Vegetative Lichtphase: Der richtige Lichtplan für die Wachstumsphase
Kurz erklärt
Die vegetative Lichtphase ist der Lichtabschnitt des Tages während der Wachstumsphase von Cannabis, in dem eine kurze, ununterbrochene Nacht photoperiodische Sorten vom Blühen abhält. Üblich sind 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit (18/6), seltener 20/4 oder durchgehendes Licht (24/0). Ein Vorteil von mehr als 18 Stunden Licht ist für Cannabis nicht belegt: Eine Studie mit Hanf fand unter 16 Stunden Licht die günstigste Photosynthese und die geringsten Anzeichen von Lichtschäden. Wichtiger als die genaue Stundenzahl ist ein täglich gleichbleibender 24-Stunden-Rhythmus.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Übliche vegetative Photoperiode
- 18/6 (18 h Licht, 6 h Dunkelheit)verbreiteter Praxis-Kompromiss, in der unten zitierten Vergleichsstudie nicht separat getestet
- Günstigste Photosynthesereaktion in einer Hanf-Studie
- bei 16/8Šrajer Gajdošik et al. 2022; 20/4 und 24/0 zeigten mehr Anzeichen von Membranschäden
- Vorteil von Dauerlicht (24/0)
- nicht belegthöherer Stromverbrauch und mehr Abwärme stehen dem gegenüber
- Mutterpflanzen
- dauerhaft lange Lichtphasegleiche Photoperiode wie im Wachstum, oft über Monate
Was die vegetative Lichtphase ist
Die vegetative Lichtphase ist der tägliche Lichtabschnitt während der Wachstumsphase, also die Zeit zwischen Keimung und der Umstellung auf die Blüte. Bei photoperiodischen Sorten hat sie eine klare Funktion: Eine kurze, ununterbrochene Nacht signalisiert der Pflanze „noch nicht blühen“. Wie diese Messung der Nachtlänge genau funktioniert, erklärt ausführlich der Artikel zur Photoperiode – hier geht es konkret darum, wie lang die Lichtphase in der Wachstumsphase praktisch sein sollte.
Üblich sind 16 bis 18 Stunden Licht, verbreitet als 18/6 (18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit). Manche Anbauer nutzen 20/4 oder durchgehendes Licht (24/0), um die tägliche Lichtmenge weiter zu erhöhen. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zweier Größen: Die Photoperiode legt fest, wann die Pflanze noch vegetativ bleibt, während die Lichtintensität (gemessen als PPFD) bestimmt, wie viel Photosynthese in dieser Zeit stattfindet. Beide zusammen ergeben die Tageslichtsumme.
18/6, 20/4 oder Dauerlicht: was der Vergleich zeigt
Für Cannabis liegt dazu eine direkte Vergleichsstudie vor. Zwei Hanfsorten wurden unter 16/8, 20/4 und 24/0 kultiviert und die Photosyntheseleistung sowie Anzeichen von Zellschäden gemessen. Das Ergebnis: 16 Stunden Licht schnitt unabhängig von der Lichtfarbe am günstigsten ab, mit der effizientesten Photosynthesereaktion und den geringsten Werten für Lipidperoxidation – ein Maß für Schäden an den Zellmembranen. Unter 24 Stunden Licht traten die deutlichsten Anzeichen für Schäden an den Thylakoidmembranen auf, auch wenn die Photosynthese insgesamt weiterlief. 18 Stunden Licht wurde in dieser Studie nicht separat getestet, liegt aber zwischen den geprüften Stufen und gilt in der Praxis als bewährter Mittelweg.
Das deckt sich mit einer breiteren Übersichtsarbeit zu Dauerlicht: Bei vielen Pflanzenarten verursacht durchgehende Beleuchtung Schäden, deren genaue Ursachen die Forschung bisher nur teilweise verstanden hat. Ein Wachstumsvorteil durch 24/0 gegenüber einem langen, aber unterbrochenen Lichttag ist für Cannabis nicht belegt. Dem stehen zudem handfeste Nachteile gegenüber: mehr Stromverbrauch und mehr Abwärme, die zusätzlich über die Abluftleistung abgeführt werden muss.
Warum der feste Rhythmus mehr zählt als ein paar Stunden mehr
Pflanzen besitzen eine innere Uhr, die Wachstum und Energiehaushalt über den Tag verteilt. Tagsüber wird ein Teil der Photosyntheseprodukte als Stärke gespeichert und nachts gleichmäßig wieder abgebaut, sodass der Vorrat ungefähr bis zum nächsten Lichtbeginn reicht. In einem Versuch mit der Modellpflanze Arabidopsis führte ein von 24 Stunden abweichender Rhythmus dazu, dass die Stärke vor Ende der Nacht aufgebraucht war – die Pflanzen litten unter Energiemangel und wuchsen schlechter. Für Cannabis fehlen vergleichbare Versuche mit untypischen Zykluslängen, ein fester 24-Stunden-Takt ist aber die naheliegend sichere Wahl.
Daraus folgt eine einfache Priorität: Eine über Wochen absolut gleichbleibende Lichtphase ist wichtiger als die Frage, ob es nun 16, 18 oder 20 Stunden sind. Eine verlässliche Zeitschaltuhr hält diesen Rhythmus auch dann ein, wenn du nicht jeden Tag selbst schalten kannst – mehr dazu im Artikel zu Zeitschaltuhren.
Vegetative Lichtphase bei Mutterpflanzen und beim Wechsel zur Blüte
Bei Mutterpflanzen läuft die vegetative Lichtphase dauerhaft, oft über viele Monate, weil sie nie in die Blüte übergehen sollen. Eine kurze Nacht von höchstens wenigen Stunden reicht dafür aus; besondere Anforderungen über die normale Wachstumsphase hinaus gibt es nicht. Autoflower-Sorten betrifft die vegetative Lichtphase im engeren Sinn nicht, weil sie unabhängig von der Nachtlänge blühen und meist durchgehend mit einem langen Lichttag laufen.
Bei photoperiodischen Sorten endet die vegetative Lichtphase mit der bewussten Umstellung auf die kurze Photoperiode. Weil die Pflanze danach noch einige Zeit weiterwächst, bevor sich das Wachstum auf den Blütenstand verlagert, lohnt es sich, diesen bevorstehenden Stretch bereits bei der Wahl des Umstellungszeitpunkts einzuplanen. Wie lange die Wachstumsphase davor sinnvoll dauert, hängt von Platzangebot und Sorte ab und wird im Artikel zur Wachstumsphase genauer beschrieben.
Typische Fehler bei der vegetativen Lichtphase
Dauerlicht für „mehr Wachstum“ nutzen. Ein Vorteil gegenüber 18 Stunden ist nicht belegt, während Stromkosten, Wärme und laut Studienlage auch Anzeichen von Zellschäden zunehmen.
Lichtdauer und Lichtintensität verwechseln. Mehr Lichtstunden ersetzen keine zu schwache Lampe; für kompakte, kräftige Pflanzen zählt vor allem eine ausreichende Lichtintensität.
Die Lichtphase unregelmäßig schalten. Wechselnde Anschaltzeiten oder vergessene Tage stören den 24-Stunden-Rhythmus der Pflanze stärker, als die genaue Stundenzahl es tut.
Zu spät oder zu früh auf Blüte umstellen. Wer den bevorstehenden Stretch nicht mitdenkt, hat entweder zu wenig Platz oder verschenkt Zeit in einer zu kurzen Wachstumsphase.
Für jede Sorte pauschal 24/0 annehmen. Ohne Vergleichsdaten für die eigene Genetik ist 18/6 die risikoärmere Standardeinstellung.
Häufige Fragen
Ist Dauerlicht (24/0) besser als 18/6 für schnelleres Wachstum?
Ein Vorteil ist nicht belegt. In einer Studie mit Hanf zeigte 16 Stunden Licht die günstigste Photosynthesereaktion, während unter 24 Stunden Licht Anzeichen von Membranschäden zunahmen, auch wenn die Photosynthese weiterlief. 18/6 gilt in der Praxis als bewährter Kompromiss, auch wenn diese Stufe in der Studie selbst nicht getestet wurde.
Wie lange sollte die gesamte vegetative Phase dauern?
Das legst du bei photoperiodischen Sorten selbst fest, indem du entscheidest, wann du auf die kurze Lichtphase umstellst. Wie du die Dauer an Platz, Sorte und den bevorstehenden Stretch anpasst, erklärt der Artikel zur Wachstumsphase.
Brauchen Mutterpflanzen eine andere Lichtphase als normale Wachstumspflanzen?
Nein, das Prinzip ist gleich: Eine kurze, ununterbrochene Nacht hält sie im vegetativen Zustand. Mutterpflanzen laufen deshalb dauerhaft mit derselben langen Lichtphase wie im Wachstum, oft über viele Monate am Stück.
Spart eine kürzere Lichtphase wie 16/8 Strom, ohne das Wachstum merklich zu bremsen?
Weniger Lichtstunden senken bei gleicher Lampenleistung die Gesamtlichtmenge pro Tag und damit tendenziell auch das Wachstumstempo. In der zitierten Hanf-Studie schnitt 16/8 photosynthetisch sogar am besten ab; ob das bei geringerer Lichtmenge auch zu mehr Ertrag pro Zeit führt, wurde dort nicht gemessen.
Was passiert, wenn ich die Lichtphase nicht jeden Tag exakt gleich halte?
Ein fester 24-Stunden-Rhythmus ist wichtig, weil die innere Uhr der Pflanze Wachstum und Energiehaushalt darauf abstimmt. Größere Abweichungen sind für Cannabis wenig untersucht; eine zuverlässige Zeitschaltuhr ist deshalb sinnvoller als ein manuell wechselnder Zeitpunkt.
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Quellen
- Effect of Prolonged Photoperiod on Light-Dependent Photosynthetic Reactions in Cannabis Šrajer Gajdošik, Vicić, Gvozdić, Galić, Begović, Mlinarić – International Journal of Molecular Sciences 23, 2022Hanf unter 16/8, 20/4 und 24/0: 16/8 zeigte die günstigste Photosynthesereaktion und die geringsten Hinweise auf Membranschäden, 24/0 die meisten.
- Plants under continuous light Velez-Ramirez, van Ieperen, Vreugdenhil, Millenaar – Trends in Plant Science 16, 2011Übersicht: Dauerlicht schädigt viele Pflanzenarten, die genauen Ursachen sind nur teilweise verstanden.
- Photoperiodic Flowering: Time Measurement Mechanisms in Leaves Song, Shim, Kinmonth-Schultz, Imaizumi – Annual Review of Plant Biology 66, 2015Die Blattzellen messen die Tageslänge; lange Tage mit kurzer Nacht halten Kurztagspflanzen im vegetativen Zustand.
- Circadian control of carbohydrate availability for growth in Arabidopsis plants at night Graf, Schlereth, Stitt, Smith – PNAS 107, 2010Die innere Uhr steuert den nächtlichen Stärkeabbau; unregelmäßige Zykluslängen führten zu Energiemangel am Nachtende und schlechterem Wachstum.
- Light intensity can be used to modify the growth and morphological characteristics of cannabis during the vegetative stage of indoor production Moher, Llewellyn, Jones, Zheng – Industrial Crops and Products 183, 2022Zeigt für die Wachstumsphase, dass vor allem die Lichtintensität Internodienlänge und Blattgröße bestimmt – ein von der Lichtdauer getrennter Faktor.
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