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RDWC: Wie mehrere DWC-Eimer im Verbund funktionieren

Von Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

RDWC (Recirculating Deep Water Culture) verbindet mehrere DWC-Eimer über Rohre oder Schläuche mit einem gemeinsamen Reservoir, sodass eine Umwälzpumpe die Nährlösung durch alle Eimer zirkulieren lässt. Dadurch haben pH-Wert, EC und Temperatur überall die gleichen Werte, und ein großes gemeinsames Volumen puffert Schwankungen besser als einzelne Eimer. Der Nachteil: Weil alle Pflanzen dieselbe Lösung teilen, betrifft ein Krankheitserreger oder ein Pumpenausfall sofort das ganze System.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Temperatur der Lösung
ca. 18–22 °CPraxiswert wie bei einzelnen DWC-Eimern
Gelöster Sauerstoff
mindestens ca. 5 mg/lEmpfehlung aus dem Gewächshaus-Hydroanbau
pH-Wert
ca. 5,5–6,5gilt für das gesamte verbundene System gleichermaßen
Ausfallrisiko
betrifft alle verbundenen Eimer gleichzeitigim Unterschied zu einzelnen, getrennten DWC-Eimern

So ist ein RDWC-System aufgebaut

RDWC steht für Recirculating Deep Water Culture, zu Deutsch etwa rezirkulierende Tiefwasserkultur. Die Grundeinheit bleibt der einzelne DWC-Eimer: ein lichtdichter Behälter mit Netztopf, in dem die Wurzeln direkt in der Nährlösung hängen. Bei RDWC werden mehrere solcher Eimer am Boden mit Rohren oder Schläuchen verbunden und zusätzlich an ein zentrales Reservoir angeschlossen. Eine Umwälzpumpe befördert die Lösung ständig zwischen Reservoir und Eimern hin und her, sodass alle Behälter dieselbe Flüssigkeit teilen.

Aus mehreren getrennten kleinen Wasserkörpern wird dadurch ein einziger großer. Was in einem Eimer an Nährstoffen verbraucht wird, gleicht sich über die Zirkulation mit den übrigen Eimern und dem Reservoir aus. Jeder Eimer behält meist trotzdem einen eigenen Netztopf mit Medium wie Blähton für die Pflanze, so wie es der Artikel zu DWC beschreibt – nur die Lösung selbst ist nicht mehr abgetrennt, sondern Teil eines gemeinsamen Kreislaufs.

Wichtig ist die Abgrenzung zu ähnlich aussehenden Systemen: In verbundenen Eimersystemen mit Tropfbewässerung, oft Dutch- oder Bato-Buckets genannt, sitzt die Pflanze in einem Medium und wird von oben mit Nährlösung betropft, die danach abläuft und zurückfließt. Die Wurzeln stehen dort nicht dauerhaft im Wasser. RDWC dagegen funktioniert nach dem Prinzip der Wasserkultur: Die Wurzeln hängen ständig in der zirkulierenden Lösung, ähnlich wie bei einem einzelnen DWC-Eimer, nur eben für mehrere Pflanzen gemeinsam.

Was der Verbund gegenüber einzelnen Eimern bringt

Der wichtigste Vorteil ist die Vereinheitlichung. Weil alle Eimer aus derselben Lösung versorgt werden, herrschen überall dieselben Werte für pH, EC und Temperatur – du misst und korrigierst einmal für das ganze System, statt jeden Eimer einzeln zu kontrollieren. Ein zusätzlicher Effekt: Ein großes gemeinsames Flüssigkeitsvolumen reagiert träger auf Störungen als ein kleiner Einzelbehälter. Schon beim einfachen DWC gilt ein möglichst großes Volumen als Puffer gegen Temperaturschwankungen; bei mehreren zusammengeschalteten Eimern addiert sich dieser Puffer.

Diesem Vorteil steht ein ebenso großer Nachteil gegenüber: Die Kopplung wirkt in beide Richtungen. Ein Fehler in der Lösung – ein zu niedriger pH-Wert, eine zu hohe EC oder ein Krankheitserreger – betrifft nicht mehr nur eine Pflanze, sondern sofort alle angeschlossenen Eimer. Übersichtsarbeiten zu geschlossenen, rezirkulierenden Kultursystemen benennen genau diese rasche Ausbreitung von Erregern über die zurückgeführte Nährlösung als Haupthindernis für ihre breite Nutzung im Erwerbsgartenbau. Für hydroponisch kultivierte Cannabispflanzen wurden Pythium- und Fusarium-Arten bereits sowohl an den Wurzeln als auch in der umlaufenden Lösung nachgewiesen, in einem Fall sogar schon in zugekauften, bewurzelten Stecklingen.

Sauerstoff, Temperatur und Nährlösung im Verbund steuern

Auch im Verbund bleibt Sauerstoff die kritischste Größe, weil die Wurzeln dauerhaft im Wasser stehen. Im Gewächshaus-Hydroanbau werden mindestens etwa 5 mg/l gelöster Sauerstoff empfohlen; darunter nimmt Wurzelfäule zu. Die Umwälzpumpe bewegt die Lösung zwischen den Eimern, ersetzt aber keine gezielte Belüftung direkt an der Wurzelmasse. In der Praxis behält deshalb jeder Eimer zusätzlich einen eigenen Luftstein, sonst können sich einzelne Eimer trotz gleichem Wasserstand mit weniger Sauerstoff versorgen als andere, etwa wenn die Strömung dort schwächer ankommt.

Die Temperatur folgt denselben Regeln wie bei einem einzelnen DWC-Eimer: Als Praxiswert gelten etwa 18 bis 22 °C, denn wärmeres Wasser löst weniger Sauerstoff und begünstigt Wurzelfäule-Erreger wie Pythium aphanidermatum. Ein Vorteil des Verbunds ist, dass sich ein zentraler Wasserkühler für das gesamte Reservoir lohnt, statt jeden Eimer einzeln kühlen zu müssen.

Für pH-Wert und EC gilt: Weil eine Cannabis-Studie mit Wasserkultur die Lösung auf pH 5,6 einstellte und wöchentlich komplett erneuerte, sind das brauchbare Ausgangswerte auch für ein verbundenes System. Miss beide Werte an mehreren Stellen im Kreislauf, nicht nur am Reservoir – so erkennst du, ob die Umwälzung tatsächlich überall ankommt, oder ob ein Eimer schlechter durchströmt wird als die anderen.

Diagnose: Wenn ein Problem alle Eimer betrifft

Zeigt in einem RDWC-System eine einzelne Pflanze welke oder gelbe Blätter, während die Wurzeln der übrigen noch weiß und fest aussehen, deutet das eher auf ein lokales Problem hin – etwa einen verstopften Zulauf zu diesem einen Eimer oder eine Wurzelverletzung. Verschlechtern sich dagegen mehrere Pflanzen gleichzeitig, liegt die Ursache meist im gemeinsamen Kreislauf: ein pH- oder EC-Fehler im Reservoir, eine zu warme Lösung oder ein Erreger, der sich bereits verteilt hat.

Kontrolliere in diesem Fall zuerst Reservoir und Pumpe: Läuft die Umwälzung überhaupt noch, ist der Wasserstand ausreichend, und stimmen pH-Wert, EC und Temperatur mit den Zielwerten überein? Erst danach lohnt sich der Blick in die einzelnen Eimer. Sind dort Wurzeln bereits braun oder schleimig, hilft es wenig, nur die betroffene Pflanze zu behandeln – die Erreger sitzen wahrscheinlich schon in der gemeinsamen Lösung. Ein kompletter Wechsel der Nährlösung und eine gründliche Reinigung aller Behälter, Schläuche und der Pumpe sind dann meist unumgänglich.

Typische Fehler und Verwechslungen

  • RDWC mit Dutch-Buckets verwechseln. Beide verbinden mehrere Behälter mit einem Reservoir, funktionieren aber unterschiedlich: Dutch-Buckets betropfen ein Medium von oben, RDWC hält die Wurzeln dauerhaft in der Lösung. Die Pflege- und Risikoprofile unterscheiden sich entsprechend.

  • Auf einzelne Luftsteine verzichten. Die Annahme, die Umwälzpumpe allein reiche für die Sauerstoffversorgung, führt zu ungleich versorgten Eimern. Jeder Eimer braucht weiterhin eigene, wirksame Belüftung.

  • Kein Absperrventil pro Eimer. Ohne die Möglichkeit, einen einzelnen Eimer vom Kreislauf zu trennen, lässt sich ein Krankheitsherd nicht isolieren, bevor er das ganze System erreicht hat.

  • Zu kleines Reservoir für die Anzahl der Eimer. Ein knapp bemessenes zentrales Volumen puffert Temperatur- und Nährstoffschwankungen schlechter, gerade wenn mehrere große Pflanzen gleichzeitig viel Wasser aufnehmen.

  • Technik ohne Ausfallreserve. Fällt die Umwälzpumpe aus, sind sofort alle Eimer betroffen, nicht nur einer. Eine batteriebetriebene Reserve-Luftpumpe für die einzelnen Sprudelsteine verringert das Risiko, dass in dieser Zeit der Sauerstoff überall gleichzeitig knapp wird.

  • Reinigung nur an einer Stelle. Wird nur ein Eimer gereinigt, während Schläuche, Pumpe oder Reservoir Biofilm und Erregerreste enthalten, verteilt sich die Belastung beim nächsten Umlauf sofort wieder auf das ganze System.

Weitere Artikel zu einzelnen Hydroponik-Systemen und zur Wurzelgesundheit findest du in der Kategorie Hydroponik.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich RDWC von einfachem DWC?

Bei DWC hat jede Pflanze einen eigenen, abgeschlossenen Eimer mit eigener Nährlösung. Bei RDWC sind mehrere solcher Eimer über Rohre mit einem zentralen Reservoir verbunden, eine Pumpe wälzt die Lösung um. Das spart Arbeit, weil du Werte nur einmal einstellst statt in jedem Eimer einzeln – koppelt aber auch alle Pflanzen aneinander.

Braucht jeder Eimer trotzdem einen eigenen Luftstein?

In der Praxis ja. Die Umwälzung bewegt die Lösung zwischen den Eimern, ersetzt aber keine gezielte Belüftung an jeder einzelnen Wurzelmasse. Ohne eigenen Sprudelstein können sich in einzelnen Eimern Zonen mit wenig Sauerstoff bilden, obwohl der Wasserstand überall gleich ist.

Was passiert, wenn eine Pflanze in einem RDWC-System krank wird?

Weil alle Eimer dieselbe Lösung teilen, können sich wurzelbürtige Krankheitserreger über das ganze System verteilen, statt auf einen Eimer begrenzt zu bleiben. Bei sichtbarem Befall hilft nur, den betroffenen Eimer sofort vom Kreislauf zu trennen, falls Absperrhähne vorhanden sind, und die Gesamtlösung engmaschig zu kontrollieren.

Wie groß sollte das zentrale Reservoir sein?

Eine feste Regel gibt es nicht, doch ein größeres Volumen puffert Temperatur-, pH- und EC-Schwankungen besser als ein kleines. Da alle angeschlossenen Eimer aus demselben Reservoir versorgt werden, wirkt sich ein zu knapp bemessener Tank stärker aus als bei einem einzelnen DWC-Eimer mit eigenem Volumen.

Ist RDWC dasselbe wie ein Dutch-Bucket-System?

Nein, auch wenn beide mehrere Behälter mit einem Reservoir verbinden. Bei Dutch-Buckets (auch Bato-Buckets genannt) sitzen die Pflanzen in einem Medium wie Blähton und werden per Tropfbewässerung von oben versorgt, überschüssiges Wasser läuft ab. Bei RDWC hängen die Wurzeln dagegen dauerhaft direkt in der zirkulierenden Nährlösung.

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Quellen

  1. Hydro hints: Deep water culture (EM 9455) Nelson, Langellotto, Nackley – Oregon State University Extension Service, 2025Grundprinzip von DWC: Belüftung mit Luftpumpe und Sprudelstein, großes Wasservolumen als Temperaturpuffer, lichtdichte Abdeckung gegen Algen.
  2. Hydro hints: Buckets (EM 9456) Nelson, Langellotto, Nackley – Oregon State University Extension Service, 2025Beschreibt verbundene Eimersysteme mit Tropfbewässerung und Medium (Dutch/Bato-Buckets) – Abgrenzung zu RDWC, bei dem Wurzeln direkt in der Lösung hängen.
  3. Application of soilless culture technologies in the modern greenhouse industry – A review Savvas, Gruda – European Journal of Horticultural Science 83, 2018Geschlossene, rezirkulierende Systeme: Nährlösung wird aufgefangen und wiederverwendet; Erregerausbreitung über die zurückgeführte Lösung als Herausforderung, Desinfektion über UV, Filtration oder Chemikalien als Gegenmaßnahme.
  4. Etiology and epidemiology of Pythium root rot in hydroponic crops: current knowledge and perspectives Sutton, Sopher, Owen-Going, Liu, Grodzinski, Hall, Benchimol – Summa Phytopathologica 32, 2006Mindestens 5 mg/l Sauerstoff empfohlen; Wurzelfäule nimmt bei Sauerstoffmangel und Wärme zu; rasche Ausbreitung von Erregern in rezirkulierenden Systemen als Haupthindernis für ihre breite Nutzung.
  5. Optimisation of Nitrogen, Phosphorus, and Potassium for Soilless Production of Cannabis sativa in the Flowering Stage Using Response Surface Analysis Bevan, Jones, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Cannabis in DWC: 19-l-Eimer mit 17 l Lösung, pH 5,6, wöchentlicher Lösungswechsel – Praxiswerte, die sich auf verbundene Eimer übertragen lassen.
  6. Fusarium and Pythium species infecting roots of hydroponically grown marijuana (Cannabis sativa L.) plants Punja, Rodriguez – Canadian Journal of Plant Pathology 40, 2018Pythium- und Fusarium-Arten an Wurzeln hydroponisch kultivierter Cannabispflanzen, teils bereits in zugekauften Stecklingen und in der umlaufenden Nährlösung nachgewiesen.

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