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Sensorplatzierung: Wo Temperatur- und Feuchtefühler hingehören

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Sensoren für Temperatur und Luftfeuchtigkeit gehören auf Höhe der obersten Blätter, außerhalb der direkten Sichtlinie zur Lampe und nicht im Luftstrom von Zu- oder Abluft. Schon wenige Zentimeter Abstand zu Lampe, Zeltwand oder Zuluftöffnung können mehrere Grad Temperaturunterschied und mehrere Prozentpunkte Luftfeuchtigkeit ausmachen. In kleinen Growboxen verschärft der geringe Luftraum diese Unterschiede zusätzlich, weshalb dort die Wahl des einen verfügbaren Messpunkts besonders sorgfältig getroffen werden sollte.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Temperaturunterschied tagsüber im Gewächshaus
ca. 5 °C zwischen Sensorpositionenbei viel Sonne bis ca. 8 °C
Fehler durch einen einzelnen Ersatzsensor
im Mittel < 1,2 °C, Spitzen bis 7,9 °Cgegenüber mehreren verteilten Sensoren
Fehler ohne Strahlungsschutz
bis zu 7,6 °Cunbelüfteter Sensor in direkter Strahlung
Praxisregel
auf Blatthöhe, weg von Lampe, Wand und Luftstrom

Warum die Platzierung wichtiger ist als das Gerät

Ein Temperatur- oder Feuchtesensor misst immer nur die Luft an seinem eigenen Standort – nicht automatisch das, was die Pflanze erlebt. Wie groß dieser Unterschied ausfallen kann, zeigen Messungen in Gewächshäusern: Mit sechzehn verteilten Temperaturfühlern registrierte eine Untersuchung tagsüber im Mittel rund 5 °C Unterschied zur Referenz auf Blätterdachhöhe, bei überdurchschnittlicher Sonneneinstrahlung stieg die Spannweite auf bis zu 8 °C. Ließe sich das Klima nur mit einem einzigen, ungünstig platzierten Sensor abschätzen, lag der Fehler im Mittel unter 1,2 °C, in Spitzen aber bei bis zu 7,9 °C – mit spürbaren Folgen für darauf aufbauende Berechnungen wie Wärmesummen.

Auch ohne Gewächshausdimensionen gilt das Prinzip im kleinen Zelt: Ein baugleicher, korrekt kalibrierter Sensor zeigt an einer ungünstigen Stelle einen ebenso falschen Eindruck vom Klima wie ein schlechter Sensor an der richtigen Stelle. Grundlagen zu Sensortypen und Messgenauigkeit erklärt der Artikel Temperatursensoren; hier geht es um den Standort.

Die Grundregeln für die Platzierung

Für Temperatur- und Feuchtesensoren gelten dieselben Grundregeln wie für jede Klimamessung:

  • Auf Höhe der obersten Blätter messen, nicht am Boden oder unter der Zeltdecke – dort weicht das Klima am stärksten von dem ab, was die Pflanze umgibt.

  • Nicht in direkter Sichtlinie zur Lampe. Strahlungswärme heizt das Sensorgehäuse zusätzlich auf und täuscht eine zu hohe Temperatur vor; eine Untersuchung zu unbelüfteten Messgehäusen in direkter Strahlung fand dadurch Fehler von bis zu 7,6 °C.

  • Nicht im direkten Luftstrom von Zu- oder Abluft. Dort misst der Sensor eher die einströmende oder gerade abgesaugte Luft als das Klima am Blätterdach.

  • Abstand zu Wänden und Ecken halten, weil sich Luft dort schlechter durchmischt und häufig kühler oder feuchter ist als in der Zeltmitte.

  • Nicht direkt über feuchtem Substrat oder neben einem Befeuchter, weil das lokal die Luftfeuchtigkeit erhöht, ohne das übrige Klima widerzuspiegeln.

Sensorik in kleinen Boxen

In kleinen Growboxen mit wenig Luftvolumen wirken sich Platzierungsfehler stärker aus als in großen Räumen, weil sich die Luft auf kurzer Distanz schlechter durchmischt und Lampenabstand, Zeltwand und Zuluftöffnung nah beieinanderliegen. Häufig lässt der begrenzte Platz zudem nur eine einzige sinnvolle Sensorposition zu, sodass die Wahl dieses einen Standorts besonders sorgfältig getroffen werden sollte.

In der Praxis bedeutet das: Der Sensor gehört seitlich neben das Blätterdach oder knapp darüber, mit Abstand zur Lampe und außerhalb des direkten Zuluftstroms – auch wenn das in einem 60- oder 80-Zentimeter-Zelt nur wenige Zentimeter Spielraum lässt. Wächst das Blätterdach im Laufe der Blüte weiter nach oben, muss der Sensor mitwandern, sonst misst er zunehmend die wärmere Luft nahe der Lampe statt der tatsächlichen Bedingungen am Wuchspunkt. Mehr zu den Besonderheiten beengter Setups sammelt die Kategorie Kleine Growboxen.

Mehrere Sensoren sinnvoll kombinieren

Wo Platz und Budget es zulassen, deckt ein zweiter Sensor an einer anderen Stelle – etwa direkt unter der Lampe im Vergleich zu einer Zeltecke – Hotspots und Kaltzonen auf, die ein einzelner Messpunkt nicht zeigt. Für die tägliche Steuerung reicht danach oft der repräsentativste Standort; die übrigen Werte dienen der Kontrolle. Eine Untersuchung in chinesischen Gewächshäusern fand zudem wärmere untere Luftschichten in bepflanzten Bereichen durch eingeschränkte Luftzirkulation – ein Hinweis darauf, dass sich Klimazonen nicht nur horizontal, sondern auch vertikal im Bestand unterscheiden können.

Ein Min-Max-Speicher oder Datenlogger ergänzt die Momentaufnahme um den Tagesverlauf und zeigt, ob kurzzeitige Spitzen während der Lichtphase oder in der Dunkelphase unbemerkt bleiben.

Günstige Funksensoren machen es inzwischen einfach, zwei oder drei Messpunkte gleichzeitig auf einem Display oder in einer App zu vergleichen, ohne Kabel durchs Zelt verlegen zu müssen. Wichtig bleibt dabei, dass alle Sensoren nach demselben Prinzip platziert werden – auf Pflanzenhöhe, mit Abstand zu Lampe und Luftstrom –, sonst lässt sich aus den Abweichungen zwischen den Werten nicht ablesen, ob es an der Position oder am Gerät liegt.

Typische Fehler und Fehldeutungen

  • Sensor dort aufhängen, wo gerade ein Kabel oder eine Klammer passt. Bequeme Stellen sind selten die repräsentativsten.

  • Position nie an das Pflanzenwachstum anpassen. Ein Sensor, der zu Beginn richtig saß, misst nach Wochen des Wachstums möglicherweise nur noch die Luft unterhalb des Blätterdachs.

  • Abweichende Werte zweier Sensoren sofort als Defekt werten. Häufig liegt der Unterschied am Standort im Zelt, nicht am Gerät.

  • In kleinen Boxen auf Sensorik verzichten, weil ohnehin alles nah beieinanderliegt. Gerade auf kurzer Distanz können Lampennähe und Zuluftstrom das Ergebnis verfälschen.

  • Nur einen Wert zu einem Zeitpunkt ablesen. Ohne Min-Max-Speicher bleiben Hitzespitzen während der Lichtphase oder Feuchtespitzen in der Nacht unbemerkt.

Häufige Fragen

Wie viele Sensoren braucht ein Growzelt wirklich?

Ein gut platzierter Sensor auf Blatthöhe reicht für die laufende Steuerung meist aus. Ein zweiter Sensor an einer anderen Stelle, etwa nahe der Lampe oder in einer Ecke, hilft zusätzlich dabei, Hotspots und Kaltzonen im Zelt aufzudecken.

Wo genau sollte der Sensor in einer kleinen Growbox hängen?

Seitlich neben dem Blätterdach oder knapp darüber, mit Abstand zur Lampe und außerhalb des direkten Zuluftstroms. In sehr kleinen Zelten bleiben oft nur wenige Zentimeter Spielraum, weshalb die verfügbare Position bewusst gewählt werden sollte.

Warum zeigen zwei Sensoren im selben Zelt unterschiedliche Werte?

Meist liegt es am Standort, nicht am Gerät: Ein Sensor nahe der Lampe erfasst zusätzliche Strahlungswärme, einer nahe der Zuluftöffnung eher kühlere Frischluft. Schon wenige Zentimeter Höhenunterschied im Blätterdach können messbare Differenzen erzeugen.

Sollte der Sensor bei einem SCROG-Netz über oder unter dem Blätterdach hängen?

Über dem Netz, auf Höhe der obersten, dem Licht zugewandten Blätter, weil dort die Bedingungen herrschen, die für Photosynthese und Verdunstung der Pflanze maßgeblich sind. Unter einem dichten Blätterdach misst der Sensor eher ein feuchteres, wärmeres Mikroklima.

Wie oft sollte ich die Sensorposition überprüfen?

Bei jedem größeren Wachstumsschritt, insbesondere wenn das Blätterdach nach oben wächst oder sich die Zeltbelegung ändert. Ein Sensor, der zu Beginn richtig saß, kann nach einigen Wochen bereits zu nah an der Lampe oder unter dem Blätterdach liegen.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Experimental analysis of temperature distribution inside a greenhouse: Influence of sensor placement on temperature measurement and implications for LAI estimation Caposciutti, Miserocchi, Cela, Incrocci, Franco, Tellini – Thermal Science and Engineering Progress 73, 202616 verteilte Sensoren zeigten tagsüber im Mittel ca. 5 °C, bei viel Einstrahlung bis 8 °C Unterschied; ein einzelner Ersatzsensor lag im Mittel unter 1,2 °C, in Spitzen bis 7,9 °C daneben.
  2. Effects of an Aspirated Radiation Shield on Temperature Measurement in a Greenhouse Jeong, Lee, Yun, Kim, Ahn, Seo, Yoon – Journal of Bio-Environment Control 28, 2019Ohne Lüftung wichen Höchsttemperaturen an unbelüfteten Strahlungsschutzgehäusen um bis zu 7,6 °C von der belüfteten Referenz ab.
  3. Spatial and Temporal Variability of Environmental Variables in Chinese Solar Greenhouses in the Summer Season Islam, Reza, Iqbal, Lee, Jang, Chung – Horticulturae 11, 2025Deutliche räumliche, vertikale und zeitliche Unterschiede in Temperatur und Luftfeuchtigkeit; bepflanzte Bereiche zeigten durch eingeschränkte Luftzirkulation wärmere untere Luftschichten.

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