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Phosphor bei Cannabis: Mangel, Überschuss und der richtige Bedarf

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Phosphor (P) ist Bestandteil von ATP, Erbsubstanz und Zellmembranen und deshalb für Energiestoffwechsel und Zellteilung unverzichtbar. Mangel zeigt sich zuerst als kleine, dunkle Flecken auf unteren, älteren Blättern, die zu Nekrosen zusammenwachsen; lila Blattstiele sind bei Cannabis dagegen kein verlässliches Anzeichen. In Versuchen an medizinischem Cannabis lag das Optimum bei etwa 30 mg P pro Liter Nährlösung, sowohl in der Wachstums- als auch in der Blütephase. Rund 80 % des aufgenommenen Phosphors landet am Ende in den Blüten.

Inhalt(6 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Optimum in Versuchen
ca. 30 mg P/l Nährlösunggeprüfter Bereich 5–90 mg/l; Wachstum und Blüte ähnlich
Mangel zeigt sich zuerst
an unteren, älteren Blätternkleine dunkle Flecken, später Nekrosen
Hauptspeicher in der Pflanze
unbestäubte Blütenrund 80 % des aufgenommenen Phosphors
Überschuss
sammelt sich in den WurzelnVerlagerung in den Spross gehemmt, Cannabinoidgehalt sinkt
Verbreiteter Irrtum
lila Blattstiele = Phosphormangelbei Cannabis nicht belegt

Wofür Cannabis Phosphor braucht

Phosphor (P) ist Baustein von ATP, dem Energieträger jeder Zelle, sowie von Erbsubstanz und Zellmembranen. Ohne ausreichend Phosphor stocken Energiestoffwechsel und Zellteilung gleichermaßen, was sich zuerst im Wurzelwachstum und im Aufbau neuer Blätter zeigt. Die Wurzeln nehmen Phosphor vor allem als Phosphat (H₂PO₄⁻) auf – in vielen Böden und Substraten der am schlechtesten verfügbare Makronährstoff, weil er leicht an Bodenpartikel bindet und stark vom pH-Wert abhängt.

In der Pflanze ist Phosphor beweglich: Bei Mangel verlagert Cannabis ihn aus älteren in jüngere Gewebe, weshalb er zu den mobilen Nährstoffen zählt. Eine Untersuchung an medizinischem Cannabis zeigt zudem, wie eng Phosphor mit anderen Nährstoffen verknüpft ist: Bei Phosphormangel war die Aufnahme von Magnesium gehemmt, bei reichlichem Phosphorangebot stieg zwar die Calciumaufnahme in die Wurzel, ihre Verlagerung in den Spross wurde aber gebremst.

Phosphormangel erkennen

Cannabis zeigt Phosphormangel zunächst als kleine, dunkle Flecken auf den unteren, älteren Fächerblättern. In einem Hydroponik-Versuch an blühenden Pflanzen traten diese Flecken ab der dritten Blütewoche auf, wuchsen zu unregelmäßigen nekrotischen Bereichen zusammen, und die Spitzen der Blattzacken starben ab. Bei starkem Mangel krümmten sich die Blätter seitlich und in der Länge nach oben, bis die betroffenen Fächerblätter ganz abstarben.

Bemerkenswert: Die violette Verfärbung von Blattstielen, die bei vielen anderen Kulturpflanzen als klassisches Phosphormangel-Zeichen gilt, blieb in dieser Studie weitgehend aus. Zwei unabhängige Untersuchungen an medizinischem Cannabis kamen zum selben Ergebnis. Lila Stiele sind also kein verlässlicher Hinweis auf Phosphormangel bei Cannabis – anders, als es aus anderen Kulturen oder aus Foren oft übertragen wird.

Uneinheitlich ist die Wirkung auf die Wurzeln. In einem Versuch zur Wachstumsphase bremste Phosphormangel die Wurzelentwicklung, während phosphormangelnde Pflanzen in einem separaten Blüteversuch die höchste Wurzeltrockenmasse aller Gruppen bildeten. Beide Ergebnisse stammen aus kontrollierten Studien, widersprechen sich aber in der Tendenz – ein Hinweis, dass sich die Reaktion je nach Entwicklungsstadium und Sorte unterscheiden kann und pauschale Aussagen zu Wurzeln bei Phosphormangel mit Vorsicht zu behandeln sind.

Zur Einordnung hilft der Vergleich mit anderen Mängeln, die ebenfalls an unteren Blättern beginnen:

Merkmal

Phosphormangel

Stickstoffmangel

Kaliummangel

Erstes Anzeichen

kleine dunkle Flecken

flächige Aufhellung

Ränder und Zacken hell bis braun

Verlauf

Flecken wachsen zu Nekrosen zusammen

Vergilbung breitet sich flächig aus

Verbräunung wandert vom Rand nach innen

Blattform

teils seitlich und nach oben gekrümmt

meist unverändert

teils gekrümmt, je nach Sorte

Verwechslungsgefahr

pH-bedingte Verfügbarkeit, Überwässerung

natürliche Blattalterung

Calcium- oder Magnesiummangel

Wie viel Phosphor in Wachstum und Blüte

In kontrollierten Versuchen der Bernstein-Gruppe an medizinischem Cannabis lag das Optimum sowohl in der Wachstums- als auch in der Blütephase bei etwa 30 mg P pro Liter Nährlösung, bei einem geprüften Bereich von 5 bis 90 mg/l. Konzentrationen von 15 mg/l oder weniger reichten nicht für ungebremstes Wachstum: Photosynthese, Transpiration und Blattleitfähigkeit blieben zurück. Bereits 30 mg/l lieferten in der Blüte rund 80 % des mit höheren Gaben erreichbaren Ertrags.

Wichtig für die spätere Verwertung: Über alle Phosphorstufen hinweg sammelten sich rund 80 % des von der Pflanze aufgenommenen Phosphors am Ende in den unbestäubten Blüten. Die Blüte ist also die Hauptsenke für diesen Nährstoff, was erklärt, warum ein Mangel in der zweiten Blütehälfte den Ertrag besonders empfindlich trifft.

Zu viel Phosphor ist ebenfalls keine gute Idee. Bei hohem Angebot blieb der größte Teil in den Wurzeln hängen, die Verlagerung in den Spross ging zurück – die Pflanze konnte den Überschuss also gar nicht sinnvoll nutzen. Gleichzeitig sank mit steigender Phosphorgabe die Konzentration von THCA und CBDA in den Blüten um bis zu 25 %, während der Gesamtertrag an Cannabinoiden pro Pflanze durch die höhere Blütenmasse trotzdem zunahm. Wer auf Ertrag zielt, fährt mit 30 bis 90 mg/l gut; wer die Cannabinoidkonzentration betont, sollte eher im unteren Teil dieses Bereichs bleiben.

Diese Werte gelten für Nährlösungen in erdelosen Substraten. In vorgedüngter Erde lässt sich die Versorgung nicht in Milligramm pro Liter ausdrücken; hier zeigen Wachstum, Blattfarbe und Wurzelentwicklung, ob genug Phosphor verfügbar ist. Einen Einstieg bietet der Artikel zur ersten Nährstoffversorgung.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Lila Blattstiele als Phosphormangel deuten. Bei Cannabis ist diese Verfärbung meist genetisch bedingt oder eine Reaktion auf kühle Temperaturen, nicht auf Phosphormangel. Verlässlicher sind die charakteristischen dunklen Flecken auf den unteren Blättern.

  • Phosphormangel mit pH-Problemen verwechseln. Weil Phosphat bei ungünstigem pH schlecht verfügbar ist, kann ein „Mangel“ trotz ausreichender Düngung entstehen. Vor dem Nachdüngen lohnt sich deshalb immer eine pH-Messung in Nährlösung und Drain.

  • Nach jedem Mangel sofort stark überdüngen. Weil überschüssiger Phosphor in den Wurzeln steckenbleibt und dort die Aufnahme anderer Nährstoffe stören kann, sind kleine, wiederholte Korrekturen sinnvoller als eine einzelne große Gabe.

  • Phosphor isoliert betrachten. Die Aufnahme von Magnesium und Calcium hängt eng mit der Phosphorversorgung zusammen. Bleiben nach einer Phosphorkorrektur andere Mangelsymptome bestehen, lohnt der Blick auf Magnesium und Calcium.

  • Die Blütephase phosphorarm fahren, um Kosten zu sparen. Da rund vier Fünftel des aufgenommenen Phosphors in den Blüten landen, kostet ein Mangel in dieser Phase überproportional viel Ertrag.

Häufige Fragen

Bedeuten lila Blattstiele bei Cannabis Phosphormangel?

Nein, zumindest nicht zuverlässig. In kontrollierten Versuchen an medizinischem Cannabis blieb die für andere Pflanzen typische Violettfärbung bei Phosphormangel weitgehend aus. Lila Stiele sind bei Cannabis meist genetisch bedingt oder eine Reaktion auf kühle Temperaturen. Aussagekräftiger sind die charakteristischen dunklen Flecken auf den unteren, älteren Blättern.

Wie viel Phosphor braucht Cannabis in der Blüte?

In Versuchen lag das Optimum bei etwa 30 mg P pro Liter Nährlösung, mit einem funktionierenden Bereich von 30 bis 90 mg/l. Schon 30 mg/l lieferten rund 80 % des mit höheren Gaben erreichbaren Ertrags. Da der Großteil des aufgenommenen Phosphors in den Blüten landet, wirkt sich ein Mangel in der zweiten Blütehälfte besonders stark auf den Ertrag aus.

Kann zu viel Phosphor der Pflanze schaden?

Ja. Bei hohem Angebot blieb der größte Teil des Phosphors in den Wurzeln hängen, die Verlagerung in den Spross ging zurück, und die Pflanze konnte den Überschuss kaum nutzen. Gleichzeitig sanken die Cannabinoidkonzentrationen in den Blüten mit steigender Phosphorgabe um bis zu 25 %, auch wenn der Gesamtertrag durch mehr Blütenmasse stieg.

Warum hängt die Phosphorverfügbarkeit so stark vom pH-Wert ab?

Phosphat bindet je nach pH-Wert unterschiedlich stark an Substratbestandteile und wird dadurch für die Wurzeln schwerer oder leichter erreichbar. Liegt der pH außerhalb des empfohlenen Bereichs, kann ein Mangel entstehen, obwohl genug Phosphor im Substrat oder in der Nährlösung vorhanden ist. Vor dem Nachdüngen lohnt sich deshalb immer eine pH-Messung.

Wächst ein phosphormangelnder Sämling nach dem Düngen wieder normal?

Bereits geschädigte, nekrotische Blattbereiche erholen sich nicht mehr, der Neuaustrieb kann aber wieder gesund wachsen, sobald genug Phosphor verfügbar ist. Weil Phosphor ein mobiler Nährstoff ist, verlagert die Pflanze ihn ohnehin bevorzugt in junge, wachsende Gewebe. Miss deshalb den Erfolg der Korrektur an den neuen Blättern, nicht an den bereits betroffenen.

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Quellen

  1. Response of medical cannabis (Cannabis sativa L.) genotypes to P supply under long photoperiod: Functional phenotyping and the ionome Shiponi, Bernstein – Industrial Crops and Products 161, 2021Wachstumsphase: Optimum bei 30 mg P/l; P-Mangel hemmt Magnesiumaufnahme, hohes P-Angebot hemmt die Calcium-Verlagerung in den Spross.
  2. The Highs and Lows of P Supply in Medical Cannabis: Effects on Cannabinoids, the Ionome, and Morpho-Physiology Shiponi, Bernstein – Frontiers in Plant Science 12, 2021Blütephase: Optimum bei 30 mg P/l, rund 80 % des Phosphors sammeln sich in den Blüten; höhere P-Gaben senkten THCA/CBDA um bis zu 25 %.
  3. Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies Llewellyn, Golem, Jones, Zheng – Plants 12, 2023Beschreibt den Verlauf des Phosphormangels in der Blüte: dunkle Flecken auf unteren Blättern, kaum Violettfärbung, erhöhte Wurzelmasse.
  4. Phosphorus acquisition and use: critical adaptations by plants for securing a nonrenewable resource Vance, Uhde-Stone, Allan – New Phytologist 157, 2003Übersichtsarbeit zur Rolle von Phosphor im pflanzlichen Energiestoffwechsel und zu Anpassungsstrategien an Phosphormangel.

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