Wie lange dauert die Wachstumsphase bei Cannabis?
Kurz erklärt
Bei photoperiodischen Sorten legst du die Dauer der Wachstumsphase indoor selbst fest, weil erst der Wechsel auf 12 Stunden Licht die Blüte auslöst – üblich sind etwa drei bis acht Wochen, je nach gewünschter Pflanzengröße und verfügbarem Platz. Eine Studie fand einen linearen Zusammenhang: Mit jeder zusätzlichen Woche Wachstum wurden die Pflanzen größer und der Ertrag pro Pflanze stieg. Autoflower-Sorten blühen dagegen nach einer festen, genetisch bedingten Jugendphase unabhängig von der Lichtdauer und lassen sich kaum verlängern.
Inhalt(8 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Photoperiodisch, indoor
- frei wählbar, häufig ca. 3–8 WochenRichtwert je nach Platz und Zielgröße; längere und kürzere Phasen sind möglich
- Getestete Spanne in einer Studie
- 1–4 Wochen WachstumsphaseFläche-Ertrag stieg dabei von ca. 295 auf ca. 571 g/m²
- Autoflower
- feste, kurze Jugendphase, kaum verlängerbarblüht unabhängig von der Tageslänge
- Auslöser für Blüte (photoperiodisch)
- ununterbrochene Dunkelphase von ca. 12 Stundeneinige Sorten blühten in Studien auch bei bis zu 13–14 Stunden Licht
Was die Dauer der Wachstumsphase überhaupt bestimmt
Die Wachstumsphase, auch vegetative Phase genannt, liegt zwischen der Sämlingsphase und der Blüte. In dieser Zeit bildet die Pflanze Blätter, Seitentriebe und ein umfangreiches Wurzelsystem, ohne bereits Blütenstände anzulegen. Wie lange sie dauert, hängt vor allem davon ab, was die Blüte auslöst – und das unterscheidet sich grundlegend zwischen den beiden Sortentypen.
Bei photoperiodischen Sorten entscheidest du selbst, wie lange die Wachstumsphase dauert: Solange die Lichtphase bei den üblichen 18 Stunden bleibt, wächst die Pflanze weiter vegetativ. Erst der Wechsel auf eine ununterbrochene Dunkelphase von rund 12 Stunden löst die Blüte aus. Bei Autoflower-Sorten dagegen ist die Wachstumsphase genetisch festgelegt: Sie blühen nach einer bestimmten Jugendphase unabhängig davon, wie lang Tag und Nacht sind. Eine tagneutrale Blüte beruht auf Genvarianten, die die Reaktion auf die Tageslänge weitgehend ausschalten – die Forschung hat dafür bereits einen konkreten genetischen Marker beschrieben.
Wie sich die Dauer auf Größe und Ertrag auswirkt
Eine Studie an medizinischem Cannabis hat den Zusammenhang systematisch untersucht: Bei Wachstumsphasen von einer bis vier Wochen stiegen Pflanzenhöhe, Seitentriebslänge und Blütenertrag pro Pflanze mit jeder zusätzlichen Woche linear an. Auf die Fläche gerechnet reichte der Ertrag in der Studie von rund 295 g/m² bei der kürzesten bis rund 571 g/m² bei der längsten getesteten Wachstumsphase.
Das bedeutet nicht automatisch, dass „länger immer besser" gilt. Dieselbe Studie testete auch unterschiedliche Pflanzendichten und fand: Kürzere Wachstumsphasen kombiniert mit höherer Pflanzendichte verbesserten die flächenbezogene Produktivität, während eine verlängerte Wachstumsphase vor allem die Größe und den Ertrag der einzelnen Pflanze steigerte. Mit anderen Worten: Wer viele kleine Pflanzen dicht stehen hat, fährt oft mit kurzen Wachstumsphasen besser; wer wenige große Pflanzen zieht, profitiert eher von längeren.
Vegetative Phase verlängern: wann das sinnvoll ist
Eine längere Wachstumsphase ergibt größere Pflanzen mit mehr Seitentrieben und potenziell mehr Blütenmasse pro Pflanze – nützlich, wenn du wenige, große Pflanzen ziehst oder eine Mutterpflanze über längere Zeit vegetativ hältst. Auch nach Topping oder FIM braucht die Pflanze zusätzliche Zeit, bis die neuen Triebe kräftig genug für die Umstellung auf Blüte sind – jeder weitere Trainingsschritt verlängert die Wachstumsphase entsprechend.
Der Preis einer längeren Wachstumsphase ist mehr Platzbedarf, mehr Zeit bis zur Ernte und mehr Stromkosten für Licht, das noch keine Blüten produziert. Bei begrenzter Deckenhöhe wächst außerdem das Risiko, dass die Pflanze nach der Umstellung durch das folgende Streckungswachstum – den Stretch – zu groß für den verfügbaren Raum wird.
Vegetative Phase verkürzen: wann das sinnvoll ist
Eine kurze Wachstumsphase mit vielen kleinen, dicht stehenden Pflanzen kann laut der oben genannten Studie den Ertrag pro Fläche erhöhen, weil mehr Pflanzen pro Quadratmeter Platz finden. Dieses Prinzip liegt auch Konzepten wie SOG zugrunde. Eine kürzere Wachstumsphase spart außerdem Zeit bis zur Ernte und Energiekosten für zusätzliche Wochen unter Wachstumslicht.
Der Preis dafür: Mehr Pflanzen bedeuten mehr Stecklinge oder Samen, mehr Töpfe und mehr Aufwand bei Gießen und Kontrolle vieler kleiner Einheiten. Zu kurz geratene Wachstumsphasen bergen zudem das Risiko, dass Pflanzen mit noch kleinem Wurzelsystem in die Blüte gehen, bevor sie ausreichend Reserven aufgebaut haben.
Autoflower: eine Wachstumsphase ohne freie Wahl
Bei Autoflower-Sorten lässt sich die Wachstumsphase kaum gezielt verlängern oder verkürzen, weil die Blüte an ein festgelegtes Alter gekoppelt ist, nicht an die Lichtdauer. Weniger Licht bremst zwar das Wachstum insgesamt, verschiebt aber nicht zuverlässig den Zeitpunkt der Blüte – die Pflanze bleibt am Ende meist einfach kleiner. Fehler in den ersten Wochen, etwa ein zu kleiner Topf oder ein Umtopfschock, lassen sich deshalb schlechter aufholen als bei photoperiodischen Pflanzen, deren Wachstumsphase du bei Bedarf einfach verlängerst. Einen Überblick über den gesamten Ablauf bietet der Artikel zum Lebenszyklus der Cannabispflanze.
Typische Fehler bei der Planung der Wachstumsphase
Die Wachstumsphase nach einem festen Kalenderwert statt nach Pflanzengröße und Platz planen. Ein Richtwert wie „vier Wochen" passt nicht auf jede Sorte und jeden Grow – die verfügbare Höhe und das erwartete Streckungswachstum zählen mehr.
Den Stretch nach der Umstellung vergessen. Wer erst umstellt, wenn die Box randvoll ist, hat danach keinen Platz mehr für das Wachstum der ersten Blütewochen.
Bei Autoflower auf eine Verlängerung durch weniger Licht hoffen. Das bremst meist nur das Wachstum, ohne die vegetative Phase spürbar zu verlängern.
Trainingszeit nicht mit einplanen. Jeder Schnitt oder größere Eingriff verlängert die nötige Erholungszeit vor der Umstellung auf Blüte.
Flächenertrag und Pflanzenertrag verwechseln. Eine längere Wachstumsphase steigert meist den Ertrag pro Pflanze, nicht zwangsläufig den Ertrag pro Quadratmeter – das hängt auch von der Pflanzendichte ab.
Zu früh in die Blüte wechseln, um Zeit zu sparen. Eine sehr kurze Wachstumsphase bei wenigen Pflanzen lässt der Pflanze oft nicht genug Blattmasse und Wurzelwerk, um ihr Ertragspotenzial auszuschöpfen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass die Wachstumsphase zu Ende geht?
Bei photoperiodischen Sorten endet die Wachstumsphase nicht von selbst, sondern mit deiner Umstellung der Lichtzeiten auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit. Als grobe Planungsregel gilt, umzustellen, wenn die Pflanze etwa die Hälfte bis zwei Drittel der gewünschten Endhöhe erreicht hat, weil in den ersten Blütewochen noch deutliches Streckungswachstum folgt.
Kann ich die vegetative Phase bei Autoflower-Pflanzen verlängern?
Kaum. Autoflower-Sorten blühen nach einer genetisch festgelegten Jugendphase unabhängig von der Tageslänge. Weniger Licht bremst zwar das Wachstum, verlängert aber nicht zuverlässig die vegetative Phase – meist verkleinert es nur die Pflanze insgesamt.
Was bringt eine längere Wachstumsphase konkret?
In einer Studie an medizinischem Cannabis stiegen mit jeder zusätzlichen Woche Wachstum Pflanzengröße, Seitentriebslänge und Blütenertrag pro Pflanze an. Auf die Fläche gerechnet ist der Zusammenhang komplexer, weil größere Pflanzen weniger Platz pro Quadratmeter zulassen als viele kleine.
Warum sollte ich die Wachstumsphase manchmal bewusst kurzhalten?
Eine kurze Wachstumsphase mit vielen kleinen, dicht stehenden Pflanzen kann den Ertrag pro Fläche erhöhen, weil sich mehr Pflanzen pro Quadratmeter unterbringen lassen. Sie spart außerdem Zeit und Energiekosten, verlangt dafür aber mehr Stecklinge oder Samen und mehr Aufwand bei der Bewässerung vieler kleiner Töpfe.
Verlängert Training wie Topping die Wachstumsphase?
Ja. Nach einem Schnitt braucht die Pflanze Zeit, bis die neuen Triebe kräftig weiterwachsen, bevor sich eine Umstellung auf Blüte lohnt. Wer mehrfach trainiert, sollte diese zusätzliche Erholungszeit von Anfang an in den Zeitplan einrechnen.
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Quellen
- The effects of plant density and duration of vegetative growth phase on agronomic traits of medicinal cannabis (Cannabis sativa L.): A regression analysis Schober, Präger, Hartung, Graeff-Hönninger – PLOS ONE 19, 2024Wachstumsphase von 1 bis 4 Wochen getestet: Pflanzenhöhe, Seitentriebslänge und Ertrag pro Pflanze stiegen linear; Flächenertrag reichte von ca. 295 bis 571 g/m².
- Phenological growth stages of hemp (Cannabis sativa L.): codification and description according to the BBCH scale Mishchenko, Mokher, Laiko, Burbulis, Kyrychenko, Dudukova – Žemės ūkio mokslai 24, 2017Einteilung des Hanf-Lebenszyklus in Hauptstadien; ordnet die Wachstumsphase zwischen Sämling und Blühbeginn ein.
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- A FLOWERING LOCUS T ortholog is associated with photoperiod-insensitive flowering in hemp (Cannabis sativa L.) Dowling, Shi, Toth, Quade, Smart, McCabe, Schilling, Melzer – The Plant Journal 119, 2024Beschreibt die genetische Grundlage der tagneutralen Blüte bei Autoflower-Sorten, die die Wachstumsphase zeitlich festlegt.
- Is Twelve Hours Really the Optimum Photoperiod for Promoting Flowering in Indoor-Grown Cultivars of Cannabis sativa? Ahrens, Llewellyn, Zheng – Plants 12, 2023Zehn Sorten leiteten die Blüte auch bei bis zu 14 Stunden Licht ein – relevant dafür, wann die Wachstumsphase bei photoperiodischen Sorten tatsächlich endet.
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