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Eisenmangel bei Cannabis: gelben Neuaustrieb erkennen und die Ursache finden

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Eisenmangel zeigt sich bei Cannabis als Gelbfärbung der jüngsten Blätter an den Triebspitzen, während die Blattadern zunächst grün bleiben; ältere Blätter bleiben dunkelgrün. Weil Eisen in der Pflanze kaum umverteilt wird, trifft es zuerst den Neuaustrieb. Oft liegt die Ursache nicht im Dünger, sondern in der Aufnahme: ein zu hoher pH, kalkhaltiges Gießwasser, geschädigte Wurzeln oder ein Eisenchelat, das beim vorhandenen pH zerfällt. Deshalb prüfst du zuerst pH und Wurzelzone und düngst erst dann nach.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Zuerst betroffen
jüngste Blätter an der TriebspitzeAdern bleiben anfangs grün, ältere Blätter bleiben dunkelgrün
Häufiger Auslöser
zu hoher pH im Wurzelraumvor allem mit hartem, bikarbonatreichem Wasser
Fe-EDTA
hält Eisen bis ca. pH 6,5 gelöst
Fe-DTPA
hält Eisen bis ca. pH 7,5 gelöstzerfällt unter Licht – Nährlösung dunkel lagern
Fe-EDDHA
hält Eisen bis ca. pH 9 gelöstfür kalkhaltige Erde und hohen pH, deutlich teurer

Wofür Cannabis Eisen braucht

Eisen ist ein Mikronährstoff: Die Pflanze braucht nur wenig davon, kann aber ohne es kein Chlorophyll bilden. Außerdem steckt es in Proteinen, die Elektronen in Photosynthese und Atmung weiterreichen. Fehlt Eisen, werden Blätter deshalb blass, obwohl Stickstoff und Magnesium reichlich vorhanden sind.

Im Substrat ist Eisen meist in ausreichender Menge vorhanden, aber schwer löslich – und zwar umso schwerer, je höher der pH steigt. Pflanzen wie Cannabis, die nicht zu den Gräsern gehören, nutzen eine Reduktionsstrategie: Sie wandeln dreiwertiges Eisen an der Wurzeloberfläche in besser aufnehmbares zweiwertiges Eisen um. Mineraldünger enthalten Eisen deshalb meist als Chelat – eine Verbindung, in der ein organisches Molekül das Eisen umschließt und in Lösung hält.

Einmal in die Blätter eingebaut, bleibt Eisen weitgehend dort. Bei Mangel kann die Pflanze es kaum in junge Blätter umlagern. Deshalb gehört es zu den immobilen Nährstoffen, deren Mangel zuerst am Neuaustrieb sichtbar wird.

So sieht Eisenmangel aus

In einer Studie an Hanfpflanzen hellten zuerst die Triebspitzen und die sich entfaltenden Blätter auf. Es folgte eine Gelbfärbung zwischen den Blattadern der jungen Blätter, während die unteren und mittleren Blätter kräftig dunkelgrün blieben. Dieser Kontrast zwischen hellem Neuaustrieb und dunklem Altlaub ist das wichtigste Erkennungszeichen.

Die Studienlage zeigt aber auch, dass Eisenmangel bei Cannabis oft schwach ausgeprägt ist. In einem Hydro-Versuch der University of Guelph, in dem den Pflanzen ab Blühbeginn kein Eisen mehr zugeführt wurde, wirkten Blütenblätter und Blüten nur etwas blasser, eine Fleckung junger Blätter verschwand wieder, und Ertrag sowie Cannabinoidgehalte blieben unverändert. Die Autoren vermuten, dass Reserven aus der Wachstumsphase ausreichten. Ein leicht blasser Neuaustrieb ist daher noch kein Notfall – ein deutlich gelber, der sich ausbreitet, schon.

Die eigentlichen Ursachen: pH, Bikarbonat und Chelat

Die wichtigste Spur führt zum pH. Steigt er im Wurzelraum zu hoch, wird Eisen unlöslich und die Umwandlung an der Wurzeloberfläche bricht stark ein. Beratungsstellen aus dem Gartenbau beschreiben gelben Neuaustrieb durch zu hohen Substrat-pH als typisches Schadbild. Grundlagen dazu im Artikel pH-Grundlagen.

Hartes Gießwasser verstärkt das Problem. Das enthaltene Bikarbonat puffert den pH so stark, dass die Wurzeln ihn kaum absenken können, und die Aufnahme von Nitrat hebt den pH direkt an der Wurzeloberfläche zusätzlich an. Mehr zur Wasserqualität steht im Artikel Leitungswasser.

Auch das Chelat selbst kann die Ursache sein. Jedes hält Eisen nur bis zu einem bestimmten pH in Lösung. Fe-DTPA zerfällt außerdem unter Licht: In Versuchen zersetzten vor allem blaues und UV-Licht das Chelat, lösliches Eisen fiel aus und der pH stieg. Nährlösungen gehören deshalb in lichtdichte Behälter.

Nicht zuletzt nehmen geschädigte Wurzeln schlechter auf – etwa bei Staunässe oder Wurzelfäule. Dann zeigt die Pflanze oft mehrere Mangelsymptome zugleich.

Eisenmangel beheben

  1. pH messen, am besten im Drain oder in einem Substratauszug, nicht nur in der Nährlösung.

  2. pH korrigieren: in Coco und Hydro auf etwa 5,8–6,2, in Erde auf etwa 6,0–7,0. Bei hartem Wasser die Alkalinität mit Säure abfangen.

  3. Wurzeln prüfen: Riechen sie modrig oder sind sie braun und weich, hilft kein Eisendünger.

  4. Chelat passend zum pH wählen (siehe Tabelle) und Nährlösungen dunkel lagern.

  5. Den Neuaustrieb beobachten. Erst neue, wieder normal grüne Blätter zeigen, dass die Korrektur wirkt.

Chelat

hält Eisen gelöst bis etwa

Einsatz

Fe-EDTA

pH 6,5

Coco, Hydro und torfbasierte Substrate im üblichen Bereich

Fe-DTPA

pH 7,5

Reserve bei leicht erhöhtem pH, in Lösung lichtempfindlich

Fe-EDDHA

pH 9

kalkhaltige Erde, dauerhaft hoher pH, deutlich teurer

In einem Versuch mit einer eisenempfindlichen Zierpflanze verhinderten alle drei Chelate Chlorose bis pH 6,5; oberhalb von pH 7,2 wirkte nur noch EDDHA.

Diagnose: Verwechslungen mit Mangan-, Schwefel- und Magnesiummangel

Ursache

Wo zuerst

Typisches Bild

Eisenmangel

jüngste Blätter an den Triebspitzen

gelb zwischen grünen Adern, Altlaub dunkelgrün

Manganmangel

obere und mittlere Blätter

netzartige, leuchtend gelbe Felder, später kleine hellbraune Flecken

Schwefelmangel

junge Blätter bzw. Pflanzenmitte

eher flächig blassgelb statt scharf zwischen den Adern

Magnesiummangel

ältere Blätter, in der Blüte teils höher

gelb zwischen grünen Adern an älterem Laub

Zu niedriger pH

ältere Blätter

gelbe Flecken, später abgestorbene Stellen durch Eisen- und Manganüberschuss

Typische Fehler sind, bei gelbem Neuaustrieb sofort Eisen nachzudüngen, ohne den pH zu kennen, den pH danach übermäßig abzusenken oder gelbe untere Blätter für Eisenmangel zu halten. Zeigen junge und alte Blätter gleichzeitig Symptome, spricht das eher für ein allgemeines Aufnahmeproblem, wie es der Artikel zum Nährstoff-Lockout beschreibt.

Häufige Fragen

Welches Eisenchelat ist das richtige?

Das hängt vom pH im Wurzelraum ab. Fe-EDTA hält Eisen bis etwa pH 6,5 in Lösung, Fe-DTPA bis etwa 7,5 und Fe-EDDHA bis etwa 9. Für Coco und Hydro im Bereich 5,8–6,2 reichen EDTA oder DTPA. EDDHA lohnt sich vor allem bei kalkhaltiger Erde oder dauerhaft hohem pH, weil es deutlich teurer ist.

Warum ist der Neuaustrieb gelb, obwohl mein Dünger Eisen enthält?

Meist kommt das Eisen nicht an. Ein hoher pH und Bikarbonat aus hartem Wasser senken die Löslichkeit und bremsen die Eisenaufnahme an der Wurzel. Chelate können außerhalb ihres pH-Bereichs zerfallen, Fe-DTPA zudem in Nährlösungen, die Licht abbekommen. Auch geschädigte Wurzeln nehmen schlechter auf.

Kann zu viel Eisen schaden?

Ja, vor allem bei zu niedrigem pH. Dann lösen sich Eisen und Mangan so stark, dass sie an älteren Blättern zunächst gelbe Flecken und später abgestorbene Stellen verursachen können. Wer bei gelbem Neuaustrieb unkontrolliert Eisen zugibt und gleichzeitig den pH stark absenkt, riskiert genau das.

Wie unterscheide ich Eisen- von Magnesiummangel?

An der Position. Eisenmangel beginnt an den jüngsten Blättern, während die unteren dunkelgrün bleiben. Magnesiummangel beginnt in der Regel an älteren Blättern, auch wenn er in der Blüte weiter oben auftreten kann. Beide zeigen gelbes Gewebe zwischen grünen Adern, deshalb lohnt der Vergleich von oben und unten.

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Quellen

  1. Iron Uptake, Translocation, and Regulation in Higher Plants Kobayashi, Nishizawa – Annual Review of Plant Biology 63, 2012Übersicht zur Rolle von Eisen und zur Reduktionsstrategie, mit der Nicht-Gräser schwer lösliches Eisen an der Wurzel aufnehmen.
  2. Effects of bicarbonate, nitrate and other environmental factors on iron deficiency chlorosis. A review Lucena – Journal of Plant Nutrition 23, 2000Bikarbonat puffert den pH, die Eisenreduktion an der Wurzel nimmt bei hohem pH stark ab, Nitrataufnahme hebt den pH an der Wurzeloberfläche.
  3. Fertigation with Fe-EDTA, Fe-DTPA, and Fe-EDDHA Chelates to Prevent Iron Chlorosis of Sensitive Species in High-pH Soilless Media Hershkowitz, Dey, Heins, Bugbee – HortScience 60, 2025Fe-EDTA bindet Eisen bis pH 6,5, Fe-DTPA bis 7,5, Fe-EDDHA bis 9; oberhalb von pH 7,2 verhinderte nur EDDHA Chlorose.
  4. Photodegradation of FeDTPA in Nutrient Solutions. I. Effects of Irradiance, Wavelength, and Temperature Albano, Miller – HortScience 36, 2001Licht, vor allem blaues und UV-Licht, zersetzt Fe-DTPA in Nährlösungen; lösliches Eisen fällt aus.
  5. Characterization of Nutrient Disorders of Cannabis sativa Cockson, Landis, Smith, Hicks, Whipker – Applied Sciences 9, 2019Eisenmangel an Hanf: Chlorose zwischen den Adern an Triebspitze und jungen Blättern, untere Blätter dunkelgrün; Vergleich mit Mangan- und Schwefelmangel.
  6. Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies Llewellyn, Golem, Jones, Zheng – Plants 12, 2023Eisenentzug in der Blüte führte nur zu schwachen, teils vorübergehenden Symptomen ohne Ertragseinbußen.
  7. Essential pH Management in Greenhouse Crops: pH and Plant Nutrition Pennisi, Thomas – University of Georgia Extension, Bulletin 1256, 2023Zu hoher Substrat-pH führt zu Eisenmangel am Neuaustrieb, zu niedriger pH zu Eisen- und Manganüberschuss an älteren Blättern.

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