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Herbst im Gewächshaus: Feuchte, Schimmelrisiko und sinkendes Licht managen

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Im Herbst sinken Lichtmenge und Außentemperatur, während die Luftfeuchte im Gewächshaus durch kühlere Nächte und weniger Verdunstung tendenziell steigt. Diese Kombination aus Feuchte und milden Temperaturen begünstigt Grauschimmel (Botrytis cinerea) gerade in dichten Blütenständen. Gegensteuern lässt sich durch gezieltes Heizen in Kombination mit kurzer Lüftung am Abend und frühen Morgen, ausreichend Luftbewegung im Bestand und rechtzeitige Kontrolle auf erste Anzeichen, bevor sich Schimmel sichtbar ausbreitet.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Kritische Bedingungen für Grauschimmel
Sporenkeimung ab ca. 93 % relativer Luftfeuchte, 8–12 h Feuchtefilm, 13–18 °Callgemeine Gewächshausforschung an Zierpflanzen; Werte für Cannabis können abweichen
Botrytis bei Cannabis unter Gewächshausbedingungen
rasche Entwicklung bereits bei über 70 % relativer Luftfeuchte und 17–24 °Caus einer Untersuchung an Gewächshaus-Cannabis
Entfeuchtungstechnik
kurzes Heizen kombiniert mit Lüften, mehrfach am Abend und frühen MorgenHeizen erhöht die Aufnahmefähigkeit der Luft für Feuchte, Lüften führt sie ab
Zeitfenster mit höchstem Kondensationsrisiko
nach Sonnenuntergang und kurz vor Sonnenaufgangwenn die Lufttemperatur am schnellsten sinkt

Was den Herbst im Gewächshaus besonders macht

Drei Entwicklungen fallen im Herbst zusammen: Die Tage werden kürzer und der Sonnenstand flacher, sodass die verfügbare Lichtmenge spürbar sinkt. Gleichzeitig kühlen die Nächte schneller ab als im Sommer, und die relative Luftfeuchte im Gewächshaus steigt tendenziell an, weil kühlere Luft dieselbe Menge Wasserdampf schlechter halten kann als warme Luft. Für Pflanzen in der späten Blüte trifft diese steigende Feuchte ausgerechnet auf die empfindlichste Phase, in der dichte Blütenstände von innen heraus schwer abzutrocknen sind.

Diese Kombination aus sinkendem Licht und steigender Feuchte unterscheidet den Herbst deutlich vom Frühjahr, wo eher Frost und rasche Überhitzung das Hauptrisiko darstellen. Wer beide Jahreszeiten vergleichen will, findet ergänzend den Artikel zum Frühjahr im Gewächshaus.

Warum Luftfeuchte im Herbst zum Problem für die Blüte wird

Steigende Luftfeuchte ist im Herbst nicht nur unangenehm, sondern verändert die Pflanze messbar. Eine Untersuchung an Cannabis fand, dass dauerhaft sehr hohe relative Luftfeuchte die Blüte verzögert und gleichzeitig den Cannabinoidgehalt deutlich senkt – ein Effekt, der ausgerechnet in den ohnehin feuchteren Herbstwochen zum Tragen kommen kann, wenn nicht gegengesteuert wird.

Noch akuter ist das Risiko für Grauschimmel (Botrytis cinerea). Eine Untersuchung an Gewächshaus-Cannabis beschreibt eine rasche Krankheitsentwicklung bereits bei über 70 % relativer Luftfeuchte und Temperaturen zwischen 17 und 24 °C – Werte, die in feuchten Herbstnächten schnell erreicht sind, besonders in dicht stehenden oder wenig durchlüfteten Blütenständen. Allgemeinere Untersuchungen an Gewächshauskulturen nennen für die Sporenkeimung zusätzlich eine notwendige Feuchtigkeitsdauer von 8 bis 12 Stunden bei mindestens 93 % relativer Luftfeuchte, was zeigt, wie stark die tatsächliche Befeuchtungsdauer über Nacht die Ansteckungsgefahr beeinflusst.

Feuchte gezielt senken: Heizen und Lüften kombinieren

Reines Lüften kühlt im Herbst schnell zusätzlich ab, reines Heizen ohne Luftaustausch verändert die absolute Feuchtemenge im Gewächshaus kaum. Wirksam ist deshalb die Kombination: kurz heizen, um die Aufnahmefähigkeit der Luft für Wasserdampf zu erhöhen, und parallel oder kurz danach lüften, um die feuchte Luft tatsächlich nach außen abzuführen. Eine gängige Empfehlung aus der Gewächshausberatung ist, diesen Heizen-und-Lüften-Zyklus mehrfach pro Stunde am Abend nach Sonnenuntergang und früh am Morgen durchzuführen – genau in den Zeitfenstern, in denen die Temperatur am schnellsten fällt und Kondensation am wahrscheinlichsten ist.

Zusätzlich hilft Luftbewegung im Bestand: Ventilatoren verhindern stehende, feuchte Luftschichten zwischen dichtem Blattwerk und helfen, Kondenswasser auf Blättern und Blüten schneller abtrocknen zu lassen. Ausreichender Pflanzenabstand unterstützt diesen Effekt zusätzlich, weil die Luft dann leichter zirkulieren kann, statt sich in dichten Beständen zu stauen.

Auch die Gießroutine verdient im Herbst einen zweiten Blick: Bei sinkender Verdunstung braucht das Substrat spürbar länger zum Abtrocknen als im Sommer, sodass unverändert häufiges Gießen schnell zu dauerhaft nassem Substrat und zusätzlicher Luftfeuchte führt. Wer die Gießintervalle an die langsamere Abtrocknung anpasst und möglichst am Morgen statt am Abend gießt, vermeidet, dass Blätter und Substratoberfläche über Nacht unnötig lange feucht bleiben.

Das Gewächshaus auf den Winter vorbereiten

Der Herbst ist der richtige Zeitpunkt, um die Anlage für die ruhigere, aber wetterintensivere kalte Jahreszeit vorzubereiten. Dazu gehört eine Kontrolle der Dichtungen an Fenstern und Türen, damit weder unnötig Wärme entweicht noch Feuchtigkeit unkontrolliert eindringt, sowie ein Check der Verankerung gegen Herbst- und Winterstürme. Automatische Fensteröffner sollten vor der Sturmsaison auf Funktion geprüft werden, damit sie auch bei starkem Wind zuverlässig schließen.

Eine gründliche Reinigung nach der letzten Ernte reduziert außerdem die Menge an Sporen und Schädlingseiern, die sonst über den Winter im leerstehenden Gewächshaus überdauern und im nächsten Frühjahr wieder aktiv werden. Mehr dazu liefert der Artikel zur Hygiene im Gewächshaus.

Typische Fehler im Herbst

  • Nur auf die Lufttemperatur schauen, nicht auf die Feuchte. Eine moderate Temperatur kann trotzdem mit kritisch hoher Luftfeuchte einhergehen, gerade nachts.

  • Erst lüften, wenn Kondenswasser sichtbar ist. Zu diesem Zeitpunkt war die Luft bereits über längere Zeit im kritischen Bereich für Schimmelbildung.

  • Dichte Bestände unbeschnitten stehen lassen. Wenig Luftbewegung zwischen den Blüten verlängert die Abtrocknungszeit nach jeder feuchten Nacht erheblich.

  • Heizen und Lüften getrennt statt kombiniert einsetzen. Nur eine der beiden Maßnahmen senkt die absolute Feuchtemenge im Gewächshaus kaum wirksam.

  • Die Wintervorbereitung auf den ersten Kälteeinbruch verschieben. Undichte Fenster oder eine lockere Verankerung fallen dann oft erst während eines Sturms unangenehm auf.

Wie sich die Temperatur zwischen Tag und Nacht in dieser Übergangszeit gezielt steuern lässt, erklärt der Artikel zur Nachtabsenkung. Einen Vergleich zur entgegengesetzten Jahreszeit bietet Sommerhitze im Gewächshaus.

Häufige Fragen

Warum steigt die Luftfeuchte im Gewächshaus im Herbst besonders an?

Wenn die Lufttemperatur am Abend sinkt, kann die Luft weniger Wasserdampf halten als tagsüber. Die gleiche Menge an Feuchtigkeit, die tagsüber unauffällig war, reicht abends aus, um den Taupunkt zu erreichen und an kühlen Oberflächen wie der Gewächshaushülle oder den Blättern zu kondensieren.

Wie unterscheide ich frühen Botrytis-Befall von harmlosen Blattflecken?

Botrytis zeigt sich typischerweise als graue, staubig wirkende Sporenschicht auf welkendem oder verletztem Gewebe, oft beginnend an abgestorbenen Blütenblättern oder Blattachseln. Einzelne trockene, scharf begrenzte Flecken ohne diesen grauen Belag sprechen eher für andere Ursachen wie Nährstoff- oder Lichtstress.

Hilft mehr Heizen allein gegen die Herbstfeuchte?

Nicht allein, aber in Kombination mit Lüften. Reines Heizen ohne Luftaustausch erhöht zwar kurzzeitig die Aufnahmefähigkeit der Luft für Wasserdampf, die Feuchtigkeit bleibt aber im Gewächshaus, bis sie durch Lüften nach außen abgeführt wird.

Muss ich das Gewächshaus im Herbst schon auf den Winter vorbereiten?

Es lohnt sich, frühzeitig zu prüfen, ob Dichtungen, Fensteröffner und die Verankerung der Konstruktion Herbststürmen standhalten, statt bis zum ersten Sturmtief zu warten. Auch eine gründliche Reinigung vor der ruhigeren Winterzeit reduziert die Erregerlast für die nächste Saison.

Wirkt sich das sinkende Licht im Herbst direkt auf die Blüte aus?

Die kürzeren Tage und der flachere Sonnenstand verringern die tägliche Lichtmenge, was bei photoperiodischen Sorten im Freiland und ungeheizten Gewächshaus ohnehin die Blüte einleitet oder fortsetzt. Reicht die natürliche Lichtmenge am Ende der Saison nicht mehr für eine vollständige Reife, wird sie zum limitierenden Faktor für die letzten Reifewochen.

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Quellen

  1. Botrytis blight on Greenhouse Crops Pundt – UConn Extension, Integrated Pest Management Program, 2019Bedingungen für Sporenkeimung (Feuchtefilm, relative Luftfeuchte, Temperatur) sowie Heizen-und-Lüften als Entfeuchtungstechnik mit konkreter Taktung.
  2. Investigation of bud rot development, caused by Botrytis cinerea, on cannabis (Cannabis sativa L.) plants grown under greenhouse conditions Mahmoud, BenRejeb, Punja, Buirs, Jabaji – Botany 101, 2023Grauschimmel entwickelt sich unter Gewächshausbedingungen bei Cannabis rasch bei über 70 % relativer Luftfeuchte und 17–24 °C.
  3. Elevated relative humidity significantly decreases cannabinoid concentrations while delaying flowering development in Cannabis sativa L. Corredor-Perilla, Kwon, Park – Frontiers in Plant Science 16, 2025Dauerhaft hohe Luftfeuchte verzögerte die Blüte und senkte den Cannabinoidgehalt – relevant für die typischerweise feuchtere Herbstluft im Gewächshaus.

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