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Gewächshausstandort: Worauf es bei der Standortwahl ankommt

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Ein guter Gewächshausstandort bekommt möglichst den ganzen Tag über direkte Sonne, liegt nicht in einer Mulde, in der sich kalte Luft sammelt, und ist vor kalten Winden geschützt, ohne im toten Windschatten zu stehen. Die Firstausrichtung Ost-West bringt im Winter etwas mehr Licht, Nord-Süd verteilt die Sonne im Sommer gleichmäßiger auf beide Seiten. Ebener, gut entwässernder Boden und kurze Wege zu Wasser- und Stromanschluss runden die Standortwahl ab.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Mindestsonne
möglichst ganztägig, ungehindertjede Verschattung durch Bäume, Zäune oder Gebäude kostet Lichtstunden
Firstausrichtung Ost-West
etwas mehr Licht im WinterhalbjahrRichtwert aus dem Gewächshausbau; für den Sommer meist zweitrangig
Firstausrichtung Nord-Süd
gleichmäßigere Besonnung beider Seiten im Sommer
Windschutzwirkung
blickdichter Zaun ca. 5- bis 15-fache Höhe, durchlässige Hecke bis ca. 20-fache HöheDistanz in Windrichtung, gemessen an der Zaun-/Heckenhöhe
Gefälle vom Gewächshaus weg
leichtes Gefälle statt ebener Senkeverhindert, dass sich Regenwasser am Fuß des Gewächshauses sammelt

Sonneneinstrahlung: der wichtigste Einzelfaktor

Ein Gewächshaus lebt von Licht, deshalb steht Sonneneinstrahlung bei der Standortwahl an erster Stelle. Nach Empfehlungen der Washington State University Extension liegt der beste Standort südlich oder südöstlich von allem, was Schatten werfen könnte – Bäume, Gebäude, Zäune oder auch das eigene Wohnhaus. Die Royal Horticultural Society formuliert es ähnlich: Ideal ist ein Platz, der möglichst den ganzen Tag über ungehinderte Sonne bekommt.

Schatten wird dabei häufig unterschätzt, weil er sich mit den Jahreszeiten stark verschiebt. Ein Baum oder Nachbargebäude, das im Hochsommer kaum stört, kann im Frühjahr und Herbst durch die tiefer stehende Sonne über Stunden Schatten auf das Gewächshaus werfen. Die University of New Hampshire Extension empfiehlt deshalb, den Sonnenverlauf am geplanten Standort über die Saison zu beobachten oder anhand von Sonnenstandsdiagrammen zu prüfen, statt nur den aktuellen Zustand zu bewerten. Wie sich die Sonne im Jahresverlauf über einen Standort bewegt, erklärt allgemeiner der Artikel Sonnenstunden am Standort.

Firstausrichtung: Ost-West oder Nord-Süd

Die Ausrichtung des Firsts – der obersten, waagerechten Kante des Dachs – beeinflusst, wie das verfügbare Licht auf die beiden Dachflächen verteilt wird. Eine Ost-West-Ausrichtung verlängert laut RHS die Lichtverfügbarkeit im Winter leicht, weil die tief stehende Sonne über den Tag hinweg vor allem auf die lange Südseite des Gewächshauses trifft. Eine Nord-Süd-Ausrichtung eignet sich dagegen besonders für die Nutzung im Sommer: Beide Dachseiten bekommen dann über den Tag verteilt vergleichbar viel Sonne, morgens von Osten, nachmittags von Westen.

Für ein privates Gewächshaus, das vor allem in der wärmeren Jahreshälfte genutzt wird, ist der Unterschied selten entscheidend – meist bestimmen ohnehin die Grundstücksform und vorhandene Verschattung, wo überhaupt Platz für welche Ausrichtung ist. Wichtiger als die Himmelsrichtung des Firsts bleibt, dass der Standort insgesamt möglichst frei von Schattenwurf ist.

Windschutz richtig planen

Kalte, anhaltende Winde kühlen ein Gewächshaus stärker aus und erhöhen laut RHS gerade im Frühjahr die Gefahr, dass junge Pflanzen im Wachstum gebremst werden. Ein Windschutz auf der Seite der Hauptwindrichtung – in Mitteleuropa meist West bis Nordwest – kann das abmildern. Wie weit ein solcher Windschutz wirkt, hängt von seiner Durchlässigkeit ab: Nach einer Übersicht der Purdue University Cooperative Extension Service schützt ein blickdichter, fester Zaun etwa im 5- bis 15-Fachen seiner eigenen Höhe in Windrichtung, während eine durchlässigere Barriere wie eine Hecke oder ein Lattenzaun Windschutz bis zum rund 20-Fachen ihrer Höhe bietet und dabei weniger Verwirbelungen erzeugt.

Daraus folgt eine praktische Faustregel: Der Windschutz sollte einen gewissen Abstand zum Gewächshaus haben, statt direkt daran zu stehen. Eine unmittelbar angrenzende, massive Wand lenkt Wind eher in Verwirbelungen um das Gebäude, als ihn großflächig zu bremsen. Wie stark Wind zwischen Gebäuden zusätzlich beschleunigt werden kann, behandelt der Artikel Balkon-Mikroklima am Beispiel von Hauswänden – ein Effekt, der sich sinngemäß auch auf enge Standorte zwischen Zäunen oder Gebäuden übertragen lässt.

Boden, Gefälle und Frostmulden vermeiden

Ein ebener, gut entwässernder Untergrund erleichtert sowohl den Bau als auch den späteren Betrieb. Die Washington State University Extension empfiehlt ein leichtes Gefälle vom Gewächshaus weg, damit Regenwasser vom Dach nicht am Fuß der Konstruktion stehen bleibt und dort Staunässe verursacht.

Senken und Mulden eignen sich dagegen kaum als Standort. In klaren, windstillen Nächten sinkt kalte Luft ab und sammelt sich in tiefer liegenden Bereichen – ein Effekt, der in solchen Frostmulden zu spürbar niedrigeren Nachttemperaturen führt als an leicht erhöhten oder ebenen Standorten in unmittelbarer Nachbarschaft. Für ein Gewächshaus bedeutet das höhere Heizkosten im Winter und ein größeres Frostrisiko im zeitigen Frühjahr und späten Herbst, wenn die Vegetationsperiode eigentlich verlängert werden soll. Gleichzeitig warnt dieselbe Quelle davor, ins andere Extrem zu verfallen: Ein exponierter Standort auf einer Kuppe erhöht die Windlast und damit ebenfalls die Heizkosten.

Nähe zu Wasser- und Stromanschluss

Neben Licht, Wind und Boden zählt auch die praktische Erreichbarkeit. Kurze Wege zum nächsten Wasseranschluss sparen Zeit beim regelmäßigen Gießen, besonders wenn keine automatische Bewässerung geplant ist. Ein Stromanschluss in der Nähe ermöglicht automatische Fensteröffner, Umluftventilatoren oder eine Zusatzheizung – Geräte, die die Standortwahl insgesamt entspannter machen, weil sie Temperaturschwankungen ausgleichen, die ein suboptimaler Standort mit sich bringt.

Fest verlegte Stromleitungen im Außenbereich gehören dabei in Fachhand: Nur für den Außeneinsatz zugelassene, wasserdichte Verlegung schützt vor Kurzschluss und Brandgefahr. Wo genau das Gewächshaus im Garten steht, sollte außerdem nicht direkt von der Straße oder von Nachbargrundstücken einsehbar sein – Hinweise dazu, wie Sichtschutz und Geruch zusammenhängen, gibt der Artikel Nachbarschaft und Geruch.

Typische Fehler bei der Standortwahl

  • Nur den aktuellen Schattenwurf beurteilen. Ein im Sommer sonniger Platz kann im Frühjahr und Herbst durch tief stehende Sonne und kahle, aber hoch gewachsene Bäume deutlich mehr im Schatten liegen.

  • Die tiefste Stelle im Garten wählen. Vermeintlich windgeschützte Senken sind oft Frostmulden, in denen sich kalte Luft sammelt.

  • Windschutz direkt ans Gewächshaus bauen. Eine unmittelbar angrenzende, massive Wand erzeugt Verwirbelungen statt gleichmäßigen Schutz; etwas Abstand wirkt zuverlässiger.

  • Wasser- und Stromanschluss erst nach dem Aufbau bedenken. Nachträglich verlegte Leitungen sind aufwendiger und teurer als von Anfang an eingeplante kurze Wege.

  • Die Firstausrichtung überbewerten. Der Unterschied zwischen Ost-West und Nord-Süd ist meist kleiner als der Effekt von echtem Schattenwurf durch Bäume oder Gebäude in der Nähe.

Wie groß ein Gewächshaus am gewählten Standort sinnvollerweise ausfällt, behandelt der Artikel Gewächshausgröße; wie viel Lüftungsfläche es braucht, der Artikel Belüftungsflächen. Einen Überblick über weitere Standort- und Klimathemen bietet die Kategorie Gewächshaus.

Häufige Fragen

Wie viele Sonnenstunden braucht ein guter Gewächshausstandort?

Je mehr ungehinderte direkte Sonne, desto besser – Gewächshäuser sollten möglichst den ganzen Tag über Sonne bekommen. Schon einzelne Bäume oder Gebäude in der Nähe können über das Jahr gesehen deutlich mehr Schatten werfen, als beim Aufstellen vermutet. Ein Blick auf den Sonnenverlauf zu unterschiedlichen Jahreszeiten lohnt sich vor dem Bau.

Ost-West oder Nord-Süd: Welche Firstausrichtung ist besser?

Das hängt davon ab, wann das Gewächshaus am meisten genutzt wird. Eine Ost-West-Ausrichtung des Firsts verlängert die Lichtverfügbarkeit im Winter etwas, weil die tief stehende Sonne die lange Südseite bescheint. Eine Nord-Süd-Ausrichtung verteilt die Sonne im Sommer gleichmäßiger auf beide Seiten, weil sie morgens von Osten und nachmittags von Westen einfällt.

Warum ist eine Mulde als Standort ungünstig?

In Senken und Mulden sammelt sich in klaren Nächten kalte, schwere Luft, weil sie nach unten abfließt und sich dort staut. Ein Gewächshaus an einer solchen Stelle kühlt nachts stärker aus als eines an einem leicht erhöhten oder ebenen Standort, was die Heizkosten erhöht und das Frostrisiko im Frühjahr und Herbst vergrößert.

Wie nah sollte ein Windschutz am Gewächshaus stehen?

Ein blickdichter Zaun schützt in etwa dem 5- bis 15-Fachen seiner Höhe in Windrichtung, eine durchlässigere Hecke oder ein Lattenzaun bis zum rund 20-Fachen. Zu nah dran erzeugt eine feste Wand dagegen Verwirbelungen statt ruhiger Luft. Der Windschutz gehört auf die Seite der Hauptwindrichtung, meist West bis Nordwest in Mitteleuropa.

Wie wichtig ist die Nähe zu Wasser- und Stromanschluss?

Praktisch sehr wichtig, auch wenn sie die Standortwahl nicht dominieren sollte. Lange Wege zum nächsten Wasseranschluss erschweren das regelmäßige Gießen, und ein fehlender Stromanschluss verhindert automatische Fensteröffner, Ventilatoren oder Heizungen. Bei größerer Entfernung sind fachgerecht verlegte, für den Außenbereich zugelassene Leitungen notwendig – das gehört in Fachhand.

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Quellen

  1. Chapter 26: Greenhouse Construction and Management – The Pacific Northwest Gardener's Handbook: Growing for the Future Washington State University ExtensionDer beste Standort liegt südlich oder südöstlich von allem, was Schatten werfen könnte; flache Topografie und Gefälle weg vom Gewächshaus vermeiden Staunässe; Mulden mit kalter Luft und exponierte Kuppen erhöhen die Heizkosten; kurze Wege zu Wasser- und Stromanschluss.
  2. Greenhouses: choosing Royal Horticultural Society (RHS)Ein Standort mit möglichst ungehinderter Sonne den ganzen Tag ist ideal; eine Ost-West-Ausrichtung verlängert die Lichtverfügbarkeit im Winter leicht, eine Nord-Süd-Ausrichtung eignet sich für gleichmäßige Besonnung im Sommer; Windschutz gegen kalte Winde wird empfohlen.
  3. Wind and Snow Control Around the Farm (NCR-191) Purdue University Cooperative Extension Service, 1988Ein blickdichter Zaun schützt etwa im 5- bis 15-Fachen seiner Höhe in Windrichtung, eine durchlässige Barriere bis etwa zum 20-Fachen ihrer Höhe.
  4. How to site a greenhouse to receive the most sun University of New Hampshire ExtensionEmpfiehlt eine Sonnenverlaufsanalyse vor dem Bau, weil Bäume und Gebäude je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich starken Schatten werfen können.

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