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Welche Temperatur brauchen Cannabissamen zum Keimen?

Von Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Cannabissamen keimen am schnellsten und zuverlässigsten bei etwa 20 bis 25 °C, gemessen direkt am Samen. Eine Studie mit Nutzhanf ermittelte eine Keimschwelle von rund 3,4 °C und eine Obergrenze von etwa 42,6 °C; am besten keimten die Samen zwischen 19 und 30 °C. Unterhalb des optimalen Bereichs dauert die Keimung deutlich länger und kaltes, nasses Substrat begünstigt Fäulnis. Oberhalb von rund 30 °C wird die Keimung dagegen gehemmt.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Optimaler Bereich
ca. 19–30 °Cpraktischer Richtwert 20–25 °C, gemessen am Samen
Basistemperatur
ca. 3,4 °CStudie mit zwei Nutzhanfsorten; unterhalb keine Keimung
Obergrenze
ca. 42,6 °Coberhalb von ca. 30 °C bereits deutliche Keimhemmung
Messort
Substrat, nicht RaumluftRaumtemperatur sagt wenig über die Temperatur am Samen aus

Der optimale Temperaturbereich

Cannabissamen keimen am schnellsten und zuverlässigsten zwischen etwa 19 und 30 °C, mit einem praktischen Richtwert von 20 bis 25 °C. Diese Angaben stammen aus einer Studie der University of Kentucky, die zwei Nutzhanfsorten bei konstanten Temperaturen von 3 bis 42 °C keimen ließ. Aus den Ergebnissen berechneten die Forschenden drei sogenannte Kardinaltemperaturen: eine Basistemperatur von etwa 3,4 °C, unterhalb der keine Keimung mehr stattfindet, ein Optimum um 29,6 °C, bei dem die Keimung am schnellsten verläuft, und eine Obergrenze von etwa 42,6 °C.

Wichtig ist die Einordnung dieser Zahlen: Sie gelten für zwei Nutzhanfsorten unter Laborbedingungen, nicht zwangsläufig für jede Sorte. Trotzdem zeigen sie ein Grundmuster, das auch in anderen Studien zu Hanfsaatgut wiederkehrt: ein breites Toleranzfenster mit einem Optimum deutlich über Zimmertemperatur, aber mit klaren Grenzen nach oben und unten. Wie sich die Temperatur konkret auf die Keimdauer auswirkt, zeigt der Artikel Keimdauer.

Was bei zu niedrigen Temperaturen passiert

Unterhalb des Optimums gilt: je kühler, desto langsamer. Schon wenige Grad Unterschied wirken sich stark aus, weil sich die Keimzeit mit sinkender Temperatur überproportional verlängert. Kritischer als die reine Verzögerung ist ein zweiter Effekt: Kaltes, feuchtes Substrat begünstigt Krankheitserreger wie Pythium und Rhizoctonia, die vor allem unter etwa 20 °C und bei andauernder Nässe die sogenannte Umfallkrankheit auslösen. Liegt ein Samen dann lange unverändert im kalten Substrat, sieht das von außen wie eine ausbleibende Keimung aus, obwohl in Wahrheit beginnende Fäulnis die Ursache ist.

Was bei zu hohen Temperaturen passiert

Auch zu viel Wärme schadet. In der Kentucky-Studie trat oberhalb von etwa 30 °C eine deutliche Keimhemmung auf: Die Keimrate sank, obwohl theoretisch bis über 40 °C noch Keimung möglich wäre. Praktisch relevant wird das vor allem bei Wärmematten ohne Regelung oder bei direkter Sonneneinstrahlung auf dunkle Anzuchttöpfe, wo die Substrattemperatur schnell über die Lufttemperatur im Raum hinausschießen kann. Ein dauerhaft zu warmes Substrat trocknet zudem schneller aus, was die Keimung zusätzlich gefährdet.

Substrat- statt Raumtemperatur messen

Die Lufttemperatur im Zimmer sagt wenig darüber aus, wie warm es direkt am Samen ist. Ein US-Beratungsdienst für die Anzucht von Sämlingen empfiehlt deshalb ausdrücklich, die Temperatur im Substrat selbst zu messen statt sich auf die Raumtemperatur zu verlassen, etwa mit einem einfachen Einstichthermometer. Wärmematten helfen vor allem in kühlen Räumen oder während der Dunkelphase, sollten aber immer mit einem Thermostat betrieben werden, damit die Substrattemperatur nicht unkontrolliert über den optimalen Bereich steigt.

Nach der Keimung wird die Wärmematte in der Regel nicht mehr gebraucht: Zu viel Bodenwärme ohne passendes Licht begünstigt das Streckungswachstum, wie der Artikel Vergeilen beschreibt. Die standardisierte Keimprüfung für Hanf orientiert sich übrigens am selben Bereich: Sie läuft nach den Regeln der International Seed Testing Association bei 20 bis 30 °C.

Wer Samen vor der Aussaat kurz einweicht, sollte auch dabei auf die Wassertemperatur achten. Sehr kaltes Leitungswasser direkt aus dem Wasserhahn kühlt den Samen ab und verzögert den Start der Imbibition unnötig; handwarmes Wasser im selben Zielbereich von etwa 20 bis 25 °C ist die einfachere Wahl. Wichtiger als die Temperatur des Wassers bleibt aber, dass Samen nicht länger als etwa einen Tag komplett darin liegen, weil ihnen sonst Sauerstoff fehlt.

Typische Fehler bei der Temperaturführung

  • Nach Gefühl statt Messung entscheiden. „Zimmerwarm“ kann am Substrat spürbar kälter oder wärmer sein als gedacht; ein Thermometer schafft Klarheit.

  • Wärmematte ohne Thermostat dauerhaft laufen lassen. Ohne Regelung kann die Substrattemperatur leicht über 30 °C steigen und die Keimung hemmen statt fördern.

  • Kälte und Nässe gleichzeitig in Kauf nehmen. Diese Kombination begünstigt Fäulnis und die Umfallkrankheit stärker als jeder Faktor allein.

  • Ausbleibende Keimung sofort auf schlechte Samen schieben. Oft liegt die Ursache in zu niedriger Substrattemperatur; wie lange Warten noch sinnvoll ist, erklärt der Artikel Nicht keimende Samen.

  • Sortenunabhängige Zahlen als scharfe Grenze verstehen. Die genannten Kardinaltemperaturen stammen aus Studien mit einzelnen Sorten und sind Richtwerte, keine exakte Schwelle für jede Genetik.

  • Nur die Lufttemperatur im Zelt kontrollieren. Gerade an kalten Fensterbänken oder in der Nähe von Außenwänden kann das Substrat spürbar kälter sein als die Luft im Raum – der Unterschied fällt ohne direkte Messung leicht unter den Tisch.

Wie sich diese Temperaturbereiche zu den übrigen Bedingungen der Keimung verhalten, ordnet der Artikel Keimprozess biologisch verstehen ein; einen Überblick über die Kategorie liefert Keimung.

Häufige Fragen

Wie messe ich die richtige Temperatur beim Keimen?

Miss direkt im Substrat, wo der Samen liegt, zum Beispiel mit einem einfachen Einstichthermometer. Die Raumtemperatur allein sagt wenig darüber aus, wie warm es am Samen tatsächlich ist, besonders bei Wärmematten oder Fensterbänken mit Zugluft.

Ist eine Wärmematte notwendig?

In kühlen Räumen hilft sie, den optimalen Bereich zu erreichen, ist aber kein Muss. Wichtig ist ein Thermostat, damit die Substrattemperatur nicht unkontrolliert über etwa 30 °C steigt und die Keimung dadurch gehemmt wird.

Was passiert bei zu kalten Temperaturen?

Die Keimung verlangsamt sich deutlich, und kaltes, feuchtes Substrat begünstigt Krankheitserreger wie Pythium und Rhizoctonia, die die sogenannte Umfallkrankheit auslösen. Das kann von außen wie eine ausbleibende Keimung aussehen, obwohl in Wahrheit Fäulnis die Ursache ist.

Kann zu viel Wärme die Keimung verhindern?

Ja. In einer Studie mit Nutzhanf trat oberhalb von etwa 30 °C eine deutliche Keimhemmung auf, obwohl rechnerisch bis über 40 °C noch Keimung möglich wäre. Ungeregelte Wärmematten oder pralle Sonne auf dunkle Anzuchttöpfe können diesen Bereich schnell erreichen.

Wirkt sich die Temperatur auch auf die Keimdauer aus?

Ja, sehr stark: Schon wenige Grad Unterschied verändern die Zeit bis zur sichtbaren Keimwurzel deutlich. Eine konkrete Zeitabschätzung nach Temperatur liefert der Artikel Keimdauer.

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Aus dem Forum

Quellen

  1. Temperature Limits for Seed Germination in Industrial Hemp (Cannabis sativa L.) Geneve, Janes, Kester, Hildebrand, Davis – Crops 2, 2022Keimversuche bei 3–42 °C: schnellste und höchste Keimung zwischen 19 und 30 °C; berechnete Basis- (3,4 °C), Optimal- (29,6 °C) und Obergrenztemperatur (42,6 °C), oberhalb ca. 30 °C Keimhemmung durch Hitze.
  2. Comparison of methods for germination testing of Cannabis sativa seed Jovičić, Nikolić, Sikora, Tamindžić, Petrović, Ignjatov, Milošević – Ratarstvo i povrtarstvo 56, 2019Standardisierte ISTA-Keimprüfung für Hanf bei 20–30 °C als Referenzbereich für die Testtemperatur.
  3. Damping-off of Ornamental and Vegetable Seedlings Mercure – University of Connecticut, Integrated Pest Management, 2024Kaltes, dauernasses Substrat unter etwa 20 °C begünstigt Pythium und Rhizoctonia als Auslöser der Umfallkrankheit.
  4. Seed Starting 101: Success for Seedlings Washington State University Extension, 2023Empfiehlt, die Substrattemperatur statt der Raumtemperatur zu messen und Wärmematten mit Thermostat zu betreiben.

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