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Temperatur für Sämlinge: Welche Werte sind ideal?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Cannabis-Sämlinge wachsen am gleichmäßigsten bei einer Lufttemperatur von etwa 20 bis 25 °C, wobei die Nacht nicht wärmer sein sollte als der Tag. Passend dazu liegt die relative Luftfeuchtigkeit meist bei 60 bis 70 %: Zu trockene Luft lässt den kleinen Wurzelballen schnell austrocknen, dauerhaft zu feuchte Luft begünstigt Fäulniserreger. Wärme ersetzt kein Licht – fehlt es an Licht, führt zusätzliche Wärme eher zu einem gestreckten, dünnen Stängel als zu schnellerem, gesundem Wachstum.

Inhalt(6 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Lufttemperatur
ca. 20–25 °C
Substrattemperatur
ähnlich wie Lufttemperaturnach der Keimung wird keine zusätzliche Bodenwärme mehr gebraucht
Relative Luftfeuchtigkeit
ca. 60–70 %
Tag-Nacht-Differenz
möglichst gering, Tag nicht deutlich wärmer als Nacht
Kritischer Bereich
ab ca. 30 °C sinkt die Photosyntheseeffizienzin einer Studie mit Cannabispflanzen bei sehr hoher Lichtintensität

Welche Temperatur Sämlinge brauchen und warum

Ein Richtwert von 20 bis 25 °C Lufttemperatur passt für die meisten Cannabis-Sämlinge. In diesem Bereich läuft die Photosynthese effizient, ohne dass die Pflanze übermäßig viel Wasser über die Blätter verliert. Eine Studie mit Cannabispflanzen bei Temperaturen zwischen 20 und 40 °C zeigt, dass Photosyntheserate und Wassernutzungseffizienz mit der Temperatur zunächst steigen; bei sehr hohen Werten in Kombination mit hoher Lichtintensität nehmen sie wieder ab. Für Sämlinge, die ohnehin mit moderatem Licht auskommen sollten, liegt der sichere Bereich deshalb eher im unteren Teil dieser Spanne.

Sämlinge reagieren auf Temperaturschwankungen empfindlicher als ältere Pflanzen, weil ihr kleines Wurzelsystem kaum Puffer für schwankende Wasseraufnahme hat – wie sich dieses System in den ersten Wochen aufbaut, beschreibt der Artikel zur Wurzelentwicklung bei Sämlingen. Konstante Bedingungen sind deshalb wichtiger als ein perfekter Einzelwert.

Die Substrattemperatur verdient dabei eigene Aufmerksamkeit. Direkt nach der Keimung ist die zusätzliche Bodenwärme einer Wärmematte meist nicht mehr nötig; bleibt sie eingeschaltet, kann sich das Substrat spürbar stärker erwärmen als die Raumluft. In Kombination mit schwachem Licht begünstigt das genau die Streckung, die im Artikel zum Vergeilen beschrieben ist. Miss im Zweifel direkt im Substrat, nicht nur an der Zimmerwand.

Tag-Nacht-Differenz: warum sie zählt

Nicht nur die absolute Temperatur zählt, sondern auch der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Eine ältere Übersichtsarbeit zu Gewächshauskulturen beschreibt ein wiederkehrendes Muster: Ist der Tag wärmer als die Nacht, streckt sich die Pflanze stärker; ist die Nacht wärmer als der Tag oder gleicht sich beides an, bleibt der Wuchs kompakter. Eine neuere Untersuchung an Tomatensämlingen liefert dazu den molekularen Hintergrund: Ein wärmerer Tag erhöhte die Konzentration wachstumsfördernder Hormone – Gibberelline und Auxin – im jungen Stängel und ließ ihn gleichzeitig länger und dicker werden; bei wärmerer Nacht sank die Hormonkonzentration und der Stängel blieb kürzer.

Für die Praxis heißt das: Eine leicht kühlere Nacht ist unproblematisch, eine aktiv beheizte, wärmere Nacht bringt dagegen keinen Vorteil. Wer tagsüber ohnehin schon im oberen Bereich der Temperaturspanne liegt, sollte die Nacht nicht zusätzlich erwärmen, sondern eher etwas absenken. Diese Empfehlung betrifft vor allem beheizte Räume oder Zelte mit Heizmatten; wird ohnehin nicht aktiv geheizt oder gekühlt, pendelt sich die Differenz meist von selbst in einem unproblematischen Bereich ein, weil Lampen tagsüber ohnehin etwas Wärme abgeben.

Luftfeuchtigkeit für Sämlinge: das zweite wichtige Klimaelement

Temperatur und Luftfeuchtigkeit wirken zusammen, weil beide bestimmen, wie schnell Wasser aus den Blättern verdunstet. Als Richtwert gelten für Sämlinge etwa 60 bis 70 % relative Luftfeuchtigkeit. Darunter trocknet der noch kleine Wurzelballen schneller aus, als die junge Wurzel nachliefern kann, und die Blätter können welken, obwohl das Substrat noch feucht ist.

Nach oben gibt es ebenfalls eine Grenze, wenn auch keine scharfe: Dauerhaft sehr hohe Luftfeuchtigkeit bei wenig Luftaustausch begünstigt Pilze und pilzähnliche Erreger. Eine Übersicht zu Krankheitserregern bei Cannabis nennt Pythium- und Fusarium-Arten, die unter feuchten Bedingungen verstärkt auftreten und junge Pflanzen an der Wurzel oder am Stängelgrund schädigen können – bekannt als Umfallkrankheit. Ein Richtwert von 60 bis 70 % mit etwas Luftbewegung ist deshalb einer durchgehend sehr hohen Feuchte ohne Luftaustausch vorzuziehen.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit lassen sich auch gemeinsam als Dampfdruckdefizit (VPD) betrachten – ein Maß dafür, wie stark die Luft der Pflanze Wasser entzieht. Bei 20 bis 25 °C und 60 bis 70 % rF liegt das VPD in einem moderaten Bereich, der weder starkes Welken noch übermäßig feuchte, stehende Luft begünstigt. Wie sich VPD berechnen und im Alltag nutzen lässt, erklärt der Artikel VPD verstehen.

Typische Fehler bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit

  • Wärmematte nach der Keimung weiterlaufen lassen. Was der Keimung hilft, verstärkt danach eher das Vergeilen, wenn das Licht nicht mitzieht.

  • Nur die Raumtemperatur im Blick haben. Unter einer Lampe oder auf einer beheizten Fläche kann es am Sämling selbst deutlich wärmer sein als am Thermometer an der Wand.

  • Nachts zusätzlich heizen, um „keinen Kälteschock“ zu riskieren. Eine leicht kühlere Nacht ist normal und unproblematisch; eine wärmere Nacht als der Tag fördert dagegen unnötige Streckung.

  • Luftfeuchtigkeit dauerhaft sehr hoch halten, um Austrocknen zu vermeiden. Das erhöht das Risiko für Fäulniserreger, ohne das Wachstum zu beschleunigen. Ein Zwischenwert mit etwas Luftbewegung ist sicherer.

  • Temperaturprobleme mit Nährstoffproblemen verwechseln. Langsames Wachstum bei korrekter Bewässerung hat bei Sämlingen häufiger mit Temperatur oder Licht zu tun als mit fehlenden Nährstoffen, die in dieser Phase kaum gebraucht werden.

Häufige Fragen

Welche Luftfeuchtigkeit brauchen Sämlinge?

Ein Richtwert von 60 bis 70 % relativer Luftfeuchtigkeit passt zur empfohlenen Temperatur von 20 bis 25 °C. Deutlich trockenere Luft lässt den kleinen Wurzelballen schneller austrocknen, als die junge Wurzel Wasser nachliefern kann. Dauerhaft feuchtere Luft über 80 % begünstigt dagegen Fäulniserreger wie Pythium und Fusarium, ohne dass Sämlinge davon zusätzlich profitieren.

Was passiert, wenn es für Sämlinge zu warm ist?

Bis in den mittleren 20er-Bereich hinein steigt die Photosyntheseleistung von Cannabis mit der Temperatur, darüber flacht sie ab und sinkt bei sehr hohen Werten wieder. Zusätzlich verstärkt Wärme ohne ausreichendes Licht das Streckungswachstum, sodass Sämlinge in einem zu warmen, zu dunklen Raum eher vergeilen als kräftig wachsen.

Brauchen Sämlinge nachts eine niedrigere Temperatur als am Tag?

Eine leicht kühlere Nacht ist unproblematisch und in Untersuchungen an anderen Kulturen sogar mit kompakterem Wuchs verbunden. Wichtiger ist, dass der Tag die Nacht nicht deutlich übersteigt, weil ein positiver Temperaturunterschied das Streckungswachstum von Stängeln fördert. Eine aktiv beheizte, wärmere Nacht bringt keinen Vorteil.

Wie wichtig ist die Substrattemperatur im Vergleich zur Lufttemperatur?

Beide sollten im selben Bereich liegen, also etwa 20 bis 25 °C. Eine Wärmematte ist nach der Keimung meist nicht mehr nötig und kann das Substrat stärker erwärmen als die Raumluft, was das Vergeilen begünstigt. Miss im Zweifel direkt im Substrat statt nur die Raumtemperatur.

Kann zu hohe Luftfeuchtigkeit den Sämlingen schaden?

Ja. Dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit wenig Luftaustausch begünstigt Erreger, die Umfallkrankheit und Wurzelfäule verursachen können. Ein Richtwert von 60 bis 70 % mit etwas Luftbewegung ist deshalb einer durchgehend sehr hohen Feuchte vorzuziehen.

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Quellen

  1. Photosynthetic response of Cannabis sativa L. to variations in photosynthetic photon flux densities, temperature and CO2 conditions Chandra, Lata, Khan, ElSohly – Physiology and Molecular Biology of Plants 14, 2008Photosyntheserate und Wassernutzungseffizienz von Cannabis reagierten auf Temperaturen zwischen 20 und 40 °C, mit abnehmender Effizienz bei sehr hohen Werten und gleichzeitig hoher Lichtintensität.
  2. Effect of diurnal temperature alternations on plant morphology in some greenhouse crops – a mini review Myster, Moe – Scientia Horticulturae 62, 1995Übersicht: Eine wärmere Tag- als Nachttemperatur fördert das Streckungswachstum von Gewächshauskulturen, eine kühlere Nacht wirkt kompakter.
  3. Difference Between Day and Night Temperatures Affects Stem Elongation in Tomato (Solanum lycopersicum) Seedlings via Regulation of Gibberellin and Auxin Synthesis Ohtaka, Yoshida, Kakei, Fukui, Kojima, Takebayashi, Yano, Imanishi, Sakakibara – Frontiers in Plant Science 11, 2020Bei Tomatensämlingen erhöhte ein wärmerer Tag als Nacht Stängellänge und -dicke über Gibberellin- und Auxinregulation; bei wärmerer Nacht blieb der Stängel kürzer.
  4. Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa L. Punja, Collyer, Scott, Lung, Holmes, Sutton – Frontiers in Plant Science 10, 2019Übersicht zu Krankheitserregern bei Cannabis: Pythium- und Fusarium-Arten treten unter feuchten Bedingungen verstärkt auf und schädigen junge Pflanzen.

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