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Relative Luftfeuchtigkeit: Was sie aussagt und welche Werte deine Pflanzen brauchen

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die relative Luftfeuchtigkeit (rF) gibt an, zu wie viel Prozent die Luft bei ihrer aktuellen Temperatur mit Wasserdampf gesättigt ist. Weil warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann, sinkt die rF, wenn es wärmer wird, und steigt nachts, wenn die Luft abkühlt. Als Richtwerte gelten für Sämlinge etwa 60–70 %, im Wachstum 55–70 % und in der Blüte 40–55 %. Zu feuchte Luft begünstigt Grauschimmel; zu trockene erhöht die Verdunstung, bis die Pflanze ihre Spaltöffnungen schließt und weniger Photosynthese betreibt.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Sämlinge
ca. 60–70 % rFLiteraturangaben reichen bis etwa 75 %
Wachstumsphase
ca. 55–70 % rF
Blüte
ca. 40–55 % rFgegen Ende eher 40–50 %; die Literatur nennt für die Blüte 40–60 %
Grauschimmel-Risiko
besonders über ca. 70 % rFbei gemäßigten Temperaturen von 17–24 °C
Temperatureffekt
1 °C wärmer ≈ 3 Prozentpunkte weniger rFbei etwa 50 % rF und 20 °C
Wohnraum außerhalb der Box
ca. 40–60 % rFEmpfehlung des Umweltbundesamts gegen Schimmel

Was die relative Luftfeuchtigkeit aussagt

Die relative Luftfeuchtigkeit (rF) beschreibt, wie stark die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Bei 100 % kann sie bei ihrer aktuellen Temperatur kein weiteres Wasser aufnehmen, es bildet sich Tau oder Nebel. Wie viel Wasserdampf das ist, hängt von der Temperatur ab: Je wärmer die Luft, desto mehr kann sie halten.

Deshalb ist die rF ohne Temperatur nur die halbe Information. Wird Luft bei gleicher Wassermenge wärmer, sinkt die rF – bei etwa 50 % rF um rund 3 Prozentpunkte pro Grad Celsius. Kühlt sie ab, steigt die rF. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der so viel Abkühlung erreicht ist, dass Wasser kondensiert.

Ein Rechenbeispiel mit der gängigen Magnus-Formel: Luft mit 25 °C und 60 % rF hat einen Taupunkt von knapp 17 °C. Kühlt sie nachts auf 20 °C ab, ohne dass Feuchte abgeführt wird, steigt die rF auf rund 81 %. Kalte Wände, Zeltplanen oder Rohre können dann nass werden – mehr dazu im Artikel Kondensation.

Warum die Luftfeuchtigkeit für Pflanzen zählt

Pflanzen verdunsten über ihre Blätter ständig Wasser; das nennt man Transpiration. Antrieb ist der Unterschied zwischen dem feuchten Blattinneren und der umgebenden Luft, beschrieben als Dampfdruckdefizit (VPD). Wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit darin zusammenwirken, erklärt VPD verstehen.

Zu trockene Luft erhöht die Verdunstung. Nach einer Übersichtsarbeit schließen die meisten Pflanzen bei hohem Dampfdruckdefizit ihre Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen; Photosynthese und Wachstum gehen dann zurück. Für Sämlinge mit kleinem Wurzelballen ist deshalb etwas feuchtere Luft üblich.

Zu feuchte Luft bremst die Transpiration und fördert Pilzkrankheiten. Grauschimmel (Botrytis cinerea) kann Cannabisblüten bei über 70 % rF und gemäßigten 17 bis 24 °C rasch zerstören. In einer Studie mit einer CBD-reichen Sorte brachte dauerhaft feuchte Luft von 78–98 % rund 71 % weniger Blütenmasse als 37–58 % und verzögerte die Blüte um drei Wochen. Die Aussagekraft ist begrenzt: Untersucht wurde nur eine Sorte, und die feuchte Kammer war zugleich verschlossen, sodass sich auch der Luftaustausch unterschied.

Richtwerte für jede Phase

Phase

Richtwert rF

Worauf es ankommt

Sämlinge

ca. 60–70 %

kleine Wurzeln, Verdunstung moderat halten

Stecklinge ohne Wurzeln

anfangs deutlich höher

eigene Werte, siehe Klima für Stecklinge

Wachstum

ca. 55–70 %

kräftige Transpiration, geringes Schimmelrisiko

Blüte

ca. 40–55 %

Blüten werden dichter, Grauschimmelrisiko steigt

späte Blüte

ca. 40–50 %

auch nachts unter der Grenze bleiben

Die Werte sind Praxisrichtwerte, keine exakten Ziele. In der Einleitung einer Studie von 2025 fassen Forschende die Literatur so zusammen: 65–75 % für Stecklinge und Sämlinge, 50–70 % im Wachstum und 40–60 % in der Blüte – mit dem Hinweis, dass direkte Untersuchungen an Cannabis rar sind. Wichtig ist, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit zusammenpassen: Bei wärmerer Luft darf die rF für dasselbe Dampfdruckdefizit etwas höher liegen, bei kühlerer etwas niedriger.

Für die ersten Tage von Stecklingen und für die Nachbehandlung der Ernte gelten eigene Werte. Sie stehen in den Artikeln Klima für Stecklinge und Trocknungsraum.

Richtig messen und regeln

Miss auf Höhe der Pflanzenspitzen, beschattet und nicht direkt unter der Lampe, neben einem Befeuchter oder über nassem Substrat. Ein kalter Messort, etwa nahe einer Außenwand, zeigt eine zu hohe rF an. Ein Gerät mit Minimum-Maximum-Speicher oder ein Datenlogger verrät dir, was nachts passiert.

Feuchtesensoren driften mit der Zeit. Einen groben Test erlaubt gesättigte Kochsalzlösung – Salz mit so wenig Wasser verrührt, dass ungelöste Kristalle bleiben – in einem dicht verschlossenen Behälter zusammen mit dem Hygrometer. Bei 20–25 °C stellt sich darüber etwa 75 % rF ein; lies den Wert erst ab, wenn er sich nicht mehr ändert.

  • Senken: mehr Abluft, wenn die Raumluft trockener ist; sonst einen Luftentfeuchter im Raum, aus dem die Box ihre Luft bezieht. Die Abluft sollte auch in der Dunkelphase laufen, denn dann steigt die rF.

  • Erhöhen: zuerst die Abluft drosseln, solange die Temperatur es zulässt. Luftbefeuchter mit mineralarmem Wasser betreiben und regelmäßig reinigen.

  • Wohnung mitdenken: Bleibt die Abluft im Zimmer, landet die Feuchte dort. Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume 40–60 % rF, weil feuchte Luft an kalten Wänden kondensiert und Schimmel fördert.

Wie viel Luft die Abluft dafür bewegen muss, erklärt der Artikel Abluftleistung; weitere Klimathemen sammelt die Kategorie Klima & VPD.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Luftfeuchtigkeit ohne Temperatur bewerten. 60 % bei 20 °C bedeuten für die Pflanze etwas anderes als 60 % bei 28 °C.

  • Nur tagsüber hinschauen. Ohne die Wärme der Lampe steigt die rF nachts oft deutlich – und mit ihr das Schimmelrisiko.

  • Am falschen Ort messen. Unter der Lampe erwärmt sich der Fühler und zeigt zu trocken an, am kalten Boden oder neben dem Befeuchter zu feucht.

  • „Mehr Luftfeuchtigkeit bringt mehr Wachstum.“ In der Studie mit sehr feuchter Luft wuchsen die Pflanzen deutlich schlechter und blühten später.

  • Blüten besprühen. Feuchtigkeit in dichten Blüten begünstigt Grauschimmel.

  • Dem Hygrometer blind vertrauen. Sensoren driften; der Salztest deckt grobe Abweichungen auf.

Häufige Fragen

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Blüte zu hoch?

Kritisch wird es, wenn die rF über längere Zeit über etwa 70 % liegt: Grauschimmel kann Blüten dann bei gemäßigten Temperaturen von 17 bis 24 °C rasch zerstören. Deshalb gelten in der späten Blüte etwa 40–50 % als Richtwert. Achte besonders auf die Nacht, denn ohne die Wärme der Lampe steigt die rF oft deutlich an.

Wie senke ich die Luftfeuchtigkeit in der Growbox?

Am einfachsten über mehr Luftaustausch mit der Abluft – vorausgesetzt, die nachströmende Raumluft ist trockener. Ist schon der Raum feucht, hilft ein Luftentfeuchter im Raum. Lass die Abluft auch in der Dunkelphase laufen, leere Untersetzer und gieße möglichst zu Beginn der Lichtphase.

Wie erhöhe ich die Luftfeuchtigkeit?

Drossle zuerst die Abluft, solange Temperatur und Geruch das zulassen. In trockener Heizungsluft hilft ein Luftbefeuchter. Ultraschallgeräte verteilen Mineralien aus Leitungswasser allerdings als feinen Staub, und im Tank wachsen leicht Mikroorganismen – nimm mineralarmes Wasser und reinige das Gerät regelmäßig.

Wie genau sind günstige Hygrometer?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, denn Feuchtesensoren driften mit der Zeit. Prüfen kannst du dein Gerät mit gesättigter Kochsalzlösung in einem dicht verschlossenen Behälter: Bei 20–25 °C stellt sich darüber etwa 75 % rF ein. Weicht die Anzeige deutlich ab, rechne die Differenz ein oder ersetze das Gerät. Eine Kalibrierung im Labor ersetzt der Test nicht.

Warum steigt die Luftfeuchtigkeit nachts?

Wenn die Lampe ausgeht, kühlt die Luft ab, und kältere Luft kann weniger Wasserdampf halten. Luft mit 25 °C und 60 % rF erreicht bei 20 °C rechnerisch rund 81 %, ohne dass Wasser hinzukommt. Fällt eine Oberfläche unter den Taupunkt – hier knapp 17 °C –, schlägt sich dort Wasser nieder.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Good Practice Guide No. 124: The Beginner’s Guide to Humidity Measurement Bell – National Physical Laboratory (NPL), 2013Definition der rF; bei 50 % rF senkt 1 °C Erwärmung die rF um etwa 3 Prozentpunkte; kalte Messorte überschätzen die rF; Sensoren driften, Salzlösungen dienen der Prüfung.
  2. Humidity fixed points of binary saturated aqueous solutions Greenspan – Journal of Research of the National Bureau of Standards 81A, 1977Gleichgewichtsfeuchte über gesättigten Salzlösungen; Kochsalz ergibt bei 20–25 °C rund 75 % rF.
  3. Improved Magnus Form Approximation of Saturation Vapor Pressure Alduchov, Eskridge – Journal of Applied Meteorology 35, 1996Magnus-Formel für den Sättigungsdampfdruck; Grundlage der Beispielrechnung zu Taupunkt und nächtlichem Anstieg der rF.
  4. Plant responses to rising vapor pressure deficit Grossiord, Buckley, Cernusak, Novick, Poulter, Siegwolf, Sperry, McDowell – New Phytologist 226, 2020Übersicht: Bei hohem Dampfdruckdefizit schließen die meisten Pflanzen ihre Spaltöffnungen; Photosynthese und Wachstum gehen zurück.
  5. Understanding bud rot development, caused by Botrytis cinerea, on cannabis (Cannabis sativa L.) plants grown under greenhouse conditions Mahmoud, BenRejeb, Punja, Buirs, Jabaji – Botany 101, 2023Grauschimmel kann Cannabisblüten bei über 70 % rF und 17–24 °C rasch zerstören.
  6. Elevated relative humidity significantly decreases cannabinoid concentrations while delaying flowering development in Cannabis sativa L. Corredor-Perilla, Kwon, Park – Frontiers in Plant Science 16, 2025Eine CBD-Sorte bei 78–98 % statt 37–58 % rF: 71 % weniger Blütenmasse, drei Wochen spätere Blüte; Literaturübersicht der Richtwerte je Phase.
  7. Wie lüfte ich richtig? – Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung Umweltbundesamt, 2024Relative Luftfeuchte in Wohnräumen zwischen 40 und 60 %; feuchte Luft kondensiert an kalten Wänden und fördert Schimmel.
  8. Use and Care of Home Humidifiers U.S. Environmental Protection Agency, 2026Ultraschall-Befeuchter verteilen Mineralien aus Leitungswasser; mineralarmes Wasser nutzen, Geräte wegen Keimen häufig reinigen.

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