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Kompost: Bestandteile, Reifegrad und Nährstoffwirkung im Substrat

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Kompost entsteht, wenn Mikroorganismen organische Reststoffe – vor allem stickstoffreiche „grüne“ und kohlenstoffreiche „braune“ Materialien im Verhältnis von etwa 25 bis 30 zu 1 (C:N) – zu einer dunklen, krümeligen Substanz abbauen. Reifer Kompost liefert Stickstoff, Phosphor und Kalium überwiegend langsam und organisch gebunden, verbessert Bodenstruktur und Wasserspeicherung und bildet die Grundlage jedes Living-Soil-Substrats. Unreifer Kompost kann Wurzeln dagegen durch Ammoniak, organische Säuren oder hohe Salzgehalte schädigen.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

C:N-Verhältnis beim Ansetzen
ca. 25–30 : 1Richtwert für eine zügige, aerobe Rotte
Stickstoffgehalt (reif)
ca. 1–2 % der Trockenmassestark abhängig vom Ausgangsmaterial
Phosphor / Kalium (reif)
ca. 0,3–0,9 % / 0,5–1,5 % der TrockenmasseRichtwerte, keine Garantiewerte
Verfügbarer Stickstoff im ersten Jahr
ca. 5–20 % des Gesamt-Stickstoffsabhängig vom C:N-Verhältnis des fertigen Komposts

Was Kompost ist und wie er entsteht

Kompost ist das Ergebnis eines gesteuerten, aeroben Abbaus organischer Reststoffe durch Bakterien und Pilze. Sauerstoff, Feuchtigkeit und ein passendes Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff (C:N) bestimmen, wie schnell und wie vollständig dieser Abbau abläuft. Als Richtwert für den Start gilt ein C:N-Verhältnis von etwa 25 bis 30 zu 1: Bei diesem Verhältnis finden die Mikroorganismen genug Energie (Kohlenstoff) und genug Baustoff für Zellwachstum (Stickstoff), um zügig und ohne Geruchsprobleme zu arbeiten.

Ist zu wenig Stickstoff vorhanden, verläuft die Rotte langsam und kühl. Ist zu viel Stickstoff vorhanden, geht überschüssiger Stickstoff als Ammoniak verloren – erkennbar am stechenden Geruch. Im Verlauf der Rotte sinkt das C:N-Verhältnis, weil ein Großteil des Kohlenstoffs als Kohlendioxid entweicht; fertiger Kompost liegt meist bei einem stabilen Verhältnis von etwa 10 bis 15 zu 1. Was aus diesem Abbau langfristig im Boden verbleibt, beschreibt der Artikel zur organischen Substanz.

Kompostanteile: Grüne und braune Materialien im richtigen Verhältnis

In der Kompostierung unterscheidet man umgangssprachlich „grüne“ und „braune“ Materialien. Grüne Materialien sind stickstoffreich und haben ein niedriges C:N-Verhältnis, zum Beispiel frischer Grasschnitt mit etwa 19 zu 1. Braune Materialien sind kohlenstoffreich und haben ein hohes C:N-Verhältnis, zum Beispiel trockenes Laub mit etwa 67 zu 1. Weitere typische Braunanteile sind Stroh, Karton und Holzhäcksel, weitere Grünanteile Küchenabfälle und frische Pflanzenreste.

Material

Typ

ungefähres C:N-Verhältnis

Frischer Grasschnitt

grün (N-reich)

ca. 19 : 1

Küchenabfälle, frische Pflanzenreste

grün (N-reich)

niedrig

Trockenes Laub

braun (C-reich)

ca. 67 : 1

Stroh, Karton, Holzhäcksel

braun (C-reich)

hoch

In der Praxis lässt sich das Verhältnis kaum genau berechnen, weil die Werte einzelner Materialien stark schwanken. Als Faustregel gilt: mehrere Teile braunes Material auf einen Teil grünes Material, dazu ausreichend Feuchtigkeit und regelmäßiges Durchmischen für Sauerstoffzufuhr. Im Zweifel ist ein zu hoher Kohlenstoffanteil unproblematischer als ein zu hoher Stickstoffanteil – die Rotte läuft dann nur langsamer statt Ammoniak zu verlieren oder zu faulen.

Kompost als Nährstoffquelle

Reifer Kompost enthält typischerweise etwa 1 bis 2 % Stickstoff, 0,3 bis 0,9 % Phosphor und 0,5 bis 1,5 % Kalium bezogen auf die Trockenmasse – die genauen Werte hängen stark vom Ausgangsmaterial ab. Verglichen mit mineralischem Dünger ist das wenig, und ein großer Teil davon steht der Pflanze nicht sofort zur Verfügung.

Entscheidend ist das C:N-Verhältnis des fertigen Komposts: Liegt es zwischen 10 und 20 zu 1, werden im ersten Jahr nach der Ausbringung meist nur etwa 5 % des enthaltenen Gesamtstickstoffs pflanzenverfügbar. Bei einem Verhältnis unter 10 zu 1 sind es eher 10 bis 20 %. In den Folgejahren setzt sich diese langsame Freisetzung mit rund 3 bis 5 % pro Jahr fort, solange organisches Material im Substrat verbleibt. Kompost wirkt damit eher wie ein Langzeitspeicher als wie ein schnell wirkender Dünger.

Für die Praxis bedeutet das: Kompost eignet sich gut, um eine Grundversorgung aufzubauen und Substrat langfristig zu verbessern, ersetzt aber selten allein die Nährstoffmenge, die eine Cannabispflanze besonders in der Blüte benötigt. Wie sich die Freisetzung aus organischem Material realistisch einschätzen lässt, vertieft der Artikel zur Nährstofffreisetzung.

Kompost im Living-Soil-System einsetzen

In einem lebenden Boden ist Kompost meist einer von mehreren Bausteinen, nicht das alleinige Substrat. Er liefert organisches Material, das Bodenorganismen als Nahrung dient, verbessert die Krümelstruktur und erhöht das Wasserhaltevermögen des Substrats. Details zu dieser strukturbildenden Wirkung erklärt der Artikel zur organischen Substanz.

Kompost lässt sich sowohl beim Ansetzen eines Substrats untermischen als auch später als dünne Auflage auf die Oberfläche geben. Wird er nicht mehr eingearbeitet, sondern nur noch aufgelegt und die Bodenstruktur dauerhaft geschont, spricht man von einem No-Till-System; mehr dazu im Artikel zu No-Till. Wie ein komplettes Living-Soil-Substrat aus Kompost, weiteren organischen Zuschlägen und mineralischen Anteilen zusammengesetzt wird, beschreibt der Artikel Living Soil anlegen.

Typische Fehler und Irrtümer

  • Unreifen Kompost verwenden. Frischer, noch nicht durchgerotteter Kompost kann Ammoniak und organische Säuren enthalten, die Wurzeln schädigen und zu hellen, verbrannten Blatträndern oder plötzlich welkenden Blättern führen. Reifer Kompost riecht erdig, nicht stechend.

  • „Kompost braucht man nicht mehr zu düngen“. Da der größte Teil der Nährstoffe organisch gebunden ist und nur langsam freigesetzt wird, reicht Kompost allein besonders in der Blüte selten aus. Er ergänzt eine Düngung, ersetzt sie aber nicht vollständig.

  • Zu viel frischen Kompost auf einmal einarbeiten. Große Mengen können den Salzgehalt und die Stickstoffverfügbarkeit kurzfristig stark verändern. Schrittweises Einarbeiten und Beobachten der Pflanze ist sicherer als eine einmalige große Gabe.

  • Verunreinigungen ignorieren. Große, unverrottete Stücke, Steine oder Plastikreste kommen vor allem bei selbst hergestelltem Kompost vor. Vor dem Einsatz im Topf lohnt sich ein grobes Sieben.

  • Alle „Kompost“-Produkte für gleichwertig halten. Nährstoffgehalt und Reifegrad schwanken stark zwischen Herstellern und Chargen. Ohne Analyse lässt sich der tatsächliche Gehalt nur schätzen, nicht genau bestimmen.

Einen Überblick über weitere Bausteine eines lebenden Bodens findest du in der Kategorie Living Soil.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob Kompost reif genug für den Einsatz ist?

Reifer Kompost ist dunkel, krümelig und riecht erdig, nicht nach Ammoniak oder Essig. Ein scharfer, stechender Geruch weist auf organische Säuren oder Ammoniak aus unvollständiger Rotte hin. Im Zweifel hilft ein einfacher Test: Ein paar Samen in feuchtem Kompost zum Keimen bringen – keimen sie schlechter als in normaler Anzuchterde, ist der Kompost noch nicht reif.

Kann Kompost eine vollständige Düngung ersetzen?

In der Regel nicht. Die meisten Nährstoffe liegen organisch gebunden vor und werden erst nach und nach durch Mikroorganismen freigesetzt – im ersten Jahr oft nur 5 bis 20 % des enthaltenen Stickstoffs. Besonders in der Blüte mit hohem Nährstoffbedarf reicht das häufig nicht aus, weshalb Kompost meist mit weiteren organischen oder mineralischen Quellen kombiniert wird.

Was ist der Unterschied zwischen Kompost und Wurmhumus?

Kompost entsteht durch den Abbau von Mikroorganismen, oft mit einer heißen, thermophilen Phase. Wurmhumus – auch Regenwurmhumus oder Vermicompost genannt – entsteht, wenn Kompostwürmer organisches Material durch ihren Darm verarbeiten; der Prozess bleibt kühl und liefert ein feineres, meist noch konzentrierteres Material. Mehr dazu im Artikel zu [Wurmhumus](/wissen/wurmhumus).

Kann ich Kompost auch zum Mulchen verwenden?

Ja, dünn aufgetragener, reifer Kompost eignet sich als eine von mehreren Mulchvarianten und liefert zusätzlich Nährstoffe. Als alleinige Mulchschicht trocknet er an der Oberfläche schnell aus und verschlämmt bei starkem Gießen leichter als gröberes Material. Mehr dazu im Artikel zur [Mulchschicht](/wissen/mulchschicht).

Warum sind gekaufter und selbst hergestellter Kompost so unterschiedlich?

Nährstoffgehalt und Reifegrad hängen stark vom Ausgangsmaterial, der Rottedauer und der Führung des Haufens ab. Zwei Säcke mit der Aufschrift „Kompost“ können deshalb deutlich unterschiedliche Salzgehalte und Nährstoffwerte haben. Eine Laboranalyse ist die einzig sichere Methode, den tatsächlichen Gehalt zu kennen.

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Quellen

  1. Compost Chemistry Cornell Waste Management Institute – Cornell CompostingOptimales C:N-Verhältnis von ca. 30:1 beim Ansetzen; zu niedrige Werte führen zu Ammoniakverlusten, zu hohe zu langsamer, kühlerer Rotte.
  2. C/N Ratio Cornell Waste Management Institute – Cornell CompostingBeispielwerte für „grüne“ (z. B. Grasschnitt ca. 19:1) und „braune“ Materialien (z. B. trockenes Laub ca. 67:1) und deren Mischung.
  3. Interpreting Compost Analyses (EM 9217) Oregon State University Extension ServiceRichtwerte für Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumgehalt reifen Komposts sowie für die im ersten Jahr pflanzenverfügbare Stickstoffmenge in Abhängigkeit vom C:N-Verhältnis.
  4. Can Compost Damage Plants? Washington State University Extension – Whatcom CountySchadmechanismen unreifen Komposts: Ammoniaktoxizität, organische Säuren und hohe Salzgehalte; Erkennungs- und Reifetests.
  5. Compost Considerations Washington State University Tree Fruit ExtensionGroße Schwankungen im Nährstoffgehalt je nach Ausgangsmaterial; Wirkung von Kompost auf organische Substanz und Wasserhaltevermögen des Bodens.

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