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Lufttemperatur beim Growen: Welche Werte deine Pflanze braucht

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Lufttemperatur bestimmt, wie schnell Photosynthese, Zellteilung und Stoffwechsel ablaufen. Für Cannabis gelten als Richtwerte etwa 20–25 °C für Sämlinge, 22–28 °C im Wachstum und 20–26 °C in der Blüte. Innerhalb dieser Spannen läuft die Photosynthese am effizientesten bei rund 25–30 °C; darüber schließen sich die Spaltöffnungen, und Wachstum wie Ertrag leiden. Zu kühl verlangsamt den Stoffwechsel und kann bei manchen Sorten die Blattfärbung verändern.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Sämlinge
ca. 20–25 °C
Wachstum
ca. 22–28 °C
Blüte
ca. 20–26 °Cin später Blüte eher untere Hälfte der Spanne
Photosynthese-Optimum
ca. 25–30 °Csortenabhängig auch bis 35 °C
Über ca. 30 °C
Spaltöffnungen schließen sichPhotosyntheserate sinkt wieder

Warum die Lufttemperatur den Stoffwechsel steuert

Die Lufttemperatur bestimmt die Geschwindigkeit nahezu aller Stoffwechselvorgänge der Pflanze: Enzyme arbeiten in einem bestimmten Temperaturfenster am schnellsten, außerhalb davon verlangsamt sich ihre Aktivität. Für die Photosynthese – den Prozess, mit dem die Pflanze aus Licht, Wasser und CO₂ Zucker aufbaut – gilt das ebenso wie für Zellteilung, Wurzelwachstum und Atmung.

In einer Gasaustauschmessung an Cannabis stieg die Photosyntheserate mit der Temperatur bis zu einem Optimum bei rund 25–30 °C an; die höchste gemessene Rate lag bei 30 °C in Kombination mit hoher Lichtintensität. Oberhalb von 30 °C nahm die Leitfähigkeit der Spaltöffnungen – der kleinen Poren, über die die Pflanze CO₂ aufnimmt und Wasserdampf abgibt – wieder ab, und mit ihr die Photosyntheserate. Eine Folgeuntersuchung an mehreren Cannabis-Sorten fand je nach Genetik unterschiedliche Optima zwischen 25 °C und 35 °C – das Temperaturoptimum ist also auch sortenabhängig.

Wie viel Licht die Pflanze bei einer gegebenen Temperatur sinnvoll verwerten kann, hängt eng damit zusammen: Bei 20–25 °C stieg die Photosyntheserate in der Untersuchung mit der Lichtstärke durchgehend an, bei 30 °C dagegen nur bis zu einer mittleren Lichtstärke und sank danach wieder. Mehr PPFD hilft also nur, wenn auch die Temperatur passt.

Ein einzelner Momentwert sagt dabei wenig aus. Weil die Temperatur im Tagesverlauf schwankt – durch Lampenwärme, Abluftleistung und Außentemperatur –, lohnt sich ein Thermometer mit Min-Max-Speicher oder ein kleiner Datenlogger. So lässt sich erkennen, ob kurze Spitzen während der Lichtphase oder ein Tiefpunkt kurz vor dem Einschalten der Lampe regelmäßig aus dem Zielbereich fallen, auch wenn der Mittelwert unauffällig wirkt.

Richtwerte für jede Wachstumsphase

Phase

Richtwert Lufttemperatur

Hinweis

Sämlinge

ca. 20–25 °C

keine Bodenwärme mehr nötig

Wachstum

ca. 22–28 °C

oberer Rand nur mit ausreichend Licht sinnvoll

Blüte

ca. 20–26 °C

in später Blüte eher untere Hälfte der Spanne

Diese Bereiche sind Richtwerte, keine exakten Grenzen. Innerhalb der Spanne zählt vor allem, dass Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit zusammenpassen – mehr dazu erklärt VPD verstehen. Die Blatttemperatur kann dabei spürbar von der gemessenen Lufttemperatur abweichen; wie stark, beschreibt der Artikel Blatttemperatur.

Wenn es zu warm wird

Über etwa 30 °C sinkt die photosynthetische Leistung messbar, weil sich die Spaltöffnungen schließen, um Wasserverlust zu begrenzen – die Pflanze bremst sich selbst aus, um nicht auszutrocknen. Gleichzeitig läuft die Atmung bei wärmeren Temperaturen weiter auf hohem Niveau und verbraucht tagsüber gebildete Zucker. Sichtbare Folgen sind langsameres Wachstum, bei anhaltender Hitze auch aufgestellte oder nach unten gebogene Blätter; mehr dazu im Artikel zu Hitzestress.

Hitze wirkt fast immer zusammen mit trockener Luft: Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, wodurch das Dampfdruckdefizit steigt und die Pflanze zusätzlich unter Wasserstress gerät, weil sie mit den Spaltöffnungen gegensteuert. Wer nur die Lufttemperatur senkt, ohne die Luftfeuchtigkeit mitzudenken, behebt oft nur die Hälfte des Problems.

Wenn es zu kühl wird

Unter etwa 20 °C verlangsamen sich Stoffwechsel und Wachstum spürbar, weil Enzyme langsamer arbeiten. Für Sämlinge und frisch bewurzelte Pflanzen ist das besonders kritisch, weil ihr kleines Wurzelsystem ohnehin wenig Reserven hat. Anhaltend kühle Wurzeln verlangsamen zusätzlich die Wasser- und Nährstoffaufnahme, sodass sich Kälteschäden oft zuerst wie ein Nährstoffproblem zeigen, obwohl die Ursache im Klima liegt.

Bei einigen Sorten verändert kühle Witterung zusätzlich die Blattfarbe: In einer Untersuchung an einer CBD-reichen Sorte war die Bildung von Anthocyan – dem rötlich-violetten Blattfarbstoff – bei konstant 8–15 °C am stärksten ausgeprägt und bei sehr niedrigen (0,5 °C) wie bei wärmeren Temperaturen (22 °C) deutlich geringer. In derselben Untersuchung stiegen Blütenmasse und Gesamt-CBD-Gehalt dagegen linear mit der Temperatur beziehungsweise der Wärmesumme an. Das erklärt, warum manche Pflanzen bei kühlen Herbstnächten lila anlaufen – vorausgesetzt, die Sorte trägt die genetische Anlage für Anthocyane überhaupt. Die untersuchten Temperaturen lagen dabei deutlich unter dem, was in einem geheizten Growraum üblich ist; aus einem einzelnen Sorten- und Studienbefund lässt sich kein allgemeines Rezept ableiten.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Nur die Lufttemperatur im Blick haben. Nahe der Lampe kann die Blatttemperatur mehrere Grad über der Lufttemperatur liegen, siehe Blatttemperatur.

  • Wachstum und Blüte mit derselben Temperatur führen. In der Blüte sind die oberen Werte riskanter, weil dichte Blüten schlechter belüftet werden und Hitze dort stärker wirkt.

  • Hitze mit einem Nährstoffproblem verwechseln. Aufgestellte, nach oben gebogene Blätter werden oft als Überdüngung gedeutet, sind bei hohen Temperaturen aber häufig eine Stressreaktion.

  • Kühle Nächte pauschal für Ertragsverluste verantwortlich machen. Moderat kühlere Nächte sind unproblematisch; kritisch wird es erst, wenn die Temperatur über Stunden deutlich unter den Richtwert fällt.

  • Lila Blätter als alleiniges Reifezeichen werten. Anthocyanbildung hängt stark von Sorte und Temperaturverlauf ab und sagt wenig über den Erntezeitpunkt aus.

Häufige Fragen

Wie schnell wirkt sich eine zu hohe Lufttemperatur aus?

Die Photosynthese reagiert innerhalb von Minuten auf zu hohe Temperaturen, weil sich die Spaltöffnungen schließen. Sichtbare Folgen wie verlangsamtes Wachstum oder aufgestellte Blätter zeigen sich dagegen erst nach Stunden bis Tagen anhaltender Hitze.

Ist die Lufttemperatur oder die Blatttemperatur entscheidend?

Für Hitzestress zählt eigentlich die Blatttemperatur, weil sie über der Lufttemperatur liegen kann, wenn die Pflanze nahe an einer Lampe steht. Die Lufttemperatur ist trotzdem die praktikabelste Steuergröße, weil sie sich einfach und zentral messen lässt.

Werden Cannabis-Pflanzen bei kalten Nächten lila?

Bei manchen Sorten ja: Die Bildung des violetten Blattfarbstoffs Anthocyan kann bei kühlen Temperaturen zunehmen. Das ist aber stark sortenabhängig und kein zuverlässiges Reifezeichen, sondern in erster Linie eine Temperaturreaktion der Blattfarbe.

Warum verträgt Cannabis in der Blüte weniger Hitze als im Wachstum?

Dichte Blütenstände werden von innen schlechter belüftet als einzelne Blätter, sodass sich Wärme und Feuchtigkeit dort stauen. Deshalb sind die oberen Werte der Wachstumsspanne in der Blüte riskanter als im vegetativen Stadium.

Beeinflusst die Lufttemperatur den Cannabinoidgehalt?

In einer Untersuchung stiegen Blütenmasse und Gesamt-CBD-Gehalt einer Sorte mit steigender Temperatur beziehungsweise Wärmesumme an, während die Bildung des Blattfarbstoffs Anthocyan bei kühleren Temperaturen am höchsten war. Es handelt sich um eine einzelne Studie an einer Sorte, keine allgemeingültige Regel.

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Quellen

  1. Photosynthetic response of Cannabis sativa L. to variations in photosynthetic photon flux densities, temperature and CO2 conditions Chandra, Lata, Khan, ElSohly – Physiology and Molecular Biology of Plants 14, 2008Photosyntheseoptimum bei ca. 25–30 °C; über 30 °C sinken Spaltöffnungsleitfähigkeit und Photosyntheserate wieder.
  2. Temperature response of photosynthesis in different drug and fiber varieties of Cannabis sativa L. Chandra, Lata, Khan, ElSohly – Physiology and Molecular Biology of Plants 17, 2011Temperaturoptimum der Photosynthese je nach Sorte zwischen 25 °C und 35 °C.
  3. Anthocyanin accumulation, inflorescence dry weight and total cannabidiol content have different temperature optima in Cannabis sativa Kim, Basnet, Kovaleski, Ellison – Journal of Cannabis Research 7, 2025Anthocyanbildung am höchsten bei 8–15 °C; Blütenmasse und Gesamt-CBD-Gehalt stiegen linear mit Temperatur/Wärmesumme.
  4. Plant responses to rising vapor pressure deficit Grossiord, Buckley, Cernusak, Novick, Poulter, Siegwolf, Sperry, McDowell – New Phytologist 226, 2020Übersicht: Wärme erhöht das Dampfdruckdefizit, worauf Pflanzen meist mit Schließen der Spaltöffnungen reagieren.

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