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Photoperiode: Wie der Tag-Nacht-Rhythmus Wachstum und Blüte von Cannabis steuert

Von Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Photoperiode ist die tägliche Verteilung von Licht und Dunkelheit, angegeben etwa als 18/6 für 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit. Photoperiodische Cannabissorten richten sich dabei nach der Länge der ununterbrochenen Nacht: Kurze Nächte halten sie im Wachstum, Nächte ab etwa 10 bis 11 Stunden lösen je nach Sorte die Blüte aus. Indoor üblich sind 18/6 im Wachstum und 12/12 in der Blüte. Autoflower-Sorten blühen unabhängig davon. Entscheidend ist ein gleichbleibender 24-Stunden-Rhythmus mit wirklich dunkler Nacht.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Wachstumsphase indoor
meist 18/6üblich sind mindestens 16 Stunden Licht, die Nacht bleibt damit höchstens 8 Stunden lang
Blüteeinleitung indoor
12/12in Studien leiteten viele Sorten die Blüte auch noch bei 13 bis 14 Stunden Licht ein
Kritische Nachtlänge
sortenabhängig, oft ab ca. 10–11 Stundengemeint ist ununterbrochene Dunkelheit; 12 Stunden bieten Puffer
Erste Blütenstände nach der Umstellung
bei mehreren Sorten nach ca. 8 TagenStudie mit zehn Sorten unter 12/12; mindestens drei Stempelpaare an der Triebspitze

Was die Photoperiode beschreibt

Die Photoperiode ist die Länge der täglichen Lichtphase innerhalb von 24 Stunden. Im Anbau schreibt man sie als Verhältnis: 18/6 bedeutet 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit, 12/12 je zwölf Stunden. Reagiert eine Pflanze mit ihrer Entwicklung auf die Tageslänge, spricht man von Photoperiodismus.

Cannabis ist eine Kurztagspflanze: Photoperiodische Sorten wachsen bei langen Tagen vegetativ und bilden Blütenstände, sobald die Nächte lang genug werden. Wo die Schwelle liegt, hängt von der Sorte ab. In einer US-Studie mit Hanfsorten lag die kritische Tageslänge der empfindlichsten Sorten bei 13 Stunden 45 Minuten bis 14 Stunden; in einer kanadischen Studie leiteten zehn Drogenhanf-Sorten die Blüte bei bis zu 14 Stunden Licht ein. Welche Sortentypen es gibt, erklärt der Artikel Photoperiodische Pflanzen.

Die Photoperiode ist nicht dasselbe wie die Lichtmenge. Wie viel Licht eine Pflanze pro Tag insgesamt erhält, beschreibt die Tageslichtsumme (DLI) aus Lichtstärke und Lichtdauer. Die Photoperiode wirkt dagegen als Signal: Für die Blüte zählt, wie lange es ununterbrochen dunkel ist, nicht wie hell der Tag war.

Wie Cannabis die Nacht misst

Gemessen wird die Tageslänge in den Blättern. Lichtrezeptoren wie die Phytochrome, die vor allem rotes und dunkelrotes Licht wahrnehmen, gleichen das Licht mit einer inneren Uhr ab. Passt die Nachtlänge, wird das Gen FT aktiv, dessen Produkt als Blühsignal (Florigen) wirkt. Im Detail untersucht sind diese Abläufe vor allem an Modellpflanzen wie Arabidopsis und Reis.

Dass bei Cannabis die ununterbrochene Nacht entscheidet, zeigt ein Versuch mit Nachtunterbrechung: Pflanzen erhielten 12 Stunden Licht, dann 5 Stunden Dunkelheit, eine Stunde Licht und wieder 6 Stunden Dunkelheit. Obwohl sie nur 13 Stunden Licht bekamen – eine Tageslänge, bei der viele Sorten sonst blühen –, blieben sie vegetativ, weil keine Nacht länger als 6 Stunden war. Die Methode sparte Strom, kostete aber rund 22 % Blütenertrag, weil die Tageslichtsumme im Wachstum sank.

Schon schwaches Licht zählt für die Pflanze als Tag. Bei einer Sorte verhinderte eine Tagverlängerung mit nur 1 µmol/m²/s den vollständigen Übergang zur Blüte, und im Gewächshaus beeinflusste bereits das Dämmerlicht den Blühbeginn. Das ist ein winziger Bruchteil der Lichtstärke einer Pflanzenlampe. Wie du Streulicht findest und abstellst, erklärt der Artikel Lichtlecks.

Lichtpläne für jede Phase

Phase

Übliche Photoperiode

Hinweis

Sämlinge und Stecklinge

16–18 Stunden Licht

Teil der vegetativen Phase, mäßige Lichtstärke

Wachstum (photoperiodisch)

meist 18/6, mindestens 16 Stunden Licht

Dauer der Phase bestimmst du selbst

Mutterpflanzen

wie im Wachstum

kurze Nächte halten sie dauerhaft vegetativ

Blüte (photoperiodisch)

12/12

längere Tage nur mit gut bekannter Sorte

Autoflower

durchgehend lange Tage, z. B. 18/6 bis 20/4

blühen unabhängig von der Tageslänge

Mit dem Wechsel auf 12/12 beginnt die Blüteeinleitung. Ob sie wirkt, siehst du an der Triebspitze: In der kanadischen Studie bildeten mehrere Sorten nach rund acht Tagen die ersten Blütenstände mit mindestens drei Stempelpaaren. Einzelne Stempel in den Blattachseln entstehen dagegen auch unter Langtag und beweisen noch keinen Blühbeginn.

Etwas mehr als 12 Stunden Licht kann bei manchen Sorten den Ertrag erhöhen, weil die Tageslichtsumme steigt; in der kanadischen Studie lag das Optimum je nach Sorte zwischen 12 und 13 Stunden. Bei anderen Sorten verzögern längere Tage die Blüte: In der US-Studie reichten 15 Minuten mehr Licht pro Tag, um den Blühbeginn empfindlicher Sorten um 5 bis 13 Tage zu verschieben. Wer seine Sorte nicht genau kennt, bleibt bei 12/12. Wie lange und mit welchem Licht die Wachstumsphase läuft, beschreibt Vegetative Lichtphase.

Tag-Nacht-Rhythmus: warum Regelmäßigkeit zählt

Pflanzen besitzen eine innere Uhr, die viele Vorgänge im Tagesverlauf steuert, etwa Wachstum, das Öffnen der Spaltöffnungen und die Photosynthese. Diese Uhr läuft auch ohne äußere Signale weiter, wird aber täglich über Licht und Temperatur auf 24 Stunden eingestellt. Pflanzen reagieren deshalb nicht nur auf den Morgen, sie erwarten ihn.

Die Uhr teilt auch die Energie ein. Tagsüber legen Blätter einen Teil der Photosyntheseprodukte als Stärke an und bauen sie nachts so gleichmäßig ab, dass sie fast genau bis zum Morgen reicht. Bei der Modellpflanze Arabidopsis war die Stärke in einem 28-Stunden-Rhythmus schon vor dem nächsten Morgen verbraucht; die Pflanzen litten am Ende der Nacht unter Kohlenhydratmangel und wuchsen schlechter. Zyklen, die nicht 24 Stunden ergeben, sind für Cannabis kaum untersucht – ein fester 24-Stunden-Takt ist die sichere Wahl.

Dauerlicht hält photoperiodische Pflanzen zwar vegetativ, ein Vorteil ist aber nicht belegt. Bei manchen Pflanzenarten verursacht Dauerlicht Schäden, deren Ursachen nur teilweise verstanden sind. In einer kroatischen Studie mit zwei Hanfsorten zeigte 16/8 die günstigste Photosynthesereaktion und die geringsten Hinweise auf Membranschäden; unter 24/0 fanden sich Schäden an den Thylakoidmembranen, die Photosynthese lief aber weiter. Erträge wurden dort nicht gemessen.

Wann die Lampe leuchtet, ist der Pflanze gleich. Soll der Zeitplan verschoben werden, verlängere im Wachstum einmalig die Lichtphase und in der Blüte einmalig die Dunkelphase – so bleibt das Signal der jeweiligen Phase erhalten. Eine Zeitschaltuhr hält den Rhythmus zuverlässig ein, auch wenn du einmal nicht zu Hause bist. Weitere Themen rund um Licht- und Dunkelphasen sammelt die Kategorie Photoperiode.

Typische Fehler und Irrtümer

  • In Lichtstunden statt in Nachtlänge denken. Für die Blüte zählt die ununterbrochene Dunkelheit; eine Stunde Licht mitten in der Nacht kann sie verhindern.

  • Photoperiode und Lichtmenge verwechseln. 12/12 löst die Blüte auch mit einer schwachen Lampe aus; für den Ertrag zählt aber die Tageslichtsumme.

  • Den Lichtplan immer wieder ändern. Bei empfindlichen Sorten verschoben schon 15 Minuten mehr Licht pro Tag den Blühbeginn um Tage.

  • Dimmrampen vergessen. Simulierte Sonnenauf- und -untergänge verlängern für die Pflanze den Tag; in der Blüte gehören sie in die 12 Lichtstunden.

  • Autoflower auf 12/12 setzen. Sie blühen trotzdem, bekommen mit derselben Lampe aber ein Drittel weniger Licht pro Tag als bei 18/6.

  • Dauerlicht für schnelleres Wachstum. Ein Nutzen ist nicht belegt, Strombedarf und Wärme steigen.

Häufige Fragen

Ist Dauerlicht (24/0) in der Wachstumsphase sinnvoll?

Photoperiodische Pflanzen bleiben unter Dauerlicht vegetativ, ein Vorteil ist aber nicht belegt. In einer Studie mit zwei Hanfsorten schnitt 16/8 bei den Photosynthese-Kennwerten am besten ab, unter 24/0 zeigten sich Schäden an den Thylakoidmembranen. Dazu kommen höhere Stromkosten und mehr Wärme. 18/6 ist ein bewährter Kompromiss.

Kann ich die Lichtphase in die Nacht legen?

Ja. Die Pflanze kennt keine Uhrzeit, sie reagiert nur auf den Wechsel von Licht und Dunkelheit. Das kann sinnvoll sein, etwa weil die Wärme der Lampe dann in die kühleren Nachtstunden fällt. Der Raum muss tagsüber aber wirklich dunkel sein, denn Tageslicht durch Ritzen wirkt wie ein Lichtleck.

Wie schnell reagieren Pflanzen auf die Umstellung auf 12/12?

In einer kanadischen Studie zeigten mehrere Sorten nach rund acht Tagen die ersten Blütenstände mit mindestens drei Stempelpaaren an der Triebspitze, andere brauchten etwas länger. Einzelne Stempel, die schon vorher in den Blattachseln sitzen, zählen dabei nicht: Sie entstehen altersabhängig auch unter Langtag.

Brauchen Autoflower-Pflanzen eine bestimmte Photoperiode?

Für die Blüte nicht: Sie reagieren nicht auf die Nachtlänge und blühen auch unter Dauerlicht. Die Lichtdauer bestimmt bei ihnen vor allem die Tageslichtsumme. Mit derselben Lampe erhalten sie bei 12/12 ein Drittel weniger Licht pro Tag als bei 18/6, deshalb laufen sie meist durchgehend mit langen Tagen.

Zählt die Dämmerung zur Photoperiode?

Teilweise ja. In einer Studie mit Hanfsorten beeinflusste das Dämmerlicht im Gewächshaus mit rund 2 µmol/m²/s den Blühbeginn, und in einer anderen Studie verlängerte schon 1 µmol/m²/s den Tag wirksam. Indoor gilt das auch für Dimmrampen, die Sonnenauf- und -untergang nachahmen: Sie verlängern für die Pflanze die Lichtphase.

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Quellen

  1. Photoperiodic Flowering: Time Measurement Mechanisms in Leaves Song, Shim, Kinmonth-Schultz, Imaizumi – Annual Review of Plant Biology 66, 2015Übersicht: Die Tageslänge wird in den Blättern gemessen; innere Uhr und Lichtsignale steuern gemeinsam das Blühsignal FT (Florigen).
  2. Light signals and flowering Thomas – Journal of Experimental Botany 57, 2006Phytochrome und Cryptochrome stellen die innere Uhr und wirken mit ihr zusammen; daraus entsteht das mobile Blühsignal FT.
  3. Examining the “Night Break” Method in Cannabis sativa Horticulture: Vegetative Daily Light Integral Affects Yield of Extractable Biomass in C. sativa Grover, Haiden, Berkowitz – Plants 14, 202512 h Licht, 5 h dunkel, 1 h Licht, 6 h dunkel hielt Cannabis vegetativ; 27,9 % weniger DLI im Wachstum und rund 22 % weniger Blütenertrag als 18/6.
  4. Is Twelve Hours Really the Optimum Photoperiod for Promoting Flowering in Indoor-Grown Cultivars of Cannabis sativa? Ahrens, Llewellyn, Zheng – Plants 12, 2023Wachstum üblicherweise bei mindestens 16 h Licht; zehn Sorten leiteten die Blüte bei bis zu 14 h Licht ein, mehrere nach rund 8 Tagen.
  5. Photoperiodic Flowering Response of Essential Oil, Grain, and Fiber Hemp (Cannabis sativa L.) Cultivars Zhang, Anderson, Brym, Pearson – Frontiers in Plant Science 12, 2021Kritische Tageslänge der empfindlichsten Sorten 13 h 45 min bis 14 h; 15 Minuten mehr Licht verzögerten die Blüte um 5–13 Tage; Dämmerlicht wirkte mit.
  6. Flowering Response of Cannabis sativa L. ‘Suver Haze’ under Varying Daylength-Extension Light Intensities and Durations Park, Collado, Lam, Hernández – Horticulturae 9, 2023Schon 1,0 µmol/m²/s als Tagverlängerung von 9 auf 15 h verhinderte den vollständigen Übergang zur Blüte.
  7. Identification and mapping of major-effect flowering time loci Autoflower1 and Early1 in Cannabis sativa L. Toth, Stack, Carlson, Smart – Frontiers in Plant Science 13, 2022Unter Dauerlicht blühten nur Pflanzen mit der Autoflower-Anlage (Autoflower1), photoperiodische Hochcannabinoid-Sorten blieben vegetativ.
  8. Plant Circadian Rhythms McClung – The Plant Cell 18, 2006Innere Uhr: Rhythmen laufen ohne äußere Signale weiter, Licht und Temperatur stellen sie auf 24 Stunden; Pflanzen erwarten die Morgendämmerung.
  9. Circadian control of carbohydrate availability for growth in Arabidopsis plants at night Graf, Schlereth, Stitt, Smith – PNAS 107, 2010Der nächtliche Stärkeabbau ist uhrgesteuert; im 28-Stunden-Rhythmus fehlten am Nachtende Kohlenhydrate, die Pflanzen wuchsen schlechter.
  10. Plants under continuous light Velez-Ramirez, van Ieperen, Vreugdenhil, Millenaar – Trends in Plant Science 16, 2011Dauerlicht verursacht bei manchen Pflanzenarten schwere Schäden, deren Ursachen wenig verstanden sind.
  11. Effect of Prolonged Photoperiod on Light-Dependent Photosynthetic Reactions in Cannabis Šrajer Gajdošik, Vicić, Gvozdić, Galić, Begović, Mlinarić – International Journal of Molecular Sciences 23, 2022Hanf unter 16/8, 20/4 und 24/0: 16/8 mit der günstigsten Photosynthesereaktion und den geringsten Hinweisen auf Membranschäden.

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