen Blatt gemessen wird, überträgt sich nicht eins zu eins auf die ganze Pflanze. CO2 gelangt über die Spaltöffnungen der Blätter ins Gewebe; dieselben Öffnungen lassen zugleich Wasserdampf entweichen, weshalb Photosynthese und Wasserverlust über die Transpiration eng verknüpft sind. Wie das aufgenommene Wasser dafür überhaupt bis ins Blatt gelangt, beschreibt der Artikel zum Wassertransport im Xylem.
Innerhalb eines dichten Blätterdachs bekommen zudem nicht alle Blätter gleich viel Licht: Obere Blätter beschatten untere, wodurch deren Photosyntheseleistung sinkt, obwohl sich an den Umgebungsbedingungen nichts ändert. Das erklärt mit, warum stark beschattete, alte Blätter irgendwann kaum noch zur Versorgung der Pflanze beitragen und warum eine gleichmäßige Lichtverteilung über die gesamte Anbaufläche mehr bringt als punktuell sehr hohe Werte an der Spitze.
Typische Fehler und Missverständnisse
Lichtstärke immer weiter erhöhen. Ohne passende Temperatur und CO2-Versorgung bringt zusätzliches Licht oberhalb eines sortenabhängigen Punkts kaum noch mehr Photosynthese, aber mehr Wärme und Stromkosten.
Lux statt PPFD als Maßstab nehmen. Lux beschreibt, wie hell Licht dem menschlichen Auge erscheint, nicht wie viele photosynthetisch nutzbare Photonen ankommen.
CO2-Anreicherung in einem undichten Raum erwarten. Zusätzliches CO2 wirkt nur in einem ausreichend geschlossenen Raum; in offenen Setups entweicht es, bevor die Pflanze es nutzen kann.
Photosynthese und Wachstum gleichsetzen. Photosynthese liefert die Bausteine fürs Wachstum, wie viel davon tatsächlich in neue Blätter oder Blüten fließt, hängt zusätzlich von Nährstoffen, Wurzelraum und Entwicklungsphase ab.
Nur die obersten Blätter als Maßstab nehmen. Weil untere Blätter im Blätterdach beschattet werden, sagt die Lichtstärke an der Spitze wenig darüber aus, wie viel Photosynthese die Pflanze insgesamt leistet.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lichtreaktion und Calvin-Zyklus?
Die Lichtreaktionen laufen in der Thylakoidmembran ab und wandeln Lichtenergie in die chemischen Energieträger ATP und NADPH um, dabei entsteht als Nebenprodukt Sauerstoff. Der Calvin-Zyklus findet im Stroma der Chloroplasten statt und nutzt ATP und NADPH, um mithilfe des Enzyms RuBisCO CO2 zu Zuckern zu verarbeiten. Beide Teilprozesse sind eng gekoppelt: Ohne Lichtreaktion fehlt dem Calvin-Zyklus die Energie, ohne Calvin-Zyklus stauen sich ATP und NADPH.
Warum bringt mehr Licht nicht immer mehr Photosynthese?
Ab einer bestimmten Lichtstärke wird nicht mehr das Licht, sondern etwa die CO2-Versorgung oder die Kapazität der Enzyme im Calvin-Zyklus zum begrenzenden Faktor. Die Photosyntheserate steigt dann kaum noch, während Wärme und Stromverbrauch weiter zunehmen. Was das für passende Lichtstärken in Wachstum und Blüte bedeutet, erklärt der Artikel zur PPFD.
Welche Rolle spielt CO2 bei der Photosynthese?
CO2 ist neben Licht und Wasser der dritte Grundstoff der Photosynthese und wird im Calvin-Zyklus fest in Zuckermoleküle eingebaut. In Messungen an Cannabis sank die Photosyntheserate bei CO2-Mangel deutlich, während höhere CO2-Konzentrationen sie steigerten. Voraussetzung dafür ist ein ausreichend geschlossener Raum, sonst entweicht zusätzliches CO2 ungenutzt.
Ist Cannabis eine C3-, C4- oder CAM-Pflanze?
Cannabis ist eine C3-Pflanze: Das erste stabile Produkt der CO2-Fixierung ist eine Verbindung mit drei Kohlenstoffatomen. C4- und CAM-Pflanzen wie Mais oder viele Sukkulenten besitzen zusätzliche Mechanismen, die CO2 vor dem Calvin-Zyklus anreichern; solche Anpassungen sind für Cannabis nicht beschrieben.
Wie hängen Photosynthese und Wasserverbrauch zusammen?
CO2 gelangt über die Spaltöffnungen (Stomata) ins Blatt, durch dieselben Öffnungen entweicht aber auch Wasserdampf. Je weiter die Stomata für mehr CO2 geöffnet sind, desto mehr Wasser verdunstet die Pflanze zugleich. Wie dieser Wasserverlust abläuft, beschreibt der Artikel zur Transpiration.
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Quellen
- The complex architecture of oxygenic photosynthesis Nelson, Ben-Shem – Nature Reviews Molecular Cell Biology 5, 2004Standardübersicht zur Struktur der Photosysteme in der Thylakoidmembran, in denen die Lichtreaktionen ablaufen.
- The Calvin cycle revisited Raines – Photosynthesis Research 75, 2003Übersicht zum Calvin-Zyklus: Regulation der CO2-Fixierung durch RuBisCO und weitere Enzyme im Chloroplastenstroma.
- Photosynthetic response of Cannabis sativa L. to variations in photosynthetic photon flux densities, temperature and CO2 conditions Chandra, Lata, Khan, ElSohly – Physiology and Molecular Biology of Plants 14, 2008Gaswechselmessungen an Cannabis: höchste Photosyntheserate bei ca. 30 °C und ca. 1.500 µmol/m²/s PPFD; deutliche Zu- und Abnahme mit der CO2-Konzentration.
- Hemp (Cannabis sativa L.) leaf photosynthesis in relation to nitrogen content and temperature: implications for hemp as a bio-economically sustainable crop Tang, Struik, Amaducci, Stomph, Yin – GCB Bioenergy 9, 2017Photosynthese von Hanf anhand eines C3-Photosynthesemodells analysiert; Sättigung der Rate bei 25–35 °C Blatttemperatur, Rückgang darüber.
- Test of current definitions of photosynthetically active radiation against leaf photosynthesis data McCree – Agricultural Meteorology 10, 1972Grundlage der PAR-Definition: Photosynthese wird durch die Zahl der Photonen zwischen 400 und 700 nm angetrieben, nicht durch Lichtenergie in Watt.
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