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Nährstoffbedarf in der Wachstumsphase: Wie viel Cannabis wirklich braucht

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

In der Wachstumsphase braucht Cannabis vor allem viel Stickstoff für Blattmasse und Chlorophyll, außerdem Kalium für den Wasserhaushalt, mäßig Phosphor für Wurzeln und Zellteilung sowie Magnesium für die Photosynthese. In Nährlösungsversuchen lagen die Optima bei etwa 160–200 mg Stickstoff, 30 mg Phosphor, 60–175 mg Kalium und 35–70 mg Magnesium pro Liter. Der Bedarf steigt mit zunehmender Blattmasse kontinuierlich an, und die passende Menge hängt stark vom Düngersystem ab.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Stickstoff-Optimum (Wachstum)
ca. 160–200 mg N/l NährlösungBernstein-Gruppe 160 mg/l; Response-Surface-Studie 160–200 mg/l
Phosphor-Optimum (Wachstum)
ca. 30 mg P/l Nährlösungfunktionierender Bereich bis ca. 90 mg/l
Kalium-Optimum (Wachstum)
ca. 60–175 mg K/l Nährlösung15 mg/l bereits unzureichend
Magnesium-Optimum (Wachstum)
ca. 35–70 mg Mg/l Nährlösungabhängig von gleichzeitiger Kalium- und Phosphorgabe
Anstieg zur Blüte
N, P, K im Spross 2,3- bis 4,9-fach höhergemessen am Ende der Blüte gegenüber Ende der Wachstumsphase
Organische Düngung (Coco)
Ertragsoptimum bei ca. 390 mg N/ldeutlich höher als bei mineralischer Nährlösung

Wofür Cannabis in der Wachstumsphase besonders viel Stickstoff und Kalium braucht

In der Wachstumsphase baut die Pflanze vor allem Blattmasse, Stängel und Wurzeln auf, um möglichst viel Blattfläche für die spätere Blüte bereitzustellen. Dafür braucht sie in erster Linie Stickstoff für Chlorophyll und Eiweiße sowie Kalium für Wasserhaushalt und Zellstreckung – beide werden in dieser Phase in relativ großer Menge aufgenommen. Phosphor ist für Zellteilung und Energiestoffwechsel wichtig, wird aber in deutlich kleinerer Menge gebraucht, und Magnesium hält als Zentralatom des Chlorophylls die Photosynthese am Laufen.

Wie eng diese Nährstoffe zusammenhängen, zeigt ein Versuch, in dem steigende Phosphor- und Kaliumgaben den Magnesiumgehalt in den Blättern senkten, während Stickstoff darauf keinen messbaren Einfluss hatte. Der Bedarf einzelner Nährstoffe lässt sich also nicht vollständig unabhängig voneinander betrachten; mehr dazu im Artikel zu den Wechselwirkungen zwischen Makronährstoffen.

Richtwerte für Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium

In kontrollierten Nährlösungsversuchen an medizinischem Cannabis lag das Optimum in der Wachstumsphase bei etwa 160 mg Stickstoff pro Liter; eine spätere Studie, die alle drei Hauptnährstoffe gleichzeitig variierte, empfahl 160 bis 200 mg N/l. Für Phosphor lag das Optimum bei rund 30 mg/l, mit einem funktionierenden Bereich bis etwa 90 mg/l. Kalium war zwischen 60 und 175 mg/l ausreichend, während bereits 15 mg/l zu Chlorose und gebremstem Wachstum führten. Magnesium lag im Bereich von 35 bis 70 mg/l – abhängig auch davon, wie viel Kalium und Phosphor gleichzeitig gegeben wurden, da beide die Magnesiumaufnahme bremsen können.

Diese Zahlen stammen aus erdelosen Nährlösungssystemen und sind Richtwerte, keine exakten Zielwerte für jede Sorte oder jedes Setup. Ausführliche Angaben zu Mangel, Überschuss und Diagnose der einzelnen Nährstoffe stehen in den jeweils verlinkten Artikeln.

Wie sich der Bedarf im Verlauf der Wachstumsphase verändert

Der Nährstoffbedarf ist zu Beginn der Wachstumsphase am geringsten und steigt mit zunehmender Blattmasse kontinuierlich an. Eine Untersuchung zur zeitlichen Entwicklung der Nährstoffaufnahme bei Cannabis zeigt, dass die Aufnahme einzelner Mineralien über die gesamte vegetative und generative Entwicklung mit der Biomasse zunimmt, die Einlagerungsrate sich aber je nach Nährstoff unterscheidet. Am Ende der Blütephase waren die Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumkonzentrationen im Spross im Schnitt 2,3-, 4,9- beziehungsweise 3,3-mal so hoch wie am Ende der Wachstumsphase. Der Bedarf verschiebt sich mit dem Übergang zur Blüte also noch einmal deutlich, wie der Artikel zum Nährstoffbedarf in der Blüte einordnet.

Für die Praxis heißt das: Junge, kleine Pflanzen brauchen eine deutlich schwächer konzentrierte Nährlösung als kräftige Pflanzen kurz vor dem Blühbeginn. Wer von Beginn an mit einer für ausgewachsene Pflanzen gedachten Konzentration gießt, überfordert die noch kleine Wurzelmasse, lange bevor die oberirdische Pflanze das zeigt. Einen Einstieg in die Dosierung ab dem Sämlingsstadium bietet der Artikel zur ersten Nährstoffversorgung.

Neben den vier Hauptnährstoffen braucht Cannabis in der Wachstumsphase auch Mikronährstoffe wie Eisen, Mangan und Zink, allerdings in weit kleineren Mengen. Ein vollständiger Dünger für Wachstum oder Blüte enthält diese normalerweise automatisch mit; isoliert nachdosiert werden müssen sie nur bei konkretem Verdacht auf Mangel oder bei sehr weichem, mineralarmem Gießwasser.

Warum die richtige Menge vom Düngersystem abhängt

Die genannten mg/l-Werte gelten für mineralische Nährlösungen in Hydrokultur oder Coco. In vorgedüngter Erde oder mit organischen Düngern lassen sie sich nicht direkt übertragen, weil Nährstoffe dort erst durch Mikroorganismen verfügbar gemacht werden müssen und Substrate unterschiedlich stark puffern. Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigt ein Versuch mit organischem Flüssigdünger in kokosfaserbasiertem Substrat: Dort lag der ertragsoptimale Stickstoffwert bei rund 390 mg N/l – mehr als doppelt so hoch wie das Optimum aus den Nährlösungsversuchen mit mineralischem Dünger.

Das bedeutet nicht, dass einer der beiden Werte falsch ist. Organische Dünger geben ihren Stickstoff langsamer frei, ein Teil des angegebenen Werts steht der Pflanze nie unmittelbar zur Verfügung, und die Substrate unterschieden sich zusätzlich in ihrer Wasserhaltekapazität. Herstellerangaben und das Blattbild sind deshalb in Erde und bei organischer Düngung oft aussagekräftiger als ein aus der Literatur übertragener mg/l-Wert.

Typische Fehler bei der Nährstoffversorgung im Wachstum

  • Blütedünger-Verhältnisse im Wachstum verwenden. Ein NPK-Verhältnis, das auf die Blüte ausgelegt ist, liefert oft zu wenig Stickstoff für kräftiges vegetatives Wachstum.

  • Mineralische Richtwerte unverändert auf Erde oder organische Systeme übertragen. Weil die Verfügbarkeit dort anders funktioniert, führt das leicht zu Unter- oder Überdosierung.

  • Von Anfang an mit voller Konzentration düngen. Der Bedarf steigt mit der Pflanzengröße; kleine Pflanzen mit wenig Blattmasse brauchen deutlich weniger als kurz vor der Blüte.

  • Nur einen Nährstoff isoliert erhöhen. Weil Phosphor und Kalium die Magnesiumaufnahme senken können, verschiebt eine einseitige Erhöhung oft das Gleichgewicht der anderen Nährstoffe.

  • Sichtbare Mangelsymptome ignorieren, weil „ja gedüngt wurde". Ob eine Menge tatsächlich bei der Wurzel ankommt, hängt auch von pH und Wurzelgesundheit ab, siehe Nährstoff-Lockout.

Häufige Fragen

Muss ich in Erde genauso dosieren wie in Hydro oder Coco?

Nein. Die mg/l-Werte aus Nährlösungsstudien gelten für mineralische Systeme ohne nennenswerten Puffer. Vorgedüngte Erde enthält bereits Nährstoffe, und organische Dünger werden erst durch Mikroorganismen umgesetzt. Orientiere dich dort an Herstellerangaben und am Blattbild statt an einem festen mg/l-Wert aus der Literatur.

Ab wann sollte ich in der Wachstumsphase anfangen zu düngen?

Das hängt vom Substrat ab. Vorgedüngte Anzuchterde liefert oft mehrere Wochen genug Nährstoffe von selbst, während erdelose Substrate wie Coco von Beginn an eine verdünnte Nährlösung brauchen. Ein zu früher, zu konzentrierter Start belastet dagegen die noch kleinen Wurzeln.

Wie erkenne ich, dass meine Pflanze zu wenig Nährstoffe bekommt?

Erste Anzeichen sind meist eine blassere Blattfarbe oder langsameres Wachstum als erwartet, oft beginnend an bestimmten Blattpositionen je nach Nährstoff. Weil sich Mangel, Überschuss und reine Aufnahmeprobleme ähnlich äußern können, lohnt sich vor dem Nachdüngen immer ein Blick auf pH und EC in Zulauf und Drain.

Sollte ich das NPK-Verhältnis meines Düngers zwischen Wachstum und Blüte wechseln?

In Studien war der Stickstoffbedarf in Wachstum und Blüte ähnlich hoch, während die Kalium- und besonders die Phosphoraufnahme zur Blüte hin deutlich zunahmen. Ein wachstumsbetonter Dünger mit vergleichsweise mehr Stickstoff und ein blütebetonter Dünger mit mehr Kalium bilden diesen Verlauf grob ab, exakte Verhältnisse unterscheiden sich aber je nach Hersteller und Sorte.

Wie hoch sollte der EC-Wert der Nährlösung im Wachstum sein?

Das hängt vom verwendeten Dünger, vom Substrat und vom Ausgangswasser ab, weshalb sich kein einzelner richtiger Wert nennen lässt. Wichtiger als eine feste Zahl ist, den EC-Trend zwischen Zulauf und Drain im Auge zu behalten und die Konzentration mit der Pflanzengröße mitwachsen zu lassen.

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Quellen

  1. Response of Medical Cannabis (Cannabis sativa L.) to Nitrogen Supply Under Long Photoperiod Saloner, Bernstein – Frontiers in Plant Science 11, 2020Stickstoffoptimum in der Wachstumsphase bei ca. 160 mg N/l Nährlösung.
  2. Response of medical cannabis (Cannabis sativa L.) genotypes to P supply under long photoperiod: Functional phenotyping and the ionome Shiponi, Bernstein – Industrial Crops and Products 161, 2021Phosphoroptimum in der Wachstumsphase bei ca. 30 mg P/l; P-Mangel hemmt die Magnesiumaufnahme.
  3. Response of Medical Cannabis (Cannabis sativa L.) Genotypes to K Supply Under Long Photoperiod Saloner, Sacks, Bernstein – Frontiers in Plant Science 10, 2019Kaliumoptimum in der Wachstumsphase bei 60–175 mg K/l; 15 mg/l unzureichend.
  4. Response of Medical Cannabis to Magnesium (Mg) Supply at the Vegetative Growth Phase Morad, Bernstein – Plants 12, 2023Magnesiumoptimum in der Wachstumsphase bei 35–70 mg Mg/l.
  5. Mineral nutrition for Cannabis sativa in the vegetative stage using response surface analysis Kpai, Adaramola, Addo, MacPherson, Lefsrud – Frontiers in Plant Science 15, 2024Kombinierte Empfehlung 160–200 mg N/l, 30 mg P/l, 60 mg K/l; steigendes P und K senkt Magnesium im Blatt.
  6. Dynamics of Mineral Uptake and Plant Function during Development of Drug-Type Medical Cannabis Plants Saloner, Bernstein – Agronomy 13, 2023N-, P- und K-Konzentrationen im Spross am Ende der Blüte 2,3- bis 4,9-fach höher als am Ende der Wachstumsphase.
  7. Optimal Rate of Organic Fertilizer during the Vegetative-stage for Cannabis Grown in Two Coir-based Substrates Caplan, Dixon, Zheng – HortScience 52, 2017Mit organischem Flüssigdünger in Kokossubstrat lag das Ertragsoptimum bei ca. 390 mg N/l.

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