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Nährstoffbedarf in der Blüte: Wie viel Cannabis wirklich braucht

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

In der Blüte braucht Cannabis weiterhin viel Stickstoff, vor allem aber steigt der Bedarf an Phosphor und Kalium gegenüber dem Wachstum deutlich, weil rund 80 % des aufgenommenen Phosphors und ein wachsender Kaliumanteil in die Blüten wandern. In Nährlösungsversuchen lagen die Optima bei etwa 160 mg Stickstoff, 30 mg Phosphor und 60–175 mg Kalium pro Liter. Gegen Ende der Blüte sinkt der Bedarf einzelner Nährstoffe wieder, ein Mangel in der ersten Blütehälfte kostet dagegen viel Ertrag.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Stickstoff-Optimum (Blüte)
ca. 160 mg N/l Nährlösungähnlich wie im Wachstum; Ertrag blieb über 160 mg/l konstant
Phosphor-Optimum (Blüte)
ca. 30–90 mg P/l Nährlösungrund 80 % des aufgenommenen Phosphors landen in den Blüten
Kalium-Optimum (Blüte)
ca. 60–175 mg K/l Nährlösung60 mg/l als Kompromiss für Ertrag und Wirkstoffgehalt empfohlen
Andere Studie (Hydro, andere Sorte)
N ca. 194 mg/l, P ca. 59 mg/l vorhergesagtResponse-Surface-Modell; Kalium ohne Wirkung im getesteten Bereich
Anstieg ggü. Wachstum
N, P, K im Spross 2,3- bis 4,9-fach höhergemessen am Ende der Blüte gegenüber Ende der Wachstumsphase

Wie sich der Nährstoffbedarf beim Übergang zur Blüte verändert

Mit dem Wechsel auf die Blüteinduzierende Lichtphase ändert sich der Bedarf der Pflanze grundlegend: Statt vor allem Blattmasse aufzubauen, investiert Cannabis nun in Blütenentwicklung und Samenanlagen. Eine Untersuchung zur zeitlichen Entwicklung der Nährstoffaufnahme zeigt, wie stark sich das auswirkt: Am Ende der Blüte waren die Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumkonzentrationen im Spross im Schnitt 2,3-, 4,9- beziehungsweise 3,3-mal so hoch wie am Ende der Wachstumsphase. Phosphor und Kalium legen damit prozentual deutlich stärker zu als Stickstoff.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Konzentration der Nährlösung in mg pro Liter in der Blüte höher sein muss als im Wachstum – in kontrollierten Versuchen lagen die Optima für Stickstoff und teils auch Kalium in beiden Phasen in ähnlicher Größenordnung. Die Pflanze nimmt aber über die längere Blütedauer und die wachsende Biomasse insgesamt mehr davon auf und verteilt es anders im Gewebe.

Richtwerte für Stickstoff, Phosphor und Kalium in der Blüte

In Nährlösungsversuchen der Bernstein-Gruppe lag das Optimum für Stickstoff in der Blüte bei etwa 160 mg N/l, für Phosphor bei rund 30 mg/l mit einem funktionierenden Bereich bis 90 mg/l, und für Kalium zwischen 60 und 175 mg/l. Eine unabhängige Studie mit einer anderen, THC-reichen Sorte in Tiefwasserkultur kam über ein Response-Surface-Modell auf abweichende Werte: ein vorhergesagtes Stickstoffoptimum von etwa 194 mg/l und ein Phosphoroptimum von etwa 59 mg/l, während Kalium im getesteten Bereich von 60 bis 340 mg/l keinen messbaren Einfluss auf den Ertrag hatte.

Diese Unterschiede zeigen, dass sich ein einzelner „richtiger" Wert nicht pauschal auf jede Sorte und jedes Anbausystem übertragen lässt. Die genannten Bereiche sind Orientierungswerte aus erdelosen Nährlösungssystemen; in vorgedüngter Erde lässt sich die Versorgung nicht in mg/l ausdrücken, dort zählen Wachstum, Blattfarbe und Herstellerangaben mehr als eine übertragene Zahl.

Warum Phosphor und Kalium in der Blüte besonders wichtig sind

Phosphor ist deshalb besonders blüterelevant, weil die Blüten selbst zur Hauptsenke werden: Über alle geprüften Phosphorstufen hinweg landeten rund 80 % des von der Pflanze aufgenommenen Phosphors am Ende in den unbestäubten Blüten. Ein Mangel in der zweiten Blütehälfte trifft den Ertrag deshalb überproportional stark, weil genau dann der größte Teil davon gebraucht wird.

Kalium wiederum steuert Wasserhaushalt und Zuckertransport, die für das Anschwellen der Blüten wichtig sind. In Versuchen stieg der Blütenertrag mit steigender Kaliumgabe bis in den mittleren bis oberen geprüften Bereich, während die Konzentrationen der meisten Cannabinoide und Terpene mit steigender Kaliumgabe eher sanken. Als Kompromiss zwischen hoher Funktion, gutem Ertrag und Wirkstoffgehalt wurden rund 60 mg K/l empfohlen; mehr Kalium erhöht danach vor allem die Blütenmenge, nicht deren Konzentration an Cannabinoiden.

Gegen Ende der Blüte: Der Bedarf sinkt, statt weiter zu steigen

Nicht jeder Nährstoffbedarf wächst bis zur Ernte gleichmäßig weiter. Bei Calcium etwa war die Aufnahme in der zweiten Hälfte der Blütephase bei zwei untersuchten Sorten deutlich geringer als zuvor – ein Hinweis, dass der Calciumbedarf zum Ende der Reifung hin sinkt, während Phosphor und Kalium weiter gebraucht werden. Einzelne Nährstoffmängel wirkten sich in einem separaten Versuch unterschiedlich stark aus: Sie senkten den Blütenertrag je nach Element um 33 bis 72 %, mit Ausnahme von Eisen- und Manganmangel, die den Ertrag in diesem Versuch kaum beeinflussten.

Diese abnehmende Nachfrage bei manchen Nährstoffen ist auch der pflanzenphysiologische Hintergrund dafür, dass viele Growerinnen und Grower die Düngerkonzentration in den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte reduzieren. Wichtig ist die Unterscheidung zu reinem Spülen mit klarem Wasser: Das soll vor allem Salzrückstände im Substrat senken, hat aber laut Studienlage keinen belegten Effekt auf Geschmack oder Brennverhalten der getrockneten Blüten.

Typische Fehler bei der Blütedüngung

  • Die Nährstoffkonzentration in der Blüte pauschal deutlich höher ansetzen als im Wachstum. In Studien lagen die mg/l-Optima für Stickstoff und Kalium in beiden Phasen in ähnlicher Größenordnung; der Gesamtbedarf steigt vor allem durch mehr Biomasse und Blütedauer, nicht durch eine drastisch höhere Konzentration.

  • Sehr viel Kalium als „Blütebooster" geben. Hohe Kaliumgaben steigern in Versuchen eher die Blütenmenge als die Wirkstoffkonzentration und können zusätzlich Magnesium- oder Calciummangel auslösen.

  • Einen einzelnen Studienwert als feste Norm behandeln. Weil sich Optima zwischen Sorten und Anbausystemen unterscheiden, dienen mg/l-Angaben aus der Literatur als Orientierung, nicht als exakte Zielmarke für jeden Grow.

  • Spülen vor der Ernte mit einer nötigen Nährstoffreduktion verwechseln. Eine geringere Düngerkonzentration in der letzten Phase ist sinnvoll, weil der Bedarf mancher Nährstoffe sinkt – ein zusätzliches, tagelanges Spülen mit reinem Wasser verändert Geschmack oder Brennverhalten aber laut Studien nicht nachweisbar.

  • Mangel in der frühen Blüte unterschätzen. Weil Phosphor und Kalium erst später ihren Höhepunkt erreichen, wird ein früher Mangel oft zu spät bemerkt, obwohl er den späteren Ertrag bereits begrenzt.

Häufige Fragen

Braucht Cannabis in der Blüte deutlich mehr Phosphor als im Wachstum?

Das Optimum in mg pro Liter Nährlösung ist in Studien ähnlich, doch die Pflanze nimmt in der Blüte insgesamt mehr Phosphor auf und lagert rund 80 % davon in den Blüten ein. Ein Mangel wirkt sich deshalb in der zweiten Blütehälfte besonders stark auf den Ertrag aus, auch wenn der mg/l-Zielwert nicht steigt.

Macht mehr Kalium in der Blüte automatisch dickere Buds?

Nicht unbegrenzt. In Versuchen stieg der Ertrag bis in den mittleren bis oberen geprüften Kaliumbereich, während die Cannabinoid- und Terpenkonzentrationen mit steigender Kaliumgabe eher sanken. Sehr hohe Kaliumgaben erhöhen also eher die Blütenmenge als die Wirkstoffkonzentration.

Wann sollte ich die Düngung vor der Ernte reduzieren?

Viele Growerinnen und Grower senken die Nährstoffkonzentration in den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte, um Salzrückstände im Substrat zu verringern. Auf Geschmack oder Brennverhalten hat reines Spülen mit klarem Wasser in Studien dagegen keinen belegten Effekt; mehr dazu im Artikel zum Spülen vor der Ernte.

Warum nennen verschiedene Studien unterschiedliche optimale Werte für die Blüte?

Die Versuche unterscheiden sich in Sorte, Anbausystem und Methodik. Eine Studie mit einer THC-reichen Sorte in Tiefwasserkultur sagte ein Stickstoffoptimum von etwa 194 mg/l voraus, während Versuche einer anderen Arbeitsgruppe rund 160 mg/l fanden. Beide Werte sind plausibel für ihr jeweiliges System, aber keine feste Norm für jeden Grow.

Wie merke ich, dass meine Blühdüngung nicht ausreicht?

Typisch sind gebremstes Blütenwachstum, vorzeitig vergilbende untere Blätter oder ein deutlich geringerer Ertrag als erwartet. Weil sich echter Mangel, Überdüngung und Aufnahmeprobleme im Blattbild ähneln können, hilft eine Messung von pH und EC in Nährlösung und Drain mehr als das reine Aussehen der Blätter.

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Quellen

  1. Nitrogen supply affects cannabinoid and terpenoid profile in medical cannabis (Cannabis sativa L.) Saloner, Bernstein – Industrial Crops and Products 167, 2021Stickstoffoptimum in der Blüte bei ca. 160 mg N/l; Ertrag blieb darüber konstant, Cannabinoidgehalte sanken.
  2. The Highs and Lows of P Supply in Medical Cannabis: Effects on Cannabinoids, the Ionome, and Morpho-Physiology Shiponi, Bernstein – Frontiers in Plant Science 12, 2021Phosphoroptimum in der Blüte bei ca. 30 mg P/l; rund 80 % des aufgenommenen Phosphors sammeln sich in den Blüten.
  3. Effect of Potassium (K) Supply on Cannabinoids, Terpenoids and Plant Function in Medical Cannabis Saloner, Bernstein – Agronomy 12, 2022Kaliumoptimum in der Blüte bei 60–175 mg K/l; 60 mg/l als Kompromiss zwischen Ertrag und Wirkstoffgehalt empfohlen.
  4. Optimisation of Nitrogen, Phosphorus, and Potassium for Soilless Production of Cannabis sativa in the Flowering Stage Using Response Surface Analysis Bevan, Jones, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Response-Surface-Modell: Ertragsoptimum bei vorhergesagt 194 mg N/l und 59 mg P/l; kein Effekt von Kalium im getesteten Bereich.
  5. Dynamics of Mineral Uptake and Plant Function during Development of Drug-Type Medical Cannabis Plants Saloner, Bernstein – Agronomy 13, 2023N-, P- und K-Konzentrationen im Spross am Blüteende 2,3- bis 4,9-fach höher als am Ende der Wachstumsphase; Calciumaufnahme sinkt in der zweiten Blütehälfte.
  6. Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies Llewellyn, Golem, Jones, Zheng – Plants 12, 2023Einzelne Nährstoffmängel in der Blüte senkten den Blütenertrag je nach Element um 33–72 %, außer bei Eisen und Mangan.

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