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Reifephase bei Cannabis: Was in der späten Blüte passiert

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Reifephase ist der letzte Abschnitt der Blüte: Das Wachstum der Blütenstände verlangsamt sich, Trichome reifen weiter und ältere Fächerblätter altern zunehmend, während die Pflanze insgesamt weniger Nährstoffe aufnimmt. Klima und Düngung werden in dieser Zeit meist moderat zurückgefahren, unter anderem um das Risiko für Schimmel in den dichten Blütenständen zu senken. Verbreitete Praktiken wie Spülen oder mehrtägige Dunkelheit vor der Ernte gelten dagegen als kaum oder nicht durch Studien belegt.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Klima späte Blüte
ca. 20–26 °C, ca. 40–50 % rFRichtwert; niedrigere Luftfeuchte senkt das Schimmelrisiko in dichten Blüten
Nährstoffbedarf
sinkt zum Ende der Blütereduzierte Düngung erhöhte in einer Studie die Nährstoffmobilisierung aus altem Gewebe (Massuela et al. 2023)
Trichomreifung
verläuft ungleichzeitig, abhängig von Sorte und PflanzenalterPunja, Sutton, Kim 2023
UV-B zur Wirkstoffsteigerung
in einer Studie ohne Effekt auf Ertrag oder CannabinoidgehaltRodriguez-Morrison et al. 2021

Was die Reifephase kennzeichnet

Die Reifephase ist der letzte Abschnitt der Blüte, in dem sich das Wachstum der Blütenstände deutlich verlangsamt, während sich Drüsenhaare (Trichome) und Narbenfäden weiterentwickeln. Sie schließt an die Blütenentwicklung an, in der sich der Blütenstand zuvor verdichtet und aufgebaut hat. Ein festes Startdatum gibt es nicht – der Übergang ist fließend und unterscheidet sich je nach Sorte und Wuchsbedingungen um mehrere Tage bis Wochen.

Auf zellulärer Ebene verändern sich die Drüsenhaare an den Kelchen in dieser Zeit strukturell weiter: Eine Untersuchung an reifenden Blüten zeigte, dass sich Morphologie und Stoffwechselprofil der Trichome während der Reifung messbar verschieben. Eine weitere Studie an zwei Sorten fand, dass diese Reifung über mehrere Wochen hinweg ungleichzeitig verläuft und sowohl von der Sorte als auch vom Alter der einzelnen Pflanze abhängt. Deshalb liefert ein einzelner Blick auf wenige Trichome selten ein verlässliches Gesamtbild – ausführlicher behandelt das der Artikel zu Trichomen als Reifeindikator.

Was sich an Klima und Nährstoffbedarf ändert

In der Reifephase sinkt der Nährstoffbedarf der Pflanze spürbar, weil das Wachstum neuer Blattmasse nachlässt. Eine Studie an medizinischem Cannabis untersuchte gezielt reduzierte Düngung während der Blüte und fand, dass die Pflanzen dabei verstärkt Stickstoff, Phosphor und Kalium aus vorhandenem Gewebe mobilisierten und in die Blüten verlagerten – bei nur geringem Verlust an CBD-Ertrag gegenüber der regulären Düngung. Das erklärt auch, warum ältere Fächerblätter in dieser Phase verstärkt vergilben; wie du normale Alterung von einem echten Mangel unterscheidest, beschreibt der Artikel zur Blattalterung in der Blüte.

Beim Klima ist in der späten Blüte vor allem die Luftfeuchtigkeit relevant. Ein üblicher Richtwert liegt bei etwa 40 bis 50 % relativer Luftfeuchtigkeit bei weiterhin 20 bis 26 °C – niedriger als in der frühen Blüte. Der Grund ist weniger ein direkter Reifevorteil als vielmehr das Schimmelrisiko: Dichte, große Blütenstände trocknen im Inneren langsamer ab und bieten damit mehr Angriffsfläche für Fäulnis und Schimmel. Wie du das erkennst und vorbeugst, beschreiben die Artikel zu Botrytis und Grauschimmel und Schimmel erkennen.

Verbreitete Mythen rund um die Reifephase

Rund um die letzten Wochen vor der Ernte kursieren einige Praktiken, deren Nutzen sich mit vorhandener Forschung nicht bestätigen lässt. Eine davon ist das mehrtägige Spülen des Substrats mit reinem Wasser vor der Ernte, dem oft ein besserer Geschmack oder ein sanfteres Brennverhalten zugeschrieben wird. Die Studienlage dazu ist dünn und liefert bislang keinen klaren Beleg für einen Vorteil; der Artikel Spülen vor der Ernte ordnet das ausführlich ein.

Ähnlich verbreitet, aber ebenso wenig belegt ist die Annahme, eine 24- bis 48-stündige vollständige Verdunkelung kurz vor der Ernte würde den THC-Gehalt erhöhen. Für einen zuverlässigen Effekt fehlen bislang überzeugende Studien. Auch die Idee, zusätzliche UV-B-Bestrahlung würde in der Reifephase den Wirkstoffgehalt steigern, hält einer genaueren Untersuchung nicht stand: In einer kontrollierten Studie erhöhte UV-B weder den Ertrag noch den Cannabinoidgehalt, verstärkte aber sichtbare Stresssymptome wie eine Braunfärbung der Narbenfäden. Solche Eingriffe versprechen also mehr, als sie nachweislich halten.

Wann die Reifephase endet

Die Reifephase endet nicht an einem festen Kalendertag, sondern dort, wo du dich für den Erntezeitpunkt entscheidest. Verlässlicher als das reine Pflanzenalter sind dafür der Zustand der Narbenfäden und vor allem die Trichome, deren Farbverlauf von klar über milchig-trüb bis bernsteinfarben reicht. Der Artikel Reifezeichen der Pflanze beschreibt, wie sich diese Signale kombinieren lassen, um einen passenden Erntezeitpunkt für die eigenen Ziele zu finden.

Weil Blütenstände an unterschiedlichen Positionen einer Pflanze unterschiedlich weit entwickelt sind, reift auch nicht die ganze Pflanze exakt gleichzeitig. Das ist ein Grund, warum manche Anbauer die Ernte in mehreren Durchgängen über einige Tage verteilen, statt die ganze Pflanze auf einmal zu schneiden.

Typische Fehler in der Reifephase

  • Düngung bis zum letzten Tag unverändert lassen. Der sinkende Nährstoffbedarf spricht eher für eine schrittweise Reduzierung als für ein starres Festhalten am Blüteprofil.

  • Luftfeuchtigkeit in der späten Blüte hochlassen. Gerade wenn die Blütenstände schon dicht und groß sind, erhöht das unnötig das Schimmelrisiko.

  • Auf Spülen, Dunkelheit oder UV-B als sichere Wirkstoffsteigerung vertrauen. Für alle drei Praktiken fehlt bislang überzeugende wissenschaftliche Bestätigung.

  • Vergilbende alte Blätter mit einem Nährstoffproblem verwechseln. In der späten Blüte ist eine langsame, von unten beginnende Vergilbung meist normale Alterung, kein Mangel.

  • Die ganze Pflanze nach dem Zustand der obersten Blüten beurteilen. Untere und seitliche Blütenstände sind zum gleichen Zeitpunkt oft weniger weit entwickelt als die an der Triebspitze.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass die Reifephase begonnen hat?

Ein klares Startdatum gibt es nicht. Typische Hinweise sind ein sich verlangsamendes Wachstum der Blütenstände, zunehmend bräunliche Narbenfäden und beginnende Vergilbung der untersten Fächerblätter. Verlässlicher als der grobe Zeitpunkt sind aber die Trichome, die der Artikel Trichome als Reifeindikator beschreibt.

Sollte ich in der Reifephase weniger gießen?

Die Gießmenge richtet sich weiterhin nach dem Zustand des Substrats, nicht nach der Phase allein. Sinnvoll ist aber, den Nährstoffgehalt der Lösung zum Ende der Blüte zu reduzieren, weil der Bedarf der Pflanze in dieser Zeit nachlässt.

Verbessert Spülen vor der Ernte Geschmack und Brennverhalten?

Die Studienlage dazu ist dünn, und ein klarer Vorteil ließ sich bisher nicht zeigen. Der Artikel Spülen vor der Ernte ordnet die verfügbare Forschung dazu ausführlich ein.

Erhöht Dunkelheit vor der Ernte den THC-Gehalt?

Für die verbreitete Praxis, die Pflanze 24 bis 48 Stunden vor der Ernte vollständig zu verdunkeln, gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Ähnlich verhält es sich mit zusätzlicher UV-B-Bestrahlung: Eine Studie fand dadurch weder einen höheren Ertrag noch einen höheren Cannabinoidgehalt.

Wie hängen Reifephase und Erntezeitpunkt zusammen?

Die Reifephase ist der Zeitraum, der zum Erntezeitpunkt hinführt, legt ihn aber nicht auf einen festen Tag fest. Wann tatsächlich geerntet wird, entscheidest du anhand von Trichomen und Narbenfäden, wie der Artikel Reifezeichen der Pflanze beschreibt.

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Quellen

  1. Cannabis Hunger Games: nutrient stress induction in flowering stage – impact of organic and mineral fertilizer levels on biomass, cannabidiol (CBD) yield and nutrient use efficiency Massuela, Munz, Hartung, Nkebiwe, Graeff-Hönninger – Frontiers in Plant Science 14, 2023Reduzierte Düngung in der Blüte erhöhte die Mobilisierung von Stickstoff, Phosphor und Kalium aus vorhandenem Gewebe, bei nur geringem Verlust an CBD-Ertrag.
  2. Cannabis glandular trichomes alter morphology and metabolite content during flower maturation Livingston, Quilichini, Booth, Wong, Rensing, Laflamme-Yonkman, Castellarin, Bohlmann, Page, Samuels – The Plant Journal 101, 2019Beschreibt, wie sich Drüsenhaare und ihr Stoffwechselprofil während der Blütenreife strukturell verändern.
  3. Glandular trichome development, morphology, and maturation are influenced by plant age and genotype in high THC-containing cannabis (Cannabis sativa L.) inflorescences Punja, Sutton, Kim – Journal of Cannabis Research 5, 2023Trichomreifung verlief über mehrere Wochen ungleichzeitig und unterschied sich je nach Sorte und Pflanzenalter.
  4. Cannabis Inflorescence Yield and Cannabinoid Concentration Are Not Increased With Exposure to Short-Wavelength Ultraviolet-B Radiation Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Zusätzliche UV-B-Bestrahlung erhöhte weder Ertrag noch Cannabinoidgehalt – Grund für Zurückhaltung gegenüber entsprechenden Versprechen für die Reifephase.

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