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Was die Forschung zu Lichtspektrum und Terpenen sagt

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Zum Zusammenhang zwischen Lichtspektrum und Terpengehalt gibt es bislang nur wenige, meist einzelne Studien an Cannabis, deren Ergebnisse sich nicht zu einer klaren Empfehlung verdichten lassen. Eine Studie fand eine höhere Terpenoidkonzentration unter einem bestimmten Rotlicht-Spektrum, aber nur bei hoher Lichtintensität. Eine andere Studie zeigte, dass UV-B-Licht den Gesamtterpengehalt eher senkt statt erhöht. Eine verlässliche „Terpenformel“ für mehr Aroma existiert nach aktuellem Forschungsstand nicht.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Rotlicht-Spektrum und Terpenoide
höhere Konzentration nur bei hoher Lichtintensität (1.200 µmol/m²/s)Holweg et al. 2024; bei geringerer Intensität kein Unterschied, Cannabinoide unverändert
UV-B und Terpene
Gesamtterpengehalt sank mit steigender UV-B-DosisRodriguez-Morrison et al. 2021, zwei Sorten; einzelne Terpene reagierten sortenabhängig unterschiedlich
Blau:Rot-Verhältnis
beeinflusste in Studien vor allem Cannabinoide und WuchsformTerpene waren in diesen Untersuchungen kein Messwert
Studienlage insgesamt
wenige, meist einzelne Studien mit unterschiedlichen Sorten und Setupskaum unabhängige Wiederholungen, Ergebnisse schlecht verallgemeinerbar

Warum diese Frage schwer zu beantworten ist

Terpene sind aromatische Kohlenwasserstoffe, die in den Drüsentrichomen der Blüten gebildet werden und Geruch und Geschmack der Pflanze prägen; wie sie mit Cannabinoiden zusammen in den Trichomen entstehen, beschreibt der Artikel Trichome als Reifeindikator. Ob und wie das Lichtspektrum – also die Verteilung des Lichts auf Blau-, Grün-, Rot- und Far-Red-Anteile, siehe Lichtspektrum – diese Terpene beeinflusst, ist wissenschaftlich noch kaum untersucht.

Das hat mehrere Gründe: Kontrollierte Lichtversuche mit anschließender chemischer Terpenanalyse sind aufwendig und teuer, weil sie Klimakammern, kalibrierte LED-Spektren und Gaschromatografie kombinieren müssen. Cannabis war zudem lange rechtlich stark reguliert, was universitäre Forschung erschwerte. Eine Übersichtsarbeit zur Pflanzenphotobiologie stellt deshalb fest, dass deutlich mehr Wissenstransfer aus der allgemeinen Pflanzenforschung in die Cannabisforschung nötig ist, weil belastbare, cannabisspezifische Daten zu Licht und Sekundärstoffen noch selten sind. Die folgenden Abschnitte fassen zusammen, was die wenigen vorliegenden Studien tatsächlich zeigen – nicht mehr und nicht weniger.

Was eine aktuelle Studie zu Rotlicht und Terpenoiden zeigt

Die bislang aussagekräftigste Untersuchung zu Spektrum und Terpenen bei medizinischem Cannabis stammt von einer niederländischen Arbeitsgruppe. Sie verglich vier Lichtspektren – zwei mit geringerem und zwei mit höherem Weißlichtanteil, die sich zusätzlich im roten Wellenlängenbereich unterschieden – jeweils bei zwei Lichtintensitäten (600 und 1.200 µmol/m²/s).

Das Ergebnis war differenziert statt eindeutig: Bei keiner der Lichtintensitäten unterschied sich der Cannabinoidgehalt zwischen den Spektren. Die Terpenoidkonzentration war dagegen nur bei der hohen Lichtintensität höher, und zwar unter einem Spektrum mit zwei roten Wellenlängenpeaks (640 und 660 nm) im Vergleich zu einem Spektrum mit nur einem Peak bei 660 nm. Bei der geringeren Lichtintensität zeigte sich dieser Unterschied nicht. Der Effekt trat also nur unter einer bestimmten Kombination aus Spektrum und Lichtmenge auf – ein typisches Muster in der Pflanzenphysiologie, das zeigt, warum sich einzelne Befunde schlecht zu pauschalen Empfehlungen verallgemeinern lassen.

UV-Licht: Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Annahme

Besonders hartnäckig hält sich die Annahme, zusätzliches UV-Licht steigere Terpene oder Wirkstoffgehalt. Eine kanadische Studie prüfte das gezielt: Zwei Indoor-Sorten wuchsen unter steigenden UV-B-Dosen, von sehr schwach bis vergleichsweise stark. Mit zunehmender UV-B-Dosis nahm der Gesamtterpengehalt der Blüten bei beiden Sorten ab, während sich die relative Zusammensetzung einzelner Terpene je nach Sorte unterschiedlich veränderte. Auch THC- und CBD-Gehalt sanken bei einer der beiden Sorten mit steigender UV-Dosis, bei der anderen nicht. Höhere UV-Dosen führten zudem zu kleineren Pflanzen, verformten Blättern und brauner werdenden Narben.

Die Autoren ziehen ein klares Fazit: UV-Strahlung als Anbau-Werkzeug brachte in diesem Versuch keinen kommerziell relevanten Vorteil für Ertrag oder Inhaltsstoffe. Das deckt sich mit einer weiteren Untersuchung, die auch bei Cannabinoiden keinen Ertragsvorteil durch UV-B fand. Die verbreitete Idee, „mehr UV am Ende der Blüte“ verbessere automatisch Aroma oder Wirkstoffgehalt, ist mit diesen Daten nicht zu belegen.

Cannabinoide als Nebenbefund: Vorsicht vor Verwechslung

Ein Teil der oft zitierten „Licht-und-Terpene“-Aussagen stammt eigentlich aus Studien, die gar keine Terpene gemessen haben, sondern Cannabinoide. Ein italienisch-finnischer Vergleich von Natriumdampflicht und zwei LED-Spektren fand Unterschiede in Wuchshöhe und Cannabinoidprofil – LED-Pflanzen hatten höhere CBD- und THC-Konzentrationen als Pflanzen unter Natriumdampflicht –, maß aber keine Terpene. Eine israelische Studie zum Blau-Rot-Verhältnis fand vor allem Effekte auf die Cannabinoid-Vorstufe CBGA und auf die Wuchsform, ebenfalls ohne Terpenmessung.

Das ist relevant, weil Terpene und Cannabinoide zwar beide in denselben Trichomen entstehen, aber über unterschiedliche Stoffwechselwege gebildet werden und nicht zwangsläufig gleich auf Licht reagieren. Wer einen Befund zu Cannabinoiden unter einem bestimmten Spektrum liest und daraus automatisch auf „mehr Terpene“ schließt, überträgt ein Ergebnis auf eine Stoffgruppe, die in der jeweiligen Studie gar nicht untersucht wurde.

Warum sich die Ergebnisse kaum verallgemeinern lassen

Die vorliegenden Studien unterscheiden sich in Sorte, Lichtintensität, Versuchsdauer, Klimakammer- oder Gewächshausbedingungen und Analysemethode. Ein Effekt, der bei einer Sorte und einer bestimmten PPFD auftaucht, muss bei einer anderen Sorte oder Intensität nicht auftreten – genau das zeigte schon der Unterschied zwischen hoher und niedriger Lichtintensität in der niederländischen Studie. Unabhängige Wiederholungen mit denselben Sorten und Spektren sind bislang selten, und Terpenprofile schwanken ohnehin stark zwischen Cannabis-Genetiken, wie unter anderem chemotaxonomische Untersuchungen zeigen.

Für die Praxis bedeutet das: Einzelbefunde sind interessant, aber keine Anleitung. Bevor sich eine belastbare Empfehlung formulieren lässt, braucht es mehr unabhängige Studien mit vergleichbaren Sorten, Spektren und Messmethoden. Bis dahin bleibt die Studienlage zu Licht und Terpenen bei Cannabis dünn und in Teilen widersprüchlich.

Typische Fehldeutungen zu Licht und Terpenen

  • „Blaues Licht erhöht den Terpengehalt.“ Studien zum Blauanteil untersuchten vor allem Wuchsform und Cannabinoide, keine systematischen Terpeneffekte.

  • „UV-Licht am Ende der Blüte steigert Aroma und Wirkstoffgehalt.“ Eine kontrollierte Studie fand das Gegenteil: sinkenden Gesamtterpengehalt mit steigender UV-B-Dosis.

  • „Mehr Licht bedeutet automatisch mehr Terpene.“ Der einzige gefundene Effekt trat nur bei hoher Intensität und einem bestimmten Rotlicht-Spektrum gemeinsam auf, nicht bei hoher Intensität allein.

  • „Ergebnisse zu Cannabinoiden gelten genauso für Terpene.“ Mehrere zitierte Studien haben ausschließlich Cannabinoide gemessen; ihre Befunde auf Terpene zu übertragen ist nicht durch Daten gedeckt.

  • „Ein Einzelbefund ist schon eine gesicherte Methode.“ Ohne unabhängige Wiederholung an anderen Sorten bleibt ein einzelnes Studienergebnis ein Hinweis, keine belastbare Anbauregel.

Grundlagen zu Lichtmenge und Spektrum ohne Bezug auf Terpene erklären die Artikel PAR und Lichtspektrum; wie UV-Licht allgemein auf Pflanzen wirkt, zeigt der Artikel UV als Pflanzenstressfaktor.

Häufige Fragen

Erhöht UV-Licht den Terpengehalt von Cannabisblüten?

Nach der bislang aussagekräftigsten Untersuchung eher nicht: Mit steigender UV-B-Dosis sank der Gesamtterpengehalt der Blüten bei beiden getesteten Sorten, während einzelne Terpene je nach Sorte unterschiedlich reagierten. Die verbreitete Annahme, UV-Licht steigere Terpene oder Wirkstoffgehalt zuverlässig, ist damit nicht belegt.

Gibt es ein optimales Lichtspektrum für mehr Terpene?

Eine belastbare, allgemeingültige Empfehlung gibt es nicht. Eine Studie fand eine höhere Terpenoidkonzentration unter einem Spektrum mit zwei Rotlicht-Peaks, allerdings nur bei hoher Lichtintensität und nicht bei geringerer – ein Hinweis darauf, wie stark solche Effekte von den genauen Versuchsbedingungen abhängen.

Wirkt sich das Spektrum auf Cannabinoide genauso aus wie auf Terpene?

Nicht zwangsläufig. In einer Studie veränderte sich die Terpenoidkonzentration, ohne dass sich der Cannabinoidgehalt unterschied. Andere Studien fanden umgekehrt Effekte auf Cannabinoide, maßen Terpene aber gar nicht. Beide Stoffgruppen werden unterschiedlich reguliert und sollten nicht gleichgesetzt werden.

Warum ist die Studienlage zu Licht und Terpenen bei Cannabis so dünn?

Kontrollierte Lichtversuche mit chemischer Terpenanalyse sind aufwendig, und rechtliche Einschränkungen haben universitäre Forschung an Cannabis lange erschwert. Eine Übersichtsarbeit aus der Pflanzenphysiologie stellt fest, dass deutlich mehr Wissenstransfer aus der allgemeinen Pflanzenforschung nötig ist, weil belastbare, cannabisspezifische Daten noch selten sind.

Sollte ich das Lichtspektrum am Ende der Blüte gezielt wechseln, um mehr Aroma zu bekommen?

Dafür fehlt eine verlässliche Grundlage. Die verfügbaren Studien zeigen zwar, dass Spektrum und Intensität Terpen- oder Cannabinoidwerte verändern können, aber die Effekte waren klein, uneinheitlich und stark von Sorte und Versuchsaufbau abhängig. Ein pauschaler Spektrumwechsel kurz vor der Ernte ist keine geprüfte Methode.

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Quellen

  1. The role of red and white light in optimizing growth and accumulation of plant specialized metabolites at two light intensities in medical cannabis (Cannabis sativa L.) Holweg, Kaiser, Kappers, Heuvelink, Marcelis – Frontiers in Plant Science 15, 2024Nur bei hoher Lichtintensität (1.200 µmol/m²/s) erhöhte ein Spektrum mit zwei Rotlicht-Peaks (640 und 660 nm) die Terpenoidkonzentration gegenüber den anderen getesteten Spektren; der Cannabinoidgehalt unterschied sich in keiner Variante.
  2. Cannabis Inflorescence Yield and Cannabinoid Concentration Are Not Increased With Exposure to Short-Wavelength Ultraviolet-B Radiation Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Der Gesamtterpengehalt der Blüten sank bei beiden getesteten Sorten mit steigender UV-B-Dosis; die relative Zusammensetzung einzelner Terpene veränderte sich sortenabhängig unterschiedlich.
  3. The Effect of Light Spectrum on the Morphology and Cannabinoid Content of Cannabis sativa L. Magagnini, Grassi, Kotiranta – Medical Cannabis and Cannabinoids 1, 2018Verschiedene Lichtquellen (Natriumdampf, zwei LED-Spektren) veränderten Wuchshöhe und Cannabinoidprofil; Terpene waren in dieser Studie kein Messwert.
  4. Light matters: Effect of light spectra on cannabinoid profile and plant development of medical cannabis (Cannabis sativa L.) Danziger, Bernstein – Industrial Crops and Products 164, 2021Das Blau-Rot-Verhältnis veränderte Wuchsform und Cannabinoidprofil, besonders die CBGA-Konzentration; auch hier wurden keine Terpene gemessen.
  5. An Update on Plant Photobiology and Implications for Cannabis Production Eichhorn Bilodeau, Wu, Rufyikiri, MacPherson, Lefsrud – Frontiers in Plant Science 10, 2019Übersichtsarbeit: Die Forschung zu Lichtspektrum und Sekundärstoffen bei Cannabis steht noch am Anfang, mehr Wissenstransfer aus der allgemeinen Pflanzenforschung wird als nötig beschrieben.
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