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Abluftleistung: Wie viel m³/h braucht deine Growbox?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Abluftleistung ist der Luftvolumenstrom, den der Abluftlüfter aus der Growbox saugt, angegeben in m³/h. Als Faustregel aus der Gewächshauslüftung sollte das Luftvolumen etwa einmal pro Minute ausgetauscht werden: Eine Box mit 120 × 120 × 200 cm (2,9 m³) braucht dann rund 175 m³/h. Weil Aktivkohlefilter und Rohre bremsen, schaffen Lüfter oft nur 60–70 % ihrer Nennleistung – plane deshalb Reserve ein und prüfe für den Sommer zusätzlich die Wärmelast der Lampe.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Luftwechselrate
Volumenstrom ÷ Raumvolumen (pro Stunde)60 Luftwechsel pro Stunde entsprechen einem pro Minute
Faustregel
ca. 1 Luftwechsel pro MinuteEmpfehlung aus der Gewächshauslüftung für warme Perioden
Leistungsverlust durch Widerstand
oft nur 60–70 % der Nennleistungbei Lüftern, deren Nennwert nicht gegen Druck angegeben ist
Wärmeabfuhr
0,34 Wh je m³ Luft und KelvinVolumenstrom = Wärmelast ÷ (0,34 × zulässige Erwärmung)
Drehzahl und Strom
20 % weniger Drehzahl ≈ halbe Leistungsaufnahmenach den Ventilatorgesetzen; der Luftstrom sinkt dabei nur um 20 %

Wozu die Abluft da ist

Die Abluft hat in der Growbox drei Aufgaben. Sie führt Wärme von Leuchte und Geräten ab, sie entfernt den Wasserdampf, den die Pflanzen über ihre Blätter abgeben, und sie bringt frische Luft nach. Außerdem erzeugt sie einen leichten Unterdruck: Weil mehr Luft abgesaugt wird, als von selbst hineinströmt, zieht Luft durch Ritzen nach innen und verlässt die Box nur über den Aktivkohlefilter.

Die Abluftleistung ist der Volumenstrom, den der Lüfter dabei tatsächlich bewegt, in Kubikmetern pro Stunde (m³/h). Entscheidend ist der Wert im eingebauten Zustand, nicht der Nennwert auf der Verpackung. Wie der Unterdruck entsteht und wie groß die Zuluftöffnungen sein sollten, erklärt der Artikel Unterdruck.

Luftwechselrate: die Faustregel

Die Luftwechselrate gibt an, wie oft das Luftvolumen pro Stunde ausgetauscht wird: Volumenstrom geteilt durch Raumvolumen. Eine Beratungsschrift der University of Georgia empfiehlt für Gewächshäuser in warmen Perioden einen vollständigen Luftwechsel pro Minute, also 60 pro Stunde. Diese Faustregel hat sich auch für Growboxen als Ausgangswert eingebürgert.

Lüfter schaffen den Nennwert im eingebauten Zustand selten. Laut derselben Schrift fördern Lüfter, deren Leistung nicht gegen einen Gegendruck angegeben ist, eingebaut oft nur 60 bis 70 % ihrer Nennleistung – und ein Aktivkohlefilter bremst zusätzlich. Als Reserve rechnen viele deshalb mit dem 1,5- bis 2-Fachen.

Boxmaße (B × T × H)

Volumen

1 Luftwechsel pro Minute

Nennleistung mit Reserve

60 × 60 × 160 cm

0,58 m³

ca. 35 m³/h

ca. 50–70 m³/h

80 × 80 × 180 cm

1,15 m³

ca. 70 m³/h

ca. 100–140 m³/h

100 × 100 × 200 cm

2,0 m³

ca. 120 m³/h

ca. 180–240 m³/h

120 × 120 × 200 cm

2,9 m³

ca. 175 m³/h

ca. 260–350 m³/h

150 × 150 × 200 cm

4,5 m³

ca. 270 m³/h

ca. 400–540 m³/h

Genauer als jede Reserve-Faustregel ist die Kennlinie des Lüfters, falls der Hersteller sie angibt. Sie zeigt, wie viel Luft er bei welchem Gegendruck fördert.

Wärmelast: der Check für den Sommer

Fast die gesamte Leistung, die Leuchte, Treiber und Lüfter aufnehmen, landet am Ende als Wärme in der Box. LEDs geben ihre Wärme überwiegend per Konvektion an die umgebende Luft ab, also genau dorthin, wo die Abluft sie abholen muss. Wie viel Luft dafür nötig ist, folgt aus der Wärmekapazität der Luft von rund 0,34 Wh pro Kubikmeter und Kelvin:

Volumenstrom (m³/h) = Wärmelast (W) ÷ (0,34 × zulässige Erwärmung in K)

  • LED mit 150 W, Box darf 5 °C wärmer werden als der Raum: 150 ÷ (0,34 × 5) ≈ 90 m³/h

  • LED mit 300 W bei 5 °C: ≈ 175 m³/h

  • LED mit 300 W bei nur 3 °C, etwa im Hochsommer: ≈ 295 m³/h

Die Rechnung zeigt zweierlei. Im Winter reicht oft die Faustregel, im Sommer kann die Wärme mehr Luft verlangen als ein Luftwechsel pro Minute. Und: Die Abluft kann die Box nie unter die Temperatur der nachströmenden Luft kühlen. Ist der Raum zu warm, helfen nur kühlere Zuluft, eine gedimmte Leuchte oder eine Lichtphase in den kühleren Nachtstunden – ein Wechsel, der den Pflanzen nichts ausmacht, solange der Rhythmus stimmt, siehe Photoperiode. Da ein Teil der Wärme auch über die Zeltwände abfließt, liegt die Rechnung eher auf der sicheren Seite. Wie viel Wärme eine Leuchte erzeugt, erklärt LED-Leistung.

Für die Luftfeuchtigkeit gilt ein ähnliches Prinzip: Die Abluft entfernt Feuchte nur, wenn die nachströmende Luft trockener ist. Mehr dazu unter relative Luftfeuchtigkeit.

Widerstand, Regelung und Lautstärke

Jedes Bauteil im Luftweg kostet Leistung: Filter, Rohrlänge, Bögen, Reduzierungen. Der tatsächliche Luftstrom stellt sich dort ein, wo die Kennlinie des Lüfters auf den Widerstand der Anlage trifft. Weil der Druckverlust mit dem Quadrat der Luftgeschwindigkeit wächst, bremsen enge Rohre und Reduzierstücke überproportional. Ein Bogen direkt am Lüfterauslass kann den Luftstrom um bis zu 30 % senken.

  • Rohre kurz und möglichst gerade führen, Bögen mit Abstand zum Lüfter setzen.

  • Den Rohrdurchmesser nicht unter den Anschluss des Lüfters reduzieren.

  • Filter und Lüfter auf denselben Volumenstrom auslegen.

Die effizienteste Regelung ist die Drehzahl. Nach den Ventilatorgesetzen sinkt der Luftstrom proportional zur Drehzahl, die Leistungsaufnahme aber mit der dritten Potenz: 20 % weniger Drehzahl halbieren den Stromverbrauch ungefähr. Unnötig hohe Drehzahlen erzeugen zudem vermeidbaren Lärm. Ein ausreichend großer Lüfter mit Drehzahlregler oder Klimasteuerung ist deshalb meist leiser und sparsamer als ein kleiner, der ständig auf voller Stufe läuft. Weitere Themen rund um Luftführung sammelt die Kategorie Abluft & Geruch.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Mit dem Nennwert rechnen. Mit Filter und Rohr liefert der Lüfter oft deutlich weniger als auf der Verpackung steht.

  • Nur nach Volumen dimensionieren. Im Sommer entscheidet häufig die Wärmelast der Lampe.

  • Zu starke Reserve ohne Regler. Ein überdimensionierter Lüfter auf voller Drehzahl ist laut, verbraucht viel Strom und kann Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu stark senken.

  • Enge Rohre und Bögen direkt am Lüfter. Sie kosten mehr Luftstrom, als man erwartet.

  • Abluft nachts abschalten. Dann steigen Luftfeuchtigkeit und Geruchsrisiko.

  • Stärkere Abluft gegen einen zu warmen Raum. Unter die Raumtemperatur kühlt keine Abluft.

Häufige Fragen

Wie viel m³/h brauche ich für eine Box mit 80 × 80 × 180 cm?

Die Box hat rund 1,15 m³ Volumen, ein Luftwechsel pro Minute entspricht etwa 70 m³/h. Mit Reserve für Filter und Rohr liegst du bei einem Lüfter mit etwa 100–140 m³/h Nennleistung. Prüfe zusätzlich die Wärme: Eine LED mit 150 W braucht bei 5 °C erlaubter Erwärmung schon rund 90 m³/h tatsächlichen Luftstrom.

Soll die Abluft in der Dunkelphase weiterlaufen?

Ja, meist auf niedrigerer Stufe. Ohne Lampe kühlt die Luft ab, die relative Luftfeuchtigkeit steigt, und die Pflanzen geben weiter Wasser ab. Außerdem hält die laufende Abluft den Unterdruck, sodass Geruch nur über den Filter entweicht.

Warum wird die Box trotz starker Abluft zu warm?

Weil die Abluft die Box nicht unter die Temperatur der nachströmenden Luft kühlen kann. Ist der Raum 28 °C warm, liegt die Box immer darüber. Dann helfen kühlere Zuluft aus einem anderen Raum, eine gedimmte Leuchte oder eine Lichtphase in den kühleren Nachtstunden.

Brauche ich zusätzlich einen Zuluftlüfter?

In kleinen Boxen reichen meist passive Öffnungen, wenn sie groß genug sind. Ein Zuluftlüfter muss schwächer laufen als die Abluft, sonst entsteht Überdruck und ungefilterte Luft drückt durch die Ritzen nach außen. Ein Zeichen für leichten Unterdruck sind leicht nach innen gewölbte Zeltwände.

Ist ein stärkerer Lüfter lauter?

Nicht unbedingt. Laut wird vor allem ein Lüfter, der mit hoher Drehzahl gegen viel Widerstand arbeitet. Ein etwas größerer, drehzahlgeregelter Lüfter, der gedrosselt läuft, ist meist leiser und braucht weniger Strom als ein kleiner auf voller Stufe.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Greenhouses: Heating, Ventilation, and Cooling Ferrarezi, Worley – University of Georgia Cooperative Extension, Bulletin 792, 2025In warmen Perioden ein vollständiger Luftwechsel alle 60 Sekunden; Lüfter ohne Nennwert gegen Druck fördern eingebaut oft nur 60–70 % der Nennleistung.
  2. Formelsammlung Qualifikationsprüfung Energieberatung Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), 2025Wärmetransport durch Lüftung mit der volumenbezogenen Wärmekapazität der Luft von 0,34 Wh/(m³·K); Luftwechsel als Volumenstrom geteilt durch Raumvolumen.
  3. Improving Fan System Performance: A Sourcebook for Industry U.S. Department of Energy, Air Movement and Control Association International, 2003Ventilatorgesetze, Anlagenkennlinie aus Rohren, Filtern und Bögen; ein Bogen direkt am Lüfterauslass kann den Luftstrom um bis zu 30 % senken.
  4. Analysis of Environmental Effects on Leaf Temperature under Sunlight, High Pressure Sodium and Light Emitting Diodes Nelson, Bugbee – PLOS ONE 10, 2015Leuchten gleicher Effizienz erzeugen pro Photon gleich viel Wärme; LEDs geben sie überwiegend per Konvektion an die Luft ab.

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