DWC (Deep Water Culture): So funktioniert die Tiefwasserkultur
Kurz erklärt
DWC (Deep Water Culture, deutsch Tiefwasserkultur) ist ein Hydroponik-System, bei dem die Wurzeln dauerhaft in einer belüfteten Nährlösung hängen. Die Pflanze sitzt in einem Netztopf mit Blähton im Deckel eines lichtdichten Behälters, eine Luftpumpe mit Sprudelstein reichert die Lösung mit Sauerstoff an. Entscheidend sind eine eher kühle Lösung – als Praxiswert etwa 18 bis 22 °C –, ein pH-Wert um 5,5 bis 6,5, regelmäßige Lösungswechsel und saubere Behälter, sonst droht Wurzelfäule.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Temperatur der Lösung
- ca. 18–22 °CPraxiswert; ab ca. 23–27 °C verläuft Pythium-Wurzelfäule oft schwerer
- Gelöster Sauerstoff
- mindestens ca. 5 mg/lEmpfehlung aus dem Gewächshaus-Hydroanbau
- pH-Wert
- ca. 5,5–6,5in einer Cannabis-Studie mit DWC auf 5,6 eingestellt
- Volumen pro Pflanze (Studie)
- 19-l-Eimer mit 17 l NährlösungCannabis-Versuch der University of Guelph, je eine Pflanze pro Eimer
- Lösungswechsel (Studie)
- wöchentlichdazwischen Auffüllen mit pH-korrigiertem Wasser
So ist ein DWC-System aufgebaut
Ein DWC-System besteht aus wenigen Teilen: einem lichtdichten Behälter mit Deckel, einem Netztopf, der im Deckel sitzt, einem Medium wie Blähton, das die Pflanze hält, und einer Luftpumpe, die über einen Schlauch einen Sprudelstein am Behältergrund speist. Die Wurzeln wachsen durch den Netztopf in die Nährlösung und hängen dort dauerhaft. Weil sie ständig im Wasser stehen, ist DWC auf wirksame Belüftung angewiesen.
Wie ein funktionierendes Setup für Cannabis aussehen kann, zeigt ein Versuch der University of Guelph in Kanada. Jede Pflanze stand in einem eigenen 19-Liter-Eimer mit 17 Litern Nährlösung. Zwei Wochen alte, in Steinwollwürfeln bewurzelte Stecklinge kamen in Netztöpfe mit 0,62 Litern Volumen, gefüllt mit Blähton der Körnung 8 bis 16 mm. Ein Sprudelstein pro Eimer lieferte 1,5 Liter Luft pro Minute.
Wichtig ist der Wasserstand. Zu Beginn reicht die Lösung bis knapp an den Boden des Netztopfs, damit das Medium feucht bleibt, bis die ersten Wurzeln die Lösung erreichen. Wachsen die Wurzeln ins Wasser, senkst du den Pegel etwas ab. So entsteht zwischen Deckel und Lösung ein feuchter Luftraum, in dem die oberen Wurzeln Sauerstoff aus der Luft aufnehmen. Dass ein solcher Luftraum das Wachstum fördert, zeigte ein Versuch mit Salat: Schwammen die Pflanzplatten die ganze Zeit auf der Lösung, lag das Kopfgewicht um 19 % niedriger als bei fest montierten Platten mit Luftraum darunter.
Wie sich DWC in die übrigen Verfahren einordnet, erklärt der Artikel Grundprinzip Hydroponik.
Sauerstoff und Temperatur im Griff behalten
Sauerstoff ist in DWC der begrenzende Faktor, und die Temperatur bestimmt, wie viel davon verfügbar ist. Wasser löst bei Normaldruck bei 18 °C höchstens etwa 9,5 mg/l Sauerstoff, bei 22 °C etwa 8,7 mg/l und bei 26 °C nur noch etwa 8,1 mg/l. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf von Wurzeln und Mikroorganismen mit der Wärme deutlich an. Im Gewächshaus-Hydroanbau wird empfohlen, mindestens 5 mg/l zu halten; sinkt der Gehalt, nimmt Wurzelfäule zu.
Belüftung kann die Lösung nur bis zur Sättigungsgrenze anreichern. Die Temperatur ist deshalb die wichtigste Stellschraube. Als Praxiswert gelten etwa 18 bis 22 °C. Oberhalb von etwa 23 bis 27 °C im Wurzelraum verursacht der Erreger Pythium aphanidermatum in vielen Kulturen schwere Wurzelfäule. So hältst du die Lösung kühl:
Stelle den Behälter abseits von Lampen, Heizungen und warmen Böden auf.
Nutze ein möglichst großes Lösungsvolumen – viel Wasser puffert Temperaturschwankungen.
Halte Deckel und Behälter lichtdicht und strahle sie nicht direkt an.
Bei dauerhaft zu warmer Lösung hilft ein Wasserkühler oder ein kühlerer Raum.
Nährlösung führen: pH, EC und Wechsel
Die Nährlösung ist in DWC die einzige Nährstoffquelle und verändert sich ständig. Im Guelph-Versuch wurde der pH-Wert auf 5,6 eingestellt, die Lösung jede Woche komplett erneuert und drei bis vier Tage nach jedem Wechsel mit pH-korrigiertem Regenwasser aufgefüllt. Üblich sind in der Hydroponik pH-Werte von etwa 5,5 bis 6,5. Warum der pH-Wert in Wasserkultur wandert und wie du ihn stabil hältst, beschreibt der Artikel pH-Stabilität in Hydro.
Ein fester Ablauf erleichtert die Kontrolle:
Miss pH-Wert, EC und Temperatur der Lösung täglich, am besten zur gleichen Zeit.
Ersetze verdunstetes Wasser mit klarem, pH-korrigiertem Wasser, nicht mit fertiger Nährlösung.
Wechsle die Lösung in festen Abständen komplett – im Versuch wöchentlich – und kontrolliere dabei Behälter, Schlauch und Sprudelstein.
Notiere die Werte. Steigt die EC, nimmt die Pflanze verhältnismäßig mehr Wasser als Nährstoffe auf; fällt sie, zehrt sie die Nährstoffe schneller auf, als sie Wasser verbraucht.
Diagnose: gesunde Wurzeln und Wurzelfäule
Gesunde DWC-Wurzeln sind weiß bis cremefarben, fest und fein verzweigt. Wurzelfäule durch Pythium beginnt oft unsichtbar, denn die Erreger besiedeln die Wurzeln zunächst ohne Symptome. Später verfärben sich Wurzelspitzen und ganze Wurzelpartien braun, graubraun oder gelblich, feine Wurzeln gehen verloren, und in fortgeschrittenen Fällen werden die Wurzeln weich und schleimig. An hydroponisch kultivierten Cannabispflanzen verursachten Pythium-Arten in einer kanadischen Untersuchung Wurzelbräunung, Verlust von Wurzelmasse und Kümmerwuchs; Fusarium oxysporum führte zusätzlich zu Fäule am Stängelgrund und teils zum Welken.
Oberirdisch fällt Wurzelfäule oft spät auf: Die Pflanzen bleiben kleiner, und die Blätter welken zunächst nur in den warmen Stunden des Tages. Bei Verdacht senkst du zuerst die Temperatur und verstärkst die Belüftung – Sauerstoff gehört zu den wenigen Maßnahmen, die weiteres Absterben und Verschleimen der Wurzeln bremsen können. Gewächshausbetriebe ersetzen die Lösung bei Hitze auch durch frische, kühle Lösung. Anschließend reinigst du Behälter und Zubehör und prüfst, ob Erreger über Wasser, Werkzeug oder zugekaufte Stecklinge eingeschleppt worden sein können. Mehr dazu unter Wurzelfäule.
Typische Fehler im DWC
Zu warme Lösung. Warme Nährlösung hält weniger Sauerstoff und begünstigt Pythium. Miss die Temperatur täglich, besonders im Sommer und bei starker Lampenwärme.
Lichtdurchlässige Behälter. Licht fördert Algen in der Lösung. Deckel und Behälter müssen lichtdicht sein, Lücken um den Netztopf deckst du ab.
Falscher Wasserstand. Steht die Lösung dauerhaft bis in den Netztopf, fehlt der Luftraum; ist sie zu Beginn zu niedrig, trocknet das Medium aus, bevor die Wurzeln das Wasser erreichen.
Technik ohne Sicherheitsreserve. Fällt die Pumpe aus, sinkt der Sauerstoff. Stelle die Luftpumpe oberhalb des Wasserspiegels auf oder nutze ein Rückschlagventil, damit kein Wasser zurückläuft. Wasser und Strom liegen hier dicht beieinander – worauf es ankommt, erklärt elektrische Sicherheit.
Mit Nährlösung nachfüllen. Hat die Pflanze vor allem Wasser verbraucht, treibt fertige Lösung die EC weiter nach oben.
Mehrere Pflanzen in einem Behälter. Ein Problem trifft dann alle. Mehr zu verbundenen Systemen steht unter RDWC.
Unsaubere Wiederverwendung. Pythium-Dauersporen überdauern in Schläuchen, Biofilmen und Wurzelresten. Reinige und desinfiziere leere Behälter und Zubehör zwischen zwei Durchgängen gründlich.
Weitere Artikel zu Nährlösung, Sauerstoff und Hygiene findest du in der Kategorie Hydroponik.
Häufige Fragen
Wie viel Luft braucht ein DWC-Behälter?
Eine feste Regel gibt es nicht. Im Cannabis-Versuch der University of Guelph lieferte ein Sprudelstein pro 19-Liter-Eimer 1,5 Liter Luft pro Minute. Mehr Luft bringt die Lösung aber höchstens bis zur Sättigungsgrenze, und die sinkt mit steigender Temperatur. Wer es genau wissen will, misst den gelösten Sauerstoff mit einem Messgerät.
Was passiert bei einem Stromausfall?
Ohne Belüftung kann der Sauerstoffgehalt schnell sinken, vor allem in warmer Lösung. Wie lange Cannabiswurzeln das tolerieren, ist nicht untersucht. Eine batteriebetriebene Luftpumpe als Reserve und ein etwas abgesenkter Pegel, der den Luftraum für die oberen Wurzeln vergrößert, verringern das Risiko.
Kann ich mehrere Pflanzen in einen Behälter setzen?
Möglich ist es, aber dann teilen sich alle Pflanzen eine Lösung: Ein pH-Fehler oder ein Erreger trifft sofort alle. Mit einem eigenen Behälter pro Pflanze bleibt ein Problem eher auf eine Pflanze beschränkt. Werden mehrere Behälter verbunden und die Lösung umgewälzt, spricht man von RDWC.
Welches Medium gehört in den Netztopf?
Üblich ist Blähton, der die Pflanze hält, ohne selbst Nährstoffe zu binden; im Guelph-Versuch hatte er eine Körnung von 8 bis 16 mm. Stecklinge oder Sämlinge werden meist in einem Steinwollwürfel vorgezogen und mit ihm in den Netztopf gesetzt. Spüle neuen Blähton vor dem Einsatz gründlich, damit kein Staub in die Lösung gelangt.
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Quellen
- Hydro hints: Deep water culture (EM 9455) Nelson, Langellotto, Nackley – Oregon State University Extension Service, 2025Definition von DWC, Belüftung mit Luftpumpe und Sprudelstein, großes Wasservolumen als Temperaturpuffer, lichtdichte Abdeckung gegen Verdunstung und Algen.
- Optimisation of Nitrogen, Phosphorus, and Potassium for Soilless Production of Cannabis sativa in the Flowering Stage Using Response Surface Analysis Bevan, Jones, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Cannabis in DWC: 19-l-Eimer mit 17 l Lösung, Netztopf mit Blähton, Sprudelstein mit 1,5 l Luft pro Minute, pH 5,6, wöchentlicher Lösungswechsel.
- Etiology and epidemiology of Pythium root rot in hydroponic crops: current knowledge and perspectives Sutton, Sopher, Owen-Going, Liu, Grodzinski, Hall, Benchimol – Summa Phytopathologica 32, 2006Mindestens 5 mg/l Sauerstoff; mehr Wurzelfäule bei Sauerstoffmangel und ab ca. 23–27 °C; Symptome; Belüftung bremst Verschleimen; Erreger überdauern in Leitungen und Biofilmen.
- Fusarium and Pythium species infecting roots of hydroponically grown marijuana (Cannabis sativa L.) plants Punja, Rodriguez – Canadian Journal of Plant Pathology 40, 2018Pythium verursachte an hydroponischen Cannabispflanzen Wurzelbräunung, Verlust von Wurzelmasse und Kümmerwuchs; Fusarium zusätzlich Stängelgrundfäule und Welke.
- Chapter A6.2. Dissolved oxygen U.S. Geological Survey – Techniques and Methods 9-A6.2, 2020Sauerstofflöslichkeit in Süßwasser bei 760 mm Hg: ca. 9,47 mg/l bei 18 °C, 8,74 mg/l bei 22 °C, 8,11 mg/l bei 26 °C.
- Growing Lettuce in Non-Aerated, Non-Circulated Hydroponic Systems Kratky – Journal of Vegetable Science 11, 2005Ein feuchter Luftraum zwischen Abdeckung und Lösung förderte das Wachstum; auf der Lösung schwimmende Platten brachten 19 % weniger Kopfgewicht.
- Effects of Low pH of Hydroponic Nutrient Solution on Plant Growth, Nutrient Uptake, and Root Rot Disease Incidence of Basil (Ocimum basilicum L.) Gillespie, Kubota, Miller – HortScience 55, 2020Übliche pH-Spanne hydroponischer Nährlösungen 5,5 bis 6,5; Versuche in DWC-Systemen.
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