Temperatursensoren für den Grow: Typen, Genauigkeit und richtige Platzierung
Kurz erklärt
Temperatursensoren für den Grow arbeiten meist als Thermistor, seltener als RTD (Pt100) oder Thermocouple, und sind häufig mit einem kapazitiven Feuchtigkeitssensor zu einem Kombisensor kombiniert. Ihre Messwerte sind nur so gut wie ihre Platzierung: Direkt unter einer Lampe oder in praller Sonne zeigen unbelüftete Sensoren durch Strahlungswärme mehrere Grad zu viel an, an kalten Wänden oder im Luftzug der Abluft zu wenig. Entscheidend sind deshalb ein Standort auf Blatthöhe, im Schatten der eigenen Messhalterung und mit etwas Luftbewegung, sowie eine gelegentliche Kontrolle der Anzeige gegen ein zweites Gerät.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Verbreitetster Sensortyp
- NTC-Thermistormeist kombiniert mit kapazitivem Feuchtesensor im selben Bauteil
- Fehler ohne Strahlungsschutz
- bis zu 7,6 °C zu hochunbelüftete Sensoren in direkter Strahlung, Gewächshausstudie (Jeong et al. 2019)
- Direkte Sonne, keine Lüftung
- bis ca. 2,8 °C MessfehlerTeichmann et al. 2024
- Günstige Kombisensoren
- Abweichung oft ca. 1–1,5 °CPraxisstudie im Gewächshaus (RMSE 1,48 °C)
- Infrarot-Sensoren
- nach Kalibrierung ca. 0,4 °C genauerfür berührungslose Messung der Blatttemperatur
Welche Sensortypen im Grow üblich sind
Die meisten Temperatursensoren für Growboxen sind NTC-Thermistoren – kleine Halbleiterbauteile, deren elektrischer Widerstand mit steigender Temperatur sinkt. Sie sind günstig, reagieren schnell und stecken in fast jedem Zeltcomputer, Klimaregler und Kombisensor für Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Ihr Nachteil ist eine nicht ganz lineare Kennlinie, die durch die Elektronik im Gerät ausgeglichen werden muss.
Seltener, aber in professionellerer Technik verbreitet, sind RTD-Sensoren (meist Pt100 oder Pt1000), die die Temperaturabhängigkeit des elektrischen Widerstands von Platin nutzen. Sie messen sehr stabil über lange Zeit, brauchen aber mehr Elektronik als ein einfacher Thermistor. Thermoelemente (Thermocouples) erzeugen direkt eine kleine Spannung an der Verbindungsstelle zweier unterschiedlicher Metalle und eignen sich vor allem für sehr hohe oder sehr niedrige Temperaturen außerhalb des Grow-Bereichs.
Für die Blatttemperatur kommen zusätzlich Infrarot-Sensoren infrage, die die Wärmestrahlung der Blattoberfläche berührungslos erfassen. Eine Untersuchung zu Infrarot-Thermoelementen für die Blatttemperaturmessung zeigt, dass unkalibrierte Geräte Fehler zwischen −1,8 und 18 °C aufweisen können, eine Kalibrierung die Genauigkeit aber um etwa 0,4 °C verbessert. Für punktuelle Kontrollen an heißen Stellen im Blätterdach sind sie deshalb hilfreich, siehe auch der Artikel zu Hitzestress; als alleinige Grundlage für die Klimasteuerung ersetzen sie einen fest montierten Sensor nicht.
Feuchtigkeitssensoren: meist im selben Bauteil
In den meisten Growbox-Sensoren steckt neben dem Thermistor ein kapazitiver Feuchtesensor: Eine dünne Schicht nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf, wodurch sich ihre elektrische Kapazität ändert. Diese Kombination aus Temperatur- und Feuchtemessung in einem Bauteil ist praktisch, weil beide Werte zusammen ausgewertet werden müssen, um das Dampfdruckdefizit zu berechnen.
Ein Praxistest eines verbreiteten, günstigen Kombisensors im Gewächshaus ermittelte eine Abweichung von rund 1,5 °C bei der Temperatur und gut 3 Prozentpunkten bei der Luftfeuchtigkeit gegenüber einer Referenzmessung. Für die meisten Grows reicht diese Genauigkeit aus, um Trends und grobe Richtwerte zu verfolgen; für sehr genaue Einstellungen nahe kritischer Grenzen, etwa kurz vor der Ernte, lohnt der Vergleich mit einem zweiten Gerät.
Wo Messfehler entstehen
Der größte Fehlerfaktor ist selten der Sensor selbst, sondern sein Standort. Direkte Strahlungswärme – von einer Lampe, aber auch von Sonnenlicht durch ein Fenster – heizt das Sensorgehäuse stärker auf als die umgebende Luft und täuscht eine zu hohe Temperatur vor. Eine Gewächshausstudie zu unbelüfteten Strahlungsschutzgehäusen registrierte dadurch Höchsttemperaturen von bis zu 7,6 °C über der belüfteten Referenzmessung; eine weitere Untersuchung zu Sensoren in direkter Sonne fand ohne Lüftung Fehler von bis zu 2,8 °C.
Der Gegenspieler heißt Strahlungsschutz: ein einfaches, durchlüftetes Gehäuse, das den Sensor vor direkter Strahlung abschirmt, ohne den Luftaustausch zu blockieren. In kleinen Zelten reicht oft schon ein Standort außerhalb der direkten Sichtlinie zur Lampe; in Gewächshäusern und bei viel Sonneneinstrahlung zeigen die Studien, dass eine aktiv belüftete Abschirmung spürbar genauere Werte liefert. Auch der umgekehrte Fehler kommt vor: Ein Sensor direkt im kalten Zuluftstrom oder an einer Außenwand zeigt zu niedrige Werte.
Sensoren richtig platzieren und prüfen
Für verlässliche Werte gilt eine einfache Grundregel: auf Blatthöhe der obersten Triebe messen, nicht am Boden oder direkt an der Zeltwand. Zusätzlich helfen folgende Punkte:
Abstand zur Lampe einhalten, sodass der Sensor nicht direkt bestrahlt wird, aber nah genug am Geschehen bleibt.
Nicht im direkten Luftstrom der Zu- oder Abluft platzieren, weil dort untypisch kühle oder warme Luft vorbeizieht.
Etwas Abstand zu Wänden und Ecken halten, wo sich Luft weniger gut durchmischt.
Min-Max-Speicher oder Datenlogger nutzen, um auch Spitzenwerte während der Lichtphase und nächtliche Tiefstwerte zu erfassen.
Zwei Sensoren an unterschiedlichen Stellen vergleichen, um Hotspots im Zelt aufzudecken, etwa direkt unter der Lampe gegenüber einer Zeltecke.
Regelmäßige Kontrolle ersetzt keine Laborkalibrierung, deckt aber grobe Abweichungen auf. Ein einfacher Vergleich mit einem zweiten, unabhängigen Thermometer am selben Ort zeigt, ob ein Sensor driftet. Wie ein ähnlicher Abgleich bei pH-Messgeräten funktioniert, beschreibt der Artikel pH-Messgerät kalibrieren – das Prinzip lässt sich sinngemäß übertragen.
Typische Fehler bei Temperatursensoren
Sensor direkt unter der Lampe montieren. Strahlungswärme lässt die Anzeige höher ausfallen, als es die Luft im restlichen Zelt ist.
Sensor an der Zeltwand oder im Zuluftstrom platzieren. Das ergibt eher die Temperatur der einströmenden Luft als die am Blätterdach.
Blind auf einen einzelnen Wert vertrauen. Ohne Min-Max-Speicher bleiben kurze Hitzespitzen während der Lichtphase unbemerkt.
Günstige Sensoren als exakt behandeln. Kombisensoren aus dem Elektronikbedarf liefern brauchbare Trends, aber keine Referenzgenauigkeit – für kritische Entscheidungen hilft ein Abgleich.
Abweichende Werte sofort dem Gerät anlasten. Oft liegt der Unterschied am Standort im Zelt, nicht an einem Defekt; erst ein Vergleich baugleicher Sensoren am selben Ort klärt das.
Infrarot-Einzelmessung mit Dauerüberwachung verwechseln. Ein Infrarot-Thermometer zeigt nur den Moment und die angepeilte Stelle, keinen Verlauf über Zeit.
Häufige Fragen
Welcher Sensor eignet sich für die Luftfeuchtigkeit?
Im Grow-Bereich üblich sind kapazitive Feuchtesensoren, die fast immer zusammen mit einem Thermistor in einem einzigen Kombibauteil stecken – das ist auch bei den meisten Zeltcomputern und Klimareglern der Fall. Sie messen ausreichend genau für die Praxis, driften aber mit der Zeit; ein gelegentlicher Abgleich lohnt sich, wie im Artikel zur relativen Luftfeuchtigkeit beschrieben.
Warum zeigen zwei Sensoren im selben Zelt unterschiedliche Werte?
Meist liegt es am Standort, nicht am Gerät: Ein Sensor nahe der Lampe erfasst zusätzliche Strahlungswärme, einer nahe der Zuluftöffnung eher die kühlere Frischluft. Schon wenige Zentimeter Höhenunterschied im Blätterdach können messbare Differenzen erzeugen. Erst wenn baugleiche Sensoren am selben Ort deutlich abweichen, ist ein Gerätedefekt oder eine nötige Kalibrierung wahrscheinlich.
Brauche ich einen Strahlungsschutz im Zelt?
Für die meisten kleinen Zelte reicht es, den Sensor nicht in direkter Sichtlinie zur Lampe und nicht unmittelbar im Luftstrom der Zuluft zu platzieren. In Gewächshäusern und bei starker Sonneneinstrahlung zeigen Studien dagegen deutliche Fehler ohne belüfteten Strahlungsschutz – dort lohnt sich ein einfaches, gut durchlüftetes Schutzgehäuse.
Wie oft sollte ich einen Temperatursensor überprüfen?
Eine feste Regel gibt es nicht. Sinnvoll ist ein Vergleich mit einem zweiten, unabhängigen Thermometer alle paar Monate sowie nach jedem Sturz oder Standortwechsel. Weicht die Anzeige mehrere Zehntel Grad ab, notiere die Differenz oder ersetze den Sensor, statt sie zu ignorieren.
Lohnt sich ein Infrarot-Thermometer für die Blatttemperatur?
Für punktuelle Kontrollen ja, besonders um Hitzestress an den obersten, lampennahen Blättern zu erkennen, die deutlich wärmer sein können als die Luft im Zelt. Für die dauerhafte Klimasteuerung ersetzt es aber keinen fest platzierten Lufttemperatursensor, weil es nur einzelne Punkte zu einem Zeitpunkt erfasst.
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Quellen
- Effects of an Aspirated Radiation Shield on Temperature Measurement in a Greenhouse Jeong, Lee, Yun, Kim, Ahn, Seo, Yoon – Journal of Bio-Environment Control 28, 2019Ohne Lüftung wichen Höchsttemperaturen an unbelüfteten Strahlungsschutzgehäusen um bis zu 7,6 °C von der belüfteten Referenz ab.
- Measurement Errors When Measuring Temperature in the Sun Teichmann, Pichlhöfer, Sulejmanovski, Korjenic – Sensors 24, 2024Unbelüftete Sensoren in direkter Sonneneinstrahlung zeigten je nach Untergrund bis zu 2,8 °C zu hohe Lufttemperatur.
- The feasibility study: Accuracy and precision of DHT 22 in measuring the temperature and humidity in the greenhouse Wardani, Ichniarsyah, Telaumbanua, Priyonggo, Fil'aini, Mufidah, Dewangga – IOP Conference Series: Earth and Environmental Science 1230, 2023Praxistest eines günstigen kombinierten Temperatur-Feuchte-Sensors im Gewächshaus: RMSE von 1,48 °C bei Temperatur und 3,18 % bei Luftfeuchtigkeit.
- Performance Evaluation of an Infrared Thermocouple Chen, Weng, Shen – Sensors 10, 2010Berührungslose Infrarot-Sensoren zur Blatttemperaturmessung: Kalibrierung verbesserte die Genauigkeit um rund 0,4 °C; ohne Kalibrierung reichten Abweichungen von −1,8 bis 18 °C.
- Plant responses to rising vapor pressure deficit Grossiord, Buckley, Cernusak, Novick, Poulter, Siegwolf, Sperry, McDowell – New Phytologist 226, 2020Warum genaue Temperatur- und Feuchtemessung für das Dampfdruckdefizit und damit die Pflanzenreaktion zählt.
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