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SCROG bei Cannabis: Wie das Screen of Green funktioniert

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

SCROG (Screen of Green) ist eine Trainingsmethode, bei der ein horizontales Netz über den Töpfen gespannt wird. Die wachsenden Triebe führst du durch die Maschen und verteilst sie seitlich, sodass eine flache, gleichmäßige Ebene aus Triebspitzen entsteht statt einer einzelnen dominanten Spitze. Ziel ist, möglichst viele Blütenstände in gleichmäßig starkes Licht zu bringen. Kontrollierte Studien speziell zu SCROG gibt es nicht; das Prinzip stützt sich auf gut belegte Zusammenhänge zwischen Lichtverteilung, Pflanzenarchitektur und Ertrag.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Funktionsprinzip
Netz lenkt Triebe in eine flache, gleichmäßige Ebene
Zeitpunkt zum Einweben
laufend während der Wachstumsphase, sobald Triebe das Netz erreichen
Umstellung auf Blüte
häufig, wenn das Netz zu einem großen Teil gefüllt istPraxisrichtwert, keine feste Regel
Studienlage zu SCROG selbst
keine kontrollierten StudienBelege stammen aus angrenzender Forschung zu Licht und Pflanzenarchitektur

Was SCROG mit der Lichtverteilung macht

Ohne Training wächst Cannabis mit einer dominanten Triebspitze nach oben, während tiefer liegende Seitentriebe im Schatten bleiben. Pflanzen erkennen diese Beschattung über Lichtrezeptoren wie Phytochrome, die vor allem das Verhältnis von Hellrot- zu Dunkelrotlicht messen. Nach einer Übersichtsarbeit zur sogenannten Schattenvermeidung reagieren beschattete Pflanzenteile typischerweise mit verstärktem Streckungswachstum und schwächerer Verzweigung – im Ergebnis bekommen wenige obere Blütenstände viel Licht, während untere Bereiche mager bleiben.

SCROG (Screen of Green) setzt genau hier an: Ein horizontales Netz, meist mit einer Maschenweite von einigen Zentimetern, wird oberhalb der Töpfe gespannt. Wächst ein Trieb durch eine Masche, wird er zur Seite gelenkt und dort belassen. So entsteht mit der Zeit eine flache, weitgehend gleich hohe Ebene aus vielen Triebspitzen statt einer einzelnen hohen Pflanze. Der Grundgedanke: Eine Lampe strahlt ihr Licht auf eine bestimmte Fläche; je mehr Triebspitzen in etwa gleichem Abstand zur Lampe stehen, desto mehr von ihnen bekommen ähnlich viel Licht.

Das Netz aufbauen und Triebe einweben

  1. Netz montieren. Spanne das Netz waagerecht über die Töpfe, in einer Höhe, die der Pflanze noch Platz zum Durchwachsen lässt, bevor die Triebspitzen die Maschen erreichen.

  2. Erste Triebe durchführen. Sobald ein Trieb durch eine Masche wächst, führe ihn seitlich unter das Netz statt weiter nach oben.

  3. Regelmäßig nachjustieren. In der aktiven Wachstumsphase kontrollierst du am besten alle paar Tage, ob neue Triebe eingewoben werden müssen – junge, noch biegsame Triebe lassen sich leichter lenken als bereits verholzte.

  4. Lücken gezielt füllen. Wachsen einzelne Bereiche des Netzes schneller als andere, lenke kräftige Triebe bevorzugt in die Lücken, statt sie dort wachsen zu lassen, wo sich Triebe bereits stauen.

  5. Füllstand beobachten. Ist das Netz zu einem großen Teil mit Triebspitzen bedeckt, ist ein gängiger Zeitpunkt erreicht, um auf Blüte umzustellen.

Kombinierst du SCROG mit Topping oder FIM, entstehen mehr Triebspitzen, die das Netz schneller füllen. Jeder zusätzliche Schnitt verlängert allerdings die Erholungszeit und damit die Wachstumsphase – das solltest du bei der Zeitplanung einrechnen.

Was die Forschung zu SCROG sagt – und was nicht

Eine kontrollierte Studie, die SCROG direkt gegen untrainierte Pflanzen vergleicht, existiert nicht. Eine Übersichtsarbeit zu stark eingreifenden Trainingstechniken stellt allgemein fest, dass Cannabis-Trainingsmethoden wissenschaftlich kaum untersucht sind und viel verbreitetes Praxiswissen aus Foren und Blogs stammt, nicht aus Experimenten. Das gilt auch für SCROG.

Was es gibt, sind Belege zu den einzelnen Bausteinen, auf denen die Methode beruht: In einer Studie an Cannabis in der Wachstumsphase führte mehr Lichtintensität zu kürzeren Internodien – ein Hinweis darauf, wie stark Wuchsform und Lichtverteilung zusammenhängen. Eine weitere Studie an blühenden Pflanzen fand einen linearen Zusammenhang zwischen der Lichtmenge im Blätterdach und dem Ertrag pro Fläche, bis hinauf zu sehr hohen Intensitäten. Und eine Untersuchung an großen, unterschiedlich beschnittenen Pflanzen zeigte, dass veränderte Architektur beeinflusst, wie gleichmäßig sich Blütenmasse und Inhaltsstoffe über die Pflanze verteilen. Diese drei Arbeiten untersuchten jeweils andere Eingriffe als ein Netz – sie stützen die Logik hinter SCROG, belegen aber nicht die Methode selbst.

SCROG im Vergleich zu Low Stress Training

Merkmal

SCROG

Low Stress Training

Hilfsmittel

Netz über der gesamten Fläche

einzelne Bindungen pro Trieb

Ergebnis

flache, gitterartige Ebene

frei geformtes, meist etwas unregelmäßigeres Blätterdach

Aufwand pro Pflanze

anfangs höher, dann regelmäßig, aber kurz

kontinuierlich, dafür ohne Netzmontage

Eignung für viele kleine Pflanzen

eher für wenige große Pflanzen ausgelegt

gut für einzelne wie mehrere Pflanzen

Beide Methoden lassen sich kombinieren: Low Stress Training eignet sich gut, um einzelne Triebe schon vor Erreichen des Netzes vorzuformen, bevor SCROG die Feinverteilung übernimmt. Einen Überblick über weitere Techniken bietet die Kategorie Schnitttechniken.

Wann SCROG weniger sinnvoll ist

Bei sehr vielen, dicht stehenden kleinen Pflanzen – etwa im Sea-of-Green-Konzept – bringt ein Netz wenig zusätzlichen Nutzen, weil die Pflanzen ohnehin dicht und gleichmäßig stehen. Auch wer wenig Zeit für regelmäßiges Nachjustieren hat, ist mit einfacherem Low Stress Training oder unbehandelten Pflanzen oft besser beraten, da ein halb gefülltes, schlecht gepflegtes Netz die Triebe eher behindert als fördert.

Typische Fehler beim SCROG

  • Netz zu früh oder zu spät montieren. Ein zu früh montiertes Netz behindert kleine Sämlinge, ein zu spät montiertes lässt Triebe bereits unkontrolliert nach oben wachsen.

  • Triebe zu grob durch die Maschen zwingen. Junge Triebe brechen leicht ab, wenn sie mit Kraft statt in ihrer natürlichen Wuchsrichtung gelenkt werden.

  • Nachjustieren vergessen. Ohne regelmäßige Kontrolle wachsen einzelne Triebe schnell über das Netz hinaus und werfen dann Schatten auf die Fläche darunter.

  • Zu spät auf Blüte umstellen. Ein bereits überfülltes Netz mit übereinanderwachsenden Trieben verliert genau den Vorteil der gleichmäßigen Lichtverteilung.

  • SCROG als Ertragsgarantie verstehen. Da kontrollierte Studien fehlen, lässt sich kein bestimmter Mehrertrag versprechen – die Methode ordnet vor allem die Pflanze, sie verändert nicht die Genetik oder das Lichtangebot der Lampe.

  • Mehrere Trainingsmethoden ohne Plan kombinieren. Wer gleichzeitig toppt, FIMt und ins Netz webt, verliert schnell den Überblick, welcher Trieb wie stark im Rückstand ist.

Häufige Fragen

Brauche ich für SCROG unbedingt ein Netz?

Ein Netz mit einer Maschenweite von einigen Zentimetern ist die klassische Umsetzung, weil es die Triebe zuverlässig in Position hält. Manche Growerinnen und Grower erreichen ein ähnliches Ergebnis mit gespannten Schnüren oder Stäben. Entscheidend ist die flache, gleichmäßig gefüllte Ebene, nicht das Material.

Kann ich SCROG mit Topping oder FIM kombinieren?

Ja, das ist verbreitet. Zusätzliche Triebspitzen aus Topping oder FIM füllen das Netz schneller und gleichmäßiger. Jeder weitere Eingriff verlängert aber die Erholungszeit und damit die Wachstumsphase, was du bei der Zeitplanung berücksichtigen solltest.

Eignet sich SCROG für Autoflower-Pflanzen?

Autoflower-Pflanzen haben eine kurze, nicht verlängerbare Wachstumsphase, in der das Netz gefüllt werden muss. Das lässt sich planen, wenn du die ungefähre Wuchsgeschwindigkeit der Sorte kennst, ist aber weniger flexibel als bei photoperiodischen Pflanzen, deren Wachstumsphase du bei Bedarf verlängern kannst.

Wie oft muss ich beim SCROG nachjustieren?

Solange die Pflanze wächst, wachsen Triebe regelmäßig aus dem Netz heraus. In der aktiven Wachstumsphase lohnt sich ein Kontrollgang alle paar Tage, um neue Triebe einzuweben oder umzulenken, bevor sie sich verholzen und schwerer biegen lassen.

Was passiert, wenn ich zu spät auf Blüte umstelle?

Bleibt die Pflanze zu lange in der Wachstumsphase, wachsen die Triebe über das Netz hinaus und werfen ungleichmäßig Schatten. Das unterläuft genau den Effekt, den SCROG erreichen soll. Beobachte den Füllstand des Netzes regelmäßig, statt dich starr an einen Kalendertermin zu halten.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Shade Avoidance Casal – The Arabidopsis Book, 2012Übersichtsarbeit: Pflanzen erkennen Beschattung über Phytochrome und reagieren mit Streckung – erklärt, warum ungleich beleuchtete Triebe unterschiedlich wachsen.
  2. Light intensity can be used to modify the growth and morphological characteristics of cannabis during the vegetative stage of indoor production Moher, Llewellyn, Jones, Zheng – Industrial Crops and Products 183, 2022Mehr Lichtintensität verkürzt Internodien und verkleinert Blätter – Grundlage dafür, warum gleichmäßiges Licht über die Fläche die Wuchsform beeinflusst.
  3. Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Der Ertrag pro Fläche stieg in der Studie linear mit der Lichtmenge im Canopy bis mindestens 1.800 µmol/m²/s – ein Argument für eine möglichst gleichmäßig beleuchtete, flache Ebene aus Triebspitzen.
  4. Shape Matters: Plant Architecture Affects Chemical Uniformity in Large-Size Medical Cannabis Plants Danziger, Bernstein – Plants 10, 2021Veränderte Pflanzenarchitektur beeinflusste, wie gleichmäßig sich Blütenmasse und Inhaltsstoffe über die Pflanze verteilten – naheliegend auch für flach trainierte Canopys, aber nicht direkt an SCROG untersucht.
  5. The curious origins of a high-stress training technique mainlining: its molecular, biochemical, and agronomic perspectives for the cultivation of Cannabis sativa Ijoma, Mannie, Nurmahomed, Adriaanse, Tekere – Journal of Cannabis Research 8, 2025Übersichtsarbeit: Cannabis-Trainingstechniken sind wissenschaftlich insgesamt wenig untersucht, viel Praxiswissen stammt aus Foren und Blogs.

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