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Bewurzelungsdauer bei Stecklingen: Wie lange dauert es bis zu den ersten Wurzeln?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Cannabis-Stecklinge bilden ihre ersten sichtbaren Wurzeln meist nach 7 bis 21 Tagen; in Studien wurde nach 12 bis 21 Tagen ausgewertet, wobei selbst dann nicht jeder Steckling bewurzelt war. Wie lange es dauert, hängt vor allem von der Sorte, der Temperatur im Medium, dem verwendeten Bewurzelungshormon und dem Anzuchtmedium ab. Optimal sind etwa 22 bis 27 °C im Medium; bei 15 °C bildete eine Hanfsorte in einer Studie gar keine Wurzeln. Erste Wurzeln erkennst du am einfachsten an der Unterseite durchsichtiger Anzuchtbecher oder Steinwolle-Würfel.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Übliche Bewurzelungsdauer
ca. 7–21 Tageje nach Sorte, Klima und Ausgangsmaterial; einzelne Sorten brauchen länger
Studienauswertung nach
12–21 TagenCaplan et al. 2018: erste Wurzeln ab Tag 7, Mehrheit bewurzelt nach 12 Tagen
Temperatur im Medium
ca. 22–27 °C beschleunigt die Bewurzelungbei 15 °C bildete eine Hanfsorte in einer Studie keine Wurzeln
Bewurzelungshormon (IBA-Gel)
kann Tempo und Rate erhöhenin einer Studie 84 % bewurzelt nach 12 Tagen gegenüber 40 % ohne wirksames Hormon
Sortenunterschied
bis zu 20 Prozentpunkte zwischen Sorten nach gleicher ZeitUS-Studie mit acht Hanfsorten

Was „Bewurzelungsdauer" eigentlich bedeutet

Die Bewurzelungsdauer ist die Zeit vom Schnitt des Stecklings bis zu den ersten sichtbaren Adventivwurzeln – Wurzeln, die aus Sprossgewebe entstehen statt aus einer Keimwurzel. Diese Zeitspanne ist kein fester Wert, sondern eine Größenordnung: Kontrollierte Studien zur Cannabis-Vermehrung werteten ihre Stecklinge meist nach 12 bis 21 Tagen aus, und auch zu diesem Zeitpunkt war nicht jeder Steckling bewurzelt. Als grobe Orientierung gelten deshalb 7 bis 21 Tage, wobei einzelne Sorten oder ungünstige Bedingungen die Dauer weiter verlängern können.

Wichtig ist der Unterschied zwischen der Einleitung der Wurzelbildung, die auf zellulärer Ebene innerhalb weniger Tage beginnt, und dem sichtbaren Durchbruch der ersten Wurzelspitzen, der deutlich länger braucht. Ein Steckling, der zehn Tage lang unverändert grün und straff bleibt, hat in dieser Zeit oft bereits unsichtbare Vorarbeit geleistet. Die botanischen Grundlagen dazu erklärt der Artikel Stecklinge als vegetative Vermehrung.

Wovon die Dauer abhängt

Vier Faktoren beeinflussen die Bewurzelungsdauer am stärksten, und sie lassen sich alle beeinflussen oder zumindest einschätzen.

Temperatur im Medium. Wärme beschleunigt die biochemischen Vorgänge der Wurzelbildung, aber nur bis zu einem sortenabhängigen Optimum. In einer koreanischen Studie bewurzelten zwei Hanfsorten am besten bei 25 bis 30 °C beziehungsweise 20 bis 30 °C; bei 15 °C bildete eine der Sorten überhaupt keine Wurzeln. Entscheidend ist die Temperatur im Medium selbst, nicht die Raumtemperatur – eine kühle Fensterbank oder ein kalter Boden kann das Substrat deutlich unter die Lufttemperatur abkühlen.

Bewurzelungshormon. Ein Gel mit 0,2 % Indol-3-Buttersäure (IBA), einem synthetischen Auxin, erreichte in einer kanadischen Studie nach 12 Tagen 84 % bewurzelte Stecklinge gegenüber 40 % mit einem schwächer wirksamen Weidenextrakt. Die Konzentration spielt dabei eine Rolle: Eine andere Studie mit Hanf fand, dass sehr hohe Hormonkonzentrationen die Bewurzelung eher bremsten als beschleunigten. Auch ganz ohne zugesetztes Hormon bewurzeln Cannabis-Stecklinge, allerdings tendenziell langsamer und weniger zuverlässig.

Anzuchtmedium. Wie durchlässig und feucht das Medium ist, beeinflusst, wie schnell Sauerstoff an die Schnittstelle gelangt – eine Voraussetzung für die Wurzelbildung. Mehr dazu im Artikel Anzuchtmedien für Stecklinge.

Sorte. Genetische Unterschiede zwischen Sorten sind erheblich und bislang kaum systematisch erforscht. In einer Studie mit acht Hanfsorten unterschied sich der Anteil bewurzelter Stecklinge zwischen der besten und der zweitbesten Sorte um etwa 20 Prozentpunkte bei gleicher Kulturdauer; die schwächste Sorte lag noch deutlich darunter. Wer eine Sorte zum ersten Mal vermehrt, kennt ihr typisches Tempo also noch nicht und sollte sich nicht an Erfahrungswerten anderer Sorten orientieren.

Ein typischer Zeitverlauf

Die folgende Übersicht fasst zusammen, was in kontrollierten Studien zu unterschiedlichen Zeitpunkten beobachtet wurde. Sie ersetzt keine eigene Beobachtung, hilft aber, die eigenen Erwartungen einzuordnen.

Zeitraum nach dem Schnitt

Was typischerweise passiert

Tag 0–4

Wundheilung, hohe Anfälligkeit für Austrocknung, keine sichtbaren Wurzeln

Tag 5–8

erste zelluläre Umbauten an der Basis, meist weiterhin keine sichtbaren Wurzeln

Tag 7–12

bei günstigen Bedingungen erste sichtbare Wurzelspitzen

Tag 12–21

Mehrheit gesunder Stecklinge zeigt Wurzeln, je nach Sorte und Klima

ab Tag 21

ausbleibende Wurzeln bei sonst gesundem Steckling rechtfertigen eine gezielte Fehlersuche

Diese Zeiträume beruhen auf Studien mit kontrolliertem Klima und ausgewähltem Ausgangsmaterial. Unter weniger kontrollierten Bedingungen im eigenen Zelt kann sich die Dauer verschieben, insbesondere wenn Temperatur oder Luftfeuchtigkeit schwanken. Die passenden Klimawerte für die Bewurzelungsphase erklärt der Artikel Klima für Stecklinge.

Erste Wurzeln erkennen, ohne den Steckling zu gefährden

Junge Wurzeln sind empfindlich und reißen leicht ab, wenn man am Steckling zieht oder ihn zum Nachsehen aus dem Medium hebt. Schonendere Wege, den Fortschritt zu beobachten:

  1. Durchsichtige Behälter nutzen. In klaren Anzuchtbechern oder an der Unterseite von Steinwolle-Würfeln werden erste weiße Wurzelspitzen sichtbar, ohne dass du den Steckling bewegen musst.

  2. Auf das Laub achten. Straffe, sattgrüne Blätter zeigen, dass der Steckling arbeitet, auch wenn noch keine Wurzeln sichtbar sind. Welke Blätter sind dagegen ein eigenständiges Warnzeichen.

  3. Vorsichtige Zugprobe erst nach zwei bis drei Wochen. Ein spürbarer Widerstand beim leichten Ziehen deutet auf Wurzeln hin. Diese Methode birgt ein gewisses Risiko und sollte die Ausnahme bleiben, nicht die tägliche Kontrolle.

  4. Beim Umtopfen graben statt ziehen. Sobald du umsetzt, hebst du den Steckling mit dem umgebenden Medium aus, statt am Trieb zu ziehen.

Typische Fehler und Fehleinschätzungen

  • Nach einer Woche schon Wurzeln erwarten. Die meisten Studienprotokolle werten frühestens nach 12 Tagen aus; eine Woche ist für die meisten Sorten zu kurz für ein Urteil.

  • Häufiges Herausziehen zur Kontrolle. Jede Zugprobe riskiert, gerade entstehende Wurzeln abzureißen und die Bewurzelung dadurch zu verzögern statt zu beschleunigen.

  • Erfahrungswerte einer anderen Sorte als Maßstab nehmen. Sortenunterschiede von mehreren Wochen sind normal; ein direkter Vergleich zwischen verschiedenen Sorten führt leicht zu falschen Schlüssen.

  • Nur die Raumtemperatur im Blick haben. Für die Bewurzelungsdauer zählt die Temperatur im Medium, die von der Lufttemperatur deutlich abweichen kann.

  • Bei Ausbleiben der Wurzeln sofort mehrere Maßnahmen gleichzeitig ändern. Das verschleiert, welche Anpassung tatsächlich geholfen hat. Wie du systematisch vorgehst, wenn nach drei bis vier Wochen weiterhin keine Wurzeln erkennbar sind, beschreibt der Artikel Fehlende Wurzelbildung.

  • Umtopfen bei den ersten sichtbaren Wurzelansätzen. Ein noch sehr kleiner Wurzelballen übersteht das Umsetzen schlechter als einer mit mehreren, bereits verzweigten Wurzeln.

Häufige Fragen

Ist ein Steckling ohne Wurzeln nach zwei Wochen bereits ein Problem?

Nicht unbedingt. Die meisten Studien werteten ihre Ergebnisse erst nach 12 bis 21 Tagen aus, und selbst dann war nicht jeder Steckling bewurzelt. Solange die Blätter straff und grün bleiben, ist Geduld meist der richtige nächste Schritt. Erst nach drei bis vier Wochen ohne jedes Anzeichen lohnt sich eine gezielte Fehlersuche.

Wie erkenne ich erste Wurzeln, ohne den Steckling herauszuziehen?

Am zuverlässigsten an der Unterseite und den Seiten von durchsichtigen Anzuchtbechern oder Steinwolle-Würfeln, wo weiße Wurzelspitzen sichtbar werden. Eine vorsichtige Zugprobe nach zwei bis drei Wochen – ein leichter Widerstand zeigt Wurzeln an – ist möglich, birgt aber das Risiko, junge Wurzeln abzureißen. Herausziehen zum bloßen Nachsehen solltest du vermeiden.

Beschleunigt mehr Wärme die Bewurzelung immer?

Nur bis zu einem Optimum, danach nicht mehr. In einer koreanischen Studie bewurzelten zwei Hanfsorten am besten bei 25 bis 30 °C beziehungsweise 20 bis 30 °C; bei 15 °C bildete eine der Sorten gar keine Wurzeln. Deutlich höhere Temperaturen als das jeweilige Optimum wurden in dieser Studie nicht getestet und sind wegen des Risikos für Fäulnis und Austrocknung nicht empfehlenswert.

Warum bewurzeln manche Sorten viel schneller als andere?

Das liegt an genetischen Unterschieden, die bislang wenig erforscht sind. In einer US-Studie mit acht Hanfsorten unterschied sich der Anteil bewurzelter Stecklinge zwischen der besten und der zweitbesten Sorte um etwa 20 Prozentpunkte, die schwächste Sorte lag noch deutlich darunter. Wer eine neue Sorte zum ersten Mal vermehrt, kennt ihr Bewurzelungstempo also noch nicht.

Verlängert ein Umtopfen kurz nach der Bewurzelung die Gesamtdauer bis zur nächsten Phase?

Ein zu frühes Umtopfen, bevor genug Wurzeln vorhanden sind, kann den jungen Wurzelballen beim Umsetzen beschädigen und die weitere Entwicklung eher verzögern als beschleunigen. Sinnvoller ist es, bis zu sichtbar mehreren Wurzeln zu warten und dann zügig, aber schonend umzusetzen.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Vegetative propagation of cannabis by stem cuttings: effects of leaf number, cutting position, rooting hormone, and leaf tip removal Caplan, Stemeroff, Dixon, Zheng – Canadian Journal of Plant Science 98, 2018Kontrolliertes Bewurzelungsprotokoll über 12 Tage: erste Wurzeln ab Tag 7, Auswertung nach 12 Tagen mit 40–84 % bewurzelten Stecklingen je nach Behandlung.
  2. Mother Plant Age and Light Intensity Minimally Alter Adventitious Root Formation in Medicinal Cannabis Holweg, Sae-Tang, Wang, Kohlen, Heuvelink, Marcelis – HortScience 60, 2025Bewurzelung ohne zugesetztes Hormon über drei Wochen (21 Tage) beobachtet.
  3. Light, Temperature, and Relative Humidity Influence the Adventitious Rooting of Cannabis Stem Cuttings Kim, Hahm, Lee, Bok, Park – Horticultural Science and Technology 43, 2025Zwei Hanfsorten: beste Bewurzelung bei 25–30 °C bzw. 20–30 °C; bei 15 °C bildete eine Sorte keine Wurzeln, ebenso bei 30 % relativer Luftfeuchtigkeit.
  4. Impact of Indole-3-butyric Acid Concentration and Formulation and Propagation Environment on Rooting Success of 'I3' Hemp by Stem Cuttings McLeod, Vining, Hoskins, Contreras – HortTechnology 32, 2022Untersuchte, wie Hormonkonzentration und -form Bewurzelungsrate und -tempo bei Hanfstecklingen beeinflussen; sehr hohe Konzentrationen bremsten den Erfolg.
  5. Evaluation of substrate composition and exogenous hormone application on vegetative propagule rooting success of essential oil hemp (Cannabis sativa L.) Campbell, Anderson, Brym, Pearson – PLOS ONE 16, 2021Acht Hanfsorten im Vergleich: rund 20 Prozentpunkte Unterschied in der Bewurzelungsrate zwischen bester und zweitbester Sorte nach gleicher Kulturdauer.
  6. Propagation by Cuttings, Layering and Division Relf, Ball, Olsen – Virginia Cooperative Extension, Publication 426-002, 2025Empfehlung, nach zwei bis drei Wochen vorsichtig auf Widerstand zu prüfen, statt Stecklinge zum Nachsehen herauszuziehen.

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