Beschattung im Gewächshaus: Wann und womit du richtig schattierst
Kurz erklärt
Beschattung wird im Gewächshaus vor allem im Hochsommer nötig, wenn Lüftung allein die Temperatur nicht mehr ausreichend senkt. Außen angebrachte Schattiernetze oder -gewebe blockieren Sonnenstrahlung, bevor sie die Hülle erwärmt, und reduzieren die Einstrahlung um etwa 30 bis 50 %. Schattierfarbe auf Kalkbasis wirkt ähnlich, lässt sich aber in der Konzentration variieren und je nach Jahreszeit wieder abwaschen. Der Nachteil ist immer derselbe: weniger Licht bedeutet weniger Photosynthese – Beschattung ist ein Kompromiss, kein Gewinn ohne Gegenleistung.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Strahlungsreduktion durch Schattiernetz
- ca. 30–50 %Richtwert aus dem Gewächshausbau; abhängig vom Material
- Schattierfarbe bei Höchstdosis (0,5 kg/l)
- Lichtdurchlässigkeit sinkt auf ca. 30–33 %Innentemperatur an heißen Tagen bis zu 5,5 °C niedriger gemessen
- Außen liegendes Schattiernetz (30 % Durchlässigkeit)
- Temperaturanstieg bei steigender Einstrahlung etwa halbiertVersuch unter ariden Bedingungen mit Verdunstungskühlung: +4,5 °C ohne, +2 °C mit Schattierung bei gleicher Strahlungszunahme
- Typischer Zeitraum
- meist von Spätfrühling/Frühsommer bis in den frühen Herbstdanach abnehmen, damit die Pflanzen das natürliche Licht wieder voll nutzen
Warum Beschattung im Hochsommer nötig wird
Ein Gewächshaus staut Sonnenwärme hinter seiner lichtdurchlässigen Hülle, weil die aufgeheizte Luft anders als im Freien nicht frei abziehen kann. An klaren Sommertagen reicht deshalb selbst großzügig bemessene Lüftung irgendwann nicht mehr aus, um die Temperatur in einem für die Pflanze verträglichen Bereich zu halten – wie stark, hängt auch von Standort und Größe des Gewächshauses ab, dazu mehr in den Artikeln Gewächshausstandort und Gewächshausgröße. An diesem Punkt setzt Beschattung an: Sie reduziert die Menge an Sonnenstrahlung, die überhaupt ins Gewächshaus gelangt, statt die bereits eingedrungene Wärme wieder abzuführen.
Der richtige Zeitpunkt orientiert sich am tatsächlichen Bedarf, nicht am Kalender: Sobald Lüftung allein regelmäßig nicht mehr reicht, um Hitzespitzen zu vermeiden, lohnt sich Beschattung – meist ab dem späten Frühling oder Frühsommer bis in den frühen Herbst hinein. Wie sich anhaltende Hitze konkret auf Cannabis auswirkt und welche Temperaturen kritisch werden, erklärt der Artikel Sommerhitze im Gewächshaus.
Schattiernetze und -gewebe: außen wirkt besser als innen
Die gebräuchlichste Methode sind Schattiernetze oder -gewebe, die über oder unter der Gewächshaushülle gespannt werden. Nach einer Übersicht der University of Georgia Cooperative Extension reduzieren solche Materialien die einfallende Strahlung um etwa 50 % und damit näherungsweise proportional auch den Temperaturanstieg im Inneren, sofern die Lüftungsrate gleich bleibt. Außen angebrachte, von außen verstellbare Rollschirme lassen sich dabei flexibel an das aktuelle Wetter anpassen.
Die Platzierung macht einen Unterschied: Eine außen liegende Schattierung hält einen Teil der Sonnenstrahlung ab, bevor sie überhaupt auf die Hülle trifft. Eine innen liegende Schattierung reduziert zwar ebenfalls das Licht, das die Pflanzen erreicht, lässt die Hülle selbst aber die volle Strahlung aufnehmen – diese Wärme wird anschließend ins Innere abgegeben, ähnlich wie bei einer Fensterscheibe, die sich trotz Vorhang von innen aufheizt. Eine Untersuchung an einem außen mit einem 30 % durchlässigen Netz beschatteten Gewächshaus unter ariden Klimabedingungen zeigte diesen Effekt deutlich: Bei einer Zunahme der Sonneneinstrahlung um 600 W/m² stieg die Innentemperatur im unbeschatteten Vergleichsgewächshaus um 4,5 °C, im beschatteten dagegen nur um etwa 2 °C. Gleichzeitig blieb auch die Luftfeuchtigkeit deutlich gleichmäßiger, und die Effizienz der eingesetzten Verdunstungskühlung stieg um 12 %.
Schattierfarbe: variable Deckung je nach Jahreszeit
Neben Netzen ist Schattierfarbe auf Kalkbasis eine traditionelle Alternative, die direkt auf die Außenseite der Hülle aufgetragen wird. Ihr Vorteil liegt in der variablen Dosierung: Eine Untersuchung an vier kommerziellen Kalk-Produkten für Gewächshäuser im Mittelmeerraum fand, dass die Lichtdurchlässigkeit mit steigender Konzentration deutlich sank – von etwa 65 bis 74 % bei niedriger Dosierung (0,125 kg/l) bis auf rund 30 bis 33 % bei der höchsten geprüften Dosis (0,5 kg/l). Bei dieser höchsten Konzentration maß die Studie an heißen Tagen eine um bis zu 5,5 °C niedrigere Innentemperatur gegenüber der unbehandelten Hülle.
Diese Flexibilität erlaubt es, die Deckung an die Jahreszeit anzupassen: eine dünnere Schicht im späten Frühjahr, eine kräftigere in der heißesten Sommerzeit. Anders als ein Netz lässt sich Schattierfarbe aber nicht kurzfristig entfernen und wieder auftragen – sie ist für eine Saison gedacht und wird typischerweise erst im frühen Herbst wieder abgewaschen, wenn die Sonneneinstrahlung nachlässt und die Pflanzen das natürliche Licht wieder vollständig nutzen sollen.
Der Kompromiss: weniger Hitze, aber auch weniger Licht
Jede Form der Beschattung reduziert zwangsläufig auch das Licht, das für die Photosynthese zur Verfügung steht – dieser Zielkonflikt lässt sich nicht auflösen, nur austarieren. Nach Einschätzung der University of Georgia Cooperative Extension limitiert weniger Licht potenziell die Wachstumsrate, weshalb Beschattung dort ausdrücklich als notwendiger Kompromiss beschrieben wird, wenn Temperaturen sonst nicht mehr im vertretbaren Rahmen bleiben.
Wird eine Pflanze dagegen dauerhaft zu stark beschattet, drohen Folgen, die über einen reinen Lichtverlust hinausgehen. Pflanzen nehmen anhaltenden Lichtmangel über Lichtrezeptoren wie Phytochrome wahr und reagieren mit Streckungswachstum – einem Mechanismus, der in der Fachliteratur als Schattenvermeidung beschrieben wird und zu dünneren, weicheren Trieben mit größeren Blattabständen führt. Beschattung sollte deshalb so knapp wie möglich und so stark wie nötig ausfallen: gezielt zu den heißesten Tagesstunden und Wochen, nicht als durchgehende Dauerlösung über die ganze Saison.
Typische Fehler bei der Beschattung
Zu früh oder zu spät beschatten. Wer erst reagiert, wenn Hitzeschäden bereits sichtbar sind, hat wertvolle Zeit verloren; wer schon im zeitigen Frühjahr durchgehend schattiert, verschenkt unnötig Licht in einer noch kühlen Phase.
Innen statt außen anbringen, wo eine Wahl besteht. Eine innen liegende Schattierung lässt die Hülle selbst weiter aufheizen und wirkt gegen Hitze schwächer als dieselbe Schattierung außen.
Eine feste Stärke über die ganze Saison nutzen. Sowohl Netze in unterschiedlicher Dichte als auch Schattierfarbe in variabler Konzentration lassen sich an Frühling, Hochsommer und Herbst anpassen, statt einmal fest eingestellt zu werden.
Beschattung mit Lüftung verwechseln. Beschattung verringert die eindringende Strahlung, ersetzt aber keinen Luftaustausch – ohne ausreichende Lüftungsfläche bleibt es trotz Schattierung stickig und feucht.
Dauerhafte Beschattung mit fehlendem Licht gleichsetzen. Wer aus Vorsicht durchgehend stark schattiert, riskiert lang gestreckte, instabile Triebe durch Schattenvermeidung – ähnlich wie bei zu wenig Licht in anderen Wachstumsphasen.
Wie viel Lüftungsfläche ein Gewächshaus unabhängig von der Beschattung braucht, erklärt der Artikel Belüftungsflächen; einen Überblick über weitere Klimathemen bietet die Kategorie Gewächshaus.
Häufige Fragen
Wann sollte ich im Gewächshaus mit dem Beschatten beginnen?
Sobald Lüftung allein an sonnigen Tagen nicht mehr ausreicht, um die Temperatur in einem verträglichen Bereich zu halten – meist ab dem Spätfrühling oder Frühsommer. Warte nicht, bis regelmäßig Hitzespitzen auftreten, denn Schattierfarbe und Netze wirken vorbeugend am besten, bevor die heißesten Wochen beginnen.
Ist ein außen angebrachtes Schattiernetz wirksamer als eines innen?
Ja, das Prinzip spricht dafür: Eine außen liegende Schattierung hält einen Teil der Sonnenstrahlung ab, bevor sie überhaupt auf die Hülle trifft und diese aufheizt. Eine innen angebrachte Schattierung reduziert zwar ebenfalls das Licht auf die Pflanzen, lässt die Hülle selbst aber weiterhin die volle Strahlung absorbieren, die dann als Wärme ins Innere abgegeben wird.
Wie stark sollte ein Schattiernetz oder eine Schattierfarbe abdunkeln?
Das hängt von Klima und Jahreszeit ab. Eine Untersuchung an Kalk-basierter Schattierfarbe zeigte, dass die Lichtdurchlässigkeit mit der aufgetragenen Konzentration von etwa 65–74 % bei niedriger Dosierung bis auf rund 30–33 % bei der höchsten empfohlenen Dosis sank. Wähle die Stärke danach, wie heiß und sonnig dein Standort typischerweise ist, und passe sie im Jahresverlauf an, statt eine feste Stärke durchgehend zu nutzen.
Macht Beschattung die Pflanzen automatisch schwächer?
Weniger Licht bedeutet weniger Photosynthese, das lässt sich nicht umgehen. Bei anhaltender Hitze überwiegt aber meist der Nutzen: Hitzestress bremst Wachstum und Blütenqualität stärker, als es die reduzierte Lichtmenge tun würde. Schattiere deshalb gezielt an den heißesten Tagesstunden und Wochen, nicht durchgehend über die ganze Saison.
Wie entferne ich Schattierfarbe wieder vom Gewächshaus?
Kalk-basierte Schattierfarbe ist bewusst so formuliert, dass sie sich wieder abwaschen lässt, meist mit einem passenden Reiniger kurz vor einem kräftigen Regenschauer oder durch Abspritzen mit Wasser. Entferne die Schicht im frühen Herbst, sobald die Tage kürzer und die Sonneneinstrahlung schwächer werden, damit die Pflanzen das verbleibende natürliche Licht wieder voll nutzen können.
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Quellen
- Greenhouses: Heating, Ventilation, and Cooling Ferrarezi, Worley – University of Georgia Cooperative Extension, Bulletin 792, 2025Schattiergewebe und -farbe reduzieren die Einstrahlung um rund 50 %; außen verstellbare Rollschirme; Beschattung reduziert zugleich das für die Photosynthese verfügbare Licht – ein bewusster Kompromiss bei sonst nicht beherrschbarer Hitze.
- Spatial distribution of air temperature and relative humidity in the greenhouse as affected by external shading in arid climates Ahmed, Tong, Yang, Alfaraj, Abdel-Ghany – Journal of Integrative Agriculture 18(12), 2019Ein außen angebrachtes, 30 % durchlässiges Schattiernetz hielt Temperatur- und Feuchteschwankungen deutlich gleichmäßiger als ein unbeschattetes Gewächshaus und verbesserte die Effizienz der Verdunstungskühlung um 12 %.
- Analysis of the Effect of Concentrations of Four Whitening Products in Cover Transmissivity of Mediterranean Greenhouses López-Martínez et al. – International Journal of Environmental Research and Public Health 16(6), 2019Bei höchster empfohlener Dosis (0,5 kg/l) sank die Lichtdurchlässigkeit auf ca. 30–33 %, bei niedriger Dosis (0,125 kg/l) blieb sie bei ca. 65–74 %; Innentemperatur an heißen Tagen bis zu 5,5 °C niedriger.
- Shade Avoidance Casal – The Arabidopsis Book, 2012Übersichtsarbeit zur Schattenvermeidung: Pflanzen nehmen Lichtmangel über Phytochrome wahr und reagieren mit Streckungswachstum – relevant für das Risiko einer zu starken Beschattung.
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