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Blüteeinleitung bei Cannabis: Wie und wann du den Lichtzyklus umstellst

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Blüteeinleitung ist der Wechsel von einem langen Lichttag zu einer Photoperiode mit ausreichend langer, ununterbrochener Dunkelheit – bei photoperiodischen Sorten meist von 18/6 auf 12/12. Reagieren kann die Pflanze erst ab einem bestimmten Reifestadium; jüngere Pflanzen bilden zwar einzelne Blüten, aber noch keine dichten Blütenstände. Nach der Umstellung dauert es bei den meisten Sorten rund eine bis zwei Wochen, bis deutlich mehr Blütenansätze mit mehreren Stempelpaaren erscheinen, während der Stängel zunächst noch kräftig weiterwächst.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Üblicher Lichtwechsel
von 18/6 auf 12/12häufigste Umstellung bei photoperiodischen Sorten indoor
Erste sichtbare Reaktion
ab ca. Tag 5–10zunächst Streckung der Internodien, danach Stauchung zum Blütenstand (Alter et al. 2024)
Mindestdauer der Kurztage
mindestens 3 Tage am Stückkürzere Kurztag-Phasen lösten den Blühbeginn in einer Studie nicht zuverlässig aus
Erste Blütenstände mit Stempelpaaren
oft nach ca. 8 Tagenbei mehreren untersuchten Sorten unter 12/12 (Ahrens et al. 2023)

Was Blüteeinleitung bedeutet

Blüteeinleitung bezeichnet die gezielte Umstellung der Photoperiode, mit der du bei photoperiodischen Cannabissorten den Übergang von der vegetativen Phase in die Blüte auslöst. Praktisch heißt das: Die tägliche Lichtphase wird verkürzt, meist von 18 Stunden Licht (18/6) auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit (12/12). Wie die Pflanze diese Nachtlänge überhaupt wahrnimmt, erklärt ausführlich der Artikel zur Photoperiode.

Genau genommen „schaltet" die kurze Nacht nicht einfach die Blüte ein. Eine israelische Forschungsgruppe zeigte, dass Cannabis auch unter langem Lichttag altersabhängig einzelne Blüten in den Blattachseln anlegt – die Pflanze ist damit streng genommen nie rein vegetativ. Der Kurztag löst vor allem eine Architekturänderung an der Triebspitze aus: Aus vereinzelten Blüten wird ein dicht verzweigter, gestauchter Blütenstand, weil sich die Seitentriebe an der Spitze stark zusammendrängen. Diese Umstellung der Wuchsform ist der eigentliche Kern der Blüteeinleitung.

Wann eine Pflanze bereit ist

Eine feste Wochenzahl, ab der jede Pflanze bereit ist, gibt es nicht – zu unterschiedlich sind Sorte, Wuchsgeschwindigkeit und Anbauform. Da die Anlage einzelner Blüten altersabhängig und nicht photoperiodabhängig ist, reagiert auch eine sehr junge Pflanze theoretisch schon auf eine frühe Umstellung. In der Praxis lohnt sich das aber selten: Eine kleine Pflanze mit wenigen Blattpaaren liefert nach der Umstellung auch nur einen kleinen, kurzen Blütenstand, weil ihr die Stretch-Phase und die Blattfläche zur Versorgung der Blüten fehlen.

Bewährt hat sich deshalb, erst umzustellen, wenn die Pflanze ein tragfähiges Wurzelsystem und mehrere Nodien mit kräftigem, gesundem Laub aufgebaut hat. Wie sich diese Entwicklungsschritte einordnen lassen, beschreibt der Artikel zum Lebenszyklus der Cannabispflanze. Autoflower-Pflanzen stellt sich diese Frage nicht: Sie blühen unabhängig von der Tageslänge nach einer bestimmten Wachstumszeit und behalten meist durchgehend einen langen Lichttag.

Die Umstellung des Lichtzyklus in der Praxis

Der eigentliche Wechsel ist technisch einfach: Die Zeitschaltuhr wird von der bisherigen Photoperiode direkt auf 12/12 umgestellt, ein schrittweises Herantasten über mehrere Tage ist nicht notwendig. Wichtiger als ein sanfter Übergang ist, dass die Dunkelphase ab dem ersten Tag wirklich vollständig dunkel ist und jeden Tag zur gleichen Zeit beginnt und endet.

Dafür lohnt sich vor der Umstellung ein Kontrollgang durch den abgedunkelten Raum: Ritzen an Tür oder Zelt, Standby-LEDs von Geräten und Lichtschein aus Nachbarräumen wirken für die Pflanze wie ein Lichtleck und können den Blühbeginn stören. Ausführlich behandelt das der Artikel zu Lichtlecks. Klima und Düngung müssen für den Wechsel selbst nicht sofort angepasst werden – das eigentliche Signal ist allein die Nachtlänge; wie sich Nährstoffbedarf und Klima in den folgenden Wochen verändern, ordnen eigene Artikel zur Blütephase ein.

Was nach der Umstellung passiert

In den ersten Tagen nach dem Wechsel verändert sich äußerlich oft wenig. Eine Studie an Cannabispflanzen zeigte, dass der Kurztag in zwei Phasen wirkt: Etwa von Tag 5 bis Tag 10 nach der Umstellung strecken sich die obersten Internodien und der Haupttrieb zunächst spürbar – das ist der Beginn des Stretch. Danach hört die Streckung neu gebildeter Internodien auf, und an der Triebspitze verdichtet sich der Aufbau zu einem kompakten Blütenstand.

Bis sich erste Blütenansätze zuverlässig zeigen, vergeht meist ein bis anderthalb Wochen. In einer Untersuchung an zehn Sorten unter 12/12 bildeten mehrere Sorten nach rund 8 Tagen an der Triebspitze die ersten Blütenstände mit mindestens drei Stempelpaaren – ein zuverlässigeres Zeichen als einzelne Stempel in den Blattachseln, die altersbedingt auch schon vorher unter langem Lichttag entstehen können. Damit der Prozess überhaupt in Gang kommt, muss die kurze Nacht zudem mehrere Tage am Stück eingehalten werden: In der bereits erwähnten Studie reichten wenige Kurztage allein nicht aus, mindestens drei aufeinanderfolgende Tage mit ausreichend langer Dunkelheit waren nötig, damit sich der Blütenstand zuverlässig bildete. Was in den folgenden Wochen an der Blüte selbst passiert, beschreibt der Artikel zur Blütenentwicklung.

Typische Fehler bei der Blüteeinleitung

  • Viel zu früh umstellen. Eine sehr junge Pflanze liefert nach der Umstellung nur einen kleinen Blütenstand, weil ihr Blattfläche und eine ausreichende Stretch-Phase fehlen.

  • Die Dunkelphase nicht wirklich dunkel halten. Schon schwaches Streulicht kann als Lichtleck wirken und den Blühbeginn verzögern oder unregelmäßig machen.

  • Nach der Umstellung zu langen Lichttagen zurückkehren. Hält eine Störung mehrere Tage an, kann sich ein begonnener Blütenstand wieder auflösen, während sich die Internodien erneut strecken – die Pflanze fällt dann zurück in ein vegetatives Wuchsmuster.

  • Einzelne Stempel als Blühbeginn deuten. Vereinzelte weiße Stempel in den Blattachseln entstehen altersbedingt auch unter langem Lichttag und sind kein Beleg dafür, dass die Umstellung schon gewirkt hat.

  • Ungeduldig nach wenigen Tagen umplanen. In den ersten vier bis fünf Tagen nach der Umstellung ist äußerlich oft noch wenig zu sehen; das ist normal und kein Zeichen für einen gescheiterten Wechsel.

Häufige Fragen

Wann ist eine Pflanze bereit für die Blüteeinleitung?

Es gibt keine feste Wochenzahl, die für alle Sorten gilt. Einzelne Blüten legt eine Cannabispflanze altersabhängig auch unter langem Lichttag an, unabhängig von der Photoperiode. Für einen kräftigen, dichten Blütenstand hat es sich bewährt, erst umzustellen, wenn die Pflanze ein stabiles Wurzelsystem und mehrere Nodien mit kräftigem Blattwerk gebildet hat – wie lange das dauert, beschreibt der Artikel zum Lebenszyklus der Cannabispflanze.

Muss ich den Lichtzyklus langsam umstellen oder reicht der direkte Wechsel?

Ein direkter Wechsel auf die neue Photoperiode reicht aus, ein schrittweises Herantasten ist nicht nötig. Entscheidend ist, dass die Dunkelphase ab dem ersten Tag wirklich vollständig dunkel und jeden Tag gleich lang ist. Eine Zeitschaltuhr verhindert, dass du den Wechsel versehentlich unterbrichst.

Was passiert, wenn die Dunkelphase kurz nach der Umstellung unterbrochen wird?

Einzelne kurze Unterbrechungen durch Streulicht wirken wie ein Lichtleck und können den Blühbeginn verzögern; wie du solche Lecks findest, zeigt der Artikel zu Lichtlecks. Hält die Störung mehrere Tage an oder kehrst du zu einem langen Lichttag zurück, kann sich der begonnene Blütenstand in einer Studie sogar wieder auflösen und die Internodien strecken sich erneut.

Brauchen Autoflower-Pflanzen eine Blüteeinleitung?

Nein. Autoflower-Sorten blühen unabhängig von der Tageslänge und laufen deshalb meist durchgehend mit einem langen Lichttag. Mehr zu diesem Unterschied erklärt der Artikel zu Autoflower-Pflanzen.

Wie lange dauert es von der Umstellung bis zur Ernte?

Das hängt stark von der Sorte ab und lässt sich nicht pauschal angeben. Nach der Umstellung folgen zunächst die Streckungsphase und die eigentliche Blütenentwicklung; wie lange eine Sorte typischerweise braucht, findest du in der Sortenbeschreibung oder im Artikel zur Blütezeit als Sortenmerkmal.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Inflorescence development in female cannabis plants is mediated by photoperiod and gibberellin Alter, Sade, Sood, Carmeli-Weissberg, Shaya, Kamenetsky-Goldstein, Bernstein, Spitzer-Rimon – Horticulture Research 11, 2024Nach der Umstellung auf Kurztag zunächst Streckung der Internodien (Tag 5–10), danach Stauchung zum kompakten Blütenstand; mindestens 3 aufeinanderfolgende Kurztage nötig, Rückkehr zu Langtag löst den Blütenstand wieder auf.
  2. Architecture and Florogenesis in Female Cannabis sativa Plants Spitzer-Rimon, Duchin, Bernstein, Kamenetsky – Frontiers in Plant Science 10, 2019Einzelblüten entstehen altersabhängig auch unter Langtag; Kurztag löst vor allem eine Architekturänderung zum verzweigten, kompakten Blütenstand aus, nicht die Blütenbildung selbst.
  3. Photoperiodic Flowering: Time Measurement Mechanisms in Leaves Song, Shim, Kinmonth-Schultz, Imaizumi – Annual Review of Plant Biology 66, 2015Übersicht zum Mechanismus: Die Tageslänge wird in den Blättern gemessen, das mobile Blühsignal FT wandert danach zur Triebspitze.
  4. Is Twelve Hours Really the Optimum Photoperiod for Promoting Flowering in Indoor-Grown Cultivars of Cannabis sativa? Ahrens, Llewellyn, Zheng – Plants 12, 2023Mehrere Sorten zeigten nach rund 8 Tagen unter 12/12 erste Blütenstände mit mindestens drei Stempelpaaren an der Triebspitze.

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