Lichtmessung: Mit welchem Gerät misst du PPFD richtig?
Kurz erklärt
Verlässlich misst du Pflanzenlicht mit einem Quantensensor (PAR-Meter), der Photonen zwischen 400 und 700 nm zählt und in µmol/m²/s (PPFD) anzeigt. Lux-Meter und Smartphone-Apps arbeiten mit Umrechnungsfaktoren, die vom Lichtspektrum der Lampe abhängen, und liefern deshalb nur grobe Näherungswerte. Für eine belastbare Einschätzung misst du an mehreren Punkten auf Höhe der Triebspitzen, mittelst die Werte und wiederholst die Messung nach jeder Änderung an Höhe, Dimmung oder Leuchtenzahl.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Quantensensor (PAR-Meter)
- misst Photonen 400–700 nm in µmol/m²/sReferenzgerät für PPFD, kosinuskorrigiert
- Lux-Meter
- misst nach menschlicher Augenempfindlichkeit gewichtetUmrechnung in PPFD nur näherungsweise, abhängig vom Lampenspektrum
- Smartphone-Apps
- günstigste Option, nutzen internen Lichtsensor oder Kameraersetzen keinen kalibrierten Sensor für absolute Werte
- Messpunkt
- auf Höhe der Triebspitzen, im Raster über die Fläche
- DLI-Berechnung
- DLI (mol/m²/Tag) = PPFD × 3.600 × Lichtstunden ÷ 1.000.000
Womit du Pflanzenlicht misst: Geräte im Überblick
Der Quantensensor, auch PAR-Meter genannt, ist das Referenzgerät für Pflanzenlicht. Er zählt gezielt Photonen im Bereich von 400 bis 700 nm und zeigt das Ergebnis als PPFD in µmol/m²/s an. Gute Sensoren sind kosinuskorrigiert, das heißt, sie werten schräg einfallendes Licht genauso korrekt wie senkrecht einfallendes – wichtig, weil Licht in einem Zelt aus vielen Richtungen kommt, nicht nur von oben.
Lux-Meter messen dagegen Beleuchtungsstärke, gewichtet nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges. Das Auge reagiert am stärksten auf Gelbgrün und kaum auf tiefes Rot oder Blau – für die Photosynthese ist diese Gewichtung ungeeignet, wie im Artikel zu PAR näher erklärt. Smartphone-Apps sind die günstigste Variante: Sie nutzen entweder den eingebauten Umgebungslichtsensor, der eigentlich die Bildschirmhelligkeit steuert, oder die Frontkamera, und rechnen mit einem hinterlegten Faktor auf PPFD um.
Für ambitioniertere Anwendungen gibt es zusätzlich Datenlogger, die die PPFD über den gesamten Tag aufzeichnen, und Spektroradiometer, die das komplette Spektrum einer Lichtquelle messen. Für den Hobby-Grow reicht in aller Regel ein einfacher, kosinuskorrigierter Quantensensor.
Warum Lux- und App-Werte nur näherungsweise stimmen
Der Umrechnungsfaktor zwischen Lux und PPFD hängt vom Spektrum der jeweiligen Lichtquelle ab. Grundlegende Arbeiten zur Umrechnung photometrischer, radiometrischer und Photonen-Einheiten zeigen, dass für Sonnenlicht, Leuchtstoffröhren, Natriumdampf- oder Halogenmetalldampflampen jeweils unterschiedliche Faktoren gelten – ein pauschaler Umrechnungswert für „Licht allgemein“ existiert nicht. Für moderne LEDs mit ihren sehr unterschiedlichen Spektren gilt das genauso.
Smartphone-Apps stehen vor demselben Problem: Sie multiplizieren den Sensorwert mit einem hinterlegten Faktor für einen angenommenen Lampentyp. Passt das gewählte Lampenprofil nicht zum tatsächlichen Spektrum, weicht das Ergebnis entsprechend ab. Eine Einführung zur Tageslichtsumme nennt solche Apps ausdrücklich als die kostengünstigste Option unter den Lichtmessgeräten – ohne jedoch eine Genauigkeit zu versprechen, die an einen kalibrierten Quantensensor heranreicht. Für die Beobachtung von Trends im eigenen Zelt, etwa ob eine Änderung der Aufhängehöhe überhaupt etwas bewirkt, können Apps trotzdem hilfreich sein.
Richtig messen: Vorgehen Schritt für Schritt
Lass die Leuchte vor der Messung einige Minuten laufen, damit sich Helligkeit und Spektrum stabilisieren.
Halte den Sensor waagerecht auf Höhe der obersten Triebspitzen.
Miss an mehreren Punkten in einem Raster über die Fläche, zum Beispiel 3 × 3 Punkte pro Quadratmeter, statt nur einmal in der Mitte.
Notiere Minimum, Mittelwert und Maximum; der Mittelwert ist für die Einordnung gegen Richtwerte entscheidend.
Wiederhole die Messung nach jeder Änderung von Höhe, Dimmung, Leuchtenzahl oder Pflanzenanordnung.
Ein standardisiertes Vorgehen ist auch in der Forschung wichtig: Ein Vorschlag für ein einheitliches Lampenlabel argumentiert, dass Anbauer Leuchten nur dann sinnvoll vergleichen können, wenn Effizienz- und Verteilungswerte nach derselben Methode gemessen werden – ein Grundsatz, der genauso für die eigene Messung im Zelt gilt: immer unter vergleichbaren Bedingungen messen, um Änderungen sauber beurteilen zu können.
Von PPFD zur Tageslichtsumme (DLI)
Eine einzelne PPFD-Messung ist eine Momentaufnahme. Wie viel Licht eine Pflanze über den ganzen Tag bekommt, beschreibt die Tageslichtsumme (DLI) in mol/m²/Tag. Sie lässt sich aus PPFD und Beleuchtungsdauer berechnen:
DLI = PPFD × 3.600 × Lichtstunden ÷ 1.000.000
Bei 200 µmol/m²/s und 16 Stunden Licht ergibt das rund 11,5 mol/m²/Tag. Wer die Beleuchtungsdauer ändert, etwa von 18 auf 12 Stunden beim Wechsel in die Blüte, sollte die PPFD neu messen und die DLI neu berechnen, statt von der alten Einstellung auszugehen. Mehr zur Bedeutung und zu Richtwerten je Wachstumsphase steht im Artikel zur DLI.
Es lohnt sich, gemessene PPFD-Werte und die daraus berechnete DLI zusammen mit Datum, Höhe und Dimmstufe festzuhalten, statt sie nur einmalig zu notieren. So lässt sich später nachvollziehen, welche Einstellung zu welchem Wachstum geführt hat, ähnlich wie bei anderen Kennzahlen im Grow-Tagebuch.
Typische Fehler und Fehldeutungen
Luxwerte direkt als PPFD interpretieren. Ohne lampenspezifischen Umrechnungsfaktor ist das nur eine grobe Schätzung.
Nur einmal und nur in der Mitte messen. Das überschätzt die durchschnittliche Lichtversorgung der gesamten Fläche.
Kalte Lampe direkt nach dem Einschalten messen. Helligkeit und Spektrum mancher Lampentypen ändern sich in den ersten Minuten nach dem Start.
App-Werte verschiedener Lampentypen direkt vergleichen. Wenn das hinterlegte Lampenprofil nicht zur tatsächlichen Lichtquelle passt, sind die Werte nicht ohne Weiteres vergleichbar.
Nach jeder Anpassung auf eine neue Messung verzichten. Höhe, Dimmung und Pflanzenstand verändern die PPFD spürbar; nur eine erneute Messung zeigt, ob eine Änderung tatsächlich das gewünschte Ergebnis bringt.
Häufige Fragen
Reicht ein Lux-Meter für den Grow aus?
Für relative Vergleiche an derselben Lampe – etwa vor und nach dem Höherhängen – ja. Für absolute PPFD-Werte nicht, weil Lux nach der Augenempfindlichkeit gewichtet ist und der Umrechnungsfaktor je nach Lichtspektrum stark schwankt. Zwei Lampen mit demselben Luxwert können deutlich unterschiedliche PPFD liefern.
Sind Smartphone-Apps zur Lichtmessung brauchbar?
Als kostengünstiger Einstieg ja, für exakte Werte nur bedingt. Die Apps nutzen entweder den eingebauten Umgebungslichtsensor oder die Kamera und rechnen mit einem pauschalen Faktor auf PPFD um. Weil dieser Faktor vom Spektrum der jeweiligen Lampe abhängt, können die Ergebnisse je nach Lampentyp spürbar von einem kalibrierten Quantensensor abweichen.
Wo genau sollte ich messen?
Auf Höhe der Triebspitzen, an mehreren Punkten über die gesamte Fläche verteilt, zum Beispiel in einem Raster von 3 × 3 Punkten pro Quadratmeter. Ein einzelner Wert direkt unter der Lampenmitte überschätzt die tatsächliche Durchschnittsversorgung fast immer.
Wie berechne ich aus der PPFD die Tageslichtsumme?
Die Tageslichtsumme (DLI) ergibt sich aus DLI = PPFD × 3.600 × Lichtstunden ÷ 1.000.000, angegeben in mol/m²/Tag. Bei 200 µmol/m²/s und 16 Stunden Licht sind das rund 11,5 mol/m²/Tag. Ein Datenlogger, der die PPFD über den Tag aufzeichnet, macht diese Rechnung überflüssig, ist für den Hobbybereich aber meist nicht nötig.
Muss ich mein Messgerät kalibrieren lassen?
Ein einfacher Quantensensor für den Hobbygebrauch wird meist werksseitig kalibriert geliefert und driftet über Jahre hinweg nur langsam. Wichtiger als eine Nachkalibrierung ist, das Gerät nicht zu beschädigen, den Sensor sauber zu halten und bei Zweifeln die Werte gegen ein zweites Gerät oder eine bekannte Lichtquelle zu vergleichen.
Verwandte Themen
PPFD: Wie viel Licht kommt wirklich bei der Pflanze an?
PAR: Was ist photosynthetisch aktive Strahlung?
DLI: Wie berechnest du die Tageslichtsumme deiner Pflanzen?
Abstand zur Pflanze: Wie hoch sollte die LED hängen?
Alle Artikel der Kategorie Licht-Grundlagen
Aus dem Forum
- PPFD messen mit dem Handy – wie genau sind Apps? · 2 Antworten · Lichtmessung
- Effizienz von LED-Boards: Worauf es 2026 wirklich ankommt · 3 Antworten · LED
- Erster Indoor-Grow: 80×80 mit 150 W LED – Setup-Check · 4 Antworten · Indoor allgemein
- Studienlage: UV-B und Cannabinoidgehalt – was ist belegt? · 2 Antworten · Cannabis-Forschung
Eigene Frage stellenoder im Forum Lichtmessung stöbern
Quellen
- Photometric, Radiometric, and Quantum Light Units of Measure: A Review of Procedures for Interconversion Thimijan, Heins – HortScience 18, 1983Grundlegende Umrechnungsverfahren zwischen photometrischen (Lux), radiometrischen (W/m²) und Photonen-Einheiten (µmol/m²/s) für Sonnenlicht und mehrere Lampentypen.
- Proposed Product Label for Electric Lamps Used in the Plant Sciences Both, Bugbee, Kubota, Lopez, Mitchell, Runkle – HortTechnology 27, 2017Vorschlag für standardisierte, vergleichbare Messwerte auf Lampenetiketten, u. a. photosynthetische Photoneneffizienz und Lichtverteilung, gemessen nach einheitlicher Methode.
- Calculating and Using Daily Light Integral (DLI): An Introductory Guide Stallknecht – Virginia Cooperative Extension, Virginia Tech, 2023Erklärt Quantensensoren/PAR-Meter zur PPFD-Messung, nennt Smartphone-Apps als kostengünstigste Option und liefert die Rechenformel für die Tageslichtsumme (DLI) aus PPFD und Beleuchtungsdauer.
- Technical Requirements for LED-Based Horticultural Lighting, Version 4.0 DesignLights Consortium, 2025Schreibt für gelistete Gartenbau-LEDs die Messung der photosynthetischen Photoneneffizienz nach dem Prüfstandard ANSI/IES LM-79 vor – Beispiel für standardisierte, geräteunabhängige Lichtmessung in der Praxis.
So entstehen unsere Artikel: Redaktionsrichtlinien und Qualitätsstufen. Fehler gefunden? Schreib es in die Diskussion – wir prüfen jeden Hinweis.
Erfahrung ergänzen
Eigene Erfahrungen, Ergänzungen und Korrekturen zu diesem Artikel sind willkommen.
Anmelden, um den ersten Beitrag zu schreiben.